Ein kurzweiliger Ausflug in die Welt der Polygamie

1. Oktober 2010, 11:48
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Wer schon immer wissen wollte, wie sich ein Mann fühlt, der zwei, drei oder gar vier Frauen hat, kann sich jetzt bei einer Tour hautnah informieren

Kein Kaffee, kein Tabak und natürlich kein Alkohol, von Drogen gar nicht zu reden, dazu gesunde Ernährung und Keuschheit, eine saubere Sprache, anständige Kleidung, Enthaltsamkeit vor der Ehe und der Verzicht auf Pornografie: Für die Mitglieder der "Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage" (LDS), auch bekannt unter dem Namen "Mormonen", gehören sie zu den grundsätzlichsten Verhaltensregeln ihrer Glaubensgemeinschaft, die immerhin die viertgrößte der USA ist. Für andere mögen diese Regeln unnötig und wenig sinnhaft sein.

Einige kleine Splittergruppen in den USA gehen noch einen Schritt weiter und praktizieren nach wir vor die Polygamie, die in der LDS seit 1890 verboten ist und auch nicht mehr praktiziert wird. "Wir haben sehr genaue Regeln was Partnerschaft und Familie betrifft und Treue ist eine der grundsätzlichen Voraussetzungen für eine intakte Ehe", erklärt Elisabeth Pietsch von LDS. Polygamie wird bei LDS seit über einem Jahrhundert nicht mehr praktiziert und auch nicht toleriert.

Offene Fragen beantworten

Die Tatsache, dass bei diesen religiösen Splittergruppen in den USA Männer mehrere Frauen haben können, lockt Touristen an, die sich für genau dafür zu interessieren scheinen. Dieses etwas voyeuristische Interesse an anderen Lebenskonzepten macht sich ein amerikanischer Tourveranstalter zu Nutze und bietet seit kurzem "The Polygamy Experience: A Guided Tour of Colorado City" an. Ziel dieser Fahrt in die unbekannten Tiefen religiöser Lebensgemeinschaften ist es, Fragen zu beantworten: Warum tragen die so seltsame Kleider und diese langen Zöpfe? Wieso tragen die Frauen kein Makeup? Und natürlich: wieso dürfen die Männer mehr als eine Frau haben? Seit 75 Jahren existiert die Gemeinschaft in Hildae und gilt als eine der ältesten und isoliertesten polygamen Kolonien der Vereinigten Staaten.

Leben und lieben in Utah

Ob die Ausflüge in ihre Dörfer den Einwohnern so viel Spaß machen wie den Tourteilnehmern sei dahin gestellt. Die Webpage von Identity Tours ist - zur Zeit - nicht erreichbar. Die Tour im Autobus dauert rund vier Stunden und wird von Guides geleitet, die höchstpersönlich in der Gemeinschaft "gelebt und geliebt" haben. Für rund 70 US-Dollar (etwa 50 Euro) ist man mitten drin in der seltsam anmutenden Welt. "Wir bemerken, dass es langsam zu etwas mehr Offenheit nach außen kommt", zitiert die Toronto Sun den Tourguide Richard Holm.

Ein Mann, drei Frauen, dreizehn Kinder

Offensichtlich herrscht erhöhtes Interesse an der polygamen Lebensweise in den USA. Der amerikanisch Fernsehsender TLC (Discovery Channel) zeigte am 26. September die erste von sieben Folgen der Reality-Soap "Sister Wives". Sie zeigt Kody Brown, seine drei Ehefrauen und die insgesamt 13 Kinder dabei, wie sie versuchen ein "normales" Leben in einer Gesellschaft zu führen, die ihren Lebensstil ablehnt. Prompt schaltete sich nach der ersten Ausstrahlung die amerikanische Polizei ein und begann mit Untersuchungen wegen Verdachts der Bigamie, die in den USA verboten ist.

Verständnis für andere Lebensweisen

Bei Identity Tours hofft man, das Verständnis für diese Lebensweise zu erhöhen und Missverständnisse aufzuklären. Außerdem will man den Teilnehmern zeigen, dass Polygamisten nette Menschen sind. (ham/derStandard.at/01.10.2010)

  • Das waren noch Zeiten, als sich John F. Smith im späten 19. Jahrhundert mit seinen Frauen und Kindern ablichten ließ.
    foto: wikipedia.org

    Das waren noch Zeiten, als sich John F. Smith im späten 19. Jahrhundert mit seinen Frauen und Kindern ablichten ließ.

  • Die Mitglieder der LDS-Kirche leben nach strengen Regeln, Polygamie passt da nicht hinein. Das bleibt Splittergruppen in den USA vorbehalten.
    foto: wikipedia.org

    Die Mitglieder der LDS-Kirche leben nach strengen Regeln, Polygamie passt da nicht hinein. Das bleibt Splittergruppen in den USA vorbehalten.

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