Boot mit Hilfsgütern für den Gazastreifen in Nordzypern gestartet
Famagusta - Jüdische Aktivisten sind am Sonntag von Nordzypern aus
mit einer Hilfslieferung für den Gazastreifen in See gestochen. Die Aktion solle
zeigen, dass nicht alle Juden die israelische Politik gegenüber den
Palästinensern unterstützten, erklärte ein Organisator, Richard Kuper, von der
in Großbritannien ansässigen Gruppe Jews for Justice for Palestinians (JFJFP).
An Bord des Schiffes befanden sich Aktivisten aus Deutschland, Israel,
Großbritannien und den USA. Sie wollten Spielzeug, medizinische Güter, Motoren
für Fischerboote und Bücher in den Gazastreifen bringen.
Die neun Passagiere und Besatzungsmitglieder der "Irene" würden keinen
Widerstand leisten, wenn die israelischen Behörden sie stoppen wollten, sagte
Kuper. Die Aktivisten wollten keinesfalls die Hamas unterstützen, sondern
deutlich machen, dass die Bevölkerung im Gazastreifen nicht für die Handlungen
ihrer Machthaber bestraft werden sollte.
Unter den Aktivisten ist auch der Israeli Rami Elhanan, dessen Tochter 1997
bei einem Selbstmordanschlag in Jerusalem getötet wurde. Er erklärte, es sei
seine moralische Pflicht, die Palästinenser im Gazastreifen zu unterstützen,
weil eine Versöhnung der sicherste Weg zum Frieden sei. "Diese 1,5 Millionen
Menschen im Gazastreifen sind Opfer genau wie ich", erklärte Elhanan.
"Provokativer Witz, der nicht lustig ist"
In Jerusalem kritisierte ein Sprecher des Außenministeriums die Aktion
scharf. Andy David sprach von einem "provokativen Witz, der nicht lustig ist".
Solche Provokationen führten zu nichts und leisteten auch keinen Beitrag zu
einem Abkommen mit den Palästinensern, sagte er. Die Hamas äußerte sich nicht zu
der Aktion.
An Bord des Katamarans "Irene", der unter britischer Flagge fährt, waren neun
Passagiere und Besatzungsmitglieder. Das Boot startete in der nur von der Türkei
anerkannten "Türkischen Republik Nordzypern", weil der Süden des Landes im Mai
ein Verbot für alle Fahrten in Richtung Gazastreifen verhängt hatte.
Bei einer israelischen Kommandoaktion gegen eine Hilfsflotte für den
Gazastreifen kamen am 31. Mai kamen neun pro-palästinensische Aktivisten aus der
Türkei ums Leben. Israel wollte die Schiffe daran hindern, die Seeblockade des
Gazastreifens zu durchbrechen. Nach dem international scharf kritisierten
militärischen Eingreifen lockerte Israel die Blockade ein wenig. (APA/dapd)