Urteil stellt Spielhöllen einen Freibrief aus

Andreas Schnauder , 28. September 2010, 18:51
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    Die Spielhöllen schalten einen Gang höher.

Konsequenzen aus EuGH-Entscheid: Innsbrucker Gericht spricht einen "illegalen" Automatenbetreiber frei

Die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs, wonach Kasinolizenzen EU-rechtswidrig vergeben worden seien, hat Konsequenzen: Ein Innsbrucker Gericht hat jetzt einen "illegalen" Automatenbetreiber freigesprochen.

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Innsbruck/Wien - Es sei eine "irrige Rechtsauffassung", die Glücksspielentscheidung des Europäischen Gerichtshofs als Freibrief für die Eröffnung neuer Spielhöllen zu sehen. Mit dieser Aussage reagierte VP-Finanzstaatssekretär Reinhold Lopatka Mitte September im Gespräch mit dem Standard auf die Ansicht von Juristen, das Glücksspielgesetz könne nach dem Urteil der Luxemburger Höchstrichter nicht mehr exekutiert werden.

Allein, die Richter scheinen nicht viel von Lopatkas Einschätzung zu halten. In einem ersten Urteil nach dem EuGH-Entscheid hat das Innsbrucker Bezirksgericht am Dienstag einen Automatenbetreiber freigesprochen, wie Richterin Georgia Stix-Jaudl auf Anfrage bestätigte. Er war wegen illegalen Glücksspiels angeklagt worden. Die Strafandrohung lautet auf sechs Monate Freiheitsentzug. Das Gericht habe sich unmittelbar auf das Erkenntnis der Kollegen in Luxemburg berufen, so Stix-Jaudl zum Standard. Das Urteil ist nicht rechtskräftig, der Staatsanwalt hat drei Tage Zeit für eine allfällige Berufung, mit der aber nicht gerechnet wird.

Die Höchstrichter haben im September festgestellt, dass die Vergabe der zwölf österreichischen Kasinolizenzen (künftig 15) intransparent, diskriminierend und somit gemeinschaftswidrig über die Bühne gegangen sei. Anlassfall der Entscheidung war eine 2000-Euro-Strafe gegen den deutschen Staatsbürger Ernst Engelmann, der zwischen 2004 und 2006 in Linz und Schärding zwei nichtangemeldete Spielkasinos betrieb. Er wurde im März 2007 vom Bezirksgericht Linz wegen illegalen Glücksspiels verurteilt. Er ging in Berufung, das Landesgericht legte die europarechtlich relevanten Fragen dem EuGH vor. Die Linzer Richter müssen nun auf Basis des Luxemburger Urteils eine Entscheidung treffen.

Chaos befürchtet

Engelmann wird übrigens ebenso wie der in Innsbruck freigesprochene Lokalbesitzer von Patrick Ruth vertreten. Der Rechtsanwalt ist überzeugt, dass es bis zu rechtskonformen Vergabe der Kasinolizenzen zu keiner Verurteilung in Österreich kommen werde. Diese Ansicht vertritt auch der Chef des Automatenverbands, Helmut Kafka. Er rechnet mit "Chaos" auf dem Glücksspielmarkt und fordert das Finanzministerium dazu auf, die für nächstes Jahr geplante Ausschreibung der Lizenzen zu beschleunigen. Ansonsten würden neben kleinen Lokalbetreibern auch zusehends internationale Anbieter das rechtliche Vakuum ausnützen und Automaten in Österreich aufstellen oder Spielbanken eröffnen, erklärt Kafka.

Ein fahles Licht wirft die aktuelle Entwicklung auch auf die Schwerpunktaktionen der Soko Glücksspiel, die vom Finanzministerium bei der Kiab (Kontrolle illegaler Arbeitnehmerbeschäftigung) eingerichtet wurde. Sie hat bereits Razzien in Oberösterreich, Salzburg und im Burgenland durchgeführt, Geräte beschlagnahmt. Auch diese Aktionen werden infrage gestellt, da mit keinen Verurteilungen zu rechnen ist. Im Gegenteil: Es drohen Schadenersatzklagen der Betreiber. Polizeijuristen sollen die Kiab-Verantwortlichen bereits darauf aufmerksam gemacht haben, doch das Finanzressort bleibe hart und drohe mit Amtshaftungsklagen, sollte die Polizei die Razzien nicht unterstützen.

Apropos Amtshaftung: Entsprechende Klagen stehen auch der Republik ins Haus, weil sie die Lizenzen den Casinos zugeschanzt und potenzielle Anbieter verhindert hat. Ausbreiten könnte sich das Chaos auf die Lotterien, die den Casinos gehören, da auch Verfahren gegen "illegale" Lotto-Anbieter laufen. Wenn dieser Fall beim EuGH landen sollte, rechnet Kafka mit dem gleichen Ausgang wie in der Causa Spielbanken, weil es ebenfalls keine transparente Vergabe gab. (Andreas Schnauder, DER STANDARD, Printausgabe, 29.9.2010)

Kommentar posten
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Wolfi Krawattl
02
29.9.2010, 15:14
Lopatka hats wieder mal geschafft!

Lopatkas Glücksspielegesetz hat schon beim ersten Gerichtsurteil versagt! Bin gespann ob der Hr.Lopatka auch dafür gerade steht wenn den Lotterien Strafen ins Haus stehen oder ob einfach der Steuerzahler die Unkompetenz von einem Staatssekretär ausgleichen muss?

Peter_23
02
29.9.2010, 18:48
Spezialisten wie Lopatka leisten eben mehr

aha , hier ist mein senf :
20
29.9.2010, 14:50

also entweder hat er sich an das gesetz gehalten, dann muss er aber eine lizenz haben und daf es casino nennen oder er hat einfach so illegel automaten aufgestellt, dann darf auch ein richter nicht einfach das gegenteil behaupten.
das bei einem unfall oder anderen nicht eindeutigen fällen eine entscheidung nicht leicht zu treffen ist, ist klar, aber gerade beim glücksspiel müsste es eigentlich so geregelt sein, das auch anwälte das gesetz nicht biegen können (einzige ausnahme wäre onlineglücksspiel - das gibt es noch nicht so lange), bei drogen klappt das auch.

Jan Sommer
00
30.9.2010, 09:58
Schon gleich zu riechen - ungeniessbarer Senf !

EU Recht bricht nationales Recht.

Die bekannte Folge eines nationalen rechtswidrigen Zustandes:

Die rechtswidrige Verlängerung der Casinokonzessionen wurde vom EuGH festgestellt - das nationale Gericht hat dem in seinem Urteil zu folgen - Freispruch ist logisch.

Über die "Nichtbestrafbarkeit" wenns national nicht EUgemäß ist, gibts längst schon ältere Entscheidungen des EuGH.

...und nicht der Richter hat sich Ihrem, Lopatkas oder Casinos Austrias "rechtlichem" Wohlbefinden unterzuordenen.
js

Cbrando
01
29.9.2010, 13:32
Ein Abend voller Charme und Chancen

... so hat ein Slogan der Österreichischen Casinos einmal gelautet, eigentlich ein Witz, wenn man die abgehetzten Casinobesucher an den Spieltischen sieht. Dass der Zockerei + stumpfsinnigen Automatenspiel offenbar sukzsessive Tür und Tor geöffnet wird, ist nicht Ausfluss unserer Konsumgesellschaft, sondern ein echtes Versagen von Kommunal- und Bundespolitik. Die Österreicher (ver)spielen doppelt soviel wie der europäische Durchschnitt - die Frage ist: Sind wir wirklich bescheuerte Spiel-Dolme?

politisch-unkorrekt
01
29.9.2010, 12:46
eigentlich unglaublich,

da die opfer vor allem bildungsferne, sozialschwache, sowie psychisch labile menschen sind!

Captain Ludd
219
29.9.2010, 11:50
Seltsam.

Kaum ist Johannes Hahn (Vorstandsvorsitzender der Novomatic AG sowie Aufsichtsratsvorsitzender von deren Tochterunternehmen Admiral Sportwetten GmbH) in Brüssel angekommen, schon rollt der Rubel.
Lustig auch:
Der Ex-Wiener Landespolizeikommandant Roland Horngacher benutzte über mehrere Monate Luxusautos, die auf die Novomatic AG zugelassen waren. Er wurde u.a. wegen Amtsmissbrauchs im Zusammenhang mit einer Razzia in einem zur Novomatic-Gruppe gehörenden Casino verurteilt.

Heute ist er Rechtsberater von Novomatic.

Die Mafia ist dagegen ein Ponyhof.

Carlito336
00
29.9.2010, 14:01
Und der Ex-Minister Schlögl,

seines Zeichens Aufsichtsrat der Novomatic, war der nicht auch ein Freunderl oder Schwager vom Horngacher?
Gibts noch Skandale in der Republik, in der die Novomatic nicht ihre finger im Spiel hat?

In Italien nennt man die Verschränkung von Politik, Unterwelt und Wirtschaft Mafia, in Neapel Camorra.

Der dicke Michl
13
29.9.2010, 13:43

Wer nichts weiß muss glauben, nicht? Die EuGH Entscheidung wäre so und so gekommen und sie stellt Novomatic nicht schlechter, ganz im Gegenteil. Die Lizenz wurde den Casinos Austria, also dem größten Konkurrenten von Novomatic, von der Politik praktisch zugeschanzt (fragen Sie sich mal, wer für die Lobby gemacht hat). Das war rechtswidrig (was keinem österr. Richter weiter auffiel) und die Novomatic kann sich jetzt für ebendiese Lizenz bewerben.

Die vielen grünen Stricherl bedeuten, dass viele Leute keine Ahnung haben, wie die EU funktioniert. Das wahre Problem liegt im Parlament in Wien. Dass Lobbyisten dort Abgeordnete "anfüttern" und leitende Polizisten "unterstützen" dürfen ist nicht Schuld der EU.

Spaceman Spiff
03
29.9.2010, 12:10

Das verstehe ich nicht. Novomatic hat mit der letzten, ihr zugeschnittenen Reform praktisch eine Monopolstellung im Automatengeschaeft erhalten. Der Spruch des EuGH ist meiner Auffassung nach, sehr schlecht fuer die Novomatic.

Gordon_Gecko
00
29.9.2010, 13:01

Ach die haben sich ja ein Monopol in ihrem Geschäftsfeld geschaffen, da werden kleinere Anbieter sicher nicht mitkommen, die können es sich leisten Automaten zu "subventionieren" und "Gagdets" zu verteilen. Gleichzeitig kommen Sie aus der Schusslinie, weil der Markt "offiziell" offen ist. Klar hätte es besser laufen können, aber unbedingt schlechter wird das Geschäft jetzt auch nicht gehen.

Corello
 
00
29.9.2010, 11:39
"Spielhöllen"

sollte wohl "Spielhöhlen" heissen.

...trifft es aber besser.

Gordon_Gecko
20
29.9.2010, 11:28

Helmut Kafka?Handelt es sich dabei um den fleißigen-Krone-Briefverfasser?

Ernesto Chavez
48
29.9.2010, 11:22
HAUPTSACHE RAUCHEN VERBOTEN !

aber alles andere, was die Gesellschaft schädigt, Familien zerstört, volkswirtschaftliche Kosten, ist alles erlaubt, weil das grosse Geld drin steckt: Saufen, Auto-Rasen, Spielen, etc...

exilkaerntner
72
29.9.2010, 11:49
weiterer logikfehler unseres toscanaroten!

auto-rasen ist verboten mein lieber!
saufen kann unter umständen auch verboten sein! don't drink and drive!
also! kleiner tipp- wird bei dir zwar schall und klanglos abprallen- aber ich stell mich mal naiv!
1. denken.
2. dann posten.

Ernesto Chavez
24
29.9.2010, 11:46
Richtigstellung

Sorry, mein Posting war wohl etwas verkürzt und nicht als Ironie gekennzeichnet.

Ich wollte darauf abzielen, dass die Politik das Rauchen zum grossen Thema macht und heuchlerisch mit der Gesundheit der Gesellschaft argumentiert.
Während andere gesellschaftsschädigende Abhängigkeiten wie z.B. Spielen etc. grosszügigst gefördert werden.

Der dicke Michl
00
29.9.2010, 13:47

Eines nach dem anderen. Spielen war lange Zeit verboten und seit einiger Zeit hat man vergessen wieso. Viel Geld, das von diversen Lobbyisten an fast alle Parteien verteilt wurde, half beim vergessen.

Jetzt müssen halt wieder viele Leute reinbeissen, und kräftig Geld verlieren. Dann müssen wohl einige Landstriche und Grätzel versandeln, bis die Leute aufstehen und wieder Politiker wählen, die gegen dieses Problem auftreten.

Auch beim Rauchen wird man irgendwann wieder vergessen haben, wieso man es verboten hat. Dann wird es wieder kommen und alle werden sich dann ärgern, wieso es wieder überall nach Tschick stinkt.

trollvottel
00
29.9.2010, 12:54

Wenn ein Zocker sein gesamtes Hab und Gut verspielt und sich dann umbringt, krepieren wenigstens keine unschuldigen, nicht zockenden Leute an Lungenkrebs.

Ich rauche auch - aber auch mich nerven die rücksichtslosen Volldeppen, die jedes noch so gemütliche Restaurant, jedes zweite ÖBB-Klo usw usw vollstinken, oder sich auch ohne mit der Wimper zu zucken mitten in eine Kindergartengruppe stellen und die Tschick anheizen

Stipso Stipsic
23
29.9.2010, 11:36
Aha!

Rauchen schädigt nicht die Gesellschaft, zerstöt keine Familien, verursacht keine volkswirtschaftlichen Kosten und es steckt kein großes Geld dahinter. Ich dachte, Faschingsbeginn sei erst am 11. 11.

baroli
31
29.9.2010, 11:48

Klar steckt großes Geld dahinter.
1,3 Milliarden an Tabaksteuer plus 400 Millionen Mwst. die der Finanzminister einsackt.

Wo bitte zerstört das Rauchen Familien ?
Und die Gesellschaft wird geschädigt, wenn ich in einem Raucherlokal, daheim oder im Freien rauche ?
Das erklären sie mir einmal.

Und mit den Krankheitskosten brauchen sie mir gar nicht erst kommen.
Jeder Schi-oder Autofahrer verursacht mehr Kosten, auch jeder Übergewichtige und jeder Alkoholiker sowieso.

Der dicke Michl
10
30.9.2010, 10:06

Das hab ich übersehen: Ein Übergewichtiger schädigt keinen anderen durch die Einnahme seines Essens. Das ist der sehr große Unterschied zum Rauchen.

Es geht darum ob der Genuß, den ein Einzelner haben möchte, zu Lasten anderer geht, die sich dagegen entscheiden. Dessen Entscheidung muss eben auch respektiert werden. Wobei der Genuß weiter möglich muss - es muss die freie Entscheidung des Einzelnen bleiben. Alles andere wäre Gesundheitsfaschismus.

baroli
00
30.9.2010, 12:21

Da rennen sie bei mir offene Türen ein.
Jeder kann sich entscheiden, ob er ein Raucherlokal oder einen Raucherbereich aufsuchen möchte, oder eben nicht.
Am Arbeitsplatz und in Ämtern, Schulen, Spitälern ist sowieso RV.
Das reicht den NR Fanatikern aber nicht.
NY z.B. will schon das Rauchen in den Parks verbieten.
Bei uns nur eine Frage der Zeit, bis auch das gefordert wird.

Der dicke Michl
00
30.9.2010, 14:43

Ja, der Gast kann es sich aussuchen. Der Angestellte nicht. Sehr viele Menschen müssen den Arbeitsplatz nehmen, den sie kriegen. Das bisschen Verzicht muss drinnensein.

baroli
00
30.9.2010, 14:50

Von mir aus können ja in Raucherlokalen Raucher bedienen und in NR eben NR, mir doch egal.
Ich kann nur nicht einsehen, daß 1/3 der Bevölkerung nicht zum Kaffee oder Bier eine rauchen darf.

Der dicke Michl
00
1.10.2010, 12:05

Ob Raucher bedienen oder nicht ändert nichts am Problem der Gesundheitsschädigung. Und das ist ja das zentrale Argument der Nichtraucherlobby. Jeder darf im übrigen zum Kaffee oder Bier eine Zigarette rauchen. Nur halt nicht (mehr) in einem öffentlichen Lokal. Was wohl mittelfristig dazu führen wird, dass Raucherclubs entstehen werden, wo man Einladungen braucht, etc...

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