BayernLB-U-Ausschuss zu Hypo

Faltlhausers Tag der Abrechnung

28. September 2010, 17:34
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    foto: apa/widmann

    Siegfried Naser

Ausschuss belegt Ex-Aufsichtsratschef Naser mit Geld­strafe und droht mit Beugehaft, um ihn zu einer Aussage über die Milliardenverluste zu zwingen

München - Es war der Tag der Rechtfertigung: Seit Jahren muss der frühere bayerische Finanzminister Kurt Faltlhauser den Vorwurf ertragen, politischer Größenwahn sei schuld am Milliardendesaster der BayernLB in Österreich und am Balkan (Stichwort: Hypo Alpe Adria). Faltlhauser beschuldigt jetzt die Vorstände der BayernLB. Im Nachhinein räumt er teure Fehler ein.

Für Faltlhauser sind die Dinge klar: Schuld an den Milliardenverlusten der BayernLB in Österreich ist nicht er, der frühere Finanzminister. Auch nicht Ex-Ministerpräsident Edmund Stoiber, der München zum wichtigen Bankenstandort machen wollte. Schuld ist die Wirtschaftskrise - und die Bankvorstände. Faltlhauser war am Dienstag der erste wichtige politische Zeuge im Untersuchungsausschuss des bayerischen Landtags. Und er nutzte seinen Auftritt zur Rechtfertigung. Faltlhauser erhob schwerwiegende Vorwürfe gegen den früheren Bankchef Werner Schmidt und seine damalige Vorstandsmannschaft.

Zuerst aber verursachte Ex-Sparkassenpräsident und Ex-BayernLB-Aufsichtsratspräsident Siegfried Naser einen Eklat im U-Ausschuss, weil er die Aussage komplett verweigerte. Naser und Faltlhauser wechselten sich über Jahre als Chefs des Aufsichtsrats der BayernLB ab und sind damit Schlüsselfiguren der Affäre. Beide sollen erklären, wie es 2007 zum verhängnisvollen Kauf der österreichischen Skandalbank Hypo Alpe Adria kommen konnte, der die bayerischen Steuerzahler am Ende 3,7 Mrd. Euro kostete.

Beugehaft

Der Ausschuss-Vorsitzende Thomas Kreuzer (CSU) drohte Naser heute mit der vollen Härte des Gesetzes: Wenn er bei seinem Schweigen bleibt, will er ihn in Beugehaft nehmen lassen. "Rechtsgrundlose Totalverweigerung" nannte Kreuzer Nasers Verhalten, belegte ihn fürs erste mit 1.000 Euro Strafgeld. Naser bekam offensichtlich Angst und erklärte noch am Nachmittag, dass er nun doch aussagen will. "Ich habe daher meine Auffassung geändert", ließ er per Botin übermitteln. Möglicherweise schon am kommenden Donnerstag soll Naser erneut geladen werden.

Danach kam am Nachmittag Faltlhauser. Er sprach mehrere Stunden lang. Der langjährige bayerische Finanzminister trägt schwer am Unglück der BayernLB, auch wenn er das nicht offen zugibt. Im Landtag und anderswo als "schöner Kurt" bekannt, galt Faltlhauser im Landtag einerseits als äußerst klug und kompetent, andererseits als eingebildet. Die Milliardenverluste der BayernLB haben sein Ansehen beeinträchtigt. Nun rechtfertigte er sich ebenso wie seinen Freund und früheren Ministerpräsidenten Stoiber - mit schweren Vorwürfen an die Adresse des damaligen Bankvorstands.

Laut Faltlhauser verheimlichten die Banker im Sommer 2007 ein entscheidendes Dokument - den zweiten Prüfbericht (due diligence) der Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young. Darin warnten die Prüfer vor erheblichen Risiken bei der Hypo Alpe Adria. "Das wäre ein Rotlichtzeichen gewesen", sagt Faltlhauser.

Aus Faltlhausers Aussage ging hervor, dass der BayernLB-Vorstand offensichtlich in einer sehr wichtigen Frage das Einverständnis der Kontrolleure glatt vortäuschte: Die Münchner Banker verzichteten im Sommer 2007 freiwillig auf Gewährleistungsansprüche gegen die damaligen Haupteigentümer der Hypo Alpe Adria - die Kärntner Landesholding, die von Vertrauten des früheren Landeshauptmanns Jörg Haider kontrolliert wurde. Das sei falsch, erklärt Faltlhauser. "Ich möchte für einen solchen Ausschluss der Risiken nicht in Anspruch genommen werden." Ein Treffen mit Haider am 16. Mai 2007 sei "rein protokollarisch" gewesen.

In Österreich hat sich die Causa Hypo zu einer der größten Affären der vergangenen Jahre entwickelt. Die Hypo Alpe Adria war vermutlich das Vehikel, das Haider zur Finanzierung seines politischen Aufstiegs nutzte. Faltlhauser ließ heute im Nachhinein ein klein wenig Reue über den Hypo-Deal erkennen: "Der strategisch begründete Griff nach der Hypo hat sich nachträglich als Fehlgriff herausgestellt."

Der ehemalige bayerische Finanzminister Faltlhauser hat als Zeuge vor dem Untersuchungsausschuss eine Mitschuld an den Verlusten bestritten. Der Erwerb der Mehrheit an der HGAA im Jahre 2007 habe sich zwar im Nachhinein als "Fehlgriff" erwiesen, der Verwaltungsrat habe aber zu diesem Zeitpunkt "nicht alle Fakten zur Bank gekannt und nicht kennen können", sagte Faltlhauser. Das Aufsichtsgremium habe sich auf drei Sitzungen intensiv mit dem Kaufobjekt Hypo befasst, berichtete der Ex-Minister. Dabei sei man sich der "Risiken und Gefahren" durchaus bewusst gewesen. Man habe um die "spezifischen Probleme" des Geschäftsfelds der HGAA auf dem Balkan gewusst, aber die Chancen "deutlich höher eingeschätzt als die Probleme".

Die kritischen Feststellungen der Oesterreichischen Nationalbank als Bankenaufsichtsbehörde zur Hypo Alpe Adria seien ihm bekannt gewesen, bestätigte Faltlhauser. Der Ex-Minister hatte diese kritischen Anmerkungen einmal als "Wiener Revanche" abgetan. Diese Einschätzung teile er auch heute noch, ließ Faltlhauser den Untersuchungsausschuss wissen. In der Nachbarrepublik habe ein "Krieg" zwischen Kärnten und seinem Landeshauptmann auf der einen und den "großen alten Wiener Parteien" auf der anderen Seite getobt. Dieser "Krieg" werde wieder ausbrechen, wenn die Republik Österreich versuche, die zwischenzeitlich verstaatlichte HGAA wieder zu veräußern, sagte Faltlhauser voraus. (APA)

willi weimaraner
00
28.9.2010, 23:14

Wie kann man als Minister den Bericht einer Nationalbank von vorneherein als Parteiengezänk abtun und nicht zum Anlass nehmen, vertieft nachzufragen. Amtspflichtverletzung führt zum Schadenersatz. Hat der Faltl sein Häuschen schon schätzen lassen?

Wurzelloser Kosmopolit
00
28.9.2010, 20:55
Der aufm Foto ist der "schöne Kurt" und ned der Naser.

podsches
00
28.9.2010, 18:19
Größenwahn

Die Bayern wollten offensichtlich in einem Anfall von Größenwahn vielleicht Herrn Ackermann übertrumpfen und München zum 2. Frankfurt mit internationalen Großbanken machen. Dabei hat sich vor lauter Euphorie das Gehirn ausgeschaltet, wie bei einem schw...gesteuerten Mann wenn er eine tolle Frau sieht. Leider ist das ganze in die Hose gegangen, die Bayern wurden von den Kärntnern über den Tisch gezogen (die waren offenkundig schlauer) und jetzt wares bei den Bayern keiner. Nur die große Wirtschaftskrise ist schuld. Dabei wären sie so gerne wie Ackermann & Co. gewesen.

locken
02
28.9.2010, 16:55
Wann kommt der österr.Aufsichtsrat in Beugehaft ?

also dann ...
01
28.9.2010, 21:00
geh bitte ... sie werden doch nicht allen ernstes glauben, dass der möbel-k o c h

überhaupt "befragt" wird ... wieso er nix gesehen, gehört und nix gewusst hat ?

ja - der koch, der noch schnell von der övp...
(da war die hypo schon in staatsbesitz) das see-grundstück um 50 % billiger bekam.

nicht umsonst meinte ein oecd-experte :
das ösiland ist eine korruptions-oase ...

unknown66
11
28.9.2010, 12:19

Machen Sie sich wegen der Androhung der Beugehaft keine Sorgen, Herr Naser! Einfach so handeln wie der ORF und unter Hinweis auf ein sicher bald herauskommendes neues Gesetz untätig bleiben.

?und
04
28.9.2010, 15:40
mer samma oba in bayern gel und da pfeiff ma aufn orf

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