Kein Gummi in Irland

Guido Gluschitsch, 26. September 2010, 16:20
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    Das Opel-Rad, gut versteckt im Ulster Transport Museum in Holywood.

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    Spiralen ersetzen den Reifen, weil der Gummi zur Zeit des Ersten Weltkriegs rar war.

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    Die brüder Opel – Carl, Wilhelm, Heinrich, Fritz und Ludwig – am Qintuplet, mit denen einst die Schrittmacher bei Steherrennen fuhren.

Im Ersten Weltkrieg war der Kautschuk knapp, und man baute Notmäntel für Fahrräder aus Stahlspiralen, wie man im Ulster Folk and Transport Museum sieht

Nach Holywood sind es gerade einmal 10 Kilometer. Wenn man in Belfast ist. Oder 6 Meilen, wie man in Nord-Irland rechnet. Im Ulster Folk and Transport Museum ist auf der einen Seite, im Freilichtmuseum, ein typisch irisches Dorf nachgebaut – man hat alte Häuser, die irgendwo auf der grünen Insel standen, abgebaut und unweit von Meer und Belfast wieder aufgebaut.

Auf der anderen Seite steht das Transport Museum. Eine riesige Sammlung alter Züge, Autobusse und Autos. Prince Charles hat einen ziemlichen Haufen Geld locker gemacht, damit die Hallen errichtet werden können. Derzeit ist dort eine Sonderausstellung für den nord-irischen Motorrad-Rennfahrer Joey Dunlop eingerichtet. Und genau dort befindet sich eine kleine Insel mit historischen Fahrrädern. John Boyd Dunlop, ein schottischer Tierarzt, erfand den Luftreifen. Zwar nicht als Erster – Robert William Thomson hatte die Idee schon vor ihm –, aber erst die Dunlop-Erfindung setzte sich durch.

Notmäntel ohne Gummi

Das wohl auffälligste Fahrrad ist ein altes Rad von Opel. Es trägt kein Herstellungsdatum, hat keine kleine Tafel über seine Geschichte, aber es hat auffällige Reifen. Dort, wo vor dem ersten Weltkrieg Hartgummi-Reifen montiert waren, hat das Opel-Rad Stahl-Spiralen, die von einem Stahlband eingefasst sind. Für besseren Komfort sorgt ein Lederband, das als Dämpfung dient.

Im Zuge des Ersten Weltkrieges wurde der Kautschuk knapp – auch in Irland, und in den Handel kamen Notreifen. Eben solche Spiralfedern, die auf die Felge montiert waren. Das System, mit umgebendem Stahlring und Lederband, dürfte wohl die Luxusausführung davon gewesen sein.

Größter Zweiradhersteller der Welt

1927 war Opel der größte Hersteller von Zweirädern weltweit. Adam Opel schenkte zu Weihnachten 1885 jedem seiner fünf Söhne ein Fahrrad, wie er es auf seiner Hochzeitsreise 1884 in Paris fahren sah. Sein eigener erster Versuch, an einem der Weihnachtsfeiertage mit dem Velociped zu fahren, endete im Straßengraben. Adam Opel erkannte, wie gefährlich die Fahrräder sind und verkaufte sie gleich wieder.

Gleichzeitig erkannte er aber auch, welch enormer Markt da zu erschließen war. Er verkaufte seine Räder zu einem weitaus besseren Preis, als er sie einkaufte. 1886 verlässt das erste Hochrad, das nach englischen Konstruktionsvorgaben gebaut wurde, die Opel-Werkshallen. 1887 studiert der älteste Sohn Carl in England die Fertigungsmethoden der marktbeherrschenden Hersteller.

Sportliche Erfolge

1889 sind in den Opel Werken mehr als 1000 Mitarbeiter mit der Fertigung von Nähmaschinen und Fahrrädern beschäftigt. Es ist das Jahr, in dem Opel den ersten bedeutenden Sporterfolg heimfährt: August Lehr gewinnt auf einem Hochrad die Meisterschaft der Welt in London.

Auch die Opel-Söhne fahren die hauseigenen Räder bei Rennen und sind damit extrem erfolgreich: 560 Siege fuhren die fünf Söhne ein.

1937 verkauft Opel nach über 2,6 Millionen hergestellten Fahrrädern seine Produktion an NSU. Damals war Opel Europas größter Automobilhersteller.

Link:

Ulster Folk and Transport Museum
Cultra, Holywood, Northern Ireland

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17 Postings
Ibsen
00
27.9.2010, 16:26
Und keine Kette in Ungarn

http://www.stringbike.com/

meinrad
03
27.9.2010, 15:38
kann sich auch nicht holpriger fahren als die wiener citybikes!

Naturfranz
03
27.9.2010, 15:23

Die Federn dieser Behelfsreifen wurden in Irland wegen des Gummimangels auch als Kriegskondome verwendet und führten zur Erfindung der Spirale.

zol ex
00
28.9.2010, 16:34

Warum fällt mir jetzt Morgan "der Bock" ein?

NoComment
00
27.9.2010, 10:52
grip

mit sowas im regen fahren war sicher interessant ;-) da konnte man gleich zu fuß gehen.

der Blade
00
27.9.2010, 13:35

ich glaube es ist nicht falsch anzunehmen, dass asphaltierte straßen zu der zeit nicht so oft zu finden waren. sobald der boden nicht ganz eben ist, kann man mit dem ding auch fahren.

NoComment
00
27.9.2010, 14:49

dürfte ja zwischen 1912 und 1918 liegen, das opel-rad. mag zwar nur selten ein asphalt gelegen sein, aber kopfsteinpflaster war in den städten sicher modern, ein spaß mit so einem rad ;-)

jumpingjack flash
00
27.9.2010, 20:13

die kurven, die kurven!

mastachecka
04
27.9.2010, 10:39
Das Lederband

sorgt wohl weniger für Komfort als für bessere Traktion. Stahl auf Asphalt fährt sich sicher schlecht.

Zacki
06
27.9.2010, 11:03
Ich bin echt kein Historiker...

... aber zweifle dennoch daran, dass während de ersten Weltkrieges wahsinnig viele Straßen asphaltiert waren.

hotzenplotz1001
00
27.9.2010, 08:56
Damit braucht man den Platten wegen einer zerbrochenen Bierflasche auf dem Donaukanalradweg nicht mehr zu fürchten.

1000 Kopfläuse können nicht irren
00
27.9.2010, 07:40
"Gib Gummi" funktioniert mit dem Rad wohl nicht!

sturmy
01
27.9.2010, 07:33
würde das Reifenproblem in der Formel1 lösen...

1000 Kopfläuse können nicht irren
00
27.9.2010, 13:13
Stelle mir gerade den Funkenflug vor...

*g*

DieWahrheitistdenMenschenzumutbar
00
26.9.2010, 21:18
Back to the roots

Die Gebrüder aus Rüsselsheim sollten sich warm anziehen sonst fährt ihnen die Konkurrenz mit wendigen witterungsgeschützten Kleinfahrzeugen um die Ohren....
Renault, BMW mit dem C1, Benelli Adiva u.a. machen was vor- auch Smart übt sich am elektrischen Scooter.

TheNepomuk
00
26.9.2010, 19:30
Opel...

...ist Europas größter Automobilhersteller?

Das kann doch nicht sein - was ist mit VW?

Guido Gluschitsch
 
03
26.9.2010, 19:49
Danke für den Hinweis,

ich hab den doppeldeutigen Satz zu einem eindeutigen gemacht.

glu

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