Zu dick oder zu dünn

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    foto: wiener programm für frauengesundheit

Nur vier von zehn Personen haben Normalgewicht - Diverse Maßnahmen sollen ein "gesundes Gewichtsverständnis" fördern

Wien - Der Kampf mit den Kilos wird immer mehr zum gesundheitspolitischen und gesellschaftlichen Problem, warnte die Wiener Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely bei einer Pressekonferenz. Nur knapp 40 Prozent der Männer und 42 Prozent der Frauen gelten in Österreich laut Adipositasbericht als "normalgewichtig". Vor allem viele Frauen und Mädchen seien mit ihrem Aussehen unzufrieden. Angesichts dieser Problematik geht die Stadt Wien ab Jänner 2011 in die Offensive: Mittels Vortragsreihe und Task Force soll ein "gesundes Gewichtsverständnis" gefördert werden, kündigte Wehsely an.

Krankes Verhältnis zum eigenen Körper

Das Gesundheitssystem bewege sich auf einem schmalen Grad, umriss die Stadträtin die Problematik. "Einerseits ist es unbestritten, dass massives Übergewicht das Risiko für zahlreiche Erkrankungen erhöht", unterstrich sie, "andererseits können Ernährungs- und Gewichtsempfehlungen zu einer übermaßigen Beschäftigung mit dem Gewicht und zu einem verkrampften und gesundheitsschädigenden Verhältnis zum eigenen Körper führen." Überdies warnte Wehsely vor dem zunehmenden Trend der Diskriminierung und Stigmatisierung von Menschen, deren Körperformen nicht dem herkömmlichen Schönheitsideal entsprächen.

Geschäftsinteressen

Gewicht sei inzwischen kein individuelles, sondern vielmehr ein gesellschaftliches Thema geworden, das immer mehr zum Mittelpunkt von Geschäftsinteressen werde, meinte Frauengesundheitsbeauftragte Beate Wimmer-Puchinger. So hätten zahlreiche Industriezweige Interesse an den Gewichtssorgen der Österreich, um für ihre ständig neuen Angebote zur Gewichtsreduktion und Körperveränderung auch Bedarf zu kreieren - wie etwa Schönheitsoperationen und Ernährungsberatungen.

Es sei wichtig, der Verunsicherung der Menschen entgegen zu wirken und das Selbstbewusstsein zu stärken, betonte Wehsely: "Wir brauchen nicht so sehr ein vermeintlich gesundes Gewicht, sondern vor allem ein gesundes Gewichtsverständnis." Deswegen sei eine "unhysterische" Diskussion über dieses Thema notwendig. Das soll mit Maßnahmen gelingen, welche die Stadt 2011 setzen will.

Vortragsreihe ab Jänner

Im Jänner 2011 startet eine Vortragsreihe rund um die Themen Gewicht und Ernährung, die bei freiem Eintritt besucht werden kann. Zugleich soll eine Task Force aus Experten unterschiedlicher Fachrichtungen gegründet werden. Ziel sei es, ein "Gesamtkonzept für Wien zu stricken", erklärte Wimmer-Puchinger. Erste Ergebnisse sollen in der zweiten Jahreshälfte 2011 vorliegen.

Tagung in Wien

Bereits morgen, Dienstag, widmet sich im Wiener Rathaus die internationale Tagung "Kampf ums Gewicht" mir mehr als 550 Teilnehmern diesem Thema. Unter anderem analysieren Experten die gesellschaftlichen und ökonomischen Einflussfaktoren auf die Bewertung von Gewicht und die dahinter stehenden wirtschaftlichen Interessen. Um 17.15 Uhr liest der deutsche Schauspieler Rainer Hunold im Festsaal aus seinem Buch "Ich bin nun mal dick. Ein Wohlfühlbuch". Der Eintritt zu Lesung ist frei. (APA)

Weitere Informationen und Programm

Konferenz "Der Kampf ums Gewicht"

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