Hypo Kärnten

Vom Vorzug, Hypo-Aktionär gewesen zu sein

Renate Graber, 24. September 2010, 17:58

Die handverlesenen Vorzugs­aktionäre der Kärntner Hypo haben von 2005 bis 2008 fast 40 Millionen Euro Dividende kassiert

Wien - Die Kapitalerhöhungen der Kärntner Hypo Group Alpe Adria beschäftigen bereits die Staatsanwaltschaft. Sie geht dem Verdacht der Untreue nach, ermittelt gegen Ex-Manager und Aufsichtsräte. In Summe holte sich die Bank 2004 und 2006 frisches Geld und zahlte dafür von April 2005 bis April 2008 brutto 39,5 Mio. Euro an Vorzugsdividenden aus.

Wie berichtet war die Hypo chronisch unterkapitalisiert und holte sich teils auf unorthodoxe Weise frisches Geld: Sie finanzierte einen Teil der Kapitalerhöhung (vorübergehend) über eigene Kredite. So geschehen 2004, als der Kapitalpolster der Hypo Leasing Holding (HLH) gefüllt wurde. Der Kredit für die Vorzugsaktionäre kostete rund vier Prozent, die Vorzugsdividende war mit 6,25 Prozent vereinbart. Aktionäre wurden so, wie berichtet, die Privatstiftungen Annagasse und Collegia rund um VCP-Gründer Heinrich Pecina. Durch eine anonyme Anzeige laut gewordene Gerüchte, wonach die Annagasse Ex-Hypo-Chef Wolfgang Kulterer zuzurechnen sei, dementieren die Genannten.

Einige weitere der kreditfinanzierten Vorzugsaktionäre: die Klagenfurter OGK (heute: Gandalf) Privatstiftung rund um Hypo-Geschäftsfreund Miro Oblak (und Anwalt Gerhard Kucher und Steuerberater Hermann Gabriel) sowie die MA Privatstiftung und die Klagenfurter BC Holding AG (Vorstand: Kucher). Nach Kritik der Aufsicht wurden die Kredite (die über Liechtenstein-Gesellschaften liefen) zurückgeführt, die Finanzierung auf neue Beine gestellt.

Die erste Dividende für diese Vorzugsaktionäre wurde am 30.April 2005 ausbezahlt: 3,4 Mio.Euro bekam die BC Holding, je 625.000 Euro die Privatstiftungen Annagasse, OGK und MA. Welche Aktionäre hinter der BC (heute: Best Invest) Holding stehen, ist nicht überliefert. Sicher ist, dass diese Gesellschaft am meisten investiert (55 Mio. Euro) und am meisten heraus bekommen hat: in Summe 9,9 Mio. Euro brutto.

Put-Option oder nicht

Eine der Kernfragen der Ermittlungen dreht sich derzeit um die Frage, ob stimmt, was ein Jurist ausgesagt hat: dass die Bank sich verpflichtet hat, die Aktien zu einem bestimmten Preis wieder zurück zu kaufen (also eine Put-Option hatte). Das hätte das Geschäft für die Investoren zu einem bombensicheren, weil risikolosen, gemacht. Zur Erinnerung: Anfang 2009 hat sich die damals gerade frisch not verstaatlichte Bank denVorzugsaktien-Rückkauf 200 Mio. Euro kosten lassen.

Eingeladen zu dem ausgesprochen interessanten Investment (inSumme: rund 200 Mio. Euro) haben die HLH-Chefs damals nur "Großkunden" , wie sie erklärten; laut einer Hypo-Liste nahmen 42 Investoren das Zeichnungsangebot an. Mitgetan haben tatsächlich etliche alte Hypo-Bekannte; zum Beispiel Ex-Hypo-Aufsichtsratschef (bis 2004) Herbert Koch von Kika-Leiner, ein Friedrich Koch und die Kika Möbel Handel GmbH. In Summe investierten die drei 16 Mio. Euro und bekamen brutto in Summe 1,17 Mio. Euro an Dividende. Koch investierte später auch via Investoren-Gruppe Berlin in die Kärntner Bank.

Weiters auf der Liste der Vorzugsaktionäre: die Raiffeisen Bezirksbank Klagenfurt, in deren Vorstand ein Bruder von Ex-Hypo-Vorstand Günter Striedinger sitzt. Beide haben 2005 die Tate Privatstiftung ins Leben gerufen.

Weiter Mitglieder der Investoren-Partie

Mit von der Investoren-Partie auch das Bedarfsflug-Unternehmen Jet Alliance rund um Lukas Lichtner-Hoyer (und er selbst), die Köck Privatstiftung rund um den Gesundheitsökonomen Christian Köck, die Humer Privatstiftung, die Ex-Palmers-Chef Rudolf Humer zuzuordnen ist. Ingrid Flick investierte persönlich und über die Flick Privatstiftung, in deren Vorstand damals Kulterer saß.

Die OC Oerlikon Management AG zeichnete 30 Mio. und kassierte dafür 1,73 Mio. Euro. Der Schweizer Technologiekonzern war 2005 mehrheitlich ins Eigentum der Österreicher Ronnie Pecik und Georg Stumpf geraten. Sie wollten Ende 2006 auch bei der Hypo-Investorengruppe Tilo Berlin einsteigen; Berlin lehnte ab.

Auch die Kärntner Unternehmensgruppe von Hypo-Intensiv Kunde Walter Moser half 2004 und 2006 fleißig mit, den Kapitalpolster aufzufüllen, bezog laut Hypo-Liste brutto 5,3 Mio. Euro Dividende. Weitere Kapitalgeber: die HSBC, die Hypo International selbst und die Kärnten Privatstiftung, zu deren Stiftern wiederum die Hypo Alpe Adria selbst gehört.

Die beschäftigt inzwischen auch die Zivilgerichte: Laut einem Sprecher der Bank wurden bereits die ersten Schadenersatzklagen gegen Ex-Manager eingebracht. (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25./26.9.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 167
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Bergdolm
00
26.9.2010, 18:01
Die Fleißigen und Tüchtigen

haben eben fleißig tüchtig abkassiert.

Weil durch Spekulationen keine Werte geschaffen, sondern nur verschoben werden, gibt es bei diesem Spiel immer Gewinner und Verlierer.

Gewinner sind die "Leistungsträger", die ihre Vermögen oft geschickt in steuerschonenden Stiftungskonstruktionen und in Steuerparadiesen anonym parken. Verlierer dabei sind die Ö-Steuerzahler.

Unter den "Leistungsträgern" sind auffällig viele christliche Moralaposteln zu finden, die dem "kleinen Mann" Sparsamkeit vorbeten. (Stichworte: Gürtel enger schnallen, ... über die Verhältnisse gelebt)

Weil man sich auf Gott nicht verlassen kann, wird hoffentlich auf der Erde jemand dafür sorgen, dass diese Herrschaften ihre gerechte, verdiente Strafe bekommen.

P S
00
26.9.2010, 06:41
Gesundheitsökonomie

So bekommt der Begriff der Gesundheitsökonomie einen verständlichen Sinn. Gesundheitsökonomen schauen auf die eigene gesunde Ökonomie.

Ludwig Wahnsinn
02
25.9.2010, 23:24
na eine der stiftungen ist unseren treuen

ex finanzminister zuzurechnen

BC (heute: Best Invest)

standardantwort
20
25.9.2010, 23:47

Da irren Sie sich aber gewaltig.

Ludwig Wahnsinn
01
26.9.2010, 11:53
ja wieso denn

ich werd wohl lesen können was in akten steht

standardantwort
00
26.9.2010, 20:11

Na wenn Sie unbedingt meinen und es Ihnen den Tag verschönert, dann bleiben Sie dabei, Sie können ja gut Akten lesen (die Frage ist, welche). Fakutm est: Ihr Schluss ist ein Blödsinn

orangenpresse
 
01
25.9.2010, 21:48
könnte mannicht bitte in zukunft das geld direkt an die bedürftigen

auszahlen? ohne aktien tricks? das tät allen zeit und geld sparen. von meinem gehalt könnte der pröll noch ein zwei prozent abzweigen jeden monat. als solidarbeitrag für notleidende kapitalisten. von ihrem liebe poster sicher auch...oder hoppla, macht er das nicht gerade? ich bin ja so glücklich, dass jetzt auch etwas mir gehört von der hypo alpe adria...die schulden :) fein, österreich im schwarz blauorangen sumpf. das wär doch a reportage vom hugo portisch wert.

ich gebe zu bedenken, wir lassen uns das alles ohne jegliche reaktion gefallen...

Ing. Rambo Einfältig
03
25.9.2010, 18:50
Am Kärntner Wesen sind wir genesen,

strahlt die vom Himmel gefallene Sonne aus den Tiefen des größten Prolotümpels von Österreich.

Bergdolm
04
25.9.2010, 18:05
Und gerade deshalb: Transparenzdatenbank jetzt!

Es muss eben streng darauf geschaut werden, dass für "die Kleinen" nicht zu viel ausgeschüttet wird. Dem "Geldadel" muss schon was für seine kriminellen Spielchen übrig bleiben - und gar nicht zu wenig.
Sarkasmus Ende.

Und jetzt ernsthaft:
Was fällt einer SPÖ, einem Faymann ein, dass sie / er bei der Zwangsverstaatlichung mitspielte? Den Abzockern und deren Parteien hätte ich den verursachten Schaden bis auf den letzten Euro-Cent begleichen lassen und die Proponenten dieser Banditen unverzüglich jahrelang in U-Haft gesteckt (wie den Elsner).

Wie blöd muss eine Partei und deren Obmann sein, dass sie / er das nicht fordert und durchsetzt - oder hängen sie selbst mit drinnen? Ich fürchte beides.

schmauchlümmel
01
25.9.2010, 18:04
erschütternd…

…ist das schon lange nicht mehr. ich gewöhne mich langsam daran. abfinden kann ich mich aber nicht damit. wenn keine köpfe rollen, dann haue ich ab!

Bergdolm
01
25.9.2010, 18:15

"Köpfe rollen" - Der Hass auf diese verbrecherischen "Leistungsträger" wird in Teilen des Volkes immer größer. Mehrheitsfähig ist diese Sehnsucht in der trägen Ö-Wahlbevölkerung aber nicht.

Deshalb wird es "Köpfe rollen" weder bildlich noch "in echt" spielen. Leider - oder Gott sei Dank. Ich weiß nicht ...

standardantwort
01
25.9.2010, 17:22

Dass man die Inhaber einer möglichen Put-Option (das wären wohl die Aktionäre und nicht die Bank gewesen, kann in der Hitze des Gefechtes sogar Wirtschaftsredakteuren passieren.
Dass man offensichtlich schlecht kopierte Unterlagen abschreibt und die Friederike Koch zum Friedrich macht, wird die Tochter von Firmengründer Leiner weniger freuen, immerhin hat sie ihrem Herbert ja auch Nachwuchs geschenkt.
Dass natürlich die Striedinger Brüder hervorgehoben werden, wird wohl im Auftrag des Chefanzeigers Dr. Held sein; die Gründung deren Familienprivatstiftung hinzuzufügen könnte man auch untergriffig nennen...
Die Folgerung aus der Put-Optionen Sache wird aber nicht gezogen und das wäre der eigentliche Hammer: Bilanzfälschung durch Vorstände!

Stern von Brokot
08
25.9.2010, 16:24
Jaja, liebe Leute der "Klassenkampf" (HUCH-böses Wort)

ist definitiv, mit einem klaren Sieger, beendet.

Dabei haben 90% von euch nicht mal was mitgekriegt.

Kommt aber noch!

glenfiddich
010
25.9.2010, 16:14

Free Elsner!
Der ist ja dagegen ein Ehrenmann!

prusiner
00
25.9.2010, 19:05
schmerzlich

.. aber da ist etwas dran ..

ncc1701c
01
25.9.2010, 16:14
ist das nicht....

.... der köck, der immer sagt, dass man alte leute nicht mehr operieren soll, weil das zu teuer ist??

*esofan*
02
25.9.2010, 16:02

SAUEREI!

naso
019
25.9.2010, 15:53
versteh ich das richtig?

(vereinfacht ausgedrückt und auf den punkt gebracht:)
die haben sich von der bank geld geliehen (kredit) um damit der bank etwas abzukaufen (aktien), wofür sie von der bank dann eine belohnung (rendite) bekamen, die höher war als die ausleihgebühr (zinsen) bei der bank.
verbunden mit der garantie nach einer gewissen zeit die sachen (aktien/geld) wieder zurückzutauschen und den kredit damit zu liquidieren. übrig vom ganzen geschäft blieben nur millionengewinne für die "investoren".
echt?

standardantwort
11
25.9.2010, 23:59

Was halten Sie von dieser Rechnung:
Die Bank "verkauft" Vorzugsaktien und erhöht damit ihr Eigenkapital um 100 Millionen Euro; das lässt sie sich 6,25 Mio Euro im Jahr kosten. Die Eigenmittel kann sie noch mit anderen "Instrumenten" weiter erhöhen und damit 2,5 bis 3 Milliarden neues Geschäftsvolumen unterlagen, wie es das Gesetz verlangt. Mit diesem neuen Geschäftsvolumen, das (nur) dadurch ermöglicht wird, kann das EBIT um zB 100 Mio. Euro verbessert werden; dazu kommen jährlich Einnahmen durch den an die Investoren vergebenen Kredit in Höhe von 4,5 Mio. Euro (falls alle Investoren den Kredit in Anspruch nehmen). Das heißt, ich kann mit einer relativ kleinen Summe sehr hohe zusätzliche Betriebserträge generieren, wenn's funktioniert...

KaterTom
01
26.9.2010, 08:58
Sicher

Pyramidenspiele funktionieren ja auch (eine Zeit lang).

Glas ist halb voll
00
25.9.2010, 21:34
so was nennt sich

Informationsasymmetrie

schmauchlümmel
00
25.9.2010, 18:07

und die sichere dividende alleine reichte der bank offenbar als sicherheit, dass sie das geld hergab. pervers.

hago
00
25.9.2010, 15:53

Hilfe die Korruption vergiftet uns!

http://derstandard.at/125431168... gner-CoMix

Neue Werte braucht das Land.

Wüstenläufer
010
25.9.2010, 15:43
das sind laut FPBZÖVP

die sogenannten Leistungsträger Östereichs, die "Braven und Fleissigen Österreicher", die Millionen und Milliarden durch solche Spielchen dem wehrlosen Steuerzahler aus der Tasche ziehen.

Und wenn dann diese Schwindelbeträge versteuert werden sollen, wehren sie sich mit allen möglichen Argumenten, weil sie ja betroffen sein könnten davon, all die Mensdorffs, KHGs, Flicks & Unschuldsvermutungen & Co KGs - am Sonntag ist die erste Gelegenheit fürs Volk denen zu zeigen, dass sie abgewählt werden!

Allmächtiger Satan
100
25.9.2010, 16:34

Jaja, bei der roten Bawag und dem roten Konsum war alles viel besser.

Wie viel besser es erst wird, wenn der Flughafen nach der Wahl ein wenig mehr ins Licht der Medien rückt. Da hält man sich ja höchst dezent zurück. Dabei ist der rote Sumpf dort schon mehr als hüfttief, die Mitarbeiter vom Rechnungshof können sich kaum fortbewegen.

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