Ein Schülerleben in Uniform

Teresa Eder, 18. Oktober 2010, 06:46
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    Der Donnerstagnachmittag wird für die militärische Ausbildung genützt.

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    Mainhart, Kommandant des Schulbataillons, entkräftet die landläufigen Klischees über den rauen Umgangston beim Bundesheer.

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    Trotzdem: Ordnung, Disziplin und Struktur - das unterscheidet das Militärrealgymnasium laut Mainhart von vielen anderen Schulen.

Am Militärrealgymnasium herrscht Disziplin - Die Kritikfähigkeit der zukünftigen Offiziere soll trotzdem nicht zu kurz kommen

Sie exerzieren, marschieren und, das, obwohl sie erst 16 Jahre alt sind. Sie kennen die Waffen und Artillerie des österreichischen Bundesheeres, nebenbei müssen sie jedoch auch Biologie, Mathe und Englisch lernen. Das Aufstehen um sechs Uhr früh ist Alltag am Militärrealgymnasium in Wiener Neustadt. Im Internat werden derzeit 180 Schülerinnen und Schüler auf das Leben als Offizier vorbereitet. DerStandard.at sprach mit dem Kommandanten des Schulbataillons, Wilhelm Mainhart, über Uniformen im Unterricht, aufmüpfige Jugendliche und die Erziehungsmethode "Gewöhnen und Üben".

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derStandard.at: Herr Mainhart, ist Disziplin essentiell für eine gute Erziehung?

Mainhart: Ja, unbedingt. Ich glaube, dass junge Menschen Disziplin und vor allem Selbstdisziplin brauchen, um im Leben bestehen zu können. Wenn ich mich heute nicht gewissen Regeln, Normen und Verhaltensweisen anpassen kann, habe ich ein Problem. Eine wesentliche Voraussetzung für die Selbstdisziplin ist, dass der Mensch weiß, was er tut und warum er etwas tut. Wer Disziplin aufbringt kann den Herausforderungen des Lebens besser begegnen, davon bin ich überzeugt.

derStandard.at: Braucht es Gehorsam beim Militär?

Mainhart: Natürlich, bis zu einem gewissen Grad. Wenn ich im Berufsleben stehe und etwas verkaufen will, dann fordert der Kunde ja auch, und ich gehorche. Wenn ich das nicht tue, werde ich kein Geschäft machen. Genauso ist es im zwischenmenschlichen Bereich.

derStandard.at: Gehorsam birgt die Gefahr des Mitläufertums und des Wegsehens bei Missständen. Würden Sie dem zustimmen?

Mainhart: Das kann natürlich sein. Unsere Absicht hier am Gymnasium ist das genaue Gegenteil, eben nicht nach dem Motto: "Die Meute folgt" zu erziehen. Wir wollen selbstständige und denkende Schüler. Wenn jemandem etwas nicht passt, soll er das auch sagen, auf entsprechende Art und Weise. 

derStandard.at: Wie funktioniert das bei Ihnen an der Schule oder im Internat?

Mainhart: Es gibt eine Internatsordnung, die die Organisation grundsätzlich regelt: Richtlinien, Anordnungen, Tagesablaufpläne. Wenn die Schüler daran etwas bemängeln, können sie zu mir kommen oder zum jeweiligen Erzieher. Manche Dinge werden dann abgeändert, umformuliert, damit alle damit leben können. Der Schüler muss aber immer Bedenken - das ist das Wesen des Internates - er ist nicht alleine hier. Er hat rücksichts- und respektvollen Umgang mit den anderen zu pflegen. Nur dem eigenen Willen genüge zu tun, das ist zu wenig. Er muss auch für die Gemeinschaft mitdenken. 

derStandard.at: Worin unterscheidet sich ein militärisches Internat von einem gewöhnlichen Internat?

Mainhart: Internate sorgen für Essen, Schlafen und Betreuung. Bei uns läuft im Internat auch die vormilitärische Ausbildung ab: Exerzierdienst, Formaldienst - ähnlich dem, was in einem Militär auch passiert. Unsere Schüler lernen Waffen kennen, wie man sich draußen im Felde bewegt, wie man mit Rüstung umgeht, wie man Feuer macht, wie man Essen zubereitet, wie man in freier Natur überleben kann. Der Donnerstag-Nachmittag steht immer im Zeichen dieser Ausbildung. 

derStandard.at: Ist es sinnvoll, schon Jugendlichen militärische Fertigkeiten beizubringen? Ist das nicht mitunter auch gefährlich?

Mainhart: Ganz im Gegenteil. Die Kinder wollen zu uns, wissen auch schon im voraus was sie erwartet. Sie wissen, dass sie eingeschränkter sind als bei ihren Familien. Oft sagen die Eltern: Um Gottes willen, ich weiß nicht warum, aber er will an diese Schule. Die Kinder reizt das Abenteuerliche - so würd ich das Vormilitärische auch umschreiben wollen. Es geht nicht um das "Soldat sein" - das ist ganz weit weg. 

derStandard.at: Aber die Schüler laufen ja doch in Uniform herum?

Mainhart: Ja, das gehört dazu. Man lernt soldatische Tugenden wie Disziplin, Ordnung, Sauberkeit, Kameradschaft. Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass die Kinder über diese Abenteuergeschichten und das kameradschaftliche Miteinander, auch wenn sie putzen müssen, die Wäsche waschen und bügeln müssen, Selbstständigkeit lernen. Ich höre es jeden Sonntag, wenn die Eltern mit den Kindern kommen und sagen: Es ist ein Wahnsinn, was in einem Jahr passiert ist und wie selbstständig dieser junge Mensch geworden ist. Das hat mit Soldat-Sein im eigentlichen Sinne wenig zu tun.

derStandard.at: Herrscht hier ein rauerer Umgangston als anderswo?

Mainhart: Nein, was aber hier sicher anders ist: es läuft alles klarer, strukturierter und bestimmter. Eine Erziehungsmethode ist das "Gewöhnen und Üben". Wenn die Kinder merken, um sechs Uhr muss aufgestanden werden, wird es bald zur Normalität, ganz ohne rauen Umgangston. Und dort, wo man nicht mehr eingreifen muss, weil es Normalität geworden ist, bin ich gerne Laissez-faire. Dann lehne ich mich zurück und schaue zu.

derStandard.at: Das klingt, als würde das sehr reibungslos funktionieren. Die Kinder und Jugendlichen sind teilweise in der Pubertät, aufstehen um sechs Uhr in der Früh ist dann doch trotz Normalität nicht immer lustig. 

Mainhart: Es wird sicher nicht jeder uneingeschränkt darüber begeistert sein, dass er um sechs Uhr aufstehen muss. Aber ich kenne niemanden, der es deshalb nicht tut. Es ist in ihren Abläufen drinnen. Das mag schwierig sein am Anfang, da gibt es auch Tränen und Zweifel, aber durch die kameradschaftliche Erlebniswelt entsteht auch so etwas wie eine Gemeinschaftsverpflichtung. Wenn ich aufstehen muss, stehen die anderen auch auf. Am Ende steht das Zuckerl, weil sie pünktlich sind und deshalb eine Stunde länger Fortgehen dürfen.

Das es nicht immer jedem passt und jemand nachschläft, wenn die Erzieher nicht durchgehen, passiert natürlich auch jeden Tag. Aber die große Mehrheit unterzieht sich dem ohne Probleme.

derStandard.at: Welche Sanktionen gibt es, wenn diese Regeln nicht eingehalten werden?

Mainhart: Wenn wir intervenieren, dann immer durch Gespräche. Die Schüler müssen wissen, wofür sie eine Beanstandung bekommen. Die Intervention muss angemessen sein: Wenn jemand unpünktlich ist, kann es nicht sein, dass er am Wochenende nicht heimfahren darf. Wenn es gar nicht anderes geht, gibt es Strafen. Dann muss ein Schüler eben zwei Stunden länger lernen oder darf an einem Tag nicht hinaus gehen, weil die Hausübung nicht gemacht wurde. Über allem steht das Konzept "Vorbild & Beispiel". Das was wir von den Jugendlichen verlangen, versuchen wir auch selber zu leben.

derStandard.at: Wie wird mit Schwächeren in der Gruppe umgegangen?

Mainhart: Die Gruppe hilft. Alle haben die Verpflichtung die Schwächeren mitzunehmen. Wir haben alle Jahre einen Drei-Tages-Marsch, da ist die Gruppe gefordert. Sie wissen, wer körperlich nicht so auf Zack ist. Es geht nicht um die schnellste Zeit, sondern darum, dass die Gruppe geschlossen und gesund ans Ziel kommt. Es ist ein Märchen, dass beim Militär angeblich die Schwachen hinausgedrängt werden.

derStandard.at: Im Frühjahr gab es Gerüchte über sexuellen Missbrauch am Militärgymnasium. Wie wurde das in den Klassen aufgearbeitet und besprochen?

Mainhart: Als der Fall an die Medien kam, wurde das sofort thematisiert und Schulsozialarbeit und Mediation gestartet. Es gab psychologischen und sozialen Beistand für die Beteiligten. Außerdem war es ein Prinzip, das Thema sofort zu behandeln, wenn es im Unterricht aufkommt, egal ob das in Biologie oder in Mathematik passiert ist. Das Thema hatte außerordentliche Priorität.

derStandard.at: Sind Jugendliche verhaltensauffälliger bzw. schwieriger zu erziehen?

Mainhart: Nein, sicher nicht. Ich will Jugendliche, die eine herausfordernde Art an den Tag legen. Ich will kritische, mündige, durchaus auch aufmüpfige Jugendliche erziehen. Dass sie sich an bestimmte Regelwerke anpassen müssen, ja! Aber das kann man durchaus mündig und kritisch machen. 

Dass die Erziehungsarbeit schwierig ist, ist keine Frage. Aber deshalb sind Jugendliche nicht gleich verhaltensauffällig.

derStandard.at: Welche Kinder kommen an das Militärgymnasium?

Mainhart: Kinder aus Akademikerfamilien, Arbeiterfamilien, aber natürlich auch viele, wo ein Elternteil beim Bundesheer angestellt ist. Sie kommen von Hauptschulen, Gymnasien und aus ganz Österreich.

derStandard.at: Ist es nicht auch so, dass Kinder, die besonders schwierig sind, hierhergeschickt werden?

Mainhart: Ich kann das nicht ausschließen. Ich bin jetzt zweieinhalb Jahre da, habe drei Aufnahmephasen miterlebt und hatte nie den Eindruck, dass Eltern froh waren ihr Kind bei uns jetzt endlich abgeben zu können. Ich kann aber natürlich nicht hineinschauen in die Köpfe der Eltern. Unterm Strich sage ich, dass alle Kinder gerne zu den Eltern heimfahren und aus wohlbehüteten Verhältnissen kommen. (Teresa Eder/derStandard.at, 18.10.2010)

Kommentar posten
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mountaineer
00

Das Barras braucht keine eigenständig denkenden Menschen.
Selbst zu denken und dann auch noch seine Meinung anklingen zu lassen ist dort nicht einmal dem höchsten General (Entacher) erlaubt gewesen.

Eine Barras-Schule, die eigenständiges Denken schult, ist ungefähr so wie ein Skilehrer aus der Karibik.

Werner Lischka
11
31.1.2011, 20:17
die kommentare der gegner der

... schule zeigen sehr deutlich auf, warum unsere gesellschaft langsam zerbröselt.
die eigenen rechte werden über alles andere gestellt. das rechte auch pflichten bedeuten wird elegant ignoriert.
disziplin wird generell mit unterordnung assoziiert und verteufelt - diese armen scheinen nicht zu realisieren, dass nicht mal die feuerwehr ohne disziplin funktionieren würde.
wahre aussagen wie 'wer befehlen will muss erst gehorchen lernen' können diese fortschrittlichen geister nicht verstehen (dies bedeutet nämlich, dass man sich in befehlender position gedanken über die folgen eines befahls macht - schlieslich musste man ja auch einmal gehorchen).
von kameradschaft und einstehen f.d. anderen will ich gar nicht reden - das ist ja sooo uncool..

RS69
 
00
31.1.2011, 21:21

"wahre aussagen wie 'wer befehlen will muss erst gehorchen lernen' können diese fortschrittlichen geister nicht verstehen"

Wer will schon sowas idiotisches seinen Kindern weitergegeben wissen.

Mit Denken anstelle zu gehorchen kommen's weiter.

Eine Kreatur
10
28.10.2010, 16:30
"Wenn ich im Berufsleben stehe und etwas verkaufen will, dann fordert der Kunde ja auch, und ich gehorche."

das reicht, um sich ein bild vom weltbild dieses herren zu machen und natürlich der umstand, über die zustände dort ein bisserl bescheid zu wissen ..

dass das anbieten einer dienstleistung eine freiwillige sache ist, dürfte dem herrn vom militär zu hoch sein .. und damit erübrigt sich jegliches weitere kommentar über seine soziale kompetenz ..

zur erinnerung, das ist das gymnasium, in dem der sebastian ploner sich sein rechtsextremes propagandamaterial direkt mehrmals ins heim mit der gleichen adresse schicken hat lassen ..

abgesehen von sich hartnäckig haltenden gerüchten, dass es in der milak noch immer ein dubioses bild aus WK2 zeiten geben soll

und wozu brauchts überhaupt mehr offiziere wo die zukunft des öbh in den sternen steht?

metalwoman
00
22.10.2010, 12:12

Müssen deren Schüler eigentlich später trotzdem zum Bundesheer, obwohl sie die vieles aus der Rekrutenausbildung eh schon mal durchgemacht haben?

mountaineer
00
20.10.2010, 09:17

und im zweifelsfall, wenn es darauf ankommt - werden sie dann ihrem Gewissen folgen, so wie es franz jägerstätter tat, oder werden sie eher gehorchen?

Eine Kreatur
10
28.10.2010, 16:32
"na dann müssen sie selbstdisziplin üben!"

und befehlen von vorgesetzten einfach folge leisten .. wäre wohl seine antwort ..

wenn sich wer so unkritisch und unreflektiert mit befehlen, hierarchien, zwängen, befehlen usw. auseinandersetzt wie der interviewte, zeugt das nicht von großer kompetenz ..

a cool guy
00
19.10.2010, 18:43

Ein Freund von mir ist dort 2 Jahre zur Schule gegangen, bin schon gespannt was er sagen wird, inwiefern dieser Artikel der Tatsachen entspricht.

fibiundchillie
11
20.10.2010, 15:05

der artikel, schätz ich mal, entspricht 1 million mal mehr der wahrheit als der thread dazu.
alleine schon die sportmöglichkeiten an dem org zieht sportliche kinder magisch an!

baroli
20
20.10.2010, 15:12

Und nebenbei werden sie dann zu Militaristen erzogen.

So wie in den katholischen Internaten der Priesternachwuchs gezüchtet wurde.

ich gebs zu
02
20.10.2010, 17:07
Geh Pepperl, plausch net.

Die paar Geistlichen, die tatsächlich aus Kollegien kommen, garantieren keinen Schulstandort.

baroli
22
20.10.2010, 18:38

Die Intention steckt jedenfalls dahinter.
Daß der Output heutzutage nicht mehr der erwünschte ist, liegt daran, daß auch die dümmsten Schüler heute keine Pfarrer mehr werden wollen.

Beim Militär ists ja nicht anders.
Wer macht so einen Unfug denn freiwillig mit ?

Poldi Fesch
11
20.10.2010, 20:20
baroli
10
20.10.2010, 20:51

Haha, da hat die Redaktion geschlafen.;-)

Poldi Fesch
00
20.10.2010, 22:12
Zusatz

irgendwie witzig, immer noch nicht freigeschalten

Poldi Fesch
00
20.10.2010, 22:12
:) die sind

zu jung

baroli
00
20.10.2010, 22:46

Anscheinend, oder sie haben Probleme mit Englisch oder beides. ;-)

Poldi Fesch
00
20.10.2010, 23:05
andererseits, vielleicht,

man weisz ja nie, aber,da koennens dann wieder die "Linke" vertedigen

http://diestandard.at/128709946... oll-zahlen

baroli
00
20.10.2010, 23:57

Also, ich bin da politisch ziemlich
unkorrekt.
Ob Manderln oder Weiberln, schiach solltens halt nicht sein...;-)
Und umgottswillen nicht ein Verbotsdiktat wie bei den Rauchern.

Poldi Fesch
00
20.10.2010, 16:18
aber in denen

fuer Maedchen eher nicht :)

Amanda Gallas
01
19.10.2010, 22:53
: Ein Schülerleben in Uniform

http://www.youtube.com/watch?v=p3Sk8jDSwo8

baroli
00
19.10.2010, 23:05

Immer wieder gut.;-)

si tacuisses84
32
19.10.2010, 15:13
Eliteschule

Nicht umsonst zählt diese Schule zu den Elitenschulen in Österreich. Es werden sowohl hohe Erwartungen an den Geist als auch an den Körper gestellt (viele ehemalige Olympiateilnehmer in verschiedenen Sportarten etc....
Absolventen dieser Schule finden sich in sämtlichen Berufen wieder..zb. der jetzige Rechnungshofpräsident etc....
www.milrg.at

Eine Kreatur
21
28.10.2010, 16:38
und sebastian ploner ist sogar beim graf gehilfe ..

und veranstaltet rechtsextreme "sommerlager" und hat sich als er dort an der schule war t-shirts mit der aufschrift "sozial, national" in die schule schicken lassen ..

echt super dieses gymnasium ..

Eine Kreatur
11
28.10.2010, 16:36
deshalb auch bei neonazis und rechtsextremen sehr beliebt ..

also hohe kriterien dürften die nicht stellen, wenn ich mir manche absolventInnen anschaue oder wurden die dort zu dem gemacht, was sie jetzt sind?

genau - und weil es keinen schulsport in österreich gibt und keine schulen mit schwerpunkt auf sport oder spitzensport ist das eine rechtfertigung für eine militarisierung? hirn einschalten würde ich empfehlen ..

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