Von der liberalen zur "strengen Christine"

Rosa Winkler-Hermaden, 27. September 2010, 13:29
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    Die "strenge Christine" imitiert die ÖVP-Spitzenkandidatin Marek.

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    "Wollen Sie auch auf den Menschenrechten herum trampeln?"

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    Die "strenge Christine" verpflichtet Arbeitslose zur Arbeit.

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    Die "echte" Marek fordert "mehr Gerechtigkeit und Ehrlichkeit" in sozialen Fragen: "Es wird Zeit, Sozialmissbrauch zu stoppen."

Arbeitslose kritisieren die Forderung der Wiener ÖVP-Spitzenkandidatin nach gemeinnütziger Arbeit als "menschenrechtswidrig"

"Wollen Sie auch auf den Menschenrechten herum trampeln? Das ist lustig!", ruft die "strenge Christine" und zeigt gleich selbst vor, wie es geht. Sie bohrt die spitzen Absätze ihrer Lederstiefel in den Boden, auf dem die Menschenrechte zu lesen sind. Ihr Gesicht verzieht sie zu einer bösen Grimasse. Sie läuft auf und ab und ruft die Passanten auf, mitzumachen. Die "strenge Christine" ist als Domina verkleidet: Neben den Lederstiefeln gehören auch die enge Lederhose, die schwarze Lackjacke und die Brille dazu. Arbeitslose, die den Boden kehren, treibt sie mit ihrer Peitsche an: "Wer was bekommt, soll gefälligst arbeiten. Ich sorge für Ordnung."

"Sollen's was hackeln"

Die Szene spielt sich in der Meidlinger Hauptstraße im 12. Bezirk ab. Es ist nicht die "echte" Christine Marek, die hier in Aktion ist. Vielmehr handelt es sich um eine Inszenierung des Vereins "Aktive Arbeitslose", die damit ihrer Kritik am Vorschlag der Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium, Mindestsicherungsbezieher sollen verpflichtend arbeiten, Ausdruck verleihen. Ein paar Passanten bleiben stehen und schauen verwundert. Die Einladung, mit der "strengen Christine" auf den Menschenrechten herum zu trampeln, nehmen nur die wenigsten an. Eine Frau mittleren Alters schimpft kopfschüttelnd: "Sollen's was hackeln. Zeit für das Theater haben's ja auch!"

Kurz vor der Wien-Wahl nutzt der Verein die mediale Aufmerksamkeit, um darauf hinzuweisen, dass der jüngste Vorschlag Mareks "menschenrechtswidrig" sei. Die ÖVP-Politikerin hatte angeregt, dass Arbeitslose, die eine Mindestsicherung beziehen, nach sechs Monaten Jobsuche verpflichtend gemeinnützige Arbeit verrichten sollen. Wer sich weigert, dem werde die Mindestsicherung gekürzt.

"Vorschlag zurück nehmen"

Martin Mair, 46 und seit zehn Jahren arbeitslos, ist einer der Initiatoren der Aktion in Meidling. Im Gespräch mit derStandard.at erklärt er: "Die gemeinnützige Arbeit bedeutet keine freie Berufswahl. Man hat kein Recht auf Streik und andere Formen des Kampfes um die eigenen Rechte und Interessen durchzusetzen." Außerdem fürchtet er, dass reguläre Arbeitsverhältnisse durch die "billigere Zwangsarbeit" immer mehr verdrängt werden. Mair fordert: "Marek soll den Vorschlag zurück nehmen."

"Keine Strafe"

Marek, die echte, sagt dazu im derStandard.at-Gespräch, sie steht dazu, dass sie sich entsprechend geäußert hat: "Gemeinschaftsarbeit ist keine Strafe. Sie ist eine Chance. Mit meiner Offensive zur Gemeinschaftsarbeit im gemeinnützigen Bereich lösen wir zwei Probleme mit einem Schlag: Wir geben arbeitslosen Menschen eine Perspektive und bieten eine Brücke zur aktiven Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt.

Gleichzeitig, so Marek, werde ein klares Signal gegen Sozialmissbrauch und Schwarzarbeit gesetzt, denn "Solidarität ist keine Einbahnstraße".

"Keine besondere Qualifikation"

Marek wiederholt die Einsatzgebiete für Langzeitarbeitslose und Empfänger der Mindestsicherung: sie könnten Aufgaben in Gemeinden und deren Einrichtungen, in sozialen Organisationen, gemeinnützigen Vereinen, in Kirchen übernehmen "und so auf den Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt vorbereitet werden". Marek betont: "Es soll dabei aber keinesfalls zu einer Konkurrenz zu bestehenden regulären Arbeitsverhältnissen kommen, und es geht um Hilfstätigkeiten, für die es keine besondere Qualifikation braucht."

Marek fordert "mehr Gerechtigkeit und Ehrlichkeit" in sozialen Fragen: "Es wird Zeit, Sozialmissbrauch zu stoppen. Leistung muss sich lohnen. Für Nicht-Leistung darf es keine Anreize geben."

"Aktive Arbeitslose" kandidieren bei Bezirks-Wahl

Die "aktiven Arbeitslosen" jedenfalls wollen nicht so schnell aufgeben. Sie kandidieren sogar für die Bezirksvertretungswahlen in Wien-Meidling. Wer sie wählen soll? Nicht nur Arbeitslose, sondern "alle, die sich nicht ihrer Rechte enteignen lassen wollen." (rwh, derStandard.at, 27.9.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 228
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Raptor Jesus
01
31.10.2010, 02:41
Ähm sie ist bei der ÖVP

Mangelndes Mitgefühl ist vorraussetzung, um dort beizutreten!

Johannes St.
 
30
28.9.2010, 20:35
Arbeit ist Strafe?

ist wohl eher eine sehr fragwürdige Auslegung....

DerMäx
02
28.9.2010, 19:34

Marek möchte den Arbeitslosen vorgaukeln, dass sie Arbeit haben.

Diese illusionistin will die Leute dazu zwingen Sachen zu machen, die es nicht Wert sind als echte Jobs ausgeschrieben zu werden.

Egal was bei der nächsten Wahl passiert, die ÖVP darf auf gar keinen Fall mit regieren. Diese Taschenspielertricks auf dem Rücken der Ärmsten, im Deckmantel einer "Chance", darf nicht Realität werden.

more more
30
29.9.2010, 10:18

Ja, die böse ÖVP muss unbedingt verhindert werden.
Wo kommen wir da hin wenn es nicht alles gratis gibt?

Emilia
60
28.9.2010, 14:07
echt tiefe performance..

..von dieser theatertruppe. die wollen doch nicht wirklich ernst genommen werden mit ihrer aktion. das schadet ihrem anliegen mehr als es nützt. solche leute kann doch niemand ernst nehmen.

alexanderletten
 
13
28.9.2010, 12:42

"..und so auf den Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt vorbereitet werden". Marek betont: "Es soll dabei aber keinesfalls zu einer Konkurrenz zu bestehenden regulären Arbeitsverhältnissen kommen, und es geht um Hilfstätigkeiten, für die es keine besondere Qualifikation braucht."

Worin liegt denn Qualtität der Vorbereitung auf den Arbeitsmarkt?
Wenn die Qualifikation bisher nicht ausreichte, wieso soll, wenn man gemeinnützige Arbeit annehme, die in keiner Konkurrenz zu regulären Jobs stehen soll, es
jetzt funktionieren? Weil Fr. Marek in die Menge brüllt:
Tschaka!
?
Das ist lächerlich, ja geradezu grotesk.

Toni Blaher
 
17
28.9.2010, 12:03
Ja, der Sozialmissbrauch gehört gestoppt

Sie hat recht. Also bitte mal die ÖVP samt Freundaln einsperren. Wer missbraucht denn die Allgemeinheit? Der Geldadel und das ist kein Kommunismus-bla sondern die logische Konsequenz von Zinseszins. Eine Mrd. Euro bei 10% angelegt ergeben in 100 Jahren 14 Billionen Euro. Und ja, es gibt Renditen mit 20% und mehr. Nur ist das für den Normalbürger nicht erreichbar und er muss ja auch von dem meisten Geld was er bekommt leben. Um 10 Millionen/Jahr lebt man gut und hat als Milliardär trotzdem noch mördermäßige Zinseinkünfte.
Bezahlen tun wir das mit unserer Arbeitsleistung, unseren Selbstbehalten, unseren gestrichenen Sozialleistungen, unseren Steuern und Abgaben, usw. Der Geldadler arbeitet für den Zins gar nicht und schmarotzt somit.

philidor85
01
28.9.2010, 11:50

die sieht doch viel zu gut aus um marek zu imitieren ;)

was mich interessieren würde - der mann mit dem roten helm ist nicht zufällig unser "kaiser"?

Tintifax2000
04
28.9.2010, 11:27
ich vermut die wird dann ..

.. sich mit der stenzl zsamreden und die arbeitslosen halten die 4000 für die bewohner des 1. bezirks reservierten parkplätze sauber ...

1 : 1
16
28.9.2010, 10:53
Massen-Beschwerden im Arbeitslosenforum "SoNed" bringen es auf den Punkt!

Unbedingt studieren! http://www.soned.at
Unpackbar, wie brutal, menschenverachtend und rechtswidrig heute mit Arbeitslosen umgegangen wird! Hier treibt der Faschismus offensichtlich schon übelste Blüten, ohne daß das jemand kontrolliert!
Wo sind die Staatsanwälte die diesen Amtsmissbrauch und die Menschenrechtsverletzungen abstellen?

http://www.soned.at/fe24e72ab... db66f.html

Simon.R
 
11
28.9.2010, 10:47
Es stimmt schon, ABER...3

Damit schafft man Arbeitsplätze, es kommen Steuern herein. Bildungsreform könnte auch Arbeitsplätze schaffen. Geld in Forschung stecken, z.b. neue Energieformen. Bundesheer abschaffen, dafür Pflegebereich aufwerten. Von mir aus auch die Pflege privatisieren, dafür aber strikte Standards einführen. Verwaltungsreform, wie z.B. nur mehr starke Bezirkshauptmannschaften. Den Rest bis zur Bundesregierung abschaffen. Und bevor jemand mit dem Verlust von Diversität der Regionen faselt, niemand hat mehr Ahnung von der Region als die Bezirkshauptm. Dann fördert halt Völkermarkt mehr den Tourismus und Scheibbs halt die Landwirtschaft. Keine 20 Krankenkassen und einheitliche Kosten. Das würde massiv Steuergeld sparen.

macaca
02
28.9.2010, 11:25
Damit schafft man Arbeitsplätze,

und wie bitte soll dieser mirakulöse Vorgang der Arbeitsplatzschaffung vor sich gehen?

Simon.R
 
00
28.9.2010, 11:33
Ganz ehrlich?

Ganz ehrlich? Ich weiß es nicht, vielleicht bräuchten wir eine neue Partei, vielleicht auch nicht. Ich meine nur Mareks Vorschlag ist nichts anderes als den status quo nochmal einzuzementieren. Ich habe keine Ahnung wie wir dort hinkommen könnten. Aber an Ideen mangelt es sowieso nicht.

Simon.R
 
02
28.9.2010, 10:35
Es stimmt schon, ABER...2

D.h. Menschen brauchen die Hoffnung, dass sich das Gehalt erhöht wenn sie mehr leisten, dass sie Aufstiegschancen haben, dass sie wieder am Leben teilnehmen können. Also, sich ein neues Auto kaufen, Urlaub machen, sich das Leben leisten können, wie alle anderen Berufstätigen auch. Das ist mit diesem Modell nicht gegeben. Damit soll man den Menschen zwar das Gefühl geben, dass sie berufstätig sind. In Wirklichkeit soll es nur verschleiern, dass es gar keine Arbeit gibt, egal wie viel man leisten würde oder könnte. Die Menschen brauchen echte Arbeitsplätze und Perspektiven und nicht Illusionen. Denn nichts anderes ist es. Eine Illusion eines Arbeitsplatzes, ohne Hoffnung auf Verbesserung. Mein Vorschlag wäre, Kindergärten auszubauen.

Knut Ogris
06
28.9.2010, 10:29
So schaut´s dann aus, wenn die Christl so weitermacht!!

http://www.sueddeutsche.de/kultur/au... -1.1005078

Simon.R
 
05
28.9.2010, 10:28
Es stimmt schon, ABER...1

Mein Mann war nach einer Schulteroperation arbeitlos geworden. Bekam Depressionen, ich war in Teilzeit arbeiten, studieren und wir haben ein Kleinkind. Ich war wütend auf ihn da ich nur den Sonntag zum verschnaufen hatte und da auch lernen musste, bzw. Haushalt nachholen. Wer jemals eine depressive Person daheim hatte, weiss genau, dass man auf Hilfe ihrerseits nicht hoffen braucht. Mein Partner wäre zu dieser Arbeit verpflichtet worden. Was die meisten übersehen, bzw. nicht bedenken ist, dass es nicht reicht den Menschen eine Illusion zu bieten. Wenn es Arbeit gibt, dann sollte man die auch normal und laut Kollektivvertrag bezahlen. Niemand arbeitet gerne ohne Hoffnung auf Verbesserung des Arbeitsplatzes.

naihoit
05
28.9.2010, 11:42
Niemand arbeitet gerne ohne Hoffnung auf Verbesserung

Liebe Frau Simon R.
Es geht hier nicht um vernünftige Lösungen, um menschliche schon gar nicht.
Es ist die alte Leier der KleKos (klerikal-konservativen od. auch christlich-sozialen), also Neid-Debatte.
Einerseits proklamieren sie "Leistungsgerechtigkeit" und damit: "Entlohnung entsprechend dem Nutzen der eigenen Tätigkeit für die Allgemeinheit", andererseits füllen sie sich die Taschen mit dem, das andere erarbeitet haben und sind auch noch davon überzeugt, daß sie das "verdienen".

Vedralo-Spiralo
187
28.9.2010, 09:39
Es hat sich wieder der typische...

...Reflex der linken Gutmenschengesellschaft ergeben. Ein guter Vorschlag, der auch den Hilforganisationen gut tun würde, wird zerpflückt verdreht und lächerlich gemacht....

cwebb1977
10
28.9.2010, 10:44

Ja, gegen die männerfeindliche Wehrpflicht wird nicht so ein Aufstand gemacht.

Linus Tintifax
01
28.9.2010, 10:28
sie heißen nicht zufällig

sebastian kurz?

Karl Benemsi
29
28.9.2010, 10:17
genau !

wenn ich leistungen aus meiner haushaltsversicherung beziehe, muss ich doch auch das auto meines versicherungsvertreters putzen - und schön "dankeeee" sagen !

Audimax
71
28.9.2010, 10:36
Bei Langzeitsarbeitslosen

zahlt das Sozialamt, also die Gemeinschaft. Das hat nichts mehr mit einer Versicherung zu tun. Jeder der von der Gemeinschaft etwas erhält, sollte eigentlich freiwillig der Gemeinschaft wieder etwas zurückgeben. Wenn jemanden jedoch nichts an einer funktionierenden Gemeinschaft liegt, warum sollte sich dann die Gemeinschaft um solche Leute kümmern?

naihoit
14
28.9.2010, 11:49
Langzeitarbeitslose

sind Menschen, denen die Gesellschaft bewiesen hat, daß sie ohne deren Arbeitsleistung auskommt.
Daran orientiert sich üblicherweise auch deren Selbstbewußtsein und Selbstwertgefühl.
Meinen Sie wirklich, daß man diese armen -weil ausgegrenzten- Menschen noch mehr erniedrigen sollte?
Oder sollen die nun Arbeiten verrichten, von denen andere bislang als Dienstnehmer lebten?
Was tun die dann?
Warten, bis sie langzeitarbeitslos sind und ihren bisherigen Job dann für weniger Geld, dafür aber mit der Punzierung "Unnötiger, raus aus der Hängematte" wieder aufnehmen?

alexanderletten
 
03
28.9.2010, 11:04

Wie denn?

Die Gemeinschaft funktioniert auch nur über Steuern u. Abgaben-ergo ist eine Freiwilligkeit nicht gegeben.
Jeder, der schwarz hackeln bzw. hackeln lässt ist demnach gleichzusetzen-unabhängig davon, ob er im Beschäftigungsverhältnis steht.

Claidheamh Mòr
26
28.9.2010, 09:55
ich sage es hier nochmal:

weil viele Leser offensichtlich kognitive Blockaden haben:
- AL-Geld ist eine Versicherungsleistung !
Wer schliesst (noch dazu unter Zwang) eine Kfz-Versicherung ab, wo er bei einem Schadensfall dann noch einmal usaetzlich zu den Monatsraten zu einer pers.Dienstleistung gezwungen wird ?

Und noch dazu: Alkoholismus, Drogenprobleme, Depressionen (=Apathie) sind ein Fall fuer den Arzt bzw Krankenkasse, und haben so mit in einer AL-Diskussion nichts verloren.

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