Musikdownloads: User haben schon alles

28. September 2010, 09:44

Experte: "Musikmarkt braucht dringend neue Vertriebsmodelle" - Downloadzahlen stagnieren

Die Zahl der legalen Musikdownloads stagniert in den USA erstmals. Laut einer Erhebung des Marktforschungsinstitutes Nielsen  wurden 630 Mio. Lieder vom Internet im ersten Halbjahr 2010 heruntergeladen, was gleich viel ist wie im Vergleichszeitraum 2009. Im Vorjahr hatte das Wachstum noch 13 Prozent betragen, 2008 sogar 28 Prozent, berichtet die "Financial Times". In Europa, wo der Trend weiter positiv ist, erwarten Experten eine zeitverzögerte ähnliche Entwicklung.

iPods sind bespielt

"Die iPods sind ausreichend mit Musik bespielt. Unmengen weiterer Lieder werden nun nicht mehr gekauft", berichtet Jean Littolff, Direktor von Nielsen Music. In Zeiten wirtschaftlichen Drucks sei Musik nurmehr "nice to have", aber nicht mehr notwendig. Die Umsätze dürften dennoch gestiegen sein, da der iTunes-Store den Anbietern das Anheben der Preise erlaubt.

In Europa ist eine derartige Stagnierung noch nicht in Sicht. In Deutschland stiegen die Umsätze im digitalen Musikverkauf im ersten Halbjahr 2010 noch um 19 Prozent, in der Schweiz um 17 Prozent. In Frankreich und Großbritannien betrug das Plus laut der "Financial Times" 13 bzw. sieben Prozent. In Spanien sanken die Umsätze um fünf Prozent, was dort allerdings in erster Linie auf die höhere Verbreitung von Musikpiraterie zurückgehe.

Suche nach neuen Vertriebsmodellen

Jedoch auch in Europas Musikindustrie laufen die Köpfe heiß, wie es in Zukunft weitergehen soll. "Der Download wird nie zum einzigen Vertriebsmodell werden", betont Bernd Högger, Sprecher des Verbands der Schweizer Musikwirtschaft IFPI. Parallel dazu sei auch der Ausbau von Streaming-Bezahlmodellen zu erwarten, wie etwa Spotify in Schweden bisher vorzeige. "Ein einheitliches Modell wird sich aber nicht durchsetzen, da weiterhin manche alles selbst auf der Festplatte besitzen möchten, andere die herkömmlichen physische Datenträger verlangen und wieder andere jederzeit auf alles im Web zugreifen wollen", so der Experte.

Die stete Anpassung des Musikvertriebs hält Högger für wichtig. "Stagnierende oder sinkende Umsätze im Web wären sehr zum Leidwesen nicht nur der Musikindustrie, sondern auch des Konsumenten. Musik kann nie gratis sein, sondern muss sich finanzieren lassen, weshalb das Ende der Finanzierbarkeit eine kulturelle Verarmung mit sich bringen würde." (pte)

Kommentar posten
16 Postings
Bit Bürger
00
28.11.2010, 01:17
Danksagung!

An dieser Stelle danke ich "www.legalsounds.com" für die langjährige Unterstützung beim Download von qualitativ hochwertigem Musik-Content und für das Befüllen nicht durch Austromechana verteuerter Datenträgern.

???????

redram
03
1.10.2010, 18:48

Ich moechte ja dem Herrn Experten Hoegger nicht zu nahe treten, aber wenn ein Vertreter der Musikindustrie die kulturelle Verarmung beklagt, dann hat das was herziges. Mit der Werbetrommel laesst sich halt nur ein bestimmtes Mass an minderer Qualitaet an den Kunden bringen. Hochwertiges findet immer Abnehmer, man muss es halt erst einmal finden in der grossen Schwemme die sich am Markt tummelt.

Helmut Schluderbacher
02
29.9.2010, 22:31
Am Ende der Downloadphase ...

... kommen die User drauf, dass
* ein Album mehr ist als 15 Files mit 40 MB Daten
* 20 GB Daten halt doch nicht 500 Alben sind
* guter Klang keine Reduktion verträgt
* und ein Ohrstöpsel seine klanglichen Grenzen hat.

Genauso wenig wie 100 Alben automatisch eine gute Sammlung ergeben, sind 40 GB für sich gesehen "anhörbar" oder "beindruckend".

Vielleicht hätte die Musikindustrie die kleinen reduzierten Datensätze gratis verteilen sollen, dann würden die User vermutlich bald die qualitativen "Daten"-Alben kaufen.

Super-Zyniker
00
1.10.2010, 13:21

@Helmut Schluderbacher

> dass ...
> * ein Album mehr ist als 15 Files mit 40 MB Daten
> ... guter Klang keine Reduktion verträgt ...

Leider ist das ein Widerspruch in sich, da die heutige "Musik" zumeist mit Natürlichkeit nicht mehr viel zu tun hat, sondern meist nur elektronisch "aus der Konserve" zusammengemixt ist.
Außerdem haben die wenigsten von uns ein absolutes Gehör, daß sie die bei MP3-Konvertierung auftretenden Unterschiede kaum besonders wahrnehmen.
Dazu kommt noch, daß Musik häufig eher als Hintergrundberieselung eingesetzt wird und dabei diese geringen Unterschiede noch weniger ins Gewicht fallen.
Außerdem kann man die Qualität von MP3 beim Rippen je nach Anspruch (Qualität vs. Dateigröße) beliebig anpassen.

Lachkraft
00
28.9.2010, 16:57
Die Preise gehen rauf, die Downloads runter

Ist es da wirklich so schwer einen Bezug herzustellen liebe MI?

Leech
03
28.9.2010, 12:06
"Die stete Anpassung des Musikvertriebs hält Högger für wichtig."

Naja dann wirds ja mal zeit... die letzten 50 jahre hat sich praktisch garnix getan ausser das sie sich von irgendeinem Online Musik store überrumpeln lassen haben.

Den Vertriebweg ein bespieltes Medium zu verkaufen gibts schon seit über 100 Jahren...

Aber es war ja zum glück damals(tm) schon die MC der untergang der MI (zumindest hättens es gerne so gehabt).
Was ist uns geblieben von den tollen neuen Vertriebswegen der MI?
Leermedienabgaben...

Mathias
 
00
30.9.2010, 08:38
viel älter!

Das Prinzip von Musik aufnehmen und wiedergeben hatte schon Thomas Alva Edison um 1877 (also vor 133 Jahren) schon entwickelt. Charles Sumner Tainter hatte dann 1880 den Prototypen der heute bekannten "Schallplatten" entworfen ( 130 Jahre).

Davor nannte man das Prinzip "Spielleut" ;-)

Multivac, 2010-18-42, Donnerstag
04
28.9.2010, 10:06

"Musik kann nie gratis sein, sondern muss sich finanzieren lassen, weshalb das Ende der Finanzierbarkeit eine kulturelle Verarmung mit sich bringen würde."

Diese Behauptung halte ich für sehr gewagt................

angehender Medientechniker
 
14
28.9.2010, 10:27

Im Zeitalter des Internets gibt es keinen Grund mehr "nur" für Musik zu zahlen.

Der Musiker von morgen wird nur dann Geld verdienen wenn er einen Mehrwert liefern kann. Zum Beispiel durch Auftritte auf Konzerten und Festivals.

Eine Kulturflatrate wäre für mich ein gangbarer Weg, aber nur wenn ein System dahinter steht, welches garantiert, dass das Geld den Künstlern zugute kommt und nicht wieder von den Majorlabels und den Vertriebspartnern eingestreift wird.

Beiddenker
10
28.9.2010, 15:53
Und wie bekommen Komponisten dann ihr Geld, welche ...

... die Musik komponieren, die "ihre Live-Musiker" spielen? - nur eine Frage von vielen, die sich mir bei Ihrem sehr einfachen Weltbild stellt.

Super-Zyniker
00
1.10.2010, 13:26

@Beiddenker

> Und wie bekommen Komponisten dann ihr Geld

Da wird wohl so gut wie jede alternative Lösung besser als der Status quo sein - von den Big Playern wie U2, Rolling Stones etc. mal abgesehen.
Die meisten Künstler bekommen von Onlineverkäufen enteder gar nichts (weil dies in ihren Verträgen nicht explizit enthalten ist) oder bestenfalls Brösel, wie eine Band, die für ca. 5 Alben nach ca. 3 Jahren "heiße" $~35,-- an Einnahmenanteil bekommen hat.

Martin Major
 
00
3.10.2010, 15:17

deshalb gibt es cdbaby.

angehender Medientechniker
 
00
28.9.2010, 16:18
Natürlich

Entschuldigen Sie bitte vielmals. Dann liefern Sie doch bitte einen brauchbaren Vorschlag. Etwas zu kritisieren ist nicht allzu schwer.

Beiddenker
00
30.9.2010, 10:02
Hmm, wenn Sie meine Posts zu diesem Thema verfolgen, werden ...

... Sie feststellen, dass ich das bestehende System nicht so schlecht finde, da dieses auch "kleinen Musikern/Komponisten/Autoren" eine Verwertung ermöglicht, die diese nie selbst organisieren könnten.

Ich halte die Kultur-Flatrate genau aus diesem Grunde für eine schlechte Idee, da davon ausschließlich die Großen profitieren werden und die "Kleinen" einfach nichts mehr bekommen werden.

Theodor Schule
00
28.9.2010, 17:37

Kein Grund sich zu entschuldigen.
Ihr aufgesetztes Schnoferl beiseite - das ist eine berechtigte Frage: wie verdienen Musiker die keine Konzerte geben ihr Geld? Was für einen Mehrwert kann der Studiomusiker bieten?

Die Kulturflatrate ist keine schlechte Idee hat aber massive Umsetzungsschwierigkeiten, etwa wenn es um die Verteilung oder auch nur die Höhe und den "rechtlichen" Gegenwert geht. Die großen Proponenten (zB Grassmuck) haben auf diese konkreten Fragen keine klare Antwort.

Etwas _sinnvoll_ zu kritisieren ist übrigens durchaus schwer. Lesen Sie mal die Urheberrechtsdiskussionen hier und staunen Sie, wie wenig sinnvolle und durchdachte Ideen da kommen.

angehender Medientechniker
 
00
28.9.2010, 18:02

Ich danke Ihnen. Endlich jemand der nicht mit Scheuklappen in jede Diskussion einsteigt.

Dass es allfällige Probleme mit einer solchen Flatrate gibt ist mir durchaus bewusst(so wie eben die Aufteilung des Geldes auf Label und Künstler bzw. die Aufteilung unter den Künstlern)

Ich verfolge seit einiger Zeit die Diskussionen betreffend einer solchen Kulturflaterate bei der Piratenpartei(dort gibt es Gegner und Befürworter in Massen) siehe: http://wiki.piratenpartei.de/Kulturflatrate
Interessant finde ich dort vor allem die Details zur Umsetzung. Vor allem die Idee die Verteilung der Flatrate-Einnahmen auf die Künstler auf Basis von Downloadstatistiken der größten Filesharing- und DDL-Seiten zu berechnen.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.