Mega-Kapitalerhöhung durch

60 Euro pro Kopf und Nase für den Verbund

Günther Strobl, 24. September 2010, 15:05
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    foto: apa

    Vertreter von Nichtregierungsorganisationen demonstrierten vor dem Haus der Industrie in Wien gegen Verbund-Projekte.

Aktionäre machen Weg für eine Milliarde Euro frisches Geld frei - die Hälfte kommt vom Steuerzahler

Wien - Die Aufregung im Vorfeld der Kapitalerhöhung von Österreichs größtem Stromkonzern Verbund war weit größer, als beim Aktionärstreffen am Freitag selbst spürbar war. Zwei Dutzend Vertreter von NGOs gaben vor dem Haus der Industrie am Wiener Schwarzenbergplatz, wo die außerordentliche Hauptversammlung über die Bühne ging, ihrer Sorge Ausdruck, der Verbund würde mit dem Geld die letzten intakten "Flusslandschaften Österreichs zubetonieren", wie eine Aktivistin dem Standard sagte.

Die Aktionäre wurden mit Handzetteln bedacht, auf Transparenten wurde die Frage gestellt: "510 Millionen für reichen Verbund-Konzern?" Die Antwort wurde gleich mitgereicht: "Wir SteuerzahlerInnen sagen Nein."

In dem von Architekt Karl König errichteten Haus der Industrie, ein Symbol für den Späthistorismus von Anfang des vorigen Jahrhunderts, gab es bis auf wenige kritische Einwürfe nur Lob für den Weg des derzeitigen Verbund-Vorstands. Die Zustimmung zur Kapitalerhöhung, die mit einer Milliarde Euro die größte des heurigen Jahres bleiben dürfte, fiel dann mit 99,97 Prozent auch überwältigend aus. Der Bund als 51-Prozent-Eigentümer schultert 510 Millionen Euro. "Das sind bei einer Bevölkerung von 8,5 Millionen 60 Euro, die jeder Österreicher und jede Österreicherin bereitstellen", wies ein Aktionär darauf hin, dass es sich dabei um Geld der Steuerzahler handelt. Die Wiener Stadtwerke und EVN, die ihre Anteile erst diese Woche syndiziert haben und zusammen auf einen Verbund-Anteil von 26 Prozent kommen, rechnen mit einer deutlichen Wertsteigerung ihrer Veranlagung.

Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber wies vor der Abstimmung darauf hin, dass das Geld aus der Kapitalerhöhung zur rascheren Umsetzung von Investitionsprojekten in Österreich verwendet werd - etwa für die Kraftwerksprojekte Reißeck II (beim Malta-Staudamm in Kärnten) und Limberg III (Kaprun), die nun schneller gebaut werden könnten.

In Summe sollen durch die Kapitalerhöhung, die Ende November / Anfang Dezember stattfinden dürfte, Investitionen im Gesamtausmaß von 2,5 Milliarden Euro angeschoben werden. (Günther, Strobl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25./26.9.2010)

Kommentar posten
13 Postings
Mostbluzza
00
29.9.2010, 14:06
da haben wir aber

unser steuergeld schon blöder angelegt, meine herren.

staatsfonds sind per se nicht schlecht. wenn unsere obrigen mal das hirn einschalten würden und agieren würden mit bedacht, scham vorm steuergeld und den nachfolgenden generationen und etwas pessimistischer fantasie in die zukunft ... wie norwegen, singapur oder china uvm. dann würde das auch ein geschäft werden/sein können.

die 60 netsch tun keinem weh, das passt ja mal ausnahmsweise.

sonne-licht
 
01
26.9.2010, 09:24
schweinerei

für wichtige zukunftsmärkte gesundheit, bildung und forschung, justiz ist fast kein geld da!

jedoch für den verbund ist "alles" möglich!

da merkst wo die interessen der meisten entscheidungsträger liegen, an der eigenen tasche!

momo10001
00
25.9.2010, 20:17
Laut OECD

wäre diese Kapitalerhöhung für die Unis mit mind. 200% Wertsteigerung verbunden.

Kann das der Verbund auch?

Mostbluzza
00
29.9.2010, 14:06
die uni die so ein studie

veröffentlicht. sollte zusperren ...

franz s.
20
25.9.2010, 09:42
der österreichische Weg!

es wird schon ein paar Vorstandsmitgliedern und Parteifreunden damit geholfen sein!

Winter20
22
24.9.2010, 22:10
Wer bewahrt den Steuerzahler davor,

dass der Verbund einen anderen Weg geht als Flughafen Wien AG, AUA, HAAG, Hypo NÖ und div. andere staatsnahe Unternehmen?

purecynicism
00
25.9.2010, 10:00

im gegensatz zu den von ihnen genannten unternehmen, ist der verbund aber hochprofitabel

libera
11
24.9.2010, 21:58

anstatt sie solarenergie weiter und höher zu fördern
fördert man den verbund mit unseren steuergeldern

sonne-licht
 
01
24.9.2010, 18:37
gebt gebt

wie wärs mit erwirtschaften, erarbeiten
verzicht auf bonitäten, unnötigen spesen, lohreduzierungen, verzicht auf mehrere funktionen usw.

"der kelch geht so lange zum brunnen bis er bricht"

wenn die bank austria wirklich für basel III 30 milliarden eigenkapital benötigt, wird auch für den verbund nicht mehr viel übrig bleiben!

solche konklomerate werden nie pleite gehen, jedoch irgendwann zerbrechen unter der last der gier!

Clemo
11
24.9.2010, 15:28

Ich versteh nur noch immer nicht, warum ein Unternehmen, dass mehr Kapital will oder braucht (je nach Sichtweise) weiterhin Dividenden auszahlt. Ganz besonders, da doch alle Kernaktionäre bei der Kapitalerhöhung mitmachen. Wenn wenigstens der Staat und die Länder (über EVN und Co) nicht mitzögen, aber nein, die stocken auch auf.

Wahrscheinlich bin ich zu dumm, dies zu verstehen.
P.S.: Ich sage nicht, dass die Kapitalerhöhung falsch ist. Das ist eine andere Frage. Mir geht es nur darum, dass diese hohen Dividendenzahlungen mit einer Kapitalherabsetzung gleichzusetzen sind.
PP.S.: Das bestätigt mich einmal mehr, nicht an der Wiener Börse und schon gar nicht in halbstaatliche Firmen zu investieren. Da spende ich mein Geld lieber ;-)

Rationalist1
01
25.9.2010, 04:18
Dividenden und Kapitalerhöhung

Man kann das doch auch so sehen, dass die Dividendenbezieher jetzt einen Teil davon in die Kapitalerhöhung investieren, ein ganz normaler Eigentümervorgang. Die Dividenden hat doch auch der Steuerzahler (über EVN, Bund, Stadt Wien) bekommen. Warum also dei Aufregungß

Nikolaus Reiter
02
24.9.2010, 17:40
Für den Aktionär Staat ist es jedenfalls ein

Geschäft, bei 25% Kest.

Clemo
00
24.9.2010, 17:42

Ja, und für die Investmentbanken auch...

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