Im Ersten Weltkrieg war der Kautschuk knapp, und man baute Notmäntel für Fahrräder aus Stahlspiralen, wie man im Ulster Folk and Transport Museum sieht
Nach Holywood sind es gerade einmal 10 Kilometer. Wenn man in Belfast ist. Oder 6 Meilen, wie man in Nord-Irland rechnet. Im Ulster Folk and Transport Museum ist auf der einen Seite, im Freilichtmuseum, ein typisch irisches Dorf nachgebaut – man hat alte Häuser, die irgendwo auf der grünen Insel standen, abgebaut und unweit von Meer und Belfast wieder aufgebaut.
Auf der anderen Seite steht das Transport Museum. Eine riesige Sammlung alter Züge, Autobusse und Autos. Prince Charles hat einen ziemlichen Haufen Geld locker gemacht, damit die Hallen errichtet werden können. Derzeit ist dort eine Sonderausstellung für den nord-irischen Motorrad-Rennfahrer Joey Dunlop eingerichtet. Und genau dort befindet sich eine kleine Insel mit historischen Fahrrädern. John Boyd Dunlop, ein schottischer Tierarzt, erfand den Luftreifen. Zwar nicht als Erster – Robert William Thomson hatte die Idee schon vor ihm –, aber erst die Dunlop-Erfindung setzte sich durch.
Notmäntel ohne Gummi
Das wohl auffälligste Fahrrad ist ein altes Rad von Opel. Es trägt kein Herstellungsdatum, hat keine kleine Tafel über seine Geschichte, aber es hat auffällige Reifen. Dort, wo vor dem ersten Weltkrieg Hartgummi-Reifen montiert waren, hat das Opel-Rad Stahl-Spiralen, die von einem Stahlband eingefasst sind. Für besseren Komfort sorgt ein Lederband, das als Dämpfung dient.
Im Zuge des Ersten Weltkrieges wurde der Kautschuk knapp – auch in Irland, und in den Handel kamen Notreifen. Eben solche Spiralfedern, die auf die Felge montiert waren. Das System, mit umgebendem Stahlring und Lederband, dürfte wohl die Luxusausführung davon gewesen sein.
Größter Zweiradhersteller der Welt
1927 war Opel der größte Hersteller von Zweirädern weltweit. Adam Opel schenkte zu Weihnachten 1885 jedem seiner fünf Söhne ein Fahrrad, wie er es auf seiner Hochzeitsreise 1884 in Paris fahren sah. Sein eigener erster Versuch, an einem der Weihnachtsfeiertage mit dem Velociped zu fahren, endete im Straßengraben. Adam Opel erkannte, wie gefährlich die Fahrräder sind und verkaufte sie gleich wieder.
Gleichzeitig erkannte er aber auch, welch enormer Markt da zu erschließen war. Er verkaufte seine Räder zu einem weitaus besseren Preis, als er sie einkaufte. 1886 verlässt das erste Hochrad, das nach englischen Konstruktionsvorgaben gebaut wurde, die Opel-Werkshallen. 1887 studiert der älteste Sohn Carl in England die Fertigungsmethoden der marktbeherrschenden Hersteller.
Sportliche Erfolge
1889 sind in den Opel Werken mehr als 1000 Mitarbeiter mit der Fertigung von Nähmaschinen und Fahrrädern beschäftigt. Es ist das Jahr, in dem Opel den ersten bedeutenden Sporterfolg heimfährt: August Lehr gewinnt auf einem Hochrad die Meisterschaft der Welt in London.
Auch die Opel-Söhne fahren die hauseigenen Räder bei Rennen und sind damit extrem erfolgreich: 560 Siege fuhren die fünf Söhne ein.
1937 verkauft Opel nach über 2,6 Millionen hergestellten Fahrrädern seine Produktion an NSU. Damals war Opel Europas größter Automobilhersteller.