S&P warnt vor einer Verteuerung der Bankenrettung, die Risikoaufschläge für irische Staatsanleihen sind auf Rekordhoch
Dublin - Angesichts der horrenden Kosten für die Rettung des
irischen Bankensystems wachsen die Zweifel an der Zahlungsfähigkeit des hoch
verschuldeten Landes. Die Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P) warnte
am Dienstag, falls die Regierung mehr als die veranschlagten 35 Mrd. Euro in die
marode Anglo Irish Bank pumpen müsse, drohe Irland eine weitere Herabstufung
seiner Kreditwürdigkeit. Die Agentur Fitch stellte ebenfalls fest, die
derzeitige Bonitätsnote könne erneut in Gefahr geraten. Investoren verlangten
deshalb für den Kauf irischer Staatsanleihen die höchsten Gefahrenzulagen seit
Einführung des Euro.
Die irische Regierung muss die Investoren überzeugen, dass sie das
Bankensystem stützen und gleichzeitig das höchste Staatsdefizit in der
Europäischen Union in den Griff bekommen kann. Die Zweifel daran haben jedoch
zuletzt stark zugenommen, weil die Konjunktur an Kraft verliert und zudem eine
politische Krise droht. Deshalb waren zuletzt an den Märkten sogar Spekulationen
aufgekommen, Irland müsse auf internationale Hilfe aus dem Euro-Rettungsschirm
und vom Internationalen Währungsfonds (IWF) zurückgreifen. Dies wurde jedoch von
allen Beteiligten zurückgewiesen.
Mittlerweile kaufen Anleger zehnjährige irische Anleihen nur noch, wenn die
Rendite dabei gut 4,5 Prozentpunkte höher ist als bei deutschen Titeln. Auch die
Risikoaufschläge für andere Problemländer wie Portugal nahmen deutlich zu. Wenn
die Furcht der Anleger nicht abnimmt, wird sich die Schuldenkrise erneut
verschärfen, weil Irland dann immer höhere Zinsen für seine Schulden zahlen
müsste.
Zweifel an Bankenrettung
Erst am Montag hatte die Ratingagentur Moody's Zweifel daran geäußert, ob das
Land für alle Verpflichtungen der Anglo Irish Bank einstehen kann. Moody's
stufte deshalb die Schuldtitel des verstaatlichten Instituts scharf herunter.
Die irische Regierung bekräftigte am Dienstag jedoch ihren Beistand für das
Institut.
Die Zweifel an der Kreditwürdigkeit konnte sie jedoch nicht zerstreuen. "Ich
kann nicht so tun, als ob das derzeitige Rating völlig sicher ist", sagte
Fitch-Analyst Chris Pryce. "Dies bedeutet jedoch nicht, dass eine Herabstufung
unmittelbar bevorsteht oder unvermeidbar ist." Er forderte die Regierung auf,
ihre Glaubwürdigkeit unter Beweis zu stellen, wenn sie wie erwartet in dieser
Woche Details zur Rettung der Anglo Irish vorlegt. Gefahren für Irlands
Kreditwürdigkeit drohten jedoch auch, weil die Mehrheit der Regierung im
Parlament wackele und zudem der im Dezember fällige Haushalt für das kommende
Jahr die richtigen Signale setzen müsse.
Die Regierung in Dublin will spätestens Anfang Oktober mitteilen, wie sie die
geplante Stilllegung der Anglo Irish organisieren und finanzieren will. Bereits
die dafür bisher vorgesehenen 25 Mrd. Euro treiben Irlands Haushaltsdefizit in
diesem Jahr auf etwa 25 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung. Standard &
Poor's schätzt, dass sich die Rechnung insgesamt auf 35 Mrd. Euro belaufen wird. (APA/Reuters)