Karl sieht in Bildungszugang eine soziale Frage

23. September 2010 17:13

Die Wissenschaftsministerin eröffnete das Philsophicum Lech - Der Sozialstaat soll dabei unter anderem Thema sein

Bregenz - Wissenschafts- und Forschungsministerin Beatrix Karl (ÖVP) hat am späten Donnerstagnachmittag die 14. Auflage des Philosophicums Lech (22. bis 26. September) offiziell eröffnet. In ihrer Rede benannte die Ministerin eine gute Bildung als neue Sozialpolitik des 21. Jahrhunderts und sprach sich für einen "offensiven Aufbruch in Bildung" aus.

"Bildungschancen zentrale Gerechtigkeitsfrage"

In Bildung, Wissenschaft und Forschung liege der Schwerpunkt für Österreichs Zukunftsfähigkeit, betonte Karl. Mehr soziale Gerechtigkeit und neue Zugänge zu Bildung und Arbeit seien die Antwort auf die eigentliche soziale Frage unseres Jahrhunderts. Bessere Bildungschancen vor allem auch für Kinder aus sozial benachteiligten Familien seien zu einer zentralen Gerechtigkeitsfrage des Staates geworden, so Karl.

Karl für einen "lernenden Staat"

Zugleich plädierte die Ministerin für einen "lernenden Staat", der mit der gesellschaftlichen Entwicklung Schritt halten müsse. Es gelte den Begriff der Demokratie wiederzuerobern. "Demokratie ist mehr, als alle fünf Jahre zur Wahlurne zu schreiten, Demokratie kann und muss Dynamik entwickeln", so die Ministerin. Ebenso trat sie für einen "neuen Begriff der Verantwortlichkeit" ein. Im Kontext von Verantwortung und Solidarität gelte es, noch viel akzentuierter die sozialen Sicherungssysteme, den Umgang mit alten und kranken Menschen, die Pflege oder etwa auch die demografische Entwicklung im 21. Jahrhundert zu thematisieren.

Liessmann als wissenschaftlicher Leiter

Nach der Eröffnung führte Konrad Paul Liessmann als wissenschaftlicher Leiter der Tagung in das Thema ein. Bis Sonntag werden verschiedenste Fragen nach dem Staat und seinen Funktionen gestellt. Auch als Nationalstaat, Sozialstaat und Überwachungsstaat wird das Gesellschaftsgebilde beleuchtet werden. Ein Höhepunkt der Veranstaltung ist außerdem die Preisverleihung der Essay-Auszeichnung "Tractatus" an den deutschen Philosophiehistoriker Kurt Flasch am 25. September.

Vortragende sind heuer der Historiker Christian Meier, Politikwissenschafter Herfried Münkler, die Europa-Forscherin Sonja Puntscher Riekmann, der Demokratie-Kritiker Hans-Hermann Hoppe und die Politologin Ulrike Ackermann sowie der Politikwissenschafter Wolfgang Fach und der Philosoph Rudolf Burger. Weiters sprechen der Soziologe Heinz Bude, der Rechtsphilosoph Christoph Möllers und der Philosoph Daniel Loick. Den Abschluss bildet Michael Köhlmeiers Referat "Ohne Staat. Traum und Albtraum der Dichter". (APA)

Kommentar posten
25 Postings
erich pammer
24.09.2010 23:50
wau

da staunt man, wei schnell eine Ministerin auf solche Binsenweisheiten draufkommt. fragt sich nur, warum man dann bei den behinderten Kindern in den letzten jahren 25 % der Stunden gekürzt hat und dass MigrantInnen statt Deutschlernen, brausen gehen können...
Um solche Binsenweisheiten von sich zu geben, braucht man nicht in ein nobles Tiroler bergdorf fahren, das kann man am Stammtisch auch ablaichen

standardabweichung
24.09.2010 13:04

frau karl paraphrasiert lampedusas diktum dass wenn wir wollen dass alles so bleibt wie es ist wir uns ändern müssen

Guybrush Threepwood
24.09.2010 12:20
"Karl sieht in Bildungszugang eine soziale Frage"

Natürlich tut sie das. Wie eben alle ÖVPler.

Die ÖVP sieht eine Katastrophe darin, dass auch die Arbeiterkinder studieren dürfen. Das widerspricht dem sozialen Weltbild der christlich-sozialen ÖVP. Wenn es nach der christlich-sozialen ÖVP geht, sollen nur die Kinder der wohlhabenden ÖVPler studieren dürfen, die Kinder der Arbeiter sollen Arbeiter werden und bleiben und sollen hackeln bis 75.

Im Prinzip ist das, was Karl und die ganze ÖVP vertreten, immer noch das Modell vom Ständestaat, das der damalige ÖVP-Kanzler Dollfuss in der austrofaschistischen Ära errichten wollte.

Als nächsten Schritt wird dann den Arbeitern wahrscheinlich auch noch das Wahlrecht aberkannt.

naihoit
24.09.2010 10:41
Bessere Bildungschancen vor allem auch für Kinder aus sozial benachteiligten Familien seien zu einer zentralen Gerechtigkeitsfrage des Staates geworden, so Karl,

und konnte die Gänsehaut, die ihr bei dieser Vorstellung über den Körper lief, nicht mehr verbergen.

macaca
23.09.2010 22:39
"Philosophicum", "Tractatus"

Und dann noch so eine Speisekarte die sich über "den Staat" unterhält:
"Historiker Christian Meier, Politikwissenschafter Herfried Münkler, die Europa-Forscherin Sonja Puntscher Riekmann, der Demokratie-Kritiker Hans-Hermann Hoppe und die Politologin Ulrike Ackermann sowie der Politikwissenschafter Wolfgang Fach und der Philosoph Rudolf Burger. Weiters sprechen der Soziologe Heinz Bude, der Rechtsphilosoph Christoph Möllers und der Philosoph Daniel Loick. Den Abschluss bildet Michael Köhlmeiers"

Wer organisiert dass denn? Eine katholische Studentenverbindung?

RS69
23.09.2010 21:37

Interessant:

Sie sieht im Bildungszugang eine sozialpolitische Frage.
Und will (deshalb?) den freien Unizugang verhindern.

Das nenn ich mal klare Worte für die Schwarzen. Normalerweise wird das mehr umschrieben.

vheissu
24.09.2010 13:12
Der berühmte freie Hochschulzugang in Ö

...heißt in der Realität in vielen Fächern: Viel zu viele Studierende werden wahllos reingelassen, kämpfen um viel zu wenige Seminarplätze und müssen bei mieser Betreuung selber schauen, wie sie irgendwie universitär überleben ... warum sich in einem solchen darwinistischen Klima gerade die sozial schwächeren Studierenden durchsetzen sollen, weiß ich nicht!

RS69
24.09.2010 17:47

Es gäbe ja auch die Möglichkeit, nicht immer die Budgets zu kürzen.

Die schon lang versprochenen 2% des BIPs wären mal ein unglaublicher Schritt in die richtige Richtung.

naihoit
24.09.2010 10:42
NLP-Schulung braucht Jahre.

120 Jahre Karl Schranz
24.09.2010 09:42
weil der freie hochschulzugang ja so exzellent dazu geführt hat

die soziale durchmischung an den unis zu erhöhen?

RS69
24.09.2010 17:39

Eine Erhöhung der Einstiegsbarriere durch zusätzliche Kosten wird das natürlich besser erreichen?

trollvottel
24.09.2010 11:16

Da hätt man IMO bei der Unterschicht mehr Werbung machen müssen. Ich kenne etliche Leute, die nicht studieren durften, weil "ab 15 hat ein Kind Miete zu zahlen und die vorherigen 15 Jahre Essen abzustottern"

Quasselmodo
24.09.2010 10:03
Wer kann wissen,

was bei anderen Vorgaben herausgekommen wäre? Ich weiß allerdings mit Sicherheit, das zu meiner Unizeit (Anfang der 80-er Jahre an der TU Wien) ich keine Standesdünkelei von keiner Seite erlebt habe und die Randbedingungen für soziale Underdogs (ich war einer) sehr gut waren.

120 Jahre Karl Schranz
24.09.2010 10:37
da die staaten mit der höchsten sozialen durchmischung an den unis

(z.b. irland, finnland) sehr strikte zugangsregeln haben, kann man wohl davon ausgehen dass die regelung des zugangs prinzipiell erstmal keinerlei auswirkungen auf die soziale gerechtigkeit hat.

Susanne_B
24.09.2010 09:08

Jahrzehntelang gab es in Ö den freien Unizugang. Das Ergebnis war leider nicht, dass mehr Kinder aus sogenannten bildungsfernen Familien studieren - vielmehr ist das schlechte Verhältnis zwischen Studenten aus Nicht-Akademiker-FAmilien und Studenten aus Akademikerhaushalten gleich geblieben.
Der freie Unizugang bringt also nicht das gewünschte Ergebnis. Soll man diese Tatsache jetzt negieren oder fängt man endlich an, Lösungen zu suchen, damit endlich wirklich mehr Kinder aus Arbeiterfamilien studieren?

RS69
24.09.2010 17:36

Super - dadurch, dass wir die Finanziellen Barrieren erhöhen, werden die bildungsfernen Schichten plötzlich den Wert erkennen, und mit mehr Begeisterung ihre Kinder unterstützen?

Was haben Sie noch mal studiert?

naihoit
24.09.2010 10:45
Ein Freund von mir, ein Großbauernsohn mit eigener Wohnung in Wien, erhielt das Höchststipendium,

ich -Kind eines C-Beamten- bekam nichts und mußte einen wesentlichen Teil meiner Zeit zum Geldverdienen verbrauchen.
Wenn Sie das verändern können, dann verändern Sie auch diese Quote.

lola84
24.09.2010 14:32

Ähnliches habe ich mehrfach erlebt und tue es immer noch. Arztkinder (Landärzte mit eigener Praxis), Kinder von Großbauern etc. bekommen Beihilfen. Ich (mein Vater ist kleiner Angestellter) bekam nie eine, ebenso wie meine Schwester, die auch studiert.
Ich empfinde es jedesmal als eine Farce wenn die ÖVP mit dem Argument für Studiengebühren ankommt, dass diese ja ohnehin die nur die "Reichen" zahlen und die anderen ohnehin Beihilfen bzw. Stipendien bekommen. In Wahrheit ist es so, dass Beihilfen die bekommen, die sich vorm Fiskus als "arm" hinstellen was de facto nur die Selbstständigen können, die zufälligerweise die Klientel der ÖVP sind. Kinder aus Familien, die wirklich arm sind, kommen sowieso nie in die Nähe einer Uni.

Soft Werker
24.09.2010 02:27
Zuerst sinnerfassend lesen, dann posten

"Bessere Bildungschancen vor allem auch für Kinder aus sozial benachteiligten Familien seien zu einer zentralen Gerechtigkeitsfrage des Staates geworden, so Karl."

OK?

Das System kann nur mit Studiengebühren für die Reichen und den Mittelstand, aber massiven Stipendien für die Armen gerechter gestaltet werden. Und genau das will Beatrix Karl.

RS69
24.09.2010 17:28

Karl will generelle Studiengebühren.

Wohlabend sind übrigens nicht die Studenten, sondern bestenfalls Ihre Eltern.

Sofern die Eltern gut verdienen, zahlen sie die Unis sowieso schon. Von den Steuerleistungen der Schlechterverdiener gehen isch ja nicht mal die Leistungen aus, die sie direkt konsumieren.

Der Kreter
 
24.09.2010 10:41
Wohl eher ...

Studiengebühren für alle und massive Steuererleichterungen für Reiche.

Garniert mit Alibi-Stipendien für ein paar Glückliche.

Evt. noch mit Steuergeldern staatlich gefördertes Bildungssparen, damit für die Finanzindustrie auch etwas abfällt.

potz
24.09.2010 05:46

:-D genau!! und die bildungsmilliarde von gehrer ...

'lippenbekenntnisse' nennt man das. OK?

didi111
23.09.2010 20:50
Die Erkenntnis von Karl hat etwas von "No, na,net"..

Und da sie jetzt scheinbar draufgekommen ist, ist es ihr unbenommen, diese Erkenntnis in den schwarzen Reihen ein wenig umherzuerzählen.

Vielleicht wird ihnen spätestens dann klar, WARUM die sozial eher Schwächeren für ein Studium
OHNE((!!) Gebühren auf die Strasse gehen.

Irgendwie eigenartig die Schrecksekunde von ein paar Jahrzehnten.

PS.:

Die SPÖ wäre gut beraten, hinkünftig bei ihren Auftritten in dieser Causa auf die Aussagen von Karl mit Nennung von Ross und Reiter hinzuweisen.

Auch wäre es dienlich, bei Gesprächen mit den Blacks immer penetrant darauf hinzuweisen.

Diese Sache dürfe für die Sozis - positiv gesehen - gegessen sein.

smeki
23.09.2010 18:15

Eine Vertreterin des Staates, einer Institution, die heute im Verband mit und als Werkzeug kapitalistischer Interessen gesellschaftlichen Entwicklungen, der Weiterentwicklung von Demokratie, der Ermöglichung von Bildung wegen Bildung für alle im Interesse von allen am meisten und am grundsätzlichsten im Weg steht, fabuliert in einer Schönwetterrede konträr ihrer realen politischen Aktivitäten ... das kann nur noch als Satire aufgefaßt werden.

lessismore
23.09.2010 20:00

Also, in der ÖVP ist das ganz normal!

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.