Ed Moschitz

"Strache hat es geschafft, aus mir einen Nazi zu machen"

28. September 2010, 18:45
  • Artikelbild
    foto: standard/corn

    Bänder wie die hier abgebildeten weigert sich der ORF Staatsanwälten zu übergeben.

"Schauplatz"-Reporter Ed Moschitz: "Es geht mir nicht gut" - Journalisten fordern mehr Sensibilität für Pressefreiheit

Wien - Schutz der Pressefreiheit verlangt mitunter drastische Maßnahmen: "Kameras aus", heißt es beim Österreichischen Journalistenclub (ÖJC) Montagabend. "Wir zeichnen die Diskussion nicht auf", erklärt ÖJC-Obmann Fred Turnheim. Solange Rohmaterial gegen Journalisten verwendet werden kann, bleiben die hochwertigen Digicams bei der öffentlichen Veranstaltung in der Wiener Blutgasse ausgeschaltet. Man könnte dahinter Effekthascherei vermuten: Dass am Laptop das gesprochene Wort protokolliert wird, stört offenbar weniger.

Mehr zu sagen haben die Gäste: "Strache hat es geschafft, aus mir einen Nazi zu machen", klagt "Schauplatz"-Reporter Ed Moschitz. Die Staatsanwaltschaft verlangt die übrigen Bänder zu seiner Reportage über Skinheads, die sie unter "Propaganda"-Verdacht sieht. Sie prüft nach einer FP-Anzeige, wonach Moschitz die Skins zur Wiederbetätigung angestiftet habe. Der ORF gibt sie wie berichtet nicht heraus. Als Arbeitsunterlagen gehören die Bänder nicht dem ORF, sondern Moschitz selbst, lautet eine Rechtsmeinung: "Hätte ich gewusst, dass ich Miteigentümer der Bänder bin, hätte ich mich sofort verhaften lassen", sagt Moschitz. Vom ORF habe er Redeverbot. So viel kann er sagen: "Es geht mir nicht gut."

Von skurrilen Amtshandlungen berichtet News-Chefreporter Kurt Kuch. Er wurde am Donnerstag zu einer Einvernahme geladen - die doch keine war: "Ich vernehme Sie nicht als Beschuldigten", habe die Staatsanwältin "wie aufgezogen" gesagt, erzählt Kuch. Hintergrund: Der Journalist zitierte in Artikeln über Geschäfte der Hypo Alpe Adria aus Gerichtsakten. Nach deutschem Recht ist das verboten, in Österreich erlaubt. Zwei Profil -Journalisten wurden dazu ungerechtfertigt einvernommen. Die Oberstaatsanwaltschaft Wien bekannte ihren Irrtum bereits ein. Das Dilemma: Kuchs Vorladung war da nicht mehr rückgängig zu machen. Die Leitende Staatsanwältin Michaela Schnell sagt dazu zum Standard: "Wir wollten uns nicht dem Vorwurf aussetzen, dass wir trotz Kenntnis der rechtlichen Regelungen dasselbe noch einmal machen." Schnell betont, dass es sich bei der Einvernahme um "einen Schlampigkeitsfehler mit fürchterlichen Folgen" handelte, nicht aber um einen Angriff auf die Pressefreiheit.

Geldstrafen oder Haft

Im STANDARD-Gespräch zieht Kuch andere Schlüsse: "Für die Zukunft heißt das: Ich muss mir vorher überlegen, ob mein Artikel in irgendeinem Land in Europa strafbar sein könnte." Dass es in diese Richtung gehen könnte, dokumentieren zwei weitere Klagen: Die Staatsanwaltschaft München wirft laut APA den Wirtschaftsblatt-Journalisten Günter Fritz und Kid Möchel verbotene Mitteilung aus Strafakten vor. Geldstrafen oder Haft bis zu einem Jahr drohen. Kuch rechnet mit Bußgeld zwischen 5000 und 10.000 Euro. Der Reporter fordert mehr Sensibilität für Pressefreiheit.

Der ÖJC meldet, er habe ein "Netzwerk kritischer Journalisten" gegründet. Unter 0650/202 46 58 könnten zur "Bewusstseinsbildung" Verstöße gegen Pressefreiheit gemeldet werden. 2009 richtete der ÖJC einen Medienrat für Medienopfer ein. Angerufen wurde er bis heute nicht. (Doris Priesching/DER STANDARD; Printausgabe, 29.9.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 168
1 2 3 4
Schwarzkappler
21
7.10.2010, 14:03

Herr Moschitz sollte nicht so wehleidig sein, sondern etwas selbstbewusster. Dann braucht es sich auch nicht schlecht fühlen.

derhundvonsinope
52
2.10.2010, 16:20
ORF-Redakteur kauft Hakenkreuzfahne

Ad "Strache hat es geschafft, aus mir einen Nazi zu machen:
Die beiden Skinheads geben im Kurier-Interview zu Protokoll, dass ihnen von Herrn Moschitz ein "Nazi-Leiberl" und eine Hakenkreuzfahne gekauft wurden. Wozu will mich so jemand anstiften, wenn er mir nachher 100 Euro pro Drehtag bezahlt ???

ichFrieder
13
4.10.2010, 16:03

Ziemlich durchschaubar, woher derWind weht.
Sie wiederholen bei verschiedenen Artikeln das gleiche, unrichtige, Posting. Bekannte FP-Taktik, Lügen wiederholen und wiederholen, auch wenn sie längst wiederlegt sind. Sie hoffen offenbar auf die Dummheit der Wähler.

mao zeitung
56
30.9.2010, 14:06
der arme Ed vom ORF könnte einen leid tun

nie wieder Neo-Nazis nach Wiener Neustadt karren...

;-)

ichFrieder
43
30.9.2010, 17:22

Ist ja auch nicht nötig, sobald dort wieder eine FP-Veranstaltung ist kommen die ganz von selber um ihrem Idol zu huldigen.

Niki Lenau
41
30.9.2010, 11:57
ORF verhängt über Moschitz Redeverbot ?

Ein engagierter investigativer Journalist des ORF gerät durch einen ausgesprochen mutigen Doku-Beitrag, der von ausgewiesenen Kommunikations-wissenschaftern sogar als auszeichnungswürdig eingestuft wird, zwischen die Fronten derparteipolitischen Auseinandersetzung. Selbstverständlich schützt der ORF seinen Mitarbeiter nach Kräften, ja missachtet sogar einen letztinstanzlichen Gerichtsbeschluss. Es geht doch um den unantastbaren Schutz der Pressefreiheit. Man wird sich gegen die ungerechtfertigte Anschuldigung der Anstiftung zur Wiederbetätigung doch mit allen Mitteln zur Wehr setzen dürfen. Warum dann aber Redeverbot für den bedrohten Mitarbeiter? Und weder er selbst noch 151 Postings hier finden das eigenartig? Im Kontext Pressefreiheit?

hed
27
30.9.2010, 13:50
na ja.

ich sehe diese arbeit nicht als bahnbrechendes journalistisches werk. das hat eher privat-tv-niveau.

ichFrieder
11
30.9.2010, 17:09

Das liegt aber an Ihnen, wenn Sie den Unterschied nicht erkennen können.

johannes mayer1
31
29.9.2010, 23:04
Herr Moschitz wundert mich schon sehr ...

So solll doch sein Grossvater bei der NSDAP ein hoher Funktionär gewesen sein!!

ichFrieder
00
30.9.2010, 17:10

Na und ?
Meiner auch, trotzdem kotzt mich das Nazigesocks an.

tucker maxxx
01
29.9.2010, 23:18

spinner.
und wenns so gewesen wär, was kann e.m. dafür?

Mstkrl
04
30.9.2010, 00:18
Zumindest die Methode scheint er übernommen zu haben.

Alex Calder
20
29.9.2010, 22:15

Wer sich mit jemandem wie Kurt Kuch auf ein Packl haut, sollte wirklich nicht mehr erwarten, ernstgenommen zu werden.

Ger77
03
29.9.2010, 22:03
Pressefreiheit <-> Verbotsgesetz

Es kann ja wohl nicht so sein, das ein Journalist verdächtigt wird, eine strafbare Handlung begangen zu haben und unabhängige Behörden dürfen das überhaupt nicht untersuchen.
Das würde ja letztlich bedeuten, das Journalisten zu allem anstiften könnten, ohne das sie dafür belangt werden. Genau deswegen muß die Justiz auch die Möglichkeit bekommen die Schuld zweifelsfrei zu beweisen, bevor sie dann Anklage erheben würde.
Für diesen Journalisten gilt natürlich jetzt erstmal die Unschuldsvermutung, wie für alle StaatsbürgerInnen unseres Landes.

hotzenplotz1001
12
29.9.2010, 16:27
Hier scheint die Justiz mit ihrem tendenziell vormodernen Weltbild ihr eigenes Süppchen zu kochen.

Pressefreiheit hat in diesem Weltbild keinen Platz. Kritik wird als Frechheit empfunden.

stefan1981
713
29.9.2010, 14:50

na geh, da ist wohl der plan des journalisten nach hinten losgegangen. jetzt steht er selbst als nazi da.

Ger77
01
29.9.2010, 22:12
Blödsinn

Es geht nicht um Kritik an der Justiz. Es geht darum das man die Justiz zwingen möchte festzuschreiben, dass Journlisten wegen Straftagen nicht belangen werden können. Denn nichts anderes wäre es wenn man die Herausgabe der Bänder erfolgreich verhindern kann. Dann dürfte nie ein Vorwurf einer Straftat durch geheime Einsicht in Material des ORF aufgeklärt werden. Bei der faktischen Macht die der Journalismus hat, wäre das gleichbedeutend mit Erlaubnis zu medialer Willkür.

hed
00
30.9.2010, 00:59
sie missverstehen ein wenig das konzept der pressefreiheit...

il nerd
00
30.9.2010, 13:21

und sie verstehen nicht, dass jedes recht auch irgendwo enden muss. und nicht ein freibrief für jede aktivität ist.

a number only
00
1.10.2010, 13:05

Das wirkliche Problem ist schon, das muss man fairerweise auch eingestehen, dass man heute unter dem Zusatz es gilt die Unschuldsvermutung so ziemlich alles an Vermutungen, Gerüchten etc. publizieren darf und das auch viele machen. Die Causa Hypo-Alpe-Adria ist da schon ein ganz gutes Muster: geschätzte 80 bis 90 % der in den Medien widergegebenen Inhalte (im Sinne von vermuteten kriminellen Handlungen) haben sich bei manchen Involvierten schon vor einer Verhandlung als falsch herausgestellt. Das ist schon eine enorm hohe "Trefferquote" im negativen Sinn mit allen möglichen Folgen, auch wirtschaftlicher Schäden, für die Betroffenen. Ich glaub, viele sind da schon etwas leichtfüßig unterwegs.

Terence Lennox
02
29.9.2010, 14:47
das verbot der zitate..

..aus gerichtsakten (eines laufenden verfahrens) hat übrigens gute und richtige gründe. es sollte auch in österreich verboten werden. so lange es nicht verboten ist, soll man aber auch niemanden einvernehmen. aber achtung: liegt ein haftbefehl vor, kann der jeweilige journalist in deutschland festgenommen werden. die deutsche staatsanwatschaft wird sich aber hüten, haftbefehle auszustellen. also viel wind und nichts..

nichtkaefer
02
29.9.2010, 18:32
Wie bitte?

Sie wollen es verbieten, dass österr. Jounalisten aus Gerichtsakten zitieren? Wie sollen sie denn dann ihre Vorverurteilungen fällen, die das Gericht gefälligst nachzuvollziehen hat?

aburrido
104
29.9.2010, 14:42
das problem ist...

österreich ist an allen öffentlichen stellen von
den ewiggestrigen unterwandert. schon so sehr, dass es schon bald zu ruinös wird, denen auch nur irgendwie in die quere zu kommen.

stefan1981
16
29.9.2010, 17:04

ja genau, überall sind die und planen schon den wiederannschluss an schland.

man kanns auch übertreiben würde ich sagen....

hed
01
30.9.2010, 01:01
na ja, dass die überall sitzen

ist ja kein geheimnis. und das viele von denen österreich as wurmfortsatz deutschlands sehen ist auch tatsache...

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 168
1 2 3 4

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.