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Der zukünftiger Premier der Niederlande vergaß seine sonst so nüchterne Zurückhaltung. Er kicherte und grinste. "Nach diesem Regierungsprogramm werden sich viele Niederländer die Finger abschlecken!", kündigte Mark Rutte an, als er der Nation freudestrahlend mitteilen konnte, die Koalitionsverhandlungen seien abgeschlossen.
Mehr als 100 Tage hat er gebraucht, um geeignete Koalitionspartner für seine rechtsliberale VVD zu finden, die die Wahlen Anfang Juni gewonnen hatte. Der 43-Jährige umschiffte dabei umsichtig einige Klippen, versuchte es erst über rechts, dann links und die Mitte, schließlich klappte es im zweiten Anlauf über rechts. Rutte ist populär: Auf einer Beliebtheitsskala von null bis zehn liegt er Meinungsforschern zufolge inzwischen bei 6,5.
Dabei galt der Unternehmersohn aus Den Haag, der zehn Jahre lang bei dem Lebensmittelkonzern Unilever arbeitete, bis vor kurzem noch als abgeschrieben. Parteigenossen zufolge war er ein Softie, der sich viel zu viel gefallen ließ, bevor er endlich durchgriff. Auch für eine zu große Nachgiebigkeit in Ausländerfragen war er kritisiert worden. Er war der brave Junge von nebenan, der ideale Schwiegersohn: nett, adrett und gebildet.
Doch rechtzeitig zum Wahlkampf hat er Stellung bezogen, seitdem gibt sich Rutte viel tatkräftiger und härter. Bester Beweis: das rigorose Sparprogramm, mit drastischen Einschnitten ins soziale Netz, ebenso neue verschärfte Immigrations- und Integrationsgesetze, mit denen er den Rechtspopulisten von Geert Wilders' PVV den Wind aus den Segeln nehmen will.
"Wir werden die wirklichen Probleme lösen", verspricht Rutte selbstsicher. "Wir werden die Niederländer stärker aus der Krise hervorgehen lassen. Wir werden dafür sorgen, dass nicht nur Absprachen gemacht, sondern dass sie auch eingehalten werden!"
Was davon realisiert wird, bleibt abzuwarten. Aber viele Niederländer sind schon jetzt überzeugt davon, dass Rutte als erster liberaler Premier seit 1918 eine gute Figur machen wird - dank seines selbstbewussten Auftretens und seiner Englischkenntnisse auch neben US-Präsident Obama. Und vielleicht schon bald neben dem zukünftigen König der Niederlande, William Alexander, der seine Mutter wohl bald ablösen wird und der genauso alt ist wie der zukünftige Ministerpräsident. Wobei Letzterem immer noch eine Maxima an seiner Seite fehlt. Aber, so Rutte, dafür fehle ihm einfach die Zeit. (Kerstin Schweighöfer/DER STANDARD, Printausgabe, 30.9.2010)
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