Gefühle, die zur Ware werden

1. Oktober 2010, 19:04
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Liebes-Coaches, HochzeitsplanerInnen, Leihmütter, ErziehungsberaterInnen: Arlie Hochschild referiert in Wien übers "Managen" des Privatlebens

Arlie Hochschild, Professorin für Soziologie an der University of California, hält im Rahmen der Wiener Vorlesungen den Vortrag "The Commodity Frontier, the Avatar and Emotional Life". Die Soziologin hält sich aufgrund des Workshops "Vermarktlichung von Gefühlen", organisiert von Proffessorin Birgit Sauer, in Österreich auf.

Im Zentrum des Vortrags stehen bezahlte Dienstleistungen, die in den privatesten und intimsten Bereichen unseres Lebens angesiedelt sind. Laut Hochschild leben wir heute an einer Kommodifizierungs-Grenze, an der vieles "zur Ware wird". Einerseits finden wir unbezahltes Privatleben, andererseits Waren und Dienste, für die wir bezahlen. Diese Grenze wird durchlässiger und dehnt sich auf viele Bereiche des modernen Lebens aus.

"Avatar-ähnliche" Beziehung

Indem sich diese Kommodifizierungs-Grenze verschiebt, ändern wir auch unser Tun, unser Denken und unser Fühlen. Wenn wir DienstleisterInnen engagieren - so Hochschild - gehen wir dadurch eine "Avatar-ähnliche" und damit virtuelle Beziehung zwischen uns selbst und symbolisch besetzten Ereignissen ein. Wir werden zu ManagerInnen unseres Privatlebens.

Dies stellt uns vor neue Herausforderungen: Kommodifizierung, das Zur-Ware-Werden, birgt die Gefahr, uns von unseren persönlichen Sinnbildern loszulösen. Durch "Marktmechanismen der Verteidigung" - wie Hochschild es nennt - binden wir uns instinktiv wieder an diese Sinnbilder. Arlie Hochschild illustriert die verschiedenen Mechanismen der Verteidigung und der Wieder-Anbindung. Diese, so argumentiert sie, brauchen wir für ein modernes Leben. Jedoch müssen wir ihre Logik auch "durchschauen", um die Kräfte zu erfassen, welche diese Mechanismen überhaupt erforderlich machen. (red)


Vortrag von Arlie Hochschild

The Commodity Frontier, the Avatar and Emotional Life (Vortrag in englischer
Sprache)
Zeit: Freitag, 8. Oktober 2010, 19.00 Uhr, Einlass: 18.30 Uhr
Ort: Kassensaal der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), 1090 Wien, Otto-Wagner Platz 3

Eintritt frei, Anmeldung unter E-Mail

  • Arlie Hochschild ist Professorin für Soziologie an der University ofCalifornia, Berkeley. Sie prägte den Begriff der Emotionsarbeit und ist u.a. Autorin der Bücher "The Managed Heart" (Das gekaufte Herz), "The Second Shift" (Der 48-Stunden-Tag), "The Time Bind" (Keine Zeit. Wenn die Firma zum Zuhause wird und zu Hause nur Arbeit wartet). Ihre Arbeiten wurden in 14 Sprachen übersetzt.
    foto: privat

    Arlie Hochschild ist Professorin für Soziologie an der University of
    California, Berkeley. Sie prägte den Begriff der Emotionsarbeit und ist u.a. Autorin der Bücher "The Managed Heart" (Das gekaufte Herz), "The Second Shift" (Der 48-Stunden-Tag), "The Time Bind" (Keine Zeit. Wenn die Firma zum Zuhause wird und zu Hause nur Arbeit wartet). Ihre Arbeiten wurden in 14 Sprachen übersetzt.

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