Ein steiniger Weg vom Donaukanal nach Harvard

29. Oktober 2010, 10:38
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Vlad Isac möchte in Harvard studieren - Um dieses Ziel zu erreichen läuft er jeden Tag und hofft auf Sponsoren

Vlad Isac hat ein Ziel. Er möchte auf die wohl beste Universität der Welt, Harvard, gehen. Erst vor wenigen Wochen fand sich die Universität an der Ostküste der USA auf dem ersten Platz des Times Higher Education Ranking. Es ist ein klingender Namen, der sich in jedem Lebenslauf gut macht.

210.000 Euro, 3 Jahre Studium

Schon ein durchschnittliches Master-Studium verlangt von Studenten viel ab: Zeit, Grips und Geld. Isac möchte jedoch ein Studium an der Harvard Law School machen, keinen einjährigen Ergänzungs-Master. Für den dreijährigen Studienaufenthalt rechnet er mit gut 200.000 Euro für Studiengebühren, Wohnkosten und Verpflegung. Einen Teil des Gelds will er durch Laufen erwirtschaften. Auf einer Website wirbt er um Spenden, Tag für Tag läuft er einen Teil der Strecke Wien - Harvard. Doch warum gerade Harvard?

Isac ist 25 Jahre, in seiner Heimat Rumänien hat er in Bukarest bereits einen Master in Wirtschaftswissenschaften absolviert. Er ist ein eloquenter junger Mann, gebildet, zuvorkommend. Im Moment macht er ein Praktikum in einer österreichischen Bank, engagiert sich ehrenamtlich in seiner vorübergehenden Heimat Österreich. Seit 2007 lebt Isac in Österreich. Hier zu bleiben war nicht sein Ziel. Ein Studienaufenthalt und nun die Arbeit führten dazu. Im September 2011 soll es jedoch in die USA gehen. Doch wie finanziert man eines der wohl teuersten Studien?

6511 Kilometer, sechs Tage die Woche

Isac ist weder extrem reich, noch hat er bislang ein großes Stipendium in der Tasche. Als er vor einem Jahr zum Laufen begann, wollte er sich selbst etwas gutes tun. "Später wollte ich herausfinden, ob ich das Laufen auch für einen guten Zweck nutzen kann", so Isac gegenüber derStandard.at. Innerhalb eines Jahres will er nun die Distanz zwischen Wien und der Uni Harvard laufen, rund 6500 Kilometer.

Nicht in einem Stück, sondern die Kilometeranzahl will er in den nächsten Monaten abspulen, Tag für Tag, Woche für Woche. Derzeit läuft er sechs Mal die Woche, jeweils zwischen 15 und 30 Kilometer, rund 2000 Kilometer der insgesamt exakt 6511 sind geschafft. Seine Lieblingstrecke verläuft, entlang des Donaukanals, aber auch Marathonläufe in anderen Städten hat Isac absolviert.

Motivation durch Laufen

Mit seinem Lauf will er auf sein Ziel aufmerksam machen und die Aktion dazu verwenden Sponsoren für seinen Harvard-Aufenthalt zu gewinnen. Auf seiner Homepage running2harvard.com dokumentiert er seine Fortschritte und lädt Interessenten ein, ihn zu unterstützen.

Doch geht es ihm nur um das Geld? Laufen ist für ihn auch mehr, es ist eine Möglichkeit tagtäglich sein Ziel im Auge zu haben. Es ist Antrieb für ihn und er will so aber auch anderen zeigen, dass es sich lohnt sich für etwas einzusetzen und nicht zu sagen, dass es immer zu viele Hürden gibt, so Isac im Gespräch mit derStandard.at. Ob es bislang schon Spender gab? „100 Euro vielleicht", aber er erwarte sich auch erst mehr Zuspruch, wenn er bewiesen habe, dass er in Harvard aufgenommen ist. Derzeit lernt er für die notwendigen Tests.

Projekt mit Asylwerbern

Natürlich wird er auch weitere Finanzierungsmöglichkeiteen prüfen, doch sein Projekt will er auch die nächsten tausende Kilometer durchziehen, egal ob er in Harvard angenommen wird oder nicht.

Isac engagiert sich in den letzten Jahren auch im Asylbereich. Hierhin will er auch sein Projekt ausdehnen. Mit der Caritas plant er derzeit ein Projekt. Dabei will er gemeinsam mit Asylwerbern trainieren und schließlich einen Marathon laufen.

Unabhängigkeit

Irgendwann, wenn sein Lauf, sein Studium beendet ist, möchte Isac in der Privatwirtschaft arbeiten. Jedoch nicht ausschließlich: Grund für seine Stipendienprojekt ist auch, dass er nach seinem Studium nicht einen x-beliebigen Job annehmen muss, um einen großen Schuldenberg abzubauen, sondern auch die Möglichkeit hat, sein erhaltenes Wissen für eine NGO oder als social entrepreneur einzusetzen. Vor allem das US-amerikanische Rechtssystem hat es ihm angetan, in dem will er auch später Erfahrungen sammeln, ehe er womöglich nach Europa zurückkehrt. Auch einen Schritt in die Politik kann sich Isac vorstellen.

Jetzt muss er einstweilen darauf warten, ob Harvard ihn nimmt. Bis dahin wird er jeden Tag seine Laufschuhe schnüren und Richtung Donaukanal laufen, eine Runde nach der andern. Immer vor Augen eine Universität, die 6511 Kilometer entfernt ist.

(Sebastian Pumberger, derStandard.at, 29.10.2010)

  • Vlad Isacs präferierter Studienort ist 6511 Kilometer entfernt. Täglich kommt er ihm ein Stück näher, noch fehlen im 4.500 Kilometer.
    foto: privat/alexandru ragalie

    Vlad Isacs präferierter Studienort ist 6511 Kilometer entfernt. Täglich kommt er ihm ein Stück näher, noch fehlen im 4.500 Kilometer.

  • Vlad Isac auf seiner Lieblingsstrecke am Donaukanal.
    foto: privat/alexandru ragalie

    Vlad Isac auf seiner Lieblingsstrecke am Donaukanal.

  • Nicht nur Geld ist sein Motivationsgrund, der Lauf erinnert Isac an sein Ziel.
    foto: dersandard.at/pumberger

    Nicht nur Geld ist sein Motivationsgrund, der Lauf erinnert Isac an sein Ziel.

  • Insgesamt drei Jahre Lang will Vlad Isac an der Harvard Law School studieren, rund 210.000 Euro braucht er dafür.
    foto: privat/alexandru ragalie

    Insgesamt drei Jahre Lang will Vlad Isac an der Harvard Law School studieren, rund 210.000 Euro braucht er dafür.

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