Nebenbahnen

Stille Stilllegung

23. September 2010, 17:44

Die Finanznot der ÖBB erhöht den Druck, unrentable Regional­bah­nen aufs Abstellgleis zu schieben und durch Busse zu ersetzen

Wien - Die von der ÖBB anvisierte Einstellung von mindestens 29 unrentable Nebenbahnenstrecken in Österreich (auf Eisenbahnerisch C-Netz genannt) wird politisch brisant. Denn um die Berechtigung bzw. Verpflichtung zum Zugfahren loszuwerden, braucht es die Zustimmung der Eisenbahnbehörde, also von Verkehrsministerin Doris Bures (SPÖ).

Sie muss die ÖBB von der (lästig gewordenen) Verpflichtung, auf der Schiene in der Verlustzone herumzukurven, offiziell entbinden. Da keine Erhöhung der Subventionen für den öffentlichen Personennah- und Regionalverkehr in Sicht ist, sondern ab 2011 eine empfindliche Kürzung dieser „Gemeinwirtschaftlichen Leistungen" (GWL) ins Haus steht, muss die Bahn bei den jährlich drei Millionen „eigenwirtschaftlich", also ohne GWL-Zuschuss erbrachten Zugkilometern im Nahverkehr die Notbremse ziehen. Heuer bekommt der Personenverkehr rund 550 Mio. Euro aus dem GWL-Topf, im Vorjahr waren es 532 Mio. Euro.

Die Liste unrentabler und aus ÖBB-Sicht entbehrlicher Streckenabschnitte ist lang (siehe Grafik), wenigstens 29 davon will der ÖBB-Personenverkehr ehebaldigst stilllegen. Hinzu kommen eine Reihe von Linien, die der ÖBB-Güterverkehr RCA nach dem bereits eingeleiteten Rückzug aus der Fläche nicht mehr bedienen wird, weil Verschubknoten und Güterannahmestellen gebündelt und reduziert werden.

Im Verkehrsministerium ist man über die seit einem Jahr gewälzten Zusperrpläne naturgemäß informiert (im Aufsichtsrat der ÖBB-Infrastruktur sitzen Beamte). Da ein Antrag auf Streckenabgabe aber noch nicht eingebracht wurde, kann eine Sprecherin auf den Umstand verweisen, dass es derzeit nichts zu Entscheiden gebe. ÖBB-Chef Christian Kern verweist auf Gespräche mit dem Eigentümer, die erst zu führen seien. Zahlen die Länder mit, könne der Betrieb weitergehen.

Stilllegung beschleunigen

Untätig ist die Bahn, die sich laut internen Unterlagen allein durch die Schließung von 29 Nebenbahnen 174 Millionen Euro an Investitionen ersparen könnte, bis zu einer Entscheidung natürlich nicht: Laut Insidern wurde im Sommer fixiert, in 19 Streckenabschnitte nichts mehr zu investieren und so deren Stilllegung zu beschleunigen. Das dürfte insbesondere den Oberösterreichern, mit denen Bures gerade über die Nebenbahnenfinanzierung verhandelt, nicht bekommen, denn betroffen ist die Mühlkreisbahn (Rottenegg-Aigen-Schlägl) ebenso, wie Ried/Innkreis-Neumarkt-Schärding oder Laakirchen-Gmunden (Seebahnhof).

In Niederösterreich, wo die Schließung von Thaya- und Donauuferbahn seit Monaten Bürgermeister auf die Barrikaden treibt, wird es für den Zug von Wiener Neustadt nach Puchberg am Schneeberg eng. Da der ÖBB-Personenverkehr seine Hälfte an der Schneebergbahn an die Niederösterreichische VerkehrsorganisationsgmbH (Növog) verkaufen will, sieht man offenbar keine Notwendigkeit mehr, in Eigenregie eine Bahnlinie zum höchsten Berg Niederösterreichs zu betreiben.

Kein Zug heißt freilich nicht, keine Verkehrsanbindung. Denn die ÖBB würde ihre defizitären Zugverkehre gern durch den billigeren ÖBB-Postbus ersetzen. Da die Länder Buskonzessionen aber ausschreiben, würde sie Verkehre verlieren. Um das zu verhindern, will die ÖBB nun beim Bund eine gesetzliche Regelung zu erwirken, die einen Abtausch von Verkehrsleistungen innerhalb des ÖBB-Konzerns ermöglicht.(Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24.9.2010)

 

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Cavaliere Huscher
00
26.10.2010, 21:58

Falls hier von der ÖBB noch wer mitlesen sollte:

Das ist für mich der ausschlaggebende Grund, meine Vorteilscard rechtzeitig vor dem nächsten Erneuerungstermin zu kündigen: im Postbus hilft sie mir nicht, und alle für mich wesentlichen Bahnstrecken ausser der Westbahn werden/wurden ohnehin eingestellt.

@LH Pröll: wenn Ihnen im Bereich westliches Mostviertel die Tourismuseinnahmen zu stark schwinden, liegt's daran, dass Sie Bahnfahrer (z.B. aus dem naheliegenden Linzer Großraum) verprellen.

Brunelleschi
21
26.9.2010, 19:19
Postbus als Ersatz

Wenn ein Postbus auf bestimmten Bahnen wirtschaftlicher und sinnvoller eingesetzt werden kann, versteh ich die ÖBB aber auch bei ihrer Entscheidung. Zumindest in meiner Region funktioniert das Postbusnetz ganz gut, ich kann großteils auf mein Auto verzichten.

der_kleine_pariser
 
00
28.9.2010, 21:16

Ein Postbus ist ein ersatz für Fahrten von einer halben stunde.

alles was w<eiter ist ist er ein ersatz mit schwerem qualitâtsverlust.

ausserdem kann er einfach vieles nicht ersetzen : er kann nur sehr begrenzt Kinderwägen und Fahrräder überhaupt nicht transportieren. über Lângere strecken ist er auch zu unbequem, man kann weder lesen, noch den laptop benutzen oder hausaufgaben machen. auf gut Deutsch : 30 minuten ist die absolute schmerzgrenze.

Brunelleschi
00
30.9.2010, 10:13
Reisedauer der Kategorie Z

mürzzuschlag - neuberg: 20 bzw. 30 min
türnitz - freiland: 13 min
weissenbach - hainfeld: 30 min
mank - wieselburg: 25 min
göpfritz - raabs: 28 min

Ich hab jetzt nur mal die ersten fünf der rot markierten Linien kontrolliert, aber da liegt alles innerhalb von 30 Minuten mit dem Postbus. Natürlich kann man nicht erwarten, dass der Bus denselben Komfort wie die Bahn anbietet, aber wie Sie schon gesagt haben ist es für mich für kurze Strecken völlig OK.

HerrUnmut
00
28.9.2010, 16:51

Wichtig ist vor allem dass die Mobilität für all jene erhalten bleibt die das auch brauchen weil sie kein eigenes Auto und co haben, da find ich dann auch super, dass es zumindest Ersatz durch den Postbus gibt! So kann man sich immerhin verlassen von A nach B zu kommen, wenn die Linie gut geführt wird.

DirtyHarry
01
26.9.2010, 12:15

kurios: auf der strecke-nummer-14 (pernhofen-zellerndorf) sind noch vor einigen wochen (juli 2010) schwere güterzüge gefahren
und jetzt soll diese linie eingestellt werden???

ingenear
01
27.9.2010, 10:18
Artikel und Grafik sind für die Katz

Großteils ist der ARtikel ein Holler. Die Grafik stimmt ja hinten und vorne nicht. Da gibt es Strecken, die unter die Kategorie "Dauernde Betriebseinstellung vorgesehen" subsumiert werden, die es schon seit 1988 stillgelegt sind (zB Ernstbrunn - Mistelbach, wo die Strecke immerhin noch mit Fahrradraisinen befahrbar ist; aber auch Mürzzuschlag - Neuberg, die Strecke ist seit 1996 stillgelegt). Anderseits werden nach der Grafik Strecken im reinen "Inselbetrieb" weitergeführt (zB Pirawath - Sulz/Museumsdorf), was ja wohl nicht stimmen kann. Mit einem Wort: Der Artikel ist für den Standard äußerst peinlich, keinerlei Recherche, einfach hingequasselt und -geschrieben.

DirtyHarry
00
1.11.2010, 19:16

danke für ihre posting
kann der überschrift ihres postings nur zustimmen

phobetor
13
24.9.2010, 18:34

buskonzessionen werden ausgeschrieben?
wahrscheinlich ohne RH-kontrolle und so weiter. irgendwelche landesbeamten cashen ab und die öffi-benützer und die umwelt zahlen drauf.

revisor69
 
01
24.9.2010, 20:27
RH-Prüfung

Zur Finanzierung des Nahverkehrs ist unlängst ein interessanter RH-Bericht erschienen. Demzufolge werden mehrere hundert Mio. Euro in den Wind gesetzt!

Der RH prüft aber auch die Nebenbahnen, vorrangig das C-Netz im Osten Österreichs.

Woodpecker
01
24.9.2010, 17:36
Standard-Einstellungs-Stragegie:

1. wird für ein Jahr/eine Fahrplanperiode versucht, die Strecke zu beleben (=Defiziterhöhung, damit die Argumente zur Einstellung noch stichhaltiger werden):
- es werden mehr Züge geführt, mit uralten Garnituren a'la "blauer Blitz", wo Ausfälle programmiert sind und ohnehin nur Hühnerleitern zum Einsteigen da sind - nix mit Kinderwagen, Rollstühlen oder schweren Koffern
2. der Rechenstift kommt: die Hälfte der Züge wird wieder eingestellt, aber nicht die alten, sondern die neueren Garnituren verschwinden
3. eine Fahrgastzählung ergibt dramatische Rückgänge, die Strecke wird zur Stillegung empfohlen.
4. die Autobusse, die als Ersatz fahren, haben nochmals ein längeres Intervall und fahren jeden Misthaufen am Weg an, brauchen also länger

also dann ...
00
24.9.2010, 15:35
abtausch von bus - bahn ... klingt sehr vernünftig.

und wo sind die ziffern- und nutzenrechnungen
je strecke ?

black jack
14
24.9.2010, 18:45

Vernünftig? Die ÖBB will den Wettbewerbern auf der Straße den Finger zeigen. Das ist eine vergaberechtliche Frechheit!

Ideal wäre, wenn man die Nebenbahnen (samt notwendige Betriebsmittel, Personal) von der ÖBB in eine neue Nebenbahngesellschaft des Bundes (die mit ÖBB nichts gemein hat; wie die dem Bund gehörende Graz-Köflacher Bahn) abspaltet. Dann mit Regionen Konzepte ala Karlsruhe, Pinzgau, Zillertal, zig Bsp aus der Schweiz, erarbeitet und dann in die 20 am meisten überzeugenden Projekte gemeinsam mit den betroffenen Regionen (Land, Gemeinden) investiert.

Wie gesagt: es gibt in Mitteleuropa zig Bsp wie man so was macht. Sogar in Italien. Schade für die betroffenen Regionen, Schade für zu lange vernachlässigte Verkehrswege.

also dann ...
00
24.9.2010, 20:31
wieso ? die konkurrierenden busunternehmen ...

würden ja nicht den bahnverkehr übernehmen - oder ?
ausserdem entsteht der "bedarf" ja nur durch die schliessung eben dessen.

ja ... eine abstimmung auf ländl. verkehrsverbünde ist sich er sinnvoll.

der_kleine_pariser
 
00
25.9.2010, 13:58

Die Strategie, die hinter dem Gesetzeswunsch steht ist aber auch, dass die Bahnkonkurrenz sich nicht um die Weiterführung der Strecke bewerben kann.

revisor69
 
01
24.9.2010, 20:30
Mackinger und die SLB

Der Mackinger zeigt vor, wie man aus kaputtgesparten Strecken wieder moderne macht. Wer hätte gedacht, daß im Oberpinzgau die Schmalspurbahn mit 760 mm jemals 80 km/h schnell sein wird. Beim Wiederaufbau wurden eventuelle Überschwemmungsgebiete berücksichtigt, zudem wurden die Bahnhöfe im Achsensprung angelegt.

der_kleine_pariser
 
01
24.9.2010, 20:57

Die Zillertalbahn befördert 1.9mio Personen im Jahr!

auch nicht gerade ein dreck.

boris2
00
24.9.2010, 17:09
Das ist ein Problem

Wenn ein Bus ohne Anpassung an das große Streckennetz fährt, dann sind die Busse auch leer.
Man müsste Werksverkehr und Schulzeitenverkehr trennen.zB Köflacher Bahn. Da wartest eine Stunde in Graz zur Weiterfahrt. Es sollten mehr private Busse eingesetzt werden. Leider fehlt auch dort der Anschluss. Aus allem heruszufinden. müssten der Autoverkehr entlastet werden. Lass die VCÖ, Grünen usw. lallen. Ihre Bonmots führen in die Irre.

also dann ...
00
24.9.2010, 20:33
hat die bahn nicht sowieso auch einen grossen busverkehr - oder

hat sie diesen schon an die post verkauft ?
weiss nicht mehr so genau...

aber es dürfte doch wirklich nicht allzu schwer sein,
mit den lokalen bus-unternehmen zu einem einvernehmen zu kommen.

boris2
00
24.9.2010, 20:47
leider umgekehrt

aber besser ist es nicht geworden

aereo
04
24.9.2010, 15:31

Warum die ÖBB bis Ebensee rollen will, aber bis Bad-Ischl nicht mehr kann mir nicht einleuchten wo doch in Ischl bestimmt doppelt bis dreimal soviel Passagiere anfallen als im 17km entfernten Ebensee. Diesen MI 17:00, Direktzug nach Wien standen zig Leute ohne Sitzplatz im Zug.

Carl Gauß
00
24.9.2010, 18:43

dieser zug ist mo bis so - und vor allem bei schönwetter und an sonntagen - sehr gut gefüllt.

und die bahnstrecke laakirchen - gmunden ist mir neu. etwas genauer recherchieren wäre angebracht. gemeint ist wohl die vorchdorfer lokalbahn und diese wird zumindest von stern&hafferl geführt. weiters wurde erst diesen sommer in das schienennetz investiert, also wird diese strecke wohl in irgendeiner form weitergeführt werden.

aereo
00
24.9.2010, 18:53

Ich geb allerdings zu daß an dieser Strecke oft schrecklich wenig Leute im Zug sitzen. Da rattern abends 3 Waggons mit vielleicht 10 Leiuten vorbei. Das kamm zugegeben nur Verlust sein.

der_kleine_pariser
 
00
24.9.2010, 21:04

es wird immer leere Züge/Rückläufe etc geben, das lässt sich bei öffentlichen Verkehrsmitteln nicht vermeiden.

und Züge, die zur Schulzeit getreten voll mit Schülern sind, sind in den Ferien etwas leer, weil die Touristen da grad Mittagessen, etc.

oft sind Züge (gerade Regionalzüge) nicht auf der ganzen Strecke wirklich genutzt, auch das lässt sich nicht vermeiden. Der Schülerzug von Gmunden nach Ischl ist eben bis Ischl voll und dann leer.

ich bin viel im Salzkammergut unterwegs, oft fahre ich die ganze Strecke ab, wirklich dauernd leere züge gibt's dort nicht.

Grammelknoedel
00
24.9.2010, 18:33

... hoffentlich kommt's nicht dazu ... wenn doch, werde ich mir wohl einen anderen Urlaubsort suchen müssen :-(

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