Missbrauch in der Kirche

Betroffener droht Staat mit Klage

Markus Rohrhofer, 28. September 2010, 16:02

Konkordat „verpflichtet“ – Opfer fordert 690.000 Euro

Wien - Die Bemühungen von staatlicher Seite hielten sich in Zusammenhang mit den Missbrauchsfällen, abgesehen von einem einmaligen "Runden Tisch", bis dato in Grenzen. Doch jetzt könnte auch die Republik vor allem rund um die Missbrauchsfälle innerhalb der katholischen Kirche unfreiwillig zur Verantwortung gezogen werden. Ein Opfer sieht den Staat in der Pflicht und fordert rund 690.000 Euro an Entschädigung. Die Wiener Anwältin Vera Weld hat jetzt im Namen ihres Mandanten ein entsprechendes Aufforderungsschreibens bei der Finanzprokuratur der Republik Österreich eingebracht.

"Auf ewig und Amen"

Heikel könnte es für die Republik, nach Ansicht der Juristin, aufgrund des Konkordats werden. "Die Kirche genießt durch diese völkerrechtliche Vereinbarung zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Staat Österreich eine Sonderstellung und verfügt über zahlreiche Privilegien. Und ist die Kirche nicht haftbar, muss der Vertragspartner in die Pflicht genommen werden. Immerhin hat der Staat ja auch den Vertrag auf ewig und Amen unterzeichnet", so Weld. Konkret sei im Fall ihres Mandanten der Staat seiner Aufsichts- und Schutzpflicht in der Schule nicht nachgekommen.

Der heute 60-Jährige war in den sechziger Jahren in einem Grazer Ordens-Internat untergebracht und, nach eigenen Angaben, sexuellen Belästigungen und körperlichen Übergriffen durch den damaligen Präfekten ausgesetzt. "Da jedem Geistlichen gemäß Artikel XVI. des Konkordats‚ das ´Recht des freien Zutritts zu Anstaltsinsassen, die in Anstalten für Erziehungsbedürftige untergebracht sind, behufs freier Ausübung seines geistlichen Amtes‘ gewährleistet ist und dieses Recht von dem Präfekten missbraucht wurde, hat die Republik Entschädigungen zu leisten", ist Weld im Standard-Gespräch überzeugt.

Ihr Mandant habe durch den Missbrauch schwere gesundheitliche Nachteile erlitten: "Psychose, Suizidversuch - 105.000 Euro Therapiekosten. Und ein abgebrochenes Technik-Studium sowie eine gescheiterte Ehe." Die Summe von exakt 686.875,49 Euro hält Weld für angemessen: "Neben den Therapiekosten wurden zur Berechnung die parallelen Verdienstmöglichkeiten herangezogen, wäre es möglich gewesen, die ursprünglich geplante Karriere zu machen." Bis zum 5. Oktober hat die Republik Zeit, das Geld zu überweisen, sonst rechnet die Anwältin mit einem Klagsauftrag. (Markus Rohrhofer, DER STANDARD, Printausgabe, 29.9.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 204
1 2 3 4 5
Heinz Laumen
00
30.9.2010, 22:02
Betroffene

Ist Gott gütig?? Nein er ist nicht gütig, Die Priester, Kardinäle, Nonnen, Patern verstecken sich nur hinter diesem Gott. Und der Oberfranz in Rom hat alles im Griff, da wird alles unter den Mantel der Christenheit gestellt! Pädophile, G Nonnen, konnten sich nach Herzenslust Sexuell-befriedigen. Alles im Namen Gottes. Da ist mir der Teufel lieber. Schaut mal bei YouTube Heimkind Heinz.L. Das ist Gott mit seinen Pädophilen, und Nonnen. Dieses ist für alle Missbrauchten Heimkinder von heute und Anno in Österreich und Deutschland.

Eva Nowatschek für -Snap-Austria
 
01
1.10.2010, 20:18
brecht das Schweigen

Bitte anklicken-lesen-
Vormals aus dem vatikanischen Geheimarchiv.

Erstmalig durch Freunde und Mitarbeiter von Eva Nowatschek ( Austria) ,der Öffentlichkeit via internationaler Medien zugängig gemacht.
http://image.guardian.co.uk/sys-files... inales.pdf
http://images.zeit.de/gesellsch... ertone.pdf
Diese Tatverschweigungs-Dokumente aus dem Vatiak haben der Öffentlichkeit Augen und Ohren geöfffnet.Und aus vorweg naiven Schäfchen der kath.Kirche,mündig-denkende Menschen gemacht,die es nicht mehr dulden werden,wenn wehrlose Kinder,die der kath.Kirche anvertraut waren und sind,vom Vatikan zu deren perversen und verbrecherischen sexuellen Treibjagd,ihrer hauseigenen und dem Vatikan bekannten Pädokriminellen freigegeben

Heinz Laumen
10
30.9.2010, 21:51
Klage gegen den Staat

Bin selber ein ehemaliges Heimkind, es ist völlig richtig das man jetzt gegen den Staat klagt. Ich glaube es kommt in Deutschland auch so. Er hatte ja auch die Aufsicht meistens über die Heime (Jugendämter) gehabt. Nur eins steht auch fest, diese Pädophilen hatten ihren Spaß daran. Und sollen jetzt einfach so davon kommen? Nein so nicht Die Kirche sagt: Wer an Jesus- Christus glaubt hat ewiges Leben.
Die Heimkinder sagen: Wer die Kinder Missbraucht, hat kein ewiges Leben.

Paul Wagger
11
30.9.2010, 09:24
Wenn man ihm das 1000-fache zahlt

bleibt er ein armes Hascherl, weil er sich immer nur in der Opferrolle sieht. Ich bin auch missbraucht worden, aber ICH habe aus meinem Leben etwas gemacht. (Aber vielleicht hätte ich, wenn mir nicht Unrecht geschehen wäre, Bill Gates Konkurrenz gemacht. Ja, wahrscheinlich. Wer zahlt mir den Verdienstentgang? Ironie aus).

countdawn
00
30.9.2010, 12:41
armes Hascherl ?

Der Betroffene ist nicht so ein armes Hascherl, wie Sie vermuten, Herr Wagger.
ER (!) ist nicht missbraucht worden, die Kirche und mit ihr der Präfekt hat seine Macht missbraucht. Der Betroffene sieht sich auch nicht als Opfer, sondern hat Schaden erlitten und hat sich aus den Klauen der Kirche befreit und verlangt nun selbstbestimmt Entschädigung. Wenn die Kirche, wie das Vorgehen der Klasnic-Kommission zeigt, dazu nicht bereit ist, muss der Mithafter (der Staat) wegen des Konkordats dafür herhalten. Er kann ja dann bei der Kirche Regress einfordern. Sollte der Staat der Kirche eine eigene Kriminalgerichtsbarkeit zugestehen, was wäre das dann ..... ?
Nur Geduld ... der Betroffene ist kein armes Hascherl aber eine "Software" wie Bill Gates

Der Mann mit der Maske
00
30.9.2010, 09:34
wohl nur in deiner phantasie

Paul Wagger
00
30.9.2010, 08:57
Logischer Weise hieße das:

Die heute Erfolgreichen schulden einem Lehrer, der sie als Kind ermutigt hat, das ganze Vermögen, das sie seither erwirtschaftet haben.
Man kann doch nicht Erfolg oder Misserfolg auf ein einziges Ereignis in der Vergangeheit zurückführen. Natürlich beeinflussen uns die Mitmenschen, aber wir sind nicht ihre Marionetten.

countdawn
00
2.10.2010, 13:29
Umkehrschlüsse sind nicht immer logisch

Sehr wohl verdankt man/frau den Erfolg und das Wissen demjenigen, von dem es erworben hat! Ein wahrhafter Mensch wird dies auch danken, so wie auch ich vieles meiner Familie, Lehrern und Freunden danke und mit Ihnen teile. Ich würde das als Guthaben bezeichnen, für das man dankbar ist, das aber nicht im Nachhinein einforderbar ist, ausgenommen Dinge wie Copyright.
Wird aber nicht Erfolg erzielt, sondern Schaden angerichtet, so kann man sehr wohl die Wiedergutmachung dieses Schadens einfordern. Lehnt dies der/die SchädigerIN ab, so ist das nicht wahrhaftig und nicht verantwortungsvoll.

Sternchen100
10
29.9.2010, 13:28

Man kann Übergriffe nicht entschädigen. Und wie will man das alles nach sovielen Jahren eigentlich beweisen und nicht nur behaupten? Aber nehmen wir an, es gab Missbrauch und Übergriffe, dann sind die Therapiekosten und Schmerzensgeld angemessen, aber eine potentielle berufliche Karriere kann man wirklich nicht vorhersagen!

Chairman of the Bored
 
00
29.9.2010, 12:45
Geh bittä, Vera,

hätti-wari. Da samma wieder beim Thema "Ich bin zeugungsfähig, also habe ich Rücklagen für etwaige Alimente zu bilden". Was jemand gekonnt hätte, weiß niemand.

Aber satte TP3as, die Du bei diesem Streitwert abkassieren wirst. Dann kannst ja wieder mal einen Literatursommer finanzieren.

mirko burijan
00
29.9.2010, 12:21
ausgezeichnet.

da hätte das längst fragwürdig gewordene konkordat endlich einen sinn bekommen.

bin freilich skeptisch, ob diese argumentation standhält - und überhaupt in den weihwassergeschwängerten amtshallen durchgeht.

countdawn
00
30.9.2010, 17:01
so macht das konkordat sinn!

Das sehe ich auch so!
Mitgehangen ist mitgefangen.
Deshalb, Liebe Kirchenmitglieder und Kirchensteuerzahler, bitte tretet jetzt nicht alle aus!
Wer soll sonst die Betroffenen denn dann entschädigen, wenn der Staat Regress von der Kirche fordert, und diese sich aufgelöst hat?
Also bitte schön brav weiter Kirchensteuer zahlen und das Konkordat aufrecht erhalten!
schmunzel .....

Mariedl
00
29.9.2010, 12:02

das kommt überhaupt nicht in frage !

ravenna
03
29.9.2010, 11:50
Abschaffen...

...bzw. für ungültig erklären.

Das aktuell gültige Konkordat basiert auf Regelungen von 1448 (!). Das damals die Kirche tun und lassen konnte, was sie wollte, ist hinlänglich bekannt. Extrawürste, die sich aus "Rechten" zu Zeiten von Hexenverbrennungen ableiten, können ja wohl kaum rechtmäßig sein.

http://www.aeiou.at/aeiou.enc... 629588.htm

Heiner Bussy
11
29.9.2010, 11:05
Lustiger Einfall, diese Klage

Gibt es dafür Verfahrenshilfe auf Steuerzahlerkosten?

countdawn
00
30.9.2010, 16:10
Lustig? Keineswegs!

Diese Klage wird nicht lustig und wird auch nicht aus Jux und Tollerei gemacht!
Wenn es keine angemessene Entschädigung für Betroffene gibt, wird der Schaden, den die Kirche dadurch erleidet, die geforderte Entschädigung um das ZIG-TAUSENDFACHE übersteigen.
Der Zug ist am Abfahren ... und er hat einen Fahrplan mit einer Endstation:
Es wird der LETZTE bzw. JÜNGSTE TAG für die Kirche

Stefan Lindemann
66
29.9.2010, 10:13
Bin in meiner Karriere als Investmentbanker gescheitert

weil ich in der Volksschule verprügelt wurde. Das hat dann zu mangelnden Selbstvertauen und schliesslich Burnout geführt.

Jetzt her mit den 10 Millionen Euro.

Toeris
00
29.9.2010, 10:55

Sonst noch blöde G'schichteln oder war es das schon?

rr772
17
29.9.2010, 10:15
Hat Dir den Häfen erspart (siehe Kulterer, Madoff usw.)

Zum Dank also 5000 Stunden Gratis-Sozialarbeit leisten, bitte bei mir im Garten anfangen.. :-)

Seria
04
29.9.2010, 10:00

kann ein vertrag, der Strafverfolgung von Mitgliedern eines Vertragspartners verhindert denn rechtsgültigkeit besitzen?
Was wäre der Schaden für die Republik, wenn das Konkordat einseitig gekündigt würde? Exkomunikation aller österreicher, der Bundesregierung?
Höchste Zeit mit solchen Anachronismen aufzuräumen!

Sternchen100
01
29.9.2010, 13:40
Prügel für Frau und Kinder war früher "üblich" (!) und Missbrauch/Pädophilie/Blutschande seit Jahrhunderten überall und generell gesellschaftlich vertuscht

Das Konkordat diente a. als Entschädigung für enteignetes Kirchengut, das private Spender über Jahrhunderte der Kirche gespendet haben (!) zur Bezahlung von Geistlichen, Betreiben von Schulen, Heimen, Krankenhäusern usw. Der Staat verpflichtet sich stattdessen, selbst Wohlfahrt, Schulen usw. zu betreiben und die Geistlichen zu bezahlen.

b. ermöglichte das Konkordat die Überwachung der Kirche und des kirchlichen Unterrichts und die Ausbildung der Kleriker.

c. darf man das nicht so ernst sehen, schließlich waren 90% der Österreicher auch Katholiken. Die Hinterfragung des Konkordats stellt sich erst, nachdem immer mehr Leute die Kirche verlassen oder mit einer anderen Religion zuziehen. (Und die ist nicht immer besser!)

Knochenmann
00
29.9.2010, 12:18
Zudem:

Unsere Politiker kommen eh alle in die Hölle. Mit oder ohne Konkordat.

peter schmidt
 
01
29.9.2010, 12:00
Ich ersuche höflich um Zitierung

jenes Artikels im Konkordat nachdem jemand von der Strafverfolgung ausgenommen wird.

bête noir
00
29.9.2010, 12:14
Wie ist denn

die "interne Gerichtbarkeit" der katholischen Kirche gegenüber missbrauchenden Priestern zustandegekommen?

mika33
31
29.9.2010, 09:39
Ohhhhh, da leben die Kirchenfeinde hier im Forum wieder auf!

Wischt euch den Schaum vom Mund!

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 204
1 2 3 4 5

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.