Der ORF spult sein Komplettprogramm routiniert ab - Anderswo versucht man von den Rändern in die Tiefe vorzudringen
Wahlsonntagabend. Der ORF spult sein Komplettprogramm routiniert ab. Hochrechnung, Stimmen aus den Parteizentralen, je nachdem Jubel oder eben verhaltener Jubel, denn Verlierer gibt es bekanntlich bei Wahlen nicht. Schließlich Meinungsforscher und eine Diskussion Im Zentrum, wo alles das noch einmal wiedergekäut wird. Über die geringe Wahlbeteiligung bei den steirischen Landtagswahlen lässt sich Politverdrossenheit ablesen. Man kann es in diesen Abläufen nachvollziehen.
Anderswo versucht man von den Rändern in die Tiefe vorzudringen. Mittwoch kamen Parteifunktionäre zur ATV-Diskussion Am Punkt. Bereits um 17.15 Uhr redeten am Sonntag Spitzenvertreter der Bundesparteien. Sylvia Saringer machte es den Gästen nicht leicht möglich, ihr Werbeprogramm abzuspulen. Zu Recht ignorierte sie Einwände, wie "Darf ich diesen einen Satz noch zu Ende bringen?". Aufmerksam verstand sie es, die Bälle zu fangen, die ihr zugespielt wurden und weiterzupassen, indem sie die richtigen Fragen stellte: "Ist das so: Sie sind verdammt, zusammenzuarbeiten, deshalb muss Rot-Schwarz auch in der Steiermark an die Macht?" Aber es half nichts: Viel mehr als inhaltsleere Worthülsen ("Schließe überhaupt nichts aus", "Morgen in den Gremien beraten ..." etc.) schaffte auch der ambitionierte Privatsender nicht, den Landes- und Bundespolitikern zu entlocken.
Danach zurück zur Routine: Tatort aus Berlin. Mord in der Kunstszene. Das betuliche Vorzeigen von Progressivität wirkte auf die Dauer schwer ermüdend. Dazu kam ein nerviger Musikberieselungssud, der die Einschlafqualität erheblich behinderte. Kein gutes Programm gegen Fernsehverdrossenheit. (Doris Priesching, DER STANDARD; Printausgabe, 28.9.2010)