Liebermans Rede vor der Uno spaltet Israel

29. September 2010, 17:42

Israels Außenminister Avigdor Lieberman hält die Friedensverhandlungen mit den Palästinensern für sinnlos und plädiert für einen Gebietsaustausch. Kritiker meinen, er sei damit Premier Netanjahu in den Rücken gefallen.

Eine bewegte Debatte im eigenen Land und sogar in der eigenen Regierung hat Israels Außenminister Avigdor Lieberman mit seinem Auftritt vor der Uno-Vollversammlung ausgelöst. In seiner Rede in New York hatte Lieberman am Dienstag seine Position bekräftigt, wonach die gegenwärtigen Verhandlungen mit den Palästinensern aussichtslos seien und die Lösung des Konflikts mit einem Austausch von Boden und Bevölkerung verbunden werden müsse. Damit sei er Premier Benjamin Netanjahu "in den Rücken gefallen" und habe "Israel international zu einer Lachnummer gemacht", meinten Kritiker. Netanjahu selbst distanzierte sich nur indirekt von den Äußerungen seines Koalitionspartners: "Die Themen einer Friedensregelung werden nur am Verhandlungstisch besprochen und entschieden werden", hieß es in einer Erklärung der Kanzlei des Premiers.

Austausch von Gebiet

Die USA versuchen die Verhandlungen zu retten, die binnen einem Jahr zu einer endgültigen Lösung führen sollen. Doch Lieberman meinte, man müsse sich "auf ein langfristiges Übergangsabkommen konzentrieren, was einige Jahrzehnte dauern könnte". Es müsste zunächst "eine ganze Generation" heranwachsen, die "nicht durch Verhetzung und extremistische Botschaften beeinflusst" sein würde. Das Leitprinzip einer Regelung sollte "nicht Land für Frieden, sondern ein Austausch von bewohntem Gebiet" sein - er spreche dabei "nicht über die Verschiebung von Menschen, sondern die Verschiebung von Grenzen". Damit wiederholte der Chef der rechtsnationalen Israel-Beitenu-Partei zwar bloß seine längst bekannten Thesen, der Vorwurf lautete aber, er hätte als Außenminister nicht seine private Meinung vortragen dürfen.

"Es gibt eine kollektive Verantwortung", sagte Verteidigungsminister Ehud Barak von der Arbeiterpartei, "vor der Uno kann man nur mit einer Stimme sprechen, der Stimme der israelischen Regierung". Parteikollegen Baraks gingen weiter: Liebermann habe "eine Sprengmine auf Netanjahus Weg gelegt", hieß es, das sei "eine Schande für Israel", und "Lieberman muss sofort entlassen werden". Lieberman gab zurück, auch Barak vertrete seine Privatmeinung und nicht die vereinbarte Regierungspolitik, wenn er einer Teilung Jerusalems zustimme.

US-Vermittler George Mitchell wurde gestern von Netanjahu in dessen Heim in Cäsaräa empfangen. Er hoffe, dass die begonnenen Gespräche mit den Palästinensern "ohne Unterbrechung fortgesetzt werden", wurde Netanjahu danach zitiert. Die Palästinenser wollen nächste Woche entscheiden, ob sie weiterverhandeln, obwohl der Siedlungsausbau wiederaufgenommen wurde. (Ben Segenreich aus Tel Aviv/DER STANDARD, Printausgabe, 30.9.2010)

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Donatella Kasparov
01
6.10.2010, 10:01

meiner meinung nach ist liebermann seine idee sehr gut!

in israel leben 2 mio palestinenser auf israelischeme gebiet. , warum sollen israelis gebiete im wjl abgeben wenn 2 mio palestinenser in israel leben - ganz legal und in frieden?

Jonathan Goutkin
30
1.10.2010, 21:51
War es nicht Lieberman, der im letzten Knesset-Wahlkampf das"Problem Gaza" mittels A-Bombe klären wollte ?

So stand's zumindest in Haaretz.

Djuli Murti
 
34
1.10.2010, 12:50
Warum lässt man die Israelis nicht einach außen vor?

Jenseits der Grünen Linie ist nicht Israel. Die Palästinenser haben schon mehrmals ihren Staat jenseits der Grünen Linie ausrufen wollen. Er wurde aber von vielen Staaten nicht anerkannt, da sich die Israelis sperrten. Warum erkennen wir ihn nicht alle einfach an - unter zwei Bedingungen - Palästinenser müssen für den Verlust an Land und Immobilien angemessen entschädigt werden, insofern Israelis bleiben möchten. Alle anderen bekommen eine Übergangsfrist von maximal 10 Jahren, um wieder nach Israel umzusiedeln. Alle restlichen Siedler werden palästinensische Staatsbürger. Israel verpflichtet sich im Gegenzug die gleiche Anzahl von palsätinensischen Flüchtlingen aufzunehmen, wie israelische Siedler in der West-Bank bleiben wollen.

Sockn
 
00
11.10.2010, 17:59
Haben sie schon mal versucht

das ganze aus der Sicht der israelischen Führung zu betrachten?

Paolo Callito
 
12
2.10.2010, 15:00
Nicht wegzappen während die Tagesschau läuft!

Im Camp David II von 2000 bot der damalige israelische Premier-Minister den "Palästinensern" 70% des Westjordanlands zur Schaffung eines Staates an (welche später auf 90% hätten ausgedehnt werden sollen).
Sie können dreimal raten, wer abgelehnt hat ...

Path of Wisdom #7
13
2.10.2010, 20:19

Danke lieber Foromat, also ich gehe jetzt einmal davon aus das dieser Text hierher gehört <Eine Ungeplante spontane Intifada die zugleich ueberall begann, nachdem es ein guenstige ausrede gab -- hoert sich wie die Kristallnacht an -- spontaner Volkszorn>

selbstverständlich ging die intifada von beiden seiten aus, und es gäbe duzend weitere mögliche beschuldigungen, die allerdings nichts bringen, außer die nächste intifada ..., der zorn wird sich schon wieder legen.

Path of Wisdom #7
24
2.10.2010, 16:47

Das ist doch "H"ausgemachter Bl*dsinn, diese Angebote waren so was von zweideutig undurchsichtig, dass eine klare Antwort gar nicht möglich gewesen wäre und dieses Getue von wegen IL käme ja gar nicht zu den PAL Verhandlungen wegen PAL sondern bloß weil sie in der Gegend gerade andere wichtige VH zu tätigen haben, eindeutig identifizierbare Ansagen waren von Seiten IL eigentlich so gut wie nie zu hören, so viel dazu.

T. Anna
40
2.10.2010, 18:50
nur heisse Luft

Was meinst du damit:
"diese Angebote waren so was von zweideutig undurchsichtig"

Was denn genau? ...nur zwei, drei Beispiele bitte ...

Da kommt sicher nichts ernsthaftes mehr von dir.

Der Elmayer - Schule für Gutes Benehmen
23
2.10.2010, 19:34
Gutes Benehmen für Groß und Klein

Als Lektüre empfehle ich dazu:
„Gutes Benehmen wieder gefragt“ von Willy Elmayer

Leute die sich nicht kennen, sind in Österreich nach wie vor per Sie, und das ist auch gut so, wie es auch in Frankreich weiterhin zum guten Ton gehört, sich mit 'vous' anzusprechen. Daran werden Freaks wie Sie auch nichts ändern.

Wabadoo
13
2.10.2010, 19:05

Faktisch sah das Abkommen eine 5 Teilung der Palästinensergebiete vor - kaschiert durch eine "temporäre" Kontrolle durch Israel. Das heisst, man sprach von 90%, die zurückgegeben werden sollten, aber ein wesentlicher Teil davon wäre "temporär", faktisch also wohl für immer unter Israels Kontrolle geblieben. Da es sich dabei um abschliessende Verhandlungen handelte, war ein solches Angebot offensichtlich nicht annehmbar. Da es zudem keine veröffentlichten Protokolle gab, gibt es viele Gerüchte und Unklarheiten - wäre es eindeutig im Israelischen Sinne, hätte man die Protokolle offensichtlich veröffentlicht als Beweis. Ohne Protokolle stehen aber vor allem die Palästinenser blöd da...

comment.at
11
2.10.2010, 21:56

Also da ich nicht annehme, dass es sich hier um die Protokolle der Weisen von Zion handelt, die ja nachgewiesenermaßen in Wirklichkeit eine Fälschung zu politischen Propagandazwecken waren, von welchen Protokollen bitte sprechen Sie und inwiefern sollten diese irgendwie relevant sein in diesem Zusammenhang ???

Wabadoo
02
2.10.2010, 23:13

Es gibt weder offizielle Karten noch sonstige Dokumente (=Protokolle) wie das Endresultat von Camp David II aussah. Man wollte offensichtlich nicht, dass jemand dokumentieren kann, dass die Lösung alles andere als grosszügig war. (Es gibt also KEINE Protokolle, nicht gefälschte...)
Somit konnte jeder behaupten, was er will - und da hat man dann das temporäre leicht weglassen können...

comment.at
00
3.10.2010, 00:22

Ähnliches hat sich ja auch in der Vorgeschichte des britischen Mandatsgebietes und des heutigen WJL abgespielt und das Leben der PAL nachhaltig beeinflusst (darauf haben sich die "Rechtsverdreher" der Neuzeit ja erfolgreich spezialisiert), ein bisserl mehr Diplomatie würde denjenigen nicht schaden, die solche Verhandlungen führen.

Djuli Murti
 
36
1.10.2010, 08:32
Illegal

Man sollte Israel endlich die rote Karte zeigen und in aller Deutlichkeit die Unrechtmäßigkeit jeder Siedlungsaktivität jenseits der Grünen Linie anprangern.

Lieberman hat insofern Recht, als dass es als der Goliath in einem ungleichen Kampf, alle Trümpfe in der Hand hat, um sich über jegliche Rechtsnorm hinwegzusetzen. Es ist niemand in Sicht, der es stoppen wollte oder könnte. Also scheiß auf Recht und Ordnung und nimm Dir was Du willst.
So lange das sanktionslos gedulded wird, kann es den Israelis doch egal sein.

Der Elmayer - Schule für Gutes Benehmen
10
2.10.2010, 21:08
Gutes Benehmen für Groß und Klein ^^

Auch an dieser Stelle darf ich nochmals auf folgende Lektüre verweisen:
„Gutes Benehmen wieder gefragt“ von Willy Elmayer
;-)

Paolo Callito
 
44
30.9.2010, 21:40
Bis 1963 Araber. Wieso seither plötzlich "Palästinenser"?

Liebermann gebraucht den sehr problematischen Begriff der "Palästinenser". Dieser Begriff taucht das erste Mal in der PLO-Charta von 1964 auf und wird seither leider unreflektiert verwendet.
Der deutsche Journalist Ulrich Sahm erklärt, dass die Palästinenser vor 1964 Araber genannt wurden.
http://www.israelnetz.com/themen/na... m-mit-uns/
Der amerikanische Journalist Joseph Farah, der einen christlich syrisch-libanesischen Hintergrund hat, geht sogar einen Schritt weiter und teilt ganz offen mit, dass es keine Palästinenser gibt:
http://www.nicht-mit-uns.com/nahost-in... nopal.html

What's in a name
00
2.10.2010, 21:33
That we shall call a rose

@--,'---
By any other name would smell as sweet.

senfdressing
30
30.9.2010, 22:39

Und die Jerusalem Post hieß damals Palestinian Post.

Djuli Murti
 
33
1.10.2010, 12:39
Delegitimieren

Nein - für mich ist Israel ein international anerkannter Staat und daran gibt es nichts zu rütteln. Die dummen Versuche die Palästinenser zu delegitimieren, die nun einmal die einheimische Bevölkerung dieser Region sind, finde ich allerdings sehr ärgerlich und da braucht es nicht viel, um eine entsprechende Retourkutsche anzufertigen. Israel ist anerkannt bis an die Grüne Linie. Die Palästinenser hatten Israel schon anerkannt und Israel expandiert völkerrechtswidrig und verhindert die Staatenbildung der Palästinenser erfolgreich seit über 40 Jahren. Das ist unrecht und unerträglich. Die Siedlungen SIND illegal. Daran gibt es juristisch gar nichts zu rütteln und zwar ALLE.

Pefo
42
1.10.2010, 07:30

Das Gebiet, senfdressing,

hieß Palästina, nachdem der römische Kaiser Hadrian das Land nach den Philistern "Palästina" umbenennen ließ. Daher "Palesinian POST(ing)"
PS: Die Philister waren keine Araber.
PPS: Mit ein wenig historischer Bildung könnte man dies wissen.

Beacon Of Hope
11
30.9.2010, 14:31

... werden sich die Koalitionspartner diesmal wieder "in den Rücken fallen und international zu einer lachnummer machen" ??? ... ob der Weg zum Frieden wohl heute gefunden wird, Gottes Mühlen mahlen langsam, hoffentlich nicht wieder zu langsam, auch Engelsgeduld ist nicht unendlich ...

soseies
22
30.9.2010, 16:01

"Gottes Mühlen " mahlen garnicht, was hier abläuft ist reine menschliche dummheit und ignoranz...

DieBo
33
30.9.2010, 14:04
Ich finde auch Liebermanns Rede ist einen Friedensnobelpreis wert. Die Dinger gibts mittlerweile beim Aldi.

short cut
21
30.9.2010, 12:33
Es ist zu befuerchten, dass Frieden in diese Region einkehren wird.

Weil fuer Menschen unbewohnbar.

MobHV
00
30.9.2010, 14:51

bei Mobilitätsproblemen an MobHV AJ wenden, Daten dürften bekannt sein ;-)

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