Gentechnik

Teures Nein

Andreas Schnauder, 27. September 2010, 20:21

Nach jahrelangen Querelen über den Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen will die EU-Kommission den Ball den Mitgliedsstaaten zuschieben

Europa ringt um die "Verländerung" der Gentechnik-Kompetenz. Nach jahrelangen Querelen über den Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen will die EU-Kommission den Ball den Mitgliedstaaten zuschieben. Realpolitisch erscheint die Absicht verständlich, artete das Hickhack zwischen den Hauptstädten doch in der Frage einzelner Zulassungen regelmäßig aus.

Bedenklich stimmt die Vorgangsweise trotzdem, werden doch EU-Prinzipien mit Füßen getreten. Freisetzungsverbote eines Saatgutes bedeuten eine massive Beschränkung des Binnenmarktes. Derartige Ausnahmen bedürfen triftiger Gründe wie die Gefährdung der Umwelt oder der Gesundheit. Auf einen derartigen Nachweis, der bisher nie erbracht wurde, könnten die Mitgliedstaaten nach Wiener und Brüsseler Ansicht künftig verzichten. Es genügt, wenn sich Umweltminister auf eine Zeitungskampagne setzen.

Zur Aushöhlung der EU-Grundprinzipien gesellt sich der Verstoß gegen Handelsabkommen, die ja auch nicht aus Jux und Tollerei unterzeichnet wurden. Drohende Sanktionen gegen die EU werden vorrangig Produkte aus jenen Ländern treffen, in denen Gentechnik-Verbote gelten. Und noch ein Aspekt sollte nicht außer Acht gelassen werden:Mit der Blockade nimmt sich Österreich und zunehmend Europa aus dem Spiel um eine führende Rolle in der zukunftsträchtigen Biotechnologie. Ein hoher Preis, den das Land für eher emotionale Anliegen zahlt.  (Andreas Schnauder, DER STANDARD, Printausgabe, 28.9.2010)

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Advaita0
01
28.9.2010, 19:48
Was sagt Herr Schnauder zum Bienensterben wg. Gentechnik?

Wenn die Bienen sterben, dann stirbt bald darauf die Menschheit.
A. Einstein

Advaita0
00
28.9.2010, 19:42
Wieviel haben Sie von Monsanto für diesen "Beitrag" erhalten?

Salsabor
01
28.9.2010, 18:53
Offener Brief an Andreas Schauder brrrrr.....

http://www.oekonews.at/index.php... id=1027035

krokokater
 
05
28.9.2010, 16:39
Herr Schnauder, einfach ein Vorschlag zur Güte:

Sie holen bei einer Versicherung ein Angebot ein, dass die Folgeschäden für die österreichische Bevölkerung aus genveränderten Nahrungsgrundstoffen abdeckt. Da ja angeblich diese Folgeschäden gar nicht gegeben sind (Ihre Überzeugung?), kann diese Versicherung doch höchstens so teuer sein wie eine mittlere Haushaltsversicherung - oder?

schnauder
21
28.9.2010, 18:25
zur sache

Also dem allgemeinen Bashing zum Trotz: Ich verstehe nicht ganz, warum man nur absolute Standpunkte (fast immer contra) einnehmen kann. Was ist zb so schlimm, wenn eine Pflanze gegen Schädlinge wie den Maiszünsler durch GMO resistent wird, und folglich auf Chemie verzichtet werden kann. Auch die Möglichkeiten bei Energiepflanzen und somit für Klimaschutz sind groß. Gesundheits- und Umweltfolgen müssen ohnehin immer genau geprüft werden. Der Schutz vor Verunreinigung konventioneller Flächen (Koexistenz) ist freilich verbesserungswürdig - dem stimme ich zu. Auch die Kennzeichnung muss eindeutig sein. Aber die Gentechnik als Macht des Bösen hinzustellen, halte ich nicht für sachdienlich. Und das auch ohne Zuwendungen von Monsanto & Co.
lg as

Citizen
00
28.9.2010, 19:03
Herr Schnauder,

nehmen Sie doch die Antworten auf Ihren Kommentar nicht persönlich!

Sie sind aber Journalist, und da sollte man doch - soweit ich das verstehe - die Sachen kritisch hinterfragen.

Wie sehen Sie also eigentlich die kritischen Stimmen von z.B.
www.etcgroup.org (immerhin Träger des alternativen Nobelpreises), www.viacampesina.org usw.?

Bodo Steinbrech
11
28.9.2010, 18:45
Es gäbe ja auch sinnvolle Ansätze für die grüne Gentech - nur kosten die was und bringen wenig bis nichts.

Und daher werden sie von den Konzernen nicht verfolgt. Auch die Staaten halten sich da seeeehr zurück.

Eine der Ideen war mal die Impfbanane. Bananen produzieren oral verabreichbare Impfstoffe gegen diverse Krankheiten.
Da sie in den Kreislauf der "Bananen Natur" nicht eingreifen, wären sie harmlos in der Freisetzung.
Sie wären nicht mehr oder weniger anfällig als "normale" Bananen, würden aber dem Esser vor Ort einen Immunboost gegen dies und das geben.

Selbst ein Auskreuzen würde keinen Schaden anrichten - es macht ja nichts. (Nichts was den natürlichen Kreislauf stört zumindest).

So könnte man die 3. Welt durchimpfen.

Auch mit Ziegenmilch möglich.

Gewinn für Monsanto & Co?
Wenig bis Null!

Also wirds nix.

Andreas Mittermayer
02
28.9.2010, 18:42
Ja, Herr Schnauder, zur Beurteilung komplizierterer Sachvehalte ist halt ein bisschen Vorwissen nötig!

.
So ist das Bt-Toxin (aufgrund seines raschen Zerfalls) eines der (sehr) wenigen Gifte, die in ganz besonderen Ausnahmefällen auch in der Biolandwirschaft erlaubt sind. Auch hier rechnet man damit, dass trotz äußerst sparsamen Umgangs aufgrund des Selektionsdrucks das Gift nach wenigen Jahrzehnten nicht mehr wirksam ist.

Beim Bt-Mais ist der Selektionsdruck jedoch pemanent vorhanden und ein unwirksam-Werden wesentlich früher zu erwarten.

Damit raubt man auch der Biol. Landwirschaft eines der wenigen erlaubten Mittel.

Bodo Steinbrech
03
28.9.2010, 18:38

... Was ist zb so schlimm, wenn eine Pflanze gegen Schädlinge wie den Maiszünsler durch GMO resistent wird, und folglich auf Chemie verzichtet werden kann....

Wann immer ein Spritzmittel, Antibiotikum, oder was auch immer in großem unkontrollierten Stil eingesezt wurde, hat sich sehr bald eine Resistenz dagegen entwickelt, was dazu führte, dass dieses Spritzmittel, ... wirkungslos wurde und durch etwas anderes ersetzt wurde.

Nun zu BT:
Da es im Mais ist, ist es während der GANZEN Wachstumsperiode vorhanden - nicht nur dann wenn gespritzt wird. Dies führt fast zwangsläufig zur Resistenzbildung.
Außerdem ist BT so ziemlich das einzige, was Biobauern einsetzen dürfen.
Wenn man es "zerstört" zerstört man die Biobauern - vieleicht gewollt ?

will-alles.at
01
28.9.2010, 15:24

Leider hat Hr. Schnauder nicht aufgezählt, dass dadurch wesentliche Milleniumsziele, wie z.B. das Stoppen des Hungers auf diesem Planeten, die Vermeidung von zukünftigen Wirtschaftskrisen, das Hintanhalten von religiösem Fanatismus jeder Schattierung und der Weltfrieden erreicht werden....

Citizen
00
28.9.2010, 18:30

*g*

tellerrand1
03
28.9.2010, 14:09
Arbeitsplätze

Irgenwie fhlt mir auch nocht das allgegenwärtige Arbeitplatzargument - wahrscheinlich vergessen ?!?!

zahnloser Tiger
05
28.9.2010, 15:00
oder eben längst als Notlüge und Willkürargument entlarvt...

schliesslich bedarf es dieser Keule garnichtmehr, ist doch der Wunsch nach einer Sicherheit vor unkontrollierter Freisetzung nurmehr ein "emotionales Anliegen" und Gentechnik ein unbedingtes Muss im "Spiel um eine führende Rolle in der zukunftsträchtigen Biotechnologie."

daß gleichzeitig EINZIG Großkonzerne aus diesem Spiel als Gewinner hervorgehen braucht den geneigten Leser ja nicht zu interessieren, treten doch Monsanto und Co als die Retter der Welt auf, die uns damit den Einsatz von Pestiziden ersparen (komischerweise noch nicht passiert) oder zumindest verringern (auch nicht passiert), Schädlinge bekämpfen (ebensowenig passiert) und die Erträge unendlich steigern (erst recht nie passiert)

warum wehren wir uns denn überhaupt?

tellerrand1
02
28.9.2010, 14:08
Jeder Satz...

... sollte mit den Worten "um meinen Profit zu maximieren..." beginnen, dann wäre wenigstens das echte Interesse dieses Lobby-Beitrages dargestellt.

01052004
011
28.9.2010, 13:49
herr schnauder, bitte machen es öffentlich,

wieviel monsanto ihnen für diesen "beitrag" - eigentlich eine werbeeinschaltung - bezahlt hat (geld- und sachbezüge)...

Gonga
 
09
28.9.2010, 12:30

irgendwie übersieht der herr schnauder, dass wir die eu sind und nicht irgendwelche konzerne und deren lobbies.
die eu als selbstzweck und als erfüllungsgehilfe der industrie und finanz wird keine zukunft haben.

Freund der Sanktionen
013
28.9.2010, 12:14
Leider enthält dieser Artikel keinen einzigen

Hinweis auf Sinn, Nützlichkeit oder gar Notwendigkeit für Anbau von gentechnisch verändertem Saatgut. Was nicht zuletzt daran liegen mag, daß die Bevölkerung Europas diesen schlicht und ergreifend nicht braucht...

Advaita0
00
28.9.2010, 19:44

der Sinn ist, dass Monsanto ihr Gen-Soja mit Roundup spritzen kann und alles rundherum tot macht, was nicht das Gen hat.
Macht doch Sinn für die Erhaltung wertvoller Scholle, oder?

gigngogn
 
31
28.9.2010, 14:00
Kleines Beispiel, gentechnisch veränderter C4-Reis hat um bis zu 35% höhere Erträge bei gleichem Flächen-,Dünger- und Spritzmittelbedarf

Gentechnisch veränderte Baumwolle oder auch Raps brauchen weniger Spritzmittel, wodurch die Umwelt entlastet wird. Das geht bis zum Bt-Mais, der überhaupt kein Insektizid mehr benötigt.

Vorteile gäb es genug.
Nachteile bestehen in der Bestäubung anderer, nicht gentechnisch veränderter, Pflanzen. Gesundheitliche Schäden oder solche an der Umwelt könnten bislang noch nie nachgewiesen werden.

Slarti Bartfass
 
00
28.9.2010, 18:23

Mein kleines Gegenbeispiel:

Moderne Reisanbautechnologien, erziehlen einen Ertrag, der wesentlich höher als 35% ist.

Ö1 brachte eine Reportage zu dem Thema. Bei einem Versuch lag der Ertrag, richtige Bewässerung vorausgesetzt, bei mehr als dem Zehnfachen.
Wobei ich auch schon von noch höheren Zahlen gehört habe.

gigngogn
 
00
28.9.2010, 21:28
Gut, dann schlagen sie da nochmal 35% Ertragssteigerung drauf.

Die 35% kommen daher, das durch diese Manipulation aus der C3-Pflanze Reis eine C4-Pflanze gemacht wurde die, entsprechende Temperatur und Sonneneinstrahlung vorausgesetzt, deutlich schneller wächst und deutlich mehr Ertrag bringt.

Regis 1
00
28.9.2010, 18:14
Gentechnisch veränderte Baumwolle oder auch Raps brauchen weniger Spritzmittel, wodurch die Umwelt entlastet wird...

sagt wer? könnten sie bitte eine verifizierbare quellenangabe geben?

gigngogn
 
10
28.9.2010, 21:33

Hier ist eine schöne Zusammenfassung verschiedener gentechnisch veränderter Nutzpflanzen mit einer Aufstellung über den Nutzen und die Art der Manipulation.

http://www.lfl.bayern.de/publikati... l_1_10.pdf

Bodo Steinbrech
03
28.9.2010, 15:30
Teil 4

Es gäbe zwar jede Menge sinnvolle Projekte für die grüne Gentechnik, aber die werden nicht verfolgt, da sie den Konzernen keinen Gewinn bringen und die Staaten kein Geld dafür locker machen wollen.

Selbst Sicherheitsforschung wird oft "aus Geldmangel" unterbunden (Lobby sei dank).

Die wenigen Projekte, die ich kennen lernen durfte, die durchgegangen sind, waren von Haus aus so konzipiert, dass nichts rauskommen kann.

Und überhaupt habe ich weniger Angst vor den Genen an sich, als vor der Chemie, die damit verkauft wird.
Der Grenzwert für Round up in Nahrungsmitteln wurde rechtzeitig zur Einführung von Round up ready um den Faktor 10 erhöht - einfach so, weils eh nicht giftig ist! (Gelogt sei der Herr Lobby)

gigngogn
 
00
28.9.2010, 22:10
Es ist nicht Zweck eines Konzerns den guten Samariter zu spielen, Monsanto ist nicht die Caritas und die Agrarindustrie ist kein Ponyhof

Konzerne machen was Gewinn bringt und das ist auch gut so. Wenn sie gerne Projekte umsetzen möchten die keinen Gewinn abwerfen (humanitäre Projekte z.B.) dann müssen sie jemanden finden der dafür bezahlt.
So wie bei allen anderen Bereichen des täglichen Lebens auch, oder glauben sie Bayer erzeugt ein Medikament das sich nicht rechnet?

> einfach so, weils eh nicht giftig ist!
Ist es denn in der erlaubten Konzentration für den Konsumenten giftig?

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