Länderspiel-Übertragungen per neuem TV-Vertrag bis 2013 unter Dach und Fach - Auf eine Ausschreibung wurde verzichtet
Konkurrenz ist (noch) nicht erwünscht! Ohne Ausschreibung haben sich nach einem Bericht von "90minuten.at" der Österreichische Fußball-Bund (ÖFB) und der ORF am Dienstag über einen neuen TV-Vertrag betreffend der TV- und Radio-Übertragungsrechte der Heimspiele des österreichischen Nationalteams geeinigt. ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz, ORF-Informationsdirektor Elmar Oberhauser, ÖFB-Präsident Leo Windtner und ÖFB-Generaldirektor Alfred Ludwig unterzeichneten am Dienstag in Wien den neuen Vertrag, der bis 30. Juni 2013 gültig sein wird.
Im Anbetracht der Tatsache, dass dieser Vertrag ohne Ausschreibung zustande gekommen ist, sind vor allem zwei Aspekte bemerkenswert: zum Einen die rechtliche Frage, andererseits aber auch die Frage, ob man von Seiten des ÖFB überhaupt daran interessiert ist, einen Markt zu entwickeln.
Windtner: "Verhandlungen mit offenem Visier"
Doch der ÖFB denkt hier offensichtlich anders. Nach Aussagen von ÖFB-Präsident Leo Windtner wurden die nicht einfachen Verhandlungen mit dem ORF erfolgreich beendet, "sie wurden jedoch immer mit offenem Visier geführt", so Windtner.
Vielleicht wären die Verhandlungen aus Sicht des ÖFB ein bisschen leichter von der Hand gegangen, wenn der mächtige Sportverband in Person von Präsident Leo Windtner und Generaldirektor Alfred Ludwig noch ein paar Alternativen in der Hinterhand gehabt hätten. Doch der ÖFB setzt lieber auf den seit Jahrzehnten vertrauten Partner, als zu erkunden, was sonst noch am Markt möglich gewesen wäre.
"Entsprechende Reichweite, außerdem ist es unkompliziert"
"Die Frage ist, was kann ich mit welchem Partner bewegen. Die Zeit für die privaten TV-Sender in Bezug auf das Nationalteam ist noch nicht reif. Nur mit dem ORF haben wir die entsprechende Reichweite und das Österreich-weit. Außerdem ist es unkompliziert. Man darf auch nicht vergessen, dass Werbe-Partner mit diesem TV-Vertrag ebenfalls bedient werden müssen", verteidigten sich Gigi Ludwig und Leo Windtner auf Anfrage von "90minuten.at".
Ludwig geht sogar einen Schritt weiter: "Außerdem ist keiner der Privaten an uns herangetreten und hat Interesse an den TV-Rechten bekundet. Zudem hatte der ORF das erste Recht auf Vertragsverlängerung. In drei Jahren, wenn der so eben unterschriebene Vertrag ausläuft, wird die Situation eine andere sein und die Privatsender eine Rolle spielen", so Ludwig, der in diesem Zusammenhang auch an die Öffnung der ÖFB-Cup-TV-Rechte mit dem Beispiel Puls4 erinnerte. Rechtliche Probleme bezüglich der fehlenden Ausschreibung befürchten Ludwig und Windtner nicht.
Offizielle Anfrage ohne Antwort
Dass es kein Interesse der Privaten gegeben hätte, entkräftet laola1.at-Geschäftsführer Karl Wieseneder: "Wir haben letztes Jahr eine offizielle Anfrage an den ÖFB bzgl. Nationalteam-Rechte gestellt. Bis auf eine Antwort, dass der ÖFB dieses Angebot prüfen werde, haben wir nie wieder etwas von Seiten des ÖFB gehört", so Wieseneder.
Auch der Ärger anderer Privatsender ist entsprechend groß. "Natürlich haben wir Interesse an TV-Rechten. Wir warten von Seiten des ÖFB auf die Ausschreibung dieser Rechte", sagte Michael Stix von der ProSiebenSat.1 Media AG. Ähnlich äußert sich ATV-Sportchef Mark Michael Nanseck: "ATV hätte Interesse an diesen Rechten. Wir wurden jedoch von Seiten des ÖFB nie kontaktiert". Auch Pay-TV-Sender Sky kann auf Nachfrage nur bestätigen, dass keine Ausschreibungsunterlagen eingetroffen sind. Eine rechtliche Prüfung der "Nichtausschreibung" wurde bereits von den Privaten in Auftrag gegeben.
Die Chance im Sinne des Fußballfans und auch für die Sponsor- und Werbepartner das Maximum an Coverage und innovativen Konzepten zu erreichen ist jetzt jedenfalls bis 2013 dahin.
"Mit dem ORF verbindet den ÖFB eine jahrzehntelange Zusammenarbeit, die stets im Sinne des österreichischen Fußballs und seiner Fans funktionierte. Da die Kooperation auch die Frauen-Nationalteams sowie die Nachwuchs-Nationalmannschaften bis zur U21 beinhaltet, ist gewährleistet, dass auch die Auswahlen aus der vermeintlich zweiten Reihe TV-Präsenz erhalten", sagte Windtner. (red)