Iran massiver Cyber-Attacke ausgesetzt

25. September 2010, 14:45
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Raffinierte Attacke auf Industrieanlagen - Spekulation um Sabotage von AKW

Der Iran kämpft gegen einen Computerwurm, der sich immer mehr in den Industrieanlagen des Landes ausbreitet.  Vertreter der iranischen Atomenergiebehörde kamen in dieser Woche zu Beratungen zusammen, wie der Wurm wieder aus den Rechnern entfernt werden kann. Wer hinter dem Wurm steckt und welche Ziele er verfolgt, ist zumindest offiziell noch unbekannt, im Internetdienst Twitter kursieren hingegen bereits Namen von Personen, die verantwortlich sein sollen.

Entdeckung

Entdeckt wurde der Wurm von Experten in Deutschland. Die ersten befallenen Systeme wurden aus den Iran gemeldet, weitere Fälle gab es dann auch in Großbritannien, Indonesien, Indien und den USA. Schon die Tatsache, dass der Wurm zuerst im Iran auftrat, ließ Spekulationen aufkommen, Ziel' sei es, den Betrieb des ersten iranischen Atomkraftwerks in Bushehr zu stören, dass im Oktober die Arbeit aufnehmen soll - der WebStandard berichtete.

Sicherheitsfirmen

Das besondere an Stuxnet ist, dass er wohl der erste Computervirus ist, der eigens für Angriffe auf die Industrie-Steuerungsanlagen entwickelt wurde. Stuxnet hat nach Angaben der Sicherheitsfirma Symantec die Fähigkeit, Kontrolle über den Host-Rechner zu erlangen, ihn zu manipulieren und Daten an einen entfernten Server zu schicken. Die Sicherheitsexperten vermuten Industriespionage als Zweck des Wurms.

Die Sicherheitsfirma Kaspersky Lab erklärte, es handle sich um einen einzigartigen und sehr ausgefeilten Malware-Angriff, der mit fundiertem Wissen um die Industrieanlagensteuerung mit SCADA-Technologie (Supervisory Control and Data Acquisition) durchgeführt wurde. Kaspersky Lab geht deshalb davon aus, dass es sich um einen staatlich unterstützten Angriff handelt.

"Ich denke, dass dies der Auftakt zu einem neuen Zeitalter ist: die Zeit des Cyberterrorismus, der Cyberwaffen und der Cyberkriege", sagte Eugene Kaspersky, Chef und Mitgründer von Kaspersky Lab. Dieses Schadprogramm sei nicht konzipiert worden, um Geld zu stehlen, Spam zu versenden oder persönliche Daten abzugreifen. Es sei entwickelt worden, um Fabriken und industrielle Anlagen zu sabotieren. Kaspersky Lab geht davon aus, dass Stuxnet der Prototyp von künftigen Cyberwaffen sein könnte und ein modernes Wettrüsten in Gang setzt.

Ziel

Ziel von Stuxnet sei es, Zugang zu Anlagensteuerungen zu erhalten, wie sie weltweit bei Ölpipelines, Kraftwerken, großen Telekommunikationssystemen, Flughäfen, Schiffen und sogar Militäranlagen eingesetzt würden. Das Insiderwissen über die SCADA-Technologie, die Raffinesse des vielschichtigen Angriffs, die Ausnutzung mehrerer Windows-Schwachstellen und der Missbrauch von legitimen Zertifikaten legten nahe, dass Stuxnet von einem Team sehr gut ausgebildeter Fachkräfte entwickelt wurde, die über enorme Ressourcen und finanzielle Unterstützung verfügten, erklärte Kaspersky Lab.

Auch in den USA wird der Wurm inzwischen aufmerksam beobachtet. Das Heimatschutzministerium baut ein Spezialistenteam auf, das bei Angriffen auf die Industrieanlagen des Landes schnell reagieren soll. (APA/dapd)

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