Offener Brief von Chefs der Universitäten- und der FH-Konferenz an Faymann und Pröll: "Falsche Weichenstellung korrigieren"
Wien - Die Chefs von Universitätenkonferenz (uniko) und Fachhochschul-Konferenz (FHK) fordern in einem am Freitag veröffentlichten Offenen Brief die Regierungsspitze auf, die "falsche Weichenstellung bei Bildung und Forschung zu korrigieren". Uniko-Präsident Hans Sünkel und FHK-Präsident Werner Jungwirth bitten Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) und Vizekanzler Josef Pröll (ÖVP), die geplanten realen Kürzungen im Bildungs- und Forschungsbereich zu "überdenken" und nicht dort den Rotstift anzusetzen, wo Zukunftschancen geschaffen werden.
Wie aus dem im März vom Ministerrat beschlossenen "Finanzrahmen" hervorgeht, sollen die Kürzungen für Bildung und Forschung zwar deutlich geringer ausfallen als in anderen Bereichen. Dennoch sollen im kommenden Jahr für den Bereich Bildung, Forschung, Kunst und Kultur um 104 Mio. Euro weniger zur Verfügung stehen als im Budget 2010 (Bundesvoranschlag).
"Große Besorgnis"
Dass künftig nicht nur keine zusätzlichen Mittel mehr in diese zentralen Sektoren fließen sollen, sondern sogar reale Kürzungen geplant seien, erfüllt die Hochschulvertreter "mit großer Besorgnis". "Dies steht in krassem Widerspruch zum grundsätzlichen Bekenntnis zur Bedeutung von Bildung und Forschung im aktuellen Regierungsprogramm", schreiben Sünkel und Jungwirth.
Viele Staaten hätten in den Zeiten der Krise erkannt, dass gerade im Bildungs- und Forschungsbereich zusätzliche Mittel investiert werden müssen, schreiben der uniko- und der FHK-Chef. Dagegen würden "die Aufwendungen für das österreichische Forschungs-, Universitäts- und Hochschulsystem schon jetzt hinter den politischen Zielsetzungen der EU-Kommission, des Nationalrats und auch der Bundesregierung zurück bleiben".
Sünkel und Jungwirth fordern deshalb Bundes- und Vizekanzler "nachdrücklich auf, diese Position der Bundesregierung zu überdenken. Bei allem Verständnis für die schwierige Lage der öffentlichen Haushalte und den sich daraus ergebenden Konsolidierungsbedarf sollte der Rotstift nicht ausgerechnet dort angesetzt werden, wo es nach übereinstimmender Ansicht aller einschlägigen Experten darum geht, Zukunftschancen zu schaffen und nachhaltig zu sichern." (APA)