Langsam beginnt das Sägen an Sesseln

29. September 2010, 17:48

Um die haarige politische Situation nach der steirischen Landtagswahl zu entkrampfen, kommt jetzt die Bildung einer Dreierkoaliton aus SPÖ, ÖVP und FPÖ ins Gespräch - In der ÖVP könnte bald ein Personalumbau beginnen

Graz/Wien - Keine rot-blaue Koalition, auch kein rot-schwarzer Pakt, sondern eine Vereinbarung über eine Drei-Parteien-Regierung aus SPÖ, ÖVP und FPÖ: Mit dieser Maximalvariante möchte der steirische Präsident der Wirtschaftskammer, Ulfried Hainzl, die politische Situation nach den Landtagswahlen entkrampfen.

Da es "derart enorme budgetäre Probleme" im Land gebe, sollten alle drei Parteien möglichst rasch ein Regierungsübereinkommen unterzeichnen, "in dem die zentralen Reformpunkte wie die Budgetsanierung, Gesundheit, Soziales und vor allem auch die Verwaltung außer Streit gestellt werden", sagte Hainzl am Mittwoch im Gespräch mit dem Standard.

Die notwendigen Veränderungen im Land seien so tiefgreifend, dass sie "nur von einer breit aufgestellten Regierung gelöst werden können", argumentierte Hainzl. Die auch ins Spiel gebrachte rot-blaue Zusammenarbeit - für die auch der burgenländische SP-Landeshauptmann Hans Niessl "Verständnis" zeigt - sei zwar denkbar, für die Abarbeitung der anstehenden Probleme aber weniger geeignet, da sie instabil und "zu große Sprengkraft" in sich berge, sagte Hainzl.

Personalrochaden

Es seien SPÖ und ÖVP überdies "gut beraten, wenn sie schauen, welche personellen Veränderungen möglich sind". In der SPÖ werde durch das Wahlergebnis ohnehin ein Regierungssitz zur FPÖ wandern, und auch in der ÖVP werde "da und dort schon von Veränderungen gesprochen". Er gehe davon aus, dass sich auch im Spitzenteam der ÖVP "etwas ändern wird". Hainzl: "Hermann Schützenhöfer hat uns gesagt, dass er uns ein zukunftsfähiges Team vorstellen wird. Darüber werden wir dann diskutieren." Einer der immer wieder als ÖVP-"Austauschkandidat" gehandelt wird, ist Agrarlandesrat Johann Seitinger. Deshalb, weil Bauernbundchef Fritz Grillitsch seit langem nachgesagt wird, er wolle zurück in die Steiermark: "Stimmt alles nicht", sagte Seitinger zum Standard, "der Bauernbund steht hinter mir". Und auch Schützenhöfer habe im Wahlkampf öffentlich unterstrichen, dass er im künftigen Team sein werde. Aber: "Ich fürchte mich nicht, ich bin nicht abhängig von der Politik."

Immer wieder als "ministrabel" für die künftige Regierung wird der derzeitige Klubobmann Christopher Drexler gehandelt, der in den letzten Jahren als vehementer Kritiker des SPÖ-Landeshauptmanns Franz Voves von sich reden machte.

Obzwar sich die Parteispitze der ÖVP für eine neue Zusammenarbeit mit der SPÖ demonstrativ offen zeigt, ist die Parteibasis noch nicht so recht überzeugt. Landtagsabgeordneter Karl Lackner sagte im Standard-Gespräch, die Stimmung gehe eher in die Richtung, dass die Partei "nicht mit aller Gewalt" wieder in eine Koalition mit der SPÖ gehen solle. Denn die ÖVP könne durchaus gelassener reagieren, weil eine "rot-blaue Koalition ohnehin nicht funktionieren wird". Dieser Meinung ist auch Landesrat Seitinger: "Diese Koalition wäre wie ein Kelomat. Sie würde innerhalb weniger Monate platzen."

Korrektur der Briefwahl

Die Auszählung der Briefwahl-karten brachte zwar keine Änderung des Ergebnisses, aber eine grundsätzliche Debatte um diese Wahlmöglichkeit. Sowohl Kanzler Werner Faymann (SPÖ) als auch Vizekanzler Josef Pröll (ÖVP) sehen die Notwendigkeit von Adaptierungen. Die Briefwahl ist seit ihrer Einführung 2007 umstritten, weil sie die Stimmabgabe nach dem Wahltag ermöglicht und damit auch nachträgliche Manipulationen.

Die Grünen fordern ein Expertenhearing zur Reform der Briefwahl. Verwaltungssprecherin Daniela Musiol verlangt die Streichung jener Bestimmung, die besagt, dass die Wahlkarten bis zu acht Tage nach der Wahl bei der Wahlbehörde eintreffen können.

(Walter Müller, DER STANDARD, Printausgabe, 29.9.2010)

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octobussi
00
30.9.2010, 17:38
kann sein

mit blau könnte voves bald als ungustiöser vogt in comics auftauchen

daher nein zu rot-blau

keine verblauung der sozialdemokratie

lllaaa
01
30.9.2010, 18:19

nichts - wirklich nichts - ist schlimmer als eine koalition mit der övp: blockieren, beleidigt oder gar gekränkt sein, auf abkommen vergessen, drüberfahren, pochen auf....
einmal ohne die "der staat bin ich - övp" ,.....
(man wird ja noch träumen dürfen, die alternativen sind allerdings auch zum kotzen).

Torontonian
00
30.9.2010, 16:59

Parteipolitik vor Landespolitik - so schaut's aus :-(
Der Draxler als Parteiobmann? Geh bitte, kann der überhaupt bis drei zählen, soll eine ziemliche Null in der Schule gewesen sein.
Seitinger kann dem Voves sicher nicht das Wasser reichen.
Lopatka wäre mM die einzige Alternative.

trollvottel
11
30.9.2010, 16:56

Schützenhöfer will ein "zukunftsfähiges Team" vorstellen. Wie? Steigt er endlich aus der Politik aus und präsentiert einen Nachfolger?

Walter SB
01
30.9.2010, 14:53
Mannschaft austauschen

Schützi hat Voves 5 Jahre lang das Leben schwer gemacht. Sein Versprechen, sich zu bessern,
wird die Vorbehalte nicht ausräumen.
Die Logik - wenn es welche gäbe - gebietet, eine
neue Landesrat-Mannschaft zu berufen. Leute, die
für Sachorientierung stehen und nicht für Ränke.

gustav99
10
30.9.2010, 15:42
Leute, die für Sachorientierung

stehen und nicht für Ränke.
Lopatka und Missethon kämen da sicher in die engere Auswahl.

devianz
00
30.9.2010, 13:04

den sinn die fp als partner mit in die regierung zu nehmen verstehe ich nicht ganz,
die ersten aussagen seitens der fp falls sie mitregieren würde waren bettelverbot und no na ausländerstopp,
ich mein mehr kompetenzen können die ohnehin nicht bieten.

Ing. Rambo Einfältig
51
30.9.2010, 14:57
Die Frage stellt sich aber:

Wer ist fürs Betteln, das meist organisiert abläuft?
Wer ist für Jugendliche in oder auf öffentlichen Plätzen, die weder auf Türkisch noch auf Deutsch erklären können, warum du ein paar in die Fresse kriegst?

trollvottel
00
30.9.2010, 16:59

Beides halte ich für lächerliche Erfindungen eines Krone-Lesers, der sich sein Weltbild aus Dichandmärchen und Dirty-Harry-Filmchen zusammenreimt.

Bei Prügeleien gehören im Regelfall mehrere dazu: Deppen die provozieren, und sei's nur "Oida gib ma an Tschick". Und Deppen die darauf aggressiv antworten ("A Sautirk kriagt vu mir nix") statt zu deeskalieren oder, wenn eine aggressiv wirkende Gruppe von Fußballnarren, Burschenschaftlern, Skins oder Discotürken daherkommt, die Straßenseite zu wechseln.

Ing. Rambo Einfältig
20
30.9.2010, 17:33
So klein kann ein Weltbild sein,

auch wenn vorgegeben wird, ein weltoffener Mensch zu sein.

Laird of Glenmore
00
30.9.2010, 13:30

Das Proporzsystem zwingt dazu Parteien ab einer bestimmten Größenordnung an der Regierung zu beteiligen. Dieses Modell, das es nur mehr in einigen österreichischen Bundesländern (OÖ, Stmk, Tirol etc.) gibt, wird in anderen Ländern - mit Ausnahme der Schweiz - kaum verwendet.

Die Idee einer weitgehenden Konzentrationsregierung ist historisch für Österreich verständlich. Durch das Fehlen einer klaren Regierung-Opposition-Konstellation zeitigt das jedoch zunehmend negative Auswirkungen. Das gilt umso mehr, als dass rechtsextreme Parteien leider sehr leicht in die Regierung kommen.

In Graz gibt es übrigens ein sehr ähnliches Modell, dadurch ist z.B. die KPÖ automatisch durch ihre Stärke mit einer Stadträtin in Regierungsverantwortung.

Martin Stettner
00
30.9.2010, 13:06

Naja, in der Regierung sind sie dank Proporz jedenfalls drinnen...

Baer8
23
30.9.2010, 12:35
Die Schwarzen kämpfen mit allen Mitteln um einen Platz am Futtertrog...

Nur in der Regierung sein, um jeden Preis denn dann kann man zumindest ein bißchen mitnaschen und die eigene Klientel mit ihren Steuervorteilen beschützen. Der Normalverbraucher, der die schwarzen Horden mit seinen Steuergeldern finanzieren muß, ist der ÖVP egal.

Manchester05
01
30.9.2010, 14:48
Lieber Baer,

das wollen alle Parteien, schon alleine deshalb sollten die Länder abgeschafft werden. Sie wollen nur Macht und Geld und bremsen bei jeglichem Refomversuch.
Ein unerträglicher Zustand, deshalb weg damit !!!

mao zeitung
01
30.9.2010, 12:57
Voves wird das zusammen mit Kurzmann

zu verhindern wissen, oder?

papounet
01
30.9.2010, 12:29
??

wenn rot und schwarz was bewegen wollen, haben sie dafür eine mehr als ausreichende mehrheit. wenn das problem darin besteht, dass die miteinander nicht mehr können und wollen, dann soll mir bitte jemand erklären, was die hereinnahme der FPÖ(!) daran verbessern soll.

Lünz
00
30.9.2010, 12:21
Wieder der weitverbreitete Irrglaube, nur eine breite Mehrheit kann große Probleme lösen.

Eine breite Mehrheit haben nur SPÖ+ÖVP. Und genau das bedeutet ABSOLUTER STILLSTAND.

pawel lewap
01
30.9.2010, 12:20
ich waere ja

fuer eine koalition aus SPÖ, ÖVP, FPÖ, Grüne, BZÖ, KPÖ

LeMik
02
30.9.2010, 11:58

jössas! platzende kelomaten? die vp ist nicht nur die wirtschaftspartei, sondern auch die kochtopfexperten-partei.. whats next? einfrierende backöfen?

Ing. Rambo Einfältig
22
30.9.2010, 11:23
Schützenhöfer wegzuloben wird eine Menge Kraft kosten

Niemand braucht ihn, niemand will ihn.

67-70 Kfm. Lehre in Kirchbach
70 Eintritt in Politik
70-78 Landessekretär der Jungen ÖVP Stmk.
72 Präsenzdienst
76-79 Landesobmann der Jungen-VP Stmk
78-91 Landessekretär des Steir. ÖAAB
79-2000 Kammerrat in der Kammer für Arb. und Angest. für Stmk
81-2000 Abgeordneter zum Steiermärkischen LT
91-95 Gf. Landesobmann des Steir. ÖAAB
94-2000 Klubobmann des Landtagsklubs der Steir. VP
95-2006 Landesobm. des Steirischen ÖAAB
2000-2003 LR für Personal, Jugend, Pflichtschulen u. Wohnbau
03-05 LR für Personal, Tourismus und Sport

Seit 05: 1.LH-Stv, zust. für Gemeinden, Tourismus, Volkskultur

Seit 06 LPO d Stmk.VP

Politisches Credo: „Soziale Gerechtigkeit durchsetzen!"

Helmut Höfler
00
3.10.2010, 16:46
Soziale Gerechtigkeit

Das kann nicht sein, soviel ich weiß sind Sozial und Gerechtigkeit in der Lodenmantel-Fraktion Fremdwörter.

Bergsee
00
30.9.2010, 14:15
immerhin war er beim heer ...

ist bei der övp ja nicht so üblich (schüssel, molterer, grasser ...)

Queen of Sheba
 
01
30.9.2010, 12:09
Eine geradezu typische "Berufs"-Laufbahn.

Ing. Rambo Einfältig
01
30.9.2010, 15:04
Gleichen sich die Werdegänge nicht?

• 77-81 VS Maria Rojach
• 81-85 Stiftsgymnasium der Benediktiner St. Paul
• 85-90 HBLA für alpenländische Landwirtschaft Raumberg - Trautenfels
• 90-97 Studium an der Uni f. Boku Wien; Landschaftsplanung und Landschaftspflege
Beruf:
• 09/05-11/08 Direktor des Österreichischen Bauernbundes
• 03/03-08/05 Kabinettchef von Landwirtschafts- und Umweltminister DI Neffe Pröll
• 09/01-02/03 Referent im ÖVP-Parlamentsklub; Zuständigkeit LW, Umwelt u Temelin-S-Aussch.
• 03/01 bis 09/01 bei Österr. Hagelversicherung (Marketing und Kommunikation)
• 06/98 - 02/01 Referent im Ökosozialen Forum und beim Österr. Biomasse-Verband
Hobbies:
Motorradtouren, Snowboarden, Tarock, Traktorfahren
.

Ing. Rambo Einfältig
01
30.9.2010, 15:07
Wer das ist?

DI Fritz Kaltenegger, Scharfmacher der ÖVP

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