Blumenfarmen in Uganda

Das blühende Geschäft mit der Ausbeutung

Julia Schilly, 1. Oktober 2010, 15:50
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    foto: fian deutschland

    Eine Blumenarbeiterin in Uganda verdient 20 bis 30 Euro im Monat. Die Gewerkschaft kämpft für eine gerechte Entlohnung und fixe Dienstverträge. Allein für die ausreichende Ernährung einer fünfköpfigen Familie sind in Uganda 50 Euro im Monat nötig.

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    Viele ArbeiterInnen auf den Blumenfarmen Ugandas sind weder ausreichend gegen die Pestizide geschützt, noch über die gesundheitlichen Auswirkungen informiert.

Blumen verschönern europäische Wohnungen, entstehen aber unter unwürdigen Arbeitsbedingungen auf afrikanischen Blumenfarmen - Konsumenten haben Alternativen

Dekorative Blütenpracht in Westeuropa - haarsträubende Arbeitsbedingungen in Afrika: Allergien, Atemwegserkrankungen oder Vergiftungen durch die eingesetzten Pestizide stehen in den Blumenfarmen von Uganda auf der Tagesordnung. Die ArbeiterInnen verdienen dafür zwischen 20 und 30 Euro im Monat, bekommen fast nie feste Arbeitsverträge und sind mit sexueller Belästigung durch Vorgesetzte konfrontiert. Die Kampagne "Fair Flowers - Mit Blumen für Menschenrechte" der internationalen Menschenrechtsorganisation FIAN und der Volkshilfe Österreich setzt sich für eine Verbesserung ein.

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"Ich war im zweiten Monat schwanger. Eines Tages mussten wir das Gewächshaus betreten, um Blumen zu ernten, als die Chemikalien noch nass auf den Blättern waren. Sie rochen stark und ich bekam Schmerzen im Kopf und im Unterleib. Als ich mich beschwerte, halfen sie mir nicht viel und gaben mir nur Schmerzmittel. Einen Monat später hatte ich eine Fehlgeburt. Als ich es dem Management berichtete, habe ich nur fünf Tage frei bekommen", schildert zum Beispiel eine Arbeiterin ihre Erfahrungen auf der Farm Red Roses in Uganda gegenüber FIAN.

Die Schutzkleidung ist oft unzureichend. Übelkeit, Hautirritationen und Atembeschwerden steigen vor allem in den Hochsaisonen für den Blumenhandel - zu Weihnachten und am Valentinstag. Die Langzeitwirkungen der teilweise krebserregenden Chemikalien sind noch nicht abzuschätzen. Wegen Mangelernährung aufgrund der prekären finanziellen Lage erkranken die ArbeiterInnen in den Blumenfarmen besonders schnell durch die Giftstoffe in den Pestiziden.

Auch schwere Unfälle passieren immer wieder. Erst im Februar diesen Jahres war der Pestizidsprüher Safari Mazira auf der Blumenfarm Rosebud in Uganda in Folge einer Pestizidvergiftung gestorben, wie FIAN berichtete. Seine Witwe und die fünf gemeinsamen Kinder wurden bis heute nicht entschädigt.

Eigenes Einkommen

"In Uganda sind 75 Prozent der Arbeiter Frauen", berichtet Flavia Amoding von der ugandischen Organisation für Arbeiterinnenbildung (UWEA). Ihre Organisation informiert ArbeiterInnen über ihre Rechte und hilft ihnen dabei, für deren Umsetzung zu kämpfen. Sie betont, dass der Job sehr wohl auch positive Seiten für die Arbeiterinnen hat: Denn für viele Frauen bedeutet die Arbeit auf der Blumenfarm das erste eigene Einkommen, das sie selbst verwalten können.

Siegel für die gute Blume

"Unsere Forderung ist es, Blumen zu kennzeichnen und dadurch mehr Transparenz zu erreichen - so wie bei vielen anderen Produkten", erklärt Sophie Veßel von FIAN. Einige Blumenfarmen sind nach sozialen und ökologischen Gesichtspunkten zertifiziert. Ihre Schnittblumen tragen das Siegel des FLP (Flower Label Program) oder von Fairtrade. Dadurch wird garantiert, dass sie unter fairen, sozialen und ökologischen Bedingungen produziert wurden.

Pestizide im Abwasser

Durch das Siegel erhält der/die KonsumentIn auch die Garantie, dass die Umwelt geschont wird. Denn die industrielle Blumenproduktion benötigt große Mengen Wasser. Die Abwässer sind mit Pestiziden verschmutzt und werden oft ungeklärt abgelassen: Böden, Flüsse, Seen und langfristig auch das Grundwasser werden dadurch vergiftet. "Die Chemikalien töten teilweise auch die Fische", berichtet Hannah Mwesigwa, Blumenarbeiterin und Gewerkschaftsvertreterin.

Dennoch ist der Umstieg auf heimische Pflanzen nicht immer eine Alternative. "Im Winter muss in Europa in der Blumenproduktion viel geheizt und beleuchtet werden. Daher kann eine eingeflogene Rose aus Kenia von der CO2-Bilanz her sogar besser abschneiden als die europäische. Im Sommer ist es natürlich besser regionale Produkte zu kaufen", so FIAN-Vertreterin Veßel.

Konsument ist gefragt

"Der Konsument ist gefragt: Je mehr Nachfrage nach fairen Blumen besteht, desto mehr Betriebe werden Arbeitsbedingungen und Umweltschutz verbessern müssen", erklärt die Gewerkschafterin Mwesigwa. Die Nachfrage nach fairen Blumen ist in den vergangenen Jahren bereits gestiegen, auch HänlderInnen und FloristInnen können also von dem Trend profitieren. Zudem verbessern sich auch für sie die Arbeitsbedingungen, da die Blumen mit weitaus weniger Pestiziden behandelt wurden. (jus, derStandard.at, Oktober 2010)

Kommentar posten
23 Postings
alexanderletten
 
00
5.10.2010, 00:17
Noch mehr Pflanzen.

"http://www.spiegel.de/wirtschaf... 19,00.html
" An feuchten Tagen nehmen Kinder und Erwachsene die Nikotinmenge von rund 36 Zigaretten auf."

speakers corner
77
3.10.2010, 15:13
Blutdiamanten, Blumenproduktion unter ärmlichen Bedingungen,Nerzmäntel, ...

schade dass man auf "dieStandard" solche Themen überhaupt nicht beleuchtet. Denn die Ursache ist rein weiblich.

Tethys
01
5.10.2010, 08:52
Denn die Ursache ist rein weiblich.

Was ist denn die "Ursache" bei z.B. Blutdiamanten?

Sigma7
00
18.10.2010, 09:14

ich glaub' er meint: "Welcher Mann würde sich für den Eigenbedarf einen Nerz, Diamanten oder Blumen kaufen?"

Jane Lane
 
10
19.10.2010, 09:15

Sehr viele.
Edle Pelze, Gold und Diamanten sind die ältesten Wertanlagen überhaupt.

13a
00
3.10.2010, 07:10
Dieses System wird nun auch von der Marke, die Dicke ist das, gefordert!

Arbeitslose Versicherte werden nun zur Arbeit verpflichtet.

Wahrscheinlich um die Villa der Betriebsräte und Sektionschefs zu pflegen.

youknowwhatimsayin
11
3.10.2010, 02:18
heuchelei

und dann kurzsichtig auf die asylanten und ausländer losgehen. wir kaufen billige blumen und wundern uns wenn die leute von dort die schnautze voll haben und nach europa wollen, wo es so schön ist. was für eine heuchelei.

Ernst Kratochwil
11
3.10.2010, 17:05
Und Sie meinen, wenn wir denen nichts mehr abkaufen,

wird es ihnen besser gehen und dann müssen sie nicht versuchen nach Europa auszuwandern?

Ergates faber
11
1.10.2010, 17:53
Weder Supermärkte noch Marktstandler sind offenbar in der Lage ihre Produkte ordentlich mit Herkunftsland

anzuzeichnen. Jeder mit etwas Verstand muß wissen, daß gewisse Früchte zu gewissen Jahreszeiten nicht aus Mitteleuropa kommen können - auch wenn es auf dem Schild steht. Vor einigen Tagen wieder gesehen - alles am Stand einzeln angezeichnet aber überall war Italien das Ursprungsland. Kl. 1 Bannanen Italien. Hmmm.
Also wie hoch ist also die Wahrscheinlichkeit, daß mir der Blumenhändler verrät, daß die Pflanzen aus Uganda kommen?
Es braucht kein extra FairTrade, sondern nur angeschrieben werden wo das Zeug genau herkommt.
Der Rest sollte sich dann auch regeln.

Woodpecker
00
3.10.2010, 09:20
Das Zellophan der Blumenverpackung und das Handling, also mindestens 20% der "Wertschöpfung"

... stammt hier vermutlich aus Italien, wo die Container/Kisten entladen und zu Sträußen gebunden wurden, gleich in der Klapperbude neben dem Hafen in Sizilien. Von Mafiosi zu Uganda-Bedingungen angeheuerte Ugandaflüchtlinge (die noch für die Überfahrt 10 Jahre arbeiten müssen) tun die Arbeit.

maxbz
12
2.10.2010, 10:22

Wenn Sie nichts mehr aus Uganda kaufen wird es den Arbeiterinnen auch nicht besser gehen.

H. C. Schnackerl
03
1.10.2010, 20:41

Was spricht gegen das fairtrade-Siegel?

Wenn alles korrekt zugeht, dann ist es letztlich egal, ob die Ware aus Italien oder Uganda kommt.

fahrenheit 451
21
2.10.2010, 10:33

witzig wirds erst mit fair trade siegel und co2 fussabdruck lt grünen.......

Toxiclemon
12
1.10.2010, 21:16

gegen das fairtraide-siegel spricht, dass es keine auskunft darüber gibt, woher die jeweilige ware stammt.

und das interessiert mich deshalb, weil ich unter anderem keine regionalen waren (z.B. Weintrauben, Birnen, Äpfel, Erdbeeren) von andern Kontinenten kaufen möchte.

Berkman
51
2.10.2010, 10:23

Warum nicht? Hassen Sie Afrika?

Toxiclemon
00
3.10.2010, 01:34

ich bin versucht, ihnen mit ironie zu antworten, aber dass werdens wohl auch nicht verstehen - da können sie essen was sie wollen.

fahrenheit 451
12
2.10.2010, 10:40

co2 fussabdruck lt grünen.......

wobei lt statistik der südamerikanische apfel zu gewissen jahreszeiten co2 neutraler ist als so mancher österreichischer apfel der schon einige zeit im kühlhaus liegt...

Furunkel
12
1.10.2010, 17:38
Damit wird deutlich, wer die Last im Staat trägt- auch bei uns!

Billigstlöhne schaffen Reichtum und werden mit Mißachtung der Leistung als Nichtsteuerzahler in Massen verhöhnt.

Der moderne Soziailsmus lebt vom Schmäh, finanziert von Mindestrentner, über Verzicht auf den gerechten Anteil zu Gunsten der Verwehser und Paddeilingen.

Wenn Reiche abwandern wollen, Paß wegnehmen und ziehen lassen.

Sobald das andere Länder mit ungerechter Besteuerung auch machen, werden sich Eigentümer über gute Taten wieder integrieren wollen.

Dafür dürfen Sie Ihre Sozialeinrichtungen wie einen Orden tragen.

a grünes stricherl
 
01
1.10.2010, 16:50
Aber hauptsach das strasserl beim Penny kostet ansfuffzig

a grünes stricherl
 
00
1.10.2010, 17:00
(strausserl)

Puritsche
 
20
1.10.2010, 22:56

Sträußchen?

I. O.
00
1.10.2010, 16:27
Zukünftige....

Umwelt und Wirtschaftsflüchtlinge?

Cavaliere Huscher
00
13.10.2010, 09:26

Naja logisch. An solchen Beispielen erkennt man auch, wie kurzsichtig die Politik v.a. der Effen ist.

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