Die Wissenschaftsministerin eröffnete das Philsophicum Lech - Der Sozialstaat soll dabei unter anderem Thema sein
Bregenz - Wissenschafts- und Forschungsministerin Beatrix Karl (ÖVP) hat am späten Donnerstagnachmittag die 14. Auflage des Philosophicums Lech (22. bis 26. September) offiziell eröffnet. In ihrer Rede benannte die Ministerin eine gute Bildung als neue Sozialpolitik des 21. Jahrhunderts und sprach sich für einen "offensiven Aufbruch in Bildung" aus.
"Bildungschancen zentrale Gerechtigkeitsfrage"
In Bildung, Wissenschaft und Forschung liege der Schwerpunkt für Österreichs Zukunftsfähigkeit, betonte Karl. Mehr soziale Gerechtigkeit und neue Zugänge zu Bildung und Arbeit seien die Antwort auf die eigentliche soziale Frage unseres Jahrhunderts. Bessere Bildungschancen vor allem auch für Kinder aus sozial benachteiligten Familien seien zu einer zentralen Gerechtigkeitsfrage des Staates geworden, so Karl.
Karl für einen "lernenden Staat"
Zugleich plädierte die Ministerin für einen "lernenden Staat", der mit der gesellschaftlichen Entwicklung Schritt halten müsse. Es gelte den Begriff der Demokratie wiederzuerobern. "Demokratie ist mehr, als alle fünf Jahre zur Wahlurne zu schreiten, Demokratie kann und muss Dynamik entwickeln", so die Ministerin. Ebenso trat sie für einen "neuen Begriff der Verantwortlichkeit" ein. Im Kontext von Verantwortung und Solidarität gelte es, noch viel akzentuierter die sozialen Sicherungssysteme, den Umgang mit alten und kranken Menschen, die Pflege oder etwa auch die demografische Entwicklung im 21. Jahrhundert zu thematisieren.
Liessmann als wissenschaftlicher Leiter
Nach der Eröffnung führte Konrad Paul Liessmann als wissenschaftlicher Leiter der Tagung in das Thema ein. Bis Sonntag werden verschiedenste Fragen nach dem Staat und seinen Funktionen gestellt. Auch als Nationalstaat, Sozialstaat und Überwachungsstaat wird das Gesellschaftsgebilde beleuchtet werden. Ein Höhepunkt der Veranstaltung ist außerdem die Preisverleihung der Essay-Auszeichnung "Tractatus" an den deutschen Philosophiehistoriker Kurt Flasch am 25. September.
Vortragende sind heuer der Historiker Christian Meier, Politikwissenschafter Herfried Münkler, die Europa-Forscherin Sonja Puntscher Riekmann, der Demokratie-Kritiker Hans-Hermann Hoppe und die Politologin Ulrike Ackermann sowie der Politikwissenschafter Wolfgang Fach und der Philosoph Rudolf Burger. Weiters sprechen der Soziologe Heinz Bude, der Rechtsphilosoph Christoph Möllers und der Philosoph Daniel Loick. Den Abschluss bildet Michael Köhlmeiers Referat "Ohne Staat. Traum und Albtraum der Dichter". (APA)