"Vision 2050"

Kursänderung: "Das Bewusstsein ist heute da"

25. September 2010, 18:12
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    foto: standard/hendrich

    Vertrat beim "CSR-Tag" am Freitag im Headquarter der OMV in Wien vehement seine Rolle als "Weckrufer" in Sachen Nachhaltigkeit: Herbert Schweiger.

Die Welt werde 2050 ganz anders aussehen, sagt Berndorf-Vorstand Herbert Schweiger

Die Welt werde 2050 ganz anders aussehen, sagt Berndorf-Vorstand Herbert Schweiger und erklärt Karin Bauer, warum er mit "Vision 2050" - das positive Bild vor Augen - in Richtung Nachhaltigkeit motivieren will.

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Vertrat beim "CSR-Tag" am Freitag im Headquarter der OMV in Wien vehement seine Rolle als "Weckrufer" in Sachen Nachhaltigkeit: Herbert Schweiger. Foto: Regine Hendrich

STANDARD: Ist das Papier "Vision 2050" mehr als die Formulierung einer Sehnsucht nach einer guten Welt für alle?

Schweiger: Mir gefällt, dass es positiv formuliert ist und nicht in den Vordergrund stellt, was passiert, wenn nichts passiert. Und: Ich bin sehr optimistisch, dass unsere Ideen auf fruchtbaren Boden fallen.

STANDARD: Gerade jetzt, wo viele sich im Gefühl wiegen, dass die Krise vorbei sei?

Schweiger: Das Bewusstsein, dass es nicht endlos nach oben gehen kann, ist da. Heute ist man kein "Verhinderer" mehr, wenn man endloses quantitatives Wachstum massiv bezweifelt. Ja, ich bin überzeugt, dass der Boden jetzt fruchtbar ist.

STANDARD: Trotzdem: Nahrung, Wasser, Bildung, Freiheit für alle neun Milliarden Menschen 2050 - können wir daran glauben?

Schweiger: Es geht darum, heute Veränderungen anzupacken, nicht um eine Punktlandung 2050. "Vision 2050" soll die Anstöße dafür liefern.

STANDARD: Wo sehen Sie die Alternative zum bekannten quantitativen Wachstum, nach dem wir noch immer ausgerichtet sind?

Schweiger: In Innovation, in Ideen.

STANDARD: Hätte nicht die Politik die großen Stellschrauben in Händen, was Rahmen und Anreize betrifft? In der Vergabepolitik, in der Steuerpolitik ...

Schweiger: Natürlich hat die Politik eine wichtige Rolle - wir haben da in Österreich auch Nachholbedarf. Aber es geht um uns alle. Wir als Unternehmen haben auch klar den Auftrag, unsere Zukunft nachhaltig abzusichern.

STANDARD: Was macht Sie so sicher, dass Kurzfrist-CEOs an langfristiger Absicherung interessiert sind?

Schweiger: Ich sehe ein Aufweichen der "Höher, schneller, mehr"-Mentalität auch bei börsengetriebenen US-Unternehmen. Bei uns in Berndorf geht es gar nicht anders als mit Auseinandersetzung mit Nachhaltigkeit und den gesellschaftlichen Implikationen unseres Tuns.

STANDARD: Wo sehen Sie die größten Schmerzen in einer Transformation zur Nachhaltigkeit? Verzicht gehört ja wohl auch dazu, oder?

Schweiger: Die Schmerzen werden primär Individuen betreffen, und: Ja, Verzicht gehört absolut dazu. Das kann auch heißen: nicht noch mehr vom selben. Ich setze Hoffnungen aber stark auch auf die nachkommende Generation. (DER STANDARD; Printausgabe, 25./26.9.2010)

HERBERT SCHWEIGER ist CEO des Stahlbanderzeugers Berndorf Band und war zuvor 20 Jahre in der IT-Industrie, zuletzt als Geschäftsführer von Microsoft Österreich. Er ist auch im Vorstand der Nachhaltigkeitsplattform respAct in Österreich.

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