In den letzten sechs Jahren halbierte sich die Zahl der jungen Raucher - Alkoholkonsum gleich stark
Wien - Junge Erwachsene greifen seltener zur Zigarette als noch vor acht
Jahren. Das ergab eine am Mittwoch präsentierte Studie der
Österreichischen JungArbeiterBewegung (ÖJAB), die das Suchtverhalten von
1400 Studentenheim-Bewohnern erhob. Seit einer Studie 2002, unter
Stellungspflichtigen beim Bundesheer, halbierte sich die Zahl der
Raucher. Der Alkoholkonsum blieb unverändert. Die Ergebnisse können auf
Österreichs Jugend übertragen werden.
Alle wissen: "Tabak ist schädlich"
Den starken Rückgang des Rauchens begründet Suchtforscher Otto-Michael
Lesch von der Medizinischen Universität Wien mit der sinkenden
gesellschaftlichen Akzeptanz. Im Gespräch mit Ö1 sagt er: "Heute gibt es
klarere Vorschriften. Es ist anerkannt, dass Tabak giftig und schädlich
ist."
Erhöhte Suchtgefahr
Rauchen polarisiert nach wie vor: Drei Viertel der befragten Studenten
sind absolute Nichtraucher. Das übrige Viertel raucht meist sehr stark:
70 Prozent der Raucher greifen schon wenige Minuten nach dem Aufwachen
zum Glimmstängel und rauchen über 30 Zigaretten täglich. Laut Lesch ist
diese Gruppe stark gesundheitsgefährdet und zeigt erhöhtes Risiko, von
anderen Suchtmitteln abhängig zu werden. Denn eine Sucht bewirkt die
andere: Starke Raucher betreiben häufiger Alkohol- und Drogenmissbrauch.
90 Prozent trinken
Insgesamt 35 Prozent der Heimbewohner haben Cannabis bereits
ausprobiert, nur 2,3 Prozent konsumieren Haschisch oder Marihuana
regelmäßig. Hingegen gaben rund 90 Prozent an, Alkohol zu trinken. Bei
knapp einem Viertel davon birgt das Ausmaß Gesundheitsrisiken. Besonders
gefährdet sind junge Männer. Beim Tabakkonsum gibt es keine
Geschlechtsunterschiede.
Suchtforscher Lesch sieht die Grundsteine für das Suchtverhalten in
Kindheit und Jugend gelegt. Ein guter Schutz sei das Vermeiden von
Ausgrenzung von gefährdeten Jugendlichen. (lima, DER STANDARD Printausgabe, 30.9.2010)