Gesetzesvorschläge

EU will schärfere Budgetregeln rasch beschließen

Thomas Mayer, 29. September 2010, 21:17
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    Die EU will zu laschen EU-Staaten im Zuge der Krise die Sporen geben.

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Bereits Mitte nächsten Jahres könnten die neuen verschärften Regeln für Euro-Budgetsünder gelten

Bereits Mitte nächsten Jahres könnten die neuen verschärften Regeln für Euro-Budgetsünder gelten. Die EU-Kommission ist überzeugt: Neben der Schuldenbegrenzung muss die Wettbewerbsfähigkeit stärker kontrolliert werden.

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Es sei "höchste Zeit" , die monetäre Union zu stärken und für eine effizientere wirtschaftliche Koordinierung der EU-Staaten zu sorgen. Der Rat der Mitgliedstaaten und das Europäische Parlament, die am Zustandekommen der nötigen EU-Richtlinien zur Verschärfung des Wachstums- und Stabilitätspaktes mitentscheiden, sollten sich nun rasch mit den Vorschlägen der EU-Kommission auseinandersetzen und Einigung erzielen. Dann wäre es sogar möglich, dass "die neuen EU-Regeln schon Mitte 2011 zur Verfügung stehen" - rechtzeitig für die nationalen Budgetplanungen.

Das erklärte EU-Wirtschafts- und Währungskommissar Olli Rehn, als er am Mittwoch in Brüssel mit Kommissionschef José Manuel Barroso sechs Legislativvorschläge vorlegte und erläuterte. Diese zielen - wie bereits vom Standard berichtet - auf eine Änderung des Euro-Stabilitätspaktes (ohne EU-Vertragsänderung). Auf der anderen Seite sehen sie eine viel engere Steuerung der Fiskal- und Wirtschaftspolitiken der EU-Länder durch die EU-Zentralbehörde vor, und insbesondere strengere Bestrafungen ("Sanktionen" ) für jene, die gegen Auflagen verstoßen.

Die "Zeit der Selbstgefälligkeit" (der Nationalstaaten; Anm.) sei vorbei, sagte Barroso. "Die Regierungen haben nicht immer Recht" , träfen manchmal sogar "falsche Entscheidungen" , sonst stünde man heute in der Union nicht so da wie in der herrschenden Krise, so der Kommissionspräsident. Es gelte, dass seine Behörde in Zukunft "die Handbremse ziehen" könne, bevor der Wagen den Abhang hinunterrollt, sagte er in Anspielung auf exzessive Schulden mancher Länder. Portugal gehört dazu. Barroso an seine Landsleute:"Wir haben das Gefühl, die Lage ist ernst. Portugal muss Verantwortung zeigen" .

Rehn betonte, dass es in Zukunft nicht nur "eine Säule der Fiskalüberwachung" der Staaten durch die Kommission geben soll, wie das bisher mit dem Stabilitätspakt der Fall sei. Er war vor allem auf die Begrenzung der Neuverschuldung ausgerichtet.

Wie bisher sollen "Schuldensünder" bis zu maximal 0,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) als Strafe in EU-Töpfe zahlen, wenn sie die Schuldenkriterien entgegen den Auflagen der Kommission langfristig nicht einhalten. Rehns Vorschläge gehen dahin, neben der Neuverschuldung (maximal drei Prozent BIP) die Gesamtverschuldung stärker ins Visier zu nehmen.

Es müsse nun aber auch eine "zweite Säule der makroökonomischen Überwachung" entwickelt werden, sagte Rehn. Dabei gehe es vor allem darum dafür zu sorgen, dass die EU-Staaten in Bezug auf ihre Wettbewerbsfähigkeit nicht zu weit auseinanderdriften. Die Kommission wird nun eine Liste von Indikatoren erstellen - etwa Lohnkosten, Immobilienpreise, Lohnstückkosten. Deren Vergleich wird Basis ihre "Empfehlungen".  (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30.9.2010)

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Posting 1 bis 25 von 47
1 2
Mirabeau
01
30.9.2010, 13:18
Wann hat die Republik Österreich eigentlich zum letzten mal

einen Budgetüberschuss erwirtschaftet? In den Statistiken der Statistik Austria habe ich es nicht gefunden.
Weiß das vielleicht irgendwer?

stefan strasser
 
00
30.9.2010, 14:32

Wann hat jemals irgendein Land einen bedeutenden oder längerfristigen Budgetüberschuss erzielt? Und wann sind jemals Staatsschulden "zurückgezahlt" worden?

Der Kollaps ist systemimmanent vorgegeben, und nur eine Frage der Zeit. Irgendwann müssen die Schulden gestrichen oder weginflationiert werden.

Der Trick der Gläubiger (und wem gehört z.B. eigentlich unsere Staatsschuld? Das würde ich als Steuerzahler gerne mal genau aufgelistet bekommen) ist, das System so lange wie möglich im jetzigen Endzustand der größtmöglichen Verschuldung zu halten, da da ein Maximum an Umverteilung von unten nach oben gewährleistet ist. Also ich glaube es wird noch einige Zeit so weiter gehen...

R. M.
01
30.9.2010, 16:30
"Über die Identität der Gläubiger des Schuldners Staat wird nie gesprochen..."

http://www.heise.de/tp/r4/art... 763/1.html

stefan strasser
 
00
30.9.2010, 18:45

Danke! Genialer Artikel! Ich glaube das Buch muss ich mir kaufen...

Vera Wurm
00
30.9.2010, 10:29
Kann mir jemand sagen

inwiefern Lohn und Steuerdumping, somit Standortwettbewerb innerhalb der EU, an dieser Entwicklung Schuld sind?
Bzw. wäre es nicht sinnvoll diese Faktoren einheilich zu gestalten?

fem.-jüd.-islam. freimaurer-bilderberger, reptiloid
02
30.9.2010, 11:02

steuerdumping: weniger einnahmen, die anderen standorte müssen dann auch senken - noch weniger einnahmen;
lohnsenkung: weniger einnahmen (lohnsteuer), weniger binnennachfrage (kleine unternehmen gehen ein), die anderen standorte müssen auch nachziehen - noch weniger einnahmen / binnennachfrage ...

die dt. bevölkerung ist heute de facto verarmt - nur die unternehmen brummen. das war/ist der "preis" für die dt. dominanz, die andere in den abgrund reisst.

fem.-jüd.-islam. freimaurer-bilderberger, reptiloid
00
30.9.2010, 10:12
Die Kommission wird nun eine Liste von Indikatoren erstellen - etwa Lohnkosten, Immobilienpreise, Lohnstückkosten.

http://gdhv.wordpress.com/2010/07/1... uckkosten/

Ernst Guevara
24
30.9.2010, 08:38
heisst das also,

dass die europäischen staaten sich unter strafandrohung der EU an das niedrige lohnniveau deutschlands anpassen müssen? und wer nicht wie deutschland die ausländischen märkte mit billigem, aber völlig unnötigem schrott (autos usw.) überflutet, der wird von der EU sanktioniert? leider passt das ins bild: den banken und der industrie stopft diese EU das geld in den rachen, sozialsysteme werden zerschlagen, der lebensstandard der meisten europäer wird durch lohnstopp und andere methoden nach unten ausgeglichen - naja, schade, dass die europäer noch nicht so weit sind, sich zu erheben und diese unternehmerfreundlichen betonbürokraten in die wüste zu schicken. wenn schon nicht aus solidarität, dann wenigstens aus eigeninteresse.

stefan strasser
 
25
29.9.2010, 23:56

Es ist theoretisch und praktisch UNMÖGLICH die ges. vw. Verschuldung abzubauen bei einem schuldenbasiertem Geldsystem wie dem Euro. Wenn wie alle schuldenfrei wären, gäb's keinen einzigen Euro mehr im Umlauf.

Weniger Schulden --> weniger Geldmenge --> Deflation. Will das wer? Oder müssen sich halt die privaten Haushalte und Unternehmen mehr verschulden?

Wann kapieren die Leute endlich, dass die Schuldespirale unmöglich durchbrochen werden kann bei unserem momentanen monetärem System?

Mal ganz abgesehen davon, dass finanzielle Strafen für "Schuldensünder" ungefähr so sinnvoll sind, wie einen Alkie Strafbier trinken zu lassen, mit dem Unterschied, dass der davon wenigstens noch was hat.

Vera Wurm
03
30.9.2010, 10:24
Mal ganz abgesehen davon, dass finanzielle Strafen für "Schuldensünder" ungefähr so sinnvoll sind, wie einen Alkie Strafbier trinken zu lassen, mit dem Unterschied, dass der davon wenigstens noch was hat.

Der Vergleich gefällt mir.

reunion
35
30.9.2010, 07:49

Wann kapierst du endlich das Verschwörungstheorien kein adäquater Ersatz für Bildung ist?

R. M.
11
30.9.2010, 12:52
Lieber Poster!

Bitte lernen Sie Mathematik!
Vielleicht hilft es Ihnen, wenn Sie das Problem visualisert sehen:
http://www.chrismartenson.com/crashcour... ng-problem

stefan strasser
 
22
30.9.2010, 11:19

Ahaha! So lustig!

Danke, Sie herablassender Besserwisser. Mit der Verunglimpfung der Kritik am Geldsystem als Verschwörungstheorie haben Sie Ihr argumentatives Repertoire aber wahrscheinlich schon ausgeschöpft, oder? Haben Sie sachliche Argumente auch?

Nicht, dass ich mich vor Ihnen rechtfertigen müsste, aber ich habe immerhin Wirtschaft studiert. Und Sie?

Wenn Sie leugnen/verdrängen/nicht wahrhaben wollen, dass der Euro Schuldengeld ist, und dass die Geldmenge = Gesamtschuld wachsen muss, haben eindeutig SIE hier das Bildungsdefizit. (Keine Sorge, damit befinden Sie sich in guter Gesellschaft).

denk mal
21
30.9.2010, 11:02
Das "das" in Ihrem Satz

zeugt freilich auch bei Ihnen von gewissen Bildungsmängeln. Ebenso fehlt mir die Erklärung, was genau an der Exponentialfunktion der Zinseszinsen Sie für "Verschwörungstheorie" halten. Eine der Mathematiker vielleicht?
Oder belehren Sie mich eines Besseren: Ist der Euro gar kein schuldenbasiertes Zahlungsmittel, sodass genannte Exponentialfunktion auf ihn nicht anwendbar ist?

R. M.
01
30.9.2010, 12:49
Aber bitte! Wen kümmert schon die Exponentialfunktion?

Demnächst wird die EU per Dekret festlegen, daß die Exponentialfunktion nicht mehr gegen unendlich strebt. Lösung á la EU...

asinus
02
30.9.2010, 07:46

Wir hätten im reichen Europa bei einem schuldenfreien Staat auch ein Heer von Bettlern mehr auf der Straße. Dazu kommt, dass die Staaten alle über ihre Verhältnisse gelebt haben, dass viel Geld in Prestige und Machtausbau geflossen ist, von dem die Bevölkerung nicht viel hat - außer die Staatsschulden mitzutragen. Und wenn sich ein Bankier inzwischen 40 Mill € Bonus auszahlen lässt, heißt das wohl, dass die Banken nach wie vor tun und lasse können, was sie wollen - bis zur nächsten Krise.

Wahl 2010
10
29.9.2010, 23:15
In ganz Europa wird heute wegen

der strikten Budgetkurse der Regierungen gestreikt und demonstriert. Die internationale Presse berichtet auf den Titelseiten.

Nicht so in Österreich - hier findet man weder Demos noch Berichte in exponierter Position. Könnt ja sein, dass jemand drauf kommt, dass sparen vielleicht nicht schlecht wäre in dieser Situation. Und das passt politisch gar nicht ins Bild...

wahnwelt
 
23
29.9.2010, 22:55
Wie, Was? Gravierende Eingriffe in die staatliche Souveränität

und man braucht keine Vertragsänderungen mehr?
Haben die Kritiker des Lissabonvertrages doch recht gehabt. Und der Euro zerbricht schon vor 1.7.2011? Das hätte ich mir nicht zu hoffen gewagt.

Walter Bimini
00
29.9.2010, 21:32
brüssel stehen noch viele wochenend- und nachtschichten bevor

bald werden irland und portugal wie griechenland die hand aufhalten.

wahnwelt
 
12
29.9.2010, 21:13
Das ist nur mehr der Schwanengesang

für den Euro. Die können bestimmen, was sie wollen. Ich glaube aber, die wollen gar nicht und tun nur so. Wenn die was beschließen, dann mit einem Termin in der Nach-Euro-Zeit. Weil eine Regel für's nächste Jahr schon gebrochen sein wird, bevor die den Füllhalter für die Unterschrift weglegen können. Das wäre dann schon genant. Man will doch als realistischer Politiker abgehen, der völlig überrascht vom Zusammenbruch sein wird und natürlich hätte das niemand vorhersehen oder gar verhindern können, und wenn, dann wer anderer, weil er/sie, wer immer, hat immer alles richtig gemacht, zumindest alles Wichtige. Usw...

MagnaMater
00
29.9.2010, 20:12

4,7... wo haben wir das ausgegeben?

ino
00
30.9.2010, 07:08
zur erinnerung

das defizit ergibt sich aus einnahmen minus ausgaben und im moment lassen die einnahmen massiv aus. wir haben die 4,7 also nicht ausgegeben, sondern einfach nicht eingenommen.

klarerweise können wir nicht jedesmal wenn die konjunktur auslässt und die steuereinanhmen fallen, lehrer und krakenschwestern kündigen.

leftjustified
01
29.9.2010, 20:48

Also ich würd mal sagen: Beamte, Lehrer, Pensionisten, ÖBB, Politiker-Prestige-Projekte, Krankenhäuser,... so in etwa..

lessismore
02
30.9.2010, 00:17

Subventionen.

Einbahnfahrer
011
29.9.2010, 20:07

WTF?? Strenge Sparregeln und Sanktionen gegen Staaten werden von einem Tag auf den anderen beschlossen, als wärs'n Furz! aber Sanktionen für Banken bzw unfähige Manager, oder wenigsten eine bessere Regulierung der Finanzmärkte, die wir durch Aufnahme von Schulden gerettet haben, SOWAS "muss erst ausdiskutiert werden" bzw soetwas "braucht seine Zeit". Bäh!!

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