Die handverlesenen Vorzugsaktionäre der Kärntner Hypo haben von 2005 bis 2008 fast 40 Millionen Euro Dividende kassiert
Wien - Die Kapitalerhöhungen der Kärntner Hypo Group Alpe Adria beschäftigen bereits die Staatsanwaltschaft. Sie geht dem Verdacht der Untreue nach, ermittelt gegen Ex-Manager und Aufsichtsräte. In Summe holte sich die Bank 2004 und 2006 frisches Geld und zahlte dafür von April 2005 bis April 2008 brutto 39,5 Mio. Euro an Vorzugsdividenden aus.
Wie berichtet war die Hypo chronisch unterkapitalisiert und holte sich teils auf unorthodoxe Weise frisches Geld: Sie finanzierte einen Teil der Kapitalerhöhung (vorübergehend) über eigene Kredite. So geschehen 2004, als der Kapitalpolster der Hypo Leasing Holding (HLH) gefüllt wurde. Der Kredit für die Vorzugsaktionäre kostete rund vier Prozent, die Vorzugsdividende war mit 6,25 Prozent vereinbart. Aktionäre wurden so, wie berichtet, die Privatstiftungen Annagasse und Collegia rund um VCP-Gründer Heinrich Pecina. Durch eine anonyme Anzeige laut gewordene Gerüchte, wonach die Annagasse Ex-Hypo-Chef Wolfgang Kulterer zuzurechnen sei, dementieren die Genannten.
Einige weitere der kreditfinanzierten Vorzugsaktionäre: die Klagenfurter OGK (heute: Gandalf) Privatstiftung rund um Hypo-Geschäftsfreund Miro Oblak (und Anwalt Gerhard Kucher und Steuerberater Hermann Gabriel) sowie die MA Privatstiftung und die Klagenfurter BC Holding AG (Vorstand: Kucher). Nach Kritik der Aufsicht wurden die Kredite (die über Liechtenstein-Gesellschaften liefen) zurückgeführt, die Finanzierung auf neue Beine gestellt.
Die erste Dividende für diese Vorzugsaktionäre wurde am 30.April 2005 ausbezahlt: 3,4 Mio.Euro bekam die BC Holding, je 625.000 Euro die Privatstiftungen Annagasse, OGK und MA. Welche Aktionäre hinter der BC (heute: Best Invest) Holding stehen, ist nicht überliefert. Sicher ist, dass diese Gesellschaft am meisten investiert (55 Mio. Euro) und am meisten heraus bekommen hat: in Summe 9,9 Mio. Euro brutto.
Put-Option oder nicht
Eine der Kernfragen der Ermittlungen dreht sich derzeit um die Frage, ob stimmt, was ein Jurist ausgesagt hat: dass die Bank sich verpflichtet hat, die Aktien zu einem bestimmten Preis wieder zurück zu kaufen (also eine Put-Option hatte). Das hätte das Geschäft für die Investoren zu einem bombensicheren, weil risikolosen, gemacht. Zur Erinnerung: Anfang 2009 hat sich die damals gerade frisch not verstaatlichte Bank denVorzugsaktien-Rückkauf 200 Mio. Euro kosten lassen.
Eingeladen zu dem ausgesprochen interessanten Investment (inSumme: rund 200 Mio. Euro) haben die HLH-Chefs damals nur "Großkunden" , wie sie erklärten; laut einer Hypo-Liste nahmen 42 Investoren das Zeichnungsangebot an. Mitgetan haben tatsächlich etliche alte Hypo-Bekannte; zum Beispiel Ex-Hypo-Aufsichtsratschef (bis 2004) Herbert Koch von Kika-Leiner, ein Friedrich Koch und die Kika Möbel Handel GmbH. In Summe investierten die drei 16 Mio. Euro und bekamen brutto in Summe 1,17 Mio. Euro an Dividende. Koch investierte später auch via Investoren-Gruppe Berlin in die Kärntner Bank.
Weiters auf der Liste der Vorzugsaktionäre: die Raiffeisen Bezirksbank Klagenfurt, in deren Vorstand ein Bruder von Ex-Hypo-Vorstand Günter Striedinger sitzt. Beide haben 2005 die Tate Privatstiftung ins Leben gerufen.
Weiter Mitglieder der Investoren-Partie
Mit von der Investoren-Partie auch das Bedarfsflug-Unternehmen Jet Alliance rund um Lukas Lichtner-Hoyer (und er selbst), die Köck Privatstiftung rund um den Gesundheitsökonomen Christian Köck, die Humer Privatstiftung, die Ex-Palmers-Chef Rudolf Humer zuzuordnen ist. Ingrid Flick investierte persönlich und über die Flick Privatstiftung, in deren Vorstand damals Kulterer saß.
Die OC Oerlikon Management AG zeichnete 30 Mio. und kassierte dafür 1,73 Mio. Euro. Der Schweizer Technologiekonzern war 2005 mehrheitlich ins Eigentum der Österreicher Ronnie Pecik und Georg Stumpf geraten. Sie wollten Ende 2006 auch bei der Hypo-Investorengruppe Tilo Berlin einsteigen; Berlin lehnte ab.
Auch die Kärntner Unternehmensgruppe von Hypo-Intensiv Kunde Walter Moser half 2004 und 2006 fleißig mit, den Kapitalpolster aufzufüllen, bezog laut Hypo-Liste brutto 5,3 Mio. Euro Dividende. Weitere Kapitalgeber: die HSBC, die Hypo International selbst und die Kärnten Privatstiftung, zu deren Stiftern wiederum die Hypo Alpe Adria selbst gehört.
Die beschäftigt inzwischen auch die Zivilgerichte: Laut einem Sprecher der Bank wurden bereits die ersten Schadenersatzklagen gegen Ex-Manager eingebracht. (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25./26.9.2010)