Die unsachgemäße Entsorgung von Medikamenten ist für die Umwelt problematisch
Regensburg - Jede fünfte Tablette landet nach Schätzungen von Experten auf dem Müll. Dies ergibt Hochrechnungen zufolge, dass jährlich Medikamente im Wert von drei bis vier Milliarden Euro weggeworfen werden. Von dem wirtschaftlichen Schaden abgesehen: Unsachgemäß entsorgte Pillen, Tinkturen und Salben haben sich mittlerweile zu einem Umweltproblem entwickelt, meldet der deutsche Reportagedienst obx-medizindirekt. Immer öfter werden in Flüssen, im Grundwasser und sogar vereinzelt im Trinkwasser Arzneimittelwirkstoffe nachgewiesen, weil Medikamente gedankenlos in die Toilette gespült werden.
Das Problem: Arzneimittelwirkstoffe sind in biologischen Klärsystemen oft nur langsam oder gar nicht abbaubar. Im Durchschnitt liegen zwischen sechs und 20 verschiedene Medikamente in den Hausapotheken Deutschlands. Viele davon werden selten gebraucht oder haben bereits ein abgelaufenes Verfallsdatum. Was ist also zu tun, wenn die Hausapotheke mit alten Arzneimittelpackungen überquillt?
Grundsätzlich ist die Restmülltonne nicht nur der einfachste und bequemste Weg abgelaufene Medikamente zu entsorgen, sondern auch der umweltverträglichste. Denn seit der Hausmüll fast ausschließlich den Müllverbrennungsanlagen zugeführt wird, werden die arzneilichen Wirkstoffe auf dem Entsorgungsweg zerstört, sodass sie keine Auswirkungen mehr auf die Umwelt haben.
Falsch ist, Arzneimittelflaschen in der Spüle oder der Toilette zu entleeren, zu säubern und dann die Glasbehälter in den Altglas-Container zu bringen. Der „Grüne Punkt", der sich auf Verpackungen befindet, bezieht sich bei Arzneimitteln nur auf die Verpackung und nicht auf den Inhalt. Papierverpackungen können natürlich problemlos in Papiertonnen oder -containern; Kunststoffverpackungen in den vorgesehenen Tonnen entsorgt werden.
Spritzen und Kanülen sollten immer in stichfesten Gefäßen gesammelt werden, bevor sie in den Hausmüll kommen. Der beste Weg für die Entsorgung von Arzneimitteln und solchen Problem-Abfällen aber ist die Apotheke. Alle Apotheken in Deutschland und Österreich nehmen abgelaufene Arzneimittel kostenlos zurück und führen sie einer fachmännischen Entsorgung zu.
Vorsicht: Giftig!
Auf einen sorgfältigen Umgang mit Medikamenten sollte man nicht nur der Umwelt zuliebe denken. Arzneimittel sind in Mitteleuropa die häufigste Ursache für Vergiftungen, sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern. Schätzungsweise 140.000 bis 160.000 Kleinkinder vergiften sich - unbeabsichtigt - jährlich in Deutschland. 30 bis 50 Kinder sterben alleine in der Bundesrepublik an den Folgen vermeidbarer Vergiftungsunfälle mit Arzneiwirkstoffen, berichtet die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.
Erheblich gefährdet sind Kleinkinder von dem Zeitpunkt an, ab dem sie sich selbst in ihrer Umgebung bewegen können, heißt es im Ratgeber der Bundeszentrale. In ihrer Neugier stecken sich Kinder im Alter bis zwei Jahre vieles in den Mund. „Da sehen die bunten Pillen in Omas Nachtkästchen wie leckere Bonbons aus. Und das kann gefährlich werden", sagt Volker Schmitt, Sprecher der Bayerischen Apothekerkammer. (red)
Alle Apotheken in Deutschland und Österreich nehmen abgelaufene Arzneimittel kostenlos
zurück und führen sie einer fachmännischen Entsorgung zu.