Bischof Erwin Kräutler erhält Alternativen Nobelpreis

30. September 2010, 22:56
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    foto: apa/epa/techt

    Dom Erwin, Prälat von Xingu

  • Beitrag zum 70. Geburtstag Dom Erwins im Jahr 2009.

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    Erwin Kräutler mit Präsident Lula

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    foto: reuters/moraes

    Erwin Kräutler am Rio Xingu in Altamira. Am Xingu ist das Megastaudammprojekt "Belo Monte" geplant.

  • Interview mit Bischof Kräutler bei der Veranstaltung "Xingu Vivo Para Sempre" gegen die geplanten Staudammprojekte in Altamira im Jahr 2008 (auf portugiesisch).

Österreicher für Einsatz für die Rechte der indigenen Völker ausgezeichnet - Auch nigerianischer Umweltschützer Nnimmo Bassey, die Selbsthilfegruppe "Sappros Nepal" und die Organisation "Mediziner für Menschenrechte-Israel" ausgezeichnet

Stockholm/Wien - Der in Österreich geborene und seit Jahrzehnten in Brasilien tätige Bischof Erwin Kräutler ist einer der vier Preisträger des Alternativen Nobelpreises 2010. Wie die "Right Livelihood Award Foundation" am Donnerstag bekanntgab, werde der Bischof der brasilianischen Diözese Xingu für seinen lebenslangen Einsatz für die Rechte der indigenen Völker und für sein unermüdliches Engagement geehrt, "den Urwald des Amazonas vor der Zerstörung zu bewahren".

Trotz Morddrohungen und einem Anschlagsversuch in den 1980-er Jahren setze sich der am 12. Juli 1939 in Koblach in Vorarlberg geborene Kräutler unbeirrt für die Indios und die Umwelt im Amazonas-Gebiet ein. Die als "Alternative Nobelpreise" bezeichneten Right Livelihood Awards wurden 1980 von Jakob von Uexküll gegründet. Die diesjährige Preisverleihung findet am 6. Dezember im Schwedischen Reichstag statt.

"Große Freude"

Kräutler hat nach eigenen Angaben per Email von der Verleihung des Alternativen Nobelpreises 2010 an ihn erfahren. Wie Kräutler Donnerstagabend telefonisch gegenüber der ZiB 2 weiter sagte, empfinde er "große Freude", für seinen "jahrzehntelangen Einsatz für indigene Völker und deren Mitwelt" Anerkennung gefunden zu haben. "Das stärkt mir den Rücken und zeigt, dass ich nicht allein auf weiter Flur stehe", meinte Kräutler.

Drei weitere Preisträger

Bischof Erwin Kräutler teilt sich den Alternativen Nobelpreis 2010 und damit auch die Preissumme in Höhe von 200.000 Euro mit drei weiteren Preisträgern.

Der nigerianische Umweltschützer Nnimmo Bassey wird ausgezeichnet, weil er - so das Auswahlkomitee - "die ökologischen und menschlichen Kosten der Ölförderung aufzeigt und mit seinem Einsatz Umweltbewegungen in Nigeria und der ganzen Welt stärkt".

Die Selbsthilfeorganisation Sappros Nepal und ihr Vorsitzender Shrikrishna Upadhyay wird ausgezeichnet, "weil sie selbst im Angesicht der Bedrohung durch politische Gewalt und Instabilität der Welt zeigen, wie die Mobilisierung von Dorfgemeinschaften Armut überwinden kann".

Die Organisation "Physicians for Human Rights-Israel" (Mediziner für Menschenrechte-Israel) wird geehrt "für ihren unbezähmbaren Geist, mit dem sie für das Recht auf Gesundheit für alle Menschen in Israel und Palästina einstehen".

Kräutler dritter Österreicher, der Preis erhält

Bisher hatten zwei Österreicher den Alternativen Nobelpreis erhalten: 1983 der Ökonom Leopold Kohr und 1986 der Zukunftsforscher Robert Jungk. Beide sind mittlerweile verstorben. (APA)

Kommentar posten
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Kelborn
00
25.10.2010, 10:15

By the way empfehle ich sein neues Buch (http://amzn.to/9Sec3b), das seine extrem schwere Arbeit darstellt. Die Leistung ist unglaublich, der Preis mehr als gerechtfertigt!

agarthianer
00
2.10.2010, 11:35

? no comment ? von Papa Razzi ?
http://derstandard.at/plink/128... id18325784
Kräutler ausgeladen - Ratzinger eingeladen :
http://www.zeit.de/1992/43/D... Aufruehrer

Karl Labruni
00
1.10.2010, 16:43
Sojemanden nenne ich "Leistungsträger", Herr Finanzminister!

Nicht die in gemachte Betten gefallenen Blutsauger der Nation.

stormy andy
 
01
1.10.2010, 12:40
ein wunderbarer mensch

ihm würde nicht nur der "alternative" nobelpreis, sondern auch der friedensnobelpreis gebühren!

Drew R. Man
01
1.10.2010, 13:27
...der genießt in letzter zeit allerdings keinen besonders guten ruf.

insofern ist es wohl besser, wenn dom erwin davon verschont bleibt.

Raphael1968
03
1.10.2010, 12:39
Während in Brasilien

die dortigen Reichen und Mächtigen den Kräutler gerne killen würden, haben die Vertreter der hiesigen R&Ms nichts bessereres zu tun, als folgendes:
November 2009: "Lochschmidt hatte Erwin Kräutler, den Bischof von Xingu, am Wochenende scharf kritisiert. Kräutler sei ein "staatlich geehrter Talarträger, der gegen Industrieprojekte wettert und Indianern hilft, sich fernsehgerecht in Szene zu setzen". Gemeint hat Lochschmidt damit Kräutlers Kritik an einem riesigen Wasserkraftwerk, das in seiner Diözese geplant ist. "

Lochschmidt= WKO-Mann in Brasilien, die WKO eine VP-dominierte Organisation der R&Ms hierzulande...

Soviel zur christlichen Nächstenliebe der schwarzen Reichshälfte, dank an das gesamte VP-Elektorat!

pumuckl
04
1.10.2010, 09:07

Das Ö1 Interview heute morgen hat mir einmal mehr gezeigt, was für eine starke Persönlichkeit Kräutler ist. Ein großartiger Mensch, der sich von niemandem einschüchtern lässt.
Was mich schon wundert, ist dass diese Meldung im Online-Standard keinen prominenteren Platz bekommt.

Widerstandskämpfer
 
00
1.10.2010, 21:24
Das wundert mich nicht!

europa.eu
34
1.10.2010, 06:06

Wo sind denn all die Theologenfresser plötzlich hingekommen...?

Christian Eder
07
1.10.2010, 01:04
Großartig!

Dom Erwin Kräutler ist eine Lichtgestalt und ein triftiger Grund, warum ich trotz allem noch immer der katholischen Kirche angehöre. Ich kann mich gut erinnern, dass er vor fast zwei Jahrzehnten einen Vortrag in Amstetten gehalten hat. Der seltsame Herr Engelmann (der 13.) war anwesend und hat im Stil eines Stasi- Agenten alles gefilmt, wobei er sich der Lächerlichkeit preisgegeben hat- köstlich! Gratulation, Dom Erwin!

caziquelambare
 
15
1.10.2010, 01:46
und ich bin nicht mehr

in der katholischen kirche, weil sie seit jahrzehnten gleich ihm engagierte priester und bischöfe als "befreiungstheologen" und kommunisten diffamiert und ausgeschlossen hat!! jetzt schweigt der vatikan, weil er sich nicht noch einmal so blamieren will wie bei galileo und giordano bruno!

Naphtali
10
1.10.2010, 09:14

Welche Bischöfe wurden "ausgeschlossen"?

Wurde Kräutler auch "ausgeschlossen"?

BogumirOrjoltschaschtsch
 
60
30.9.2010, 23:42
Und noch eines:

Brasilien hat 191 Millionen Einwohner; Vom Kraftwerk werden 11 Prozent ihren Strombedarf decken. Das sind rund 21 Millionen Menschen. 20.000 sind betroffen (n0,01 Prozent der Bevölkerung ), die so garantiert es Lula da Silva, entschädigt werden. Das nur zu den Größenordnungen.

Karl Labruni
02
1.10.2010, 16:51
Wie werden die Indigenen entschädigt? Mit Geld?

Kapitalisten sollen ihren Markt respektieren. Wenn jemand etwas nicht verkaufen will, soll mans auch nicht kaufen können.

Schlom Wurzel
02
1.10.2010, 09:27

Garantiert? Diese Art von Garantien kennen die Menschen schon

BogumirOrjoltschaschtsch
 
61
30.9.2010, 23:04
Dasist wohl eine rein po0litische Entscheidung, wasauch an den Kollegen Nobelpreisträger überdeutlich ersichtlich ist!!

Der Bischof möchte das Kraftwerk und die Talsperre Belo Monte verhindern, das 11 % des Strombedarfes Brasiliens klimafreundlich und CO2 sparend produzieren wird. Die 20 Francisturbinen werden aus Europa geliefert. Das Projekt wurde seit Beginn der Planung vor fast 30 Jahren verkleinert und belastet die Umwelt kaum. Es passt aber dem Herrn Bischof nicht, der solcherart instrumentalisiert wird. Wahrlich keine Freude für Rom.

Austrian Atheist
12
1.10.2010, 09:44

ad CO2:
Durch die Überstauung von Vegetation (Gang und Gebe in tropischen Stauseen) entsteht durch biolog. Abbauprozesse Methan. Methan ist in etwa 25mal aggressiver als CO2.
Zur weiteren Fortbildung: Balbina Stausee, daran erkennen Sie das techn. Know-How der Brasilianer beim Staudammbau.
Viel Ahnung vom Thema scheinen Sie nicht zu haben....

ad Bischof: Mit so einem Menschen kann auch ich als "Ungläubiger" sehr viel anfangen - weltoffen und engagiert. Meine herzliche Gratulation!

BogumirOrjoltschaschtsch
 
40
1.10.2010, 17:21
Die Überstauung ist einmalig und stört nicht messbar

durch Methan. Auch nicht in den Tropen. Der Fischereiertag ist eklatant gestiegen, auch kein Nachteil.
Balbina ist ein sehr gut gelungenes Projekt und passt sehr gut in die Landschaft.
Als Bischof ist die Aufgabe in erster Linie die Betreuung der Diözese, die Mission, und alles andere danach. Das gilt auch für Herrn Kräutler, der lediglich politisch instrumentalisiert wird. Wie auch seine Kollegen, die ebenfalls den "alternativen" Preis bekommen haben. Eine Art von humoristischem Beitrag wie die Homöopathie in der Medizin. Eben "alternativ"!

baroli
01
1.10.2010, 18:18

Sagens einmal, sind sie dort beschäftigt, oder wozu engagieren sie sich dermaßen ?
Dies ist ein Artikel über eine Preisverleihung an einen Mann, den man quer durch alle Parteien und Weltanschauungen respektiert.
Gerade ein Bischof hat sehr wohl das Recht, Unrecht anzuprangern, sich einzumischen, den Ärmsten und Eingeschüchterten beizustehen.
Schön wärs, wenn das überall auf der Welt so wäre.
Dabei riskiert er täglich sein Leben und sie quatschen da unqualifiziert herum.

Grisu der kleine Drache
01
1.10.2010, 13:39
Balbina hab ich gar nicht gekannt - wie es scheint kein Meisterwerk.

Ich würde das aber nicht mit Belo Monte in einen Topf werfen:

Balbina:
Staufläche 2360km² / Nennleistung 250MW
Belo Monte:
Staufläche 500km² / Nennleistung 11.000MW

Wir haben also fast 80% weniger überflutete Fläche und trotzdem 44mal mehr Leistung.

Und noch ein Vergleich: Wenn du die Energie, die Belo Monte liefern wird, mittels Solarzellen gewinnen willst, musst du eine ähnlich große Fläche zupflastern. Ein See ist mir da doch deutlich lieber.

X Y
25
1.10.2010, 01:11
Komplett umweltzerstörend sind solche Megaprojekte, immer und jederzeit.

Reden´s keinen solchen Unsinn. Es stimmt einfach nicht, was Sie da sagen.
Das CO2 wird dann immer von den Umweltfeinden als Ausrede verwendet. Aber direkte Zerstörung ist mindestens genauso schädlich; ich würde sagen, noch mehr.
Die Indigenen haben ein Recht auf ihr Land und ihre Lebensweise. "Entschädigen" kann man die nicht so einfach.
Gegen das Argument mit dem elektrischen Strom kann man kaum argumentieren. Natürlich braucht Brasilien Strom. Die Frage ist wie. Es ist auch möglich, dass nach langem Überlegen und Einbeziehung aller der Bau einfach als das kleinere Übel für Brasilien angesehen wird. Aber so läuft das ja niemals. Die Meinung der Indigenen ist irrelevant. Sagen sie ja, passt´s, sagen´s nein, ist es auch wurscht.

BogumirOrjoltschaschtsch
 
20
1.10.2010, 17:11
Haben tatsächlich 0,01 Prozent der Bevölkerung ein Recht 99,99 zu blockieren!?

Das ist doch nicht ihr Ernst. das ist allenfalls totalitär!

Grisu der kleine Drache
01
1.10.2010, 13:15
Die Gleichung "groß=schlecht" ist schlicht und ergreifend völliger Unsinn.

Entscheidend ist das Verhältnis von Nutzen (in diesem Fall produzierte kWh) zu Kosten (Umsiedlungen, Umwelt, Geld).

Und dieses Verhältnis ist bei Belo Monte recht gut:

- 1€/installiertem Watt ist sehr attraktiv

- 2 Personen, die umziehen müssen, je Megawatt (auch für den Braunkohlestrom in Deutschland werden ähnlich viele Menschen umgesiedelt, beim Dreischluchtendamm sind es etwa 100mal so viele)

- 22 Watt je m² Staufläche: Solarzellen kommen auf 100W/m², aber viel weniger Vollaststunden im Jahr, um die gleiche Menge Energie mit Solarzellen zu gewinnen, müsste deshalb in etwa dieselbe Fläche zugepflastert werden. Da erscheint mir ein See doch ökologischer.

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