180.000 Minderjährige behandlungsbedürftig - Strukturen mangelhaft
Wien - Zehn Prozent der Minderjährigen in Österreich sind von seelischen Erkrankungen betroffen, das Thema Kinder- und Jugendpsychiatrie jedoch so gut wie nicht präsent im allgemeinen Bewusstsein. Darauf wiesen Fachleute bei einer Diskussion im Wiener AKH hin. Max Friedrich, Vorstand der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, nannte die Situation "eigentlich eine Zumutung für die Kinder".
Regionale Versorgungsunterschiede
Geschätzte 180.000 der österreichischen Minderjährigen sind behandlungsbedürftig, 70 Prozent von ihnen sind auffällig, sagte Ärztekammer-Vertreterin Katharina Purtscher - Tendenz steigend. Die Expertin bemängelte den unterschiedlichen Versorgungsgrad für diese Betroffenen, der in einigen Gegenden "sehr schlecht" sei. Bisherige Bemühungen wie die Erweiterung der Ausbildungsplätze bezeichnete sie als "Tropfen auf den heißen Stein".
Gesundheitsminister Alois Stöger verwies darauf, dass er das Gebiet heuer zum "Mangelfach" erklärt habe. Laut Verfassung gebe das Ministerium den Rahmen vor, die Ausgestaltung liege aber bei den Ländern, erläuterte der Ressortchef.
Mangelhafte Strudkturen
Seit der Entstehung der Disziplin 1950 seien die Strukturen mangelhaft, sagte Friedrich. "Eine Lobby für die Patienten scheint eigentlich nicht vorhanden zu sein". Offensichtlich habe man bisher eine Bewusstseinsbildung bei der Bevölkerung versäumt. (APA)