Vorstoß gegen "Rentnerdiktatur"

Politologe will Wahlrecht mit Ablaufdatum

Marie-Theres Egyed, 23. September 2010, 15:41
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    foto: derstandard.at/mte

    Parteien buhlen um Pensionisten-Wählergruppen. Österreichweit stellen sie 25 Prozent der Wählerschaft dar.

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    Bei der Nationalratswahlen 2008 wählten 38 Prozent der Pensionisten SPÖ, 24 Prozent ÖVP und 18 Prozent FPÖ. Grüne und BZÖ erreichten nicht mehr als zehn Prozent.

Experte Hajek: "Wahlrechtsentzug zehn Jahre nach Pensionsantritt"

1986 sang Herbert Grönemeyer „Kinder an die Macht" - die demographische Entwicklung bis 2030 deutet allerdings darauf hin, dass in Zukunft eher Pensionisten an der Macht sein werden.

In Wien leben 350.000 Menschen, die älter als 60 Jahre sind. Diese Bevölkerungsgruppe wächst stetig. Österreichweit liegt der Anteil der wahlberechtigten SeniorInnen bei fast 25 Prozent, bis 2030 wird der Anteil auf ein Drittel steigen. Pensionisten stellen damit die größte Wählergruppe dar. Droht deswegen eine „Rentnerdiktatur", wie die deutsche Zeitschrift Stern schreibt?

"Das ist wirklich eine Gefahr"

„Wenn ein Drittel der Wählerschaft im pensionsfähigen Alter ist, dann ist das die bestimmende Wählerschaft, das ist wirklich eine Gefahr," sagt Politologe Peter Hajek im Gespräch mit derStandard.at. Daher gebe es inzwischen Überlegungen, Familien mit Kindern ein mehrfaches Wahlrecht zu übertragen, das hieße: Eine Stimme zusätzlich pro Kind.

Hajek geht aber noch weiter: „Mein Vorschlag wäre: Ab Pensionsantrittsalter gilt das Wahlrecht noch für zehn Jahre und dann verfällt es. Das hat zwei Vorteile, die drohende Rentnerdiktatur wird gebrochen und gleichzeitig wäre es auch ein Anreiz, dass die Menschen im Arbeitssystem bleiben." Der Politologe räumt aber ein, dass dies ein Modellvorschlag sei, der zum Nachdenken anregen soll. Er zweifle an der Umsetzbarkeit dieses Vorstoßes.

Trotzdem solle man sich eine Wahlrechtsreform heute überlegen und nicht erst in 20 Jahren. „Heute sag ich, ‚Ja unbedingt‘, in 20 Jahren, wenn ich selbst davon betroffen bin, sage ich ‚Nein, um Gottes Willen‘."

Seniorenmesse als Wahlkampfzone

Wähler, die davon betroffen wären, tummeln sich zahlreich auf der Floridsdorfer Seniorenmesse. Die Veranstaltung ist ganz auf die Bedürfnisse der älteren Generation ausgerichtet: Informationsstände von der Volkshilfe bis zu Anbietern von Hörgeräten und zur Bestattung Wien sind im Haus der Begegnung aufgebaut.

Die Seniorenmesse gleicht auch einer Wahlveranstaltung: Sozialminister Hundstorfer hält eine kurze Begrüßungsrede, diverse rote Stadträte sind als Redner angekündigt und nützen das Terrain um zwei Wochen vor der Wahl auf Stimmenfang zu gehen. Eine Seniorin zeigt sich von den anwesenden Politikern unbeeindruckt: „Schauen Sie, ich bin über achtzig. Ich habe mein Leben lang SPÖ gewählt und werde es weiter bis zu meinem Tod machen." 

"Höherer Wahlethos"

„Pensionisten wählen unabhängig von der Rentenpolitik", sagt auch Peter Hajek. Obwohl die Parteien sehr große Rücksicht auf sie nähmen, seien Senioren StammwählerInnen. „Pensionisten haben aber sicherlich einen höheren Wahlethos als Jungwähler, nehmen ihre Wahlpflicht ernst, identifizieren sich mehr mit der Ideologie einer Partei und bleiben ebendieser treu," so Hajek. 

Bei den Nationalratswahlen 2008 konnte die SPÖ bei Senioren einen Stimmenanteil von 38 Prozent erreichen, die ÖVP folgt mit 24 Prozent, dann FPÖ mit 18 Prozent. Grüne, BZÖ und andere Parteien können die Zehn-Prozent-Marke nicht überschreiten. 

„Wiener ÖVP ist eine alte Partei"

Im aktuellen Wahlkampf in Wien spielen Senioren als Zielgruppe keine aktive Rolle. „Aber es gibt auch keine Partei, die ihre Wahlkampagne explizit auf Jugendliche ausrichtet." Die ÖVP hat mir Gerhard Tötschinger einen Kandidaten gewählt, der als Person diese Pensionisten anspricht. Jedoch entspreche das dem Grundproblem der Wiener ÖVP. „Die Wiener Schwarzen sind eine alte Partei, eine reine Stammwählerpartei, die versucht, ihre Wählergruppe zu mobilisieren ", sagt Hajek. Die Wählerschaft der SPÖ sei breiter gestreut - bei einer absoluten Mehrheit auch nicht weiter verwunderlich.

"Als Pensionist fällt man durchs Netz"

Zwei Floridsdorfer Damen geben sich auf der Seniorenmesse von der Politik enttäuscht. „Wir wählen gar nicht mehr", erklären sie unisono. Man müsste die Politik ganz neu erschaffen, denn alle Politiker seien korrupt, sagt die resolutere der beiden Frauen erbost. Ihre Begleiterin schwächt ab: „Als Pensionist fällt man durchs Netz. Wir kriegen nur einen Tausender Pensionen, Ausländer und Alleinerziehende bekommen alles vom Staat hineingeschoben." Sie hätten beide jahrelang SPÖ gewählt, aber nun sehen sie keinen Zweck mehr dahinter, das Wahlergebnis sei schon vorbestimmt. Hajeks Vorschlag Pensionisten nach zehn Jahren das Wahlrecht zu entziehen, stehen sie positiv gegenüber. Sie wollen ohnehin nicht mehr wählen gehen und würden ihr Wahlrecht sofort abgeben. (Marie-Theres Egyed, derStandard.at, 23.9.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 1681
hans friedrich 2
00
30.9.2010, 11:42
die überwiegende mehrheit der wähler ...

... sind heute schon in pension oder stehen wenige jahre vor der pensionierung. bei einem wahlalter von 16 bis 80 jahren ist das gemittelte alter 48 jahre. rechnet man die höhere wahlbeteiligung älterer mit ein, ist das durchschnittliche alter der wähler meist um 50 bis 55 jahre. bei einem tatsächlichen pensionsantrittsalter von 57 oder 58 jahren ist der abstand nicht mehr so weit.

das ablaufdatum für menschen ab einem gewissen alter halte ich für diskriminierend. besser wäre es, eltern von minderjährigen für ihre kinder zusätzliche stimmrechte zu geben. 1. kind ein zusätzliches stimmrecht für die mutter, 2. kind eins für den vater, 3. kind wieder eins für die mutter.

da schauerts plötzlich ganz anders aus mit besserer kinderbetrg. usw.

E. J.
00
27.9.2010, 22:42
link-problem

die klammern haben offenbar den link gestört - hier ohne klammern:
http://emj57.wordpress.com/2010/09/2... -im-alter/

E. J.
00
27.9.2010, 22:23
so ein zeitgeistiger schwachsinn

nun ja, oberflächlich gedacht ist wohl auch gedacht - für manche.
ich hab meine gedanken dazu mal raus lassen müssen (http://emj57.wordpress.com/2010/09/2... im-alter/) - das war mir nun ein bedürfnis.
so ganz unwichtig finde ich solche aussagen nicht, weil sie doch den zeitgeist widerspiegeln - leider!

Werkzeug
 
02
27.9.2010, 18:22
Ein Furz in der Wüste...

Bei manchen wäre es besser sie denken lautlos.

archimed
00
27.9.2010, 13:55
statistisch in 20 jahren 33% der bevölkerung in pension...

...wen wundert es, dass die parteistimmenfänger diesem altwählerklientel nicht honig um den mund schmieren?

ganz abgesehn davon, dass hierzulande schon fast jeder zweite 10 jahre vor seinem pensionsantritt erwartungssüchtig an die pension denkt. rechnet man nämlich auch diese bevölkerungsgruppe der pensionsanwärter noch dazu, dann ist die stimmenanzahl der pensionsanwärter und die der pensionisten höchstwahrscheinlich über 50% im jahre 2030.
diese fette beute will wohl keine partei auslassen!
aber wenn wie einige propheten behaupten, 2012 die welt untergehen sollte, ist diese prognose höchst gegenstandslos (schmunzel).
brave new world!

BK W. Shoyssel
06
26.9.2010, 08:45
Wahlrechtsentzug für Hajek

Hajek. Den Namen merk ich mir.
Damit ich bei der nächsten politologischen Expertenmeinung weiß, woher der Wind weht.

die windfrau
 
05
25.9.2010, 19:20
wer kann sich eigentlich wirklich solche aussagen in einer sozialen und moralischen (menschen) wegwerfgesellschaft wie der unseren nicht erwartet haben?

alle die nicht ins mainstreambild passen - ab damit! rechte weg! die brauchen nicht mitreden. haben ihre aufgaben erfüllt, jetzt solln sie ruh geben.
wer nach langem geben sicherheit in der gesellschaft erwartet: selber schuld!

die ganze entwicklung der letzten jahre steuert auf solche bemühungen zu, nicht nur beim pensionistenwahlrecht, sondern überall, wo meinungen bestehen, die den "machern" nicht passen und ansichten geäußert werden, die dem mainstream und den absahnern kritisch gegenüberstehen.

und so grauslig, gesellschaftszersetzend und ekelhaft dieses ansinnen ist: unerwartet ist es nicht. zumindest nicht denen, die hören und sehen und denken...

wirklich enttäuschend aber: es regt sich kein gesellschaftlicher widerstand

Aufmerksamzuhörer
04
25.9.2010, 17:32
Straßenverkehrsordnung

Da gibt es den grauslichen Witz, dass das Pensionssystem saniert werden könnte, wenn man den Pensionisten erlaubt mit 65 Jahren bei Rot über die Kreuzung zu gehen und sie mit 70 bei Rot darüber gehen müssen.
Der Vorschlag vom Herrn Hajek kommt dem schon ziemlich nahe.

homosapienssapiens
01
25.9.2010, 17:26
Antidemokrat

Was muss dieser Mensch für eine verkorkste Meinung von Demokratie und älteren Menschen haben!
Als nächstes kommen Menschen islamischen Glaubens, kinderlose Raucher und Studenten dran, dann geht es weiter mit Arbeitslosen, unheilbar Kranken und pragmatisierten Beamten. Diese willkürliche Auswahl zeigt schon, wohin solche Vorschläge führen. Traurig, dass so jemand Gehör findet.
Sollte Herr Hajek jedoch meinen, dass ältere Menschen irgendwann zu uninteressiert oder zu dement werden, um zu wissen, was sie wählen, dann muss ich ihm Recht geben. Allerdings müsste man dann alle Personen von der Wahl ausschließen, die nicht einmal die wesentlichsten Positionen der Parteien zu wichtigen Themen kennen.

ntf
00
25.9.2010, 10:34

kein aktives und erst recht kein passives wahlrecht fuer idioten. alter egal. das wuerde die gesamtstimmen auf ca. 100 000 reduzieren. ob dabei auch politiker vertreten waeren, wage ich zu bezweifeln. aber vernuenftige politik koennte moeglich werden.

Zum Beispiel1
03
25.9.2010, 12:12
Kein aktives und passives Wahlrecht ...

für Idioten und für Politologen wie Herrn H.!

Anna Frey
02
25.9.2010, 10:26
Wo leben wir eigentlich?!

Erst das Wahlrecht. Und dann?!

Die Konsequenz dieser unsäglichen Äusserung
will ich nicht weiterdenken.
Ich dachte, wir leben in einer Demokratie.

ÖVP su:cks
61
25.9.2010, 08:45
kein wahlrecht ab 65

und keine politiker älter als 60
das hätte sinn

eine bodenlose frechheit, regierung mit lauter senilen personen wie in österreich

melli91
32
24.9.2010, 23:17
Pensionisten das Wahlrecht entziehen? Das geht doch nicht.

An wen soll dann die SPÖ ihre Pensionsbriefe richten, mit denen sie zwei Wahlen gewonnen hat?

ÖVP su:cks
00
25.9.2010, 08:46
anders ausgedrückt

der schleimige övp pensionisten-wahl-brief war soooo lasch u. verlogen, das die övp-pensionisten rot gewählt haben..

Freibier für freie Bierger
013
24.9.2010, 21:07
wahlrecht für alle poster bis 127+! abstimmung über die intellektuelle güte des kommissar-rex-politologen

GRÜN:
peter hajek hat sich mit dieser wortmeldung als ernst zu nehmender politologe disqualifiziert. hätte er zumindest einen funken ahnung von den grundlagen der demokratie und vom grundsatz der gleichen würde aller menschen, dann hätte er solch hochgradigen schwachsinn gnädigerweise für sich behalten.

ROT:
peter hajeks mut ist zu bewundern. wer bereit ist, sich und seinen ruf als politologen in aller öffentlichkeit mit derartig undurchdachtem und oberflächlichem gewäsch zu besudeln, der hat den hauptpreis redlich verdient und darf dasselbe fortan in tv-talkshows wiederholen, um die fadesse am frühnachmittag zu bekämpfen.

Aurvandill der Erste
01
24.9.2010, 19:57
Ein Deal Hr. Hajek?

Ich gebe Ihnen mein Wahlrecht, welches sie sich dann an den Hut stecken dürfen und ich geh' dafür 10 Jahre früher in Pension?

Dieses Angebot können sie doch fast nicht ablehnen!?

Harald Ecke
 
04
24.9.2010, 19:14
machen wir die alten fertig

so plump geht das nicht. sonst heisst es, wir treten die demokratie mit füßen.
so gez: pensionsanttrittsalter laufend erhöhen, aber ab 35 den zugang zum arbeitsmarkt erschweren. wer dann keine arbeit findet, wird als schwer vermittelbar eingestuft. Von der sozialen hängematte muss die rede sein. bewerbungskurse non-stop+gemeinnützige arbeit, wobei darauf zu achten ist, dass die arbeit möglichst kein ansehen genießt. Dann kommen sanktionen für alles mögliche, etwa strafen für krank sein (dabei ständig scheinkrankenstand unterstellen).Wenn wir wirklich bei 35 beginnen, haben wir 30 jahre für seelische grausamkeit. wer sich nicht umbringt, wird entmündigt(kann ja nicht normal sein, sich das gefallen zu lassen)
in der krise müssen halt alle...!

Von hinterm Mond
 
04
24.9.2010, 19:03

"Rentnerdiktatur"?

Und was passiert, wenn die Pensionisten nicht mehr wählen dürften? Dann wird Österreichs Wählerschaft vielleicht von 40-50jährigen bestimmt. Also eine "Midlife-Diktatur"! Sowas darf nicht sein, die müssen also auch das Wahlrecht entzogen bekommen.

Es wählen mehr Frauen als Männer? "Frauen-Diktatur!", deren Wahlrecht muß weg! Es wählen in der Überzahl Menschen mit braunen Haaren oder solche mit braunen Augen? "Braunhaar-Diktatur" oder "Braunaugen-Diktatur"! Weg mit dem Wahlrecht...

Nein, da wär mir doch lieber, dem Herrn "Experten" für Vorurteile gegen Ältere würde das Wahlrecht entzogen. Damit ersparen wir uns alle weitere Peinlichkeiten.

gunth3r
01
24.9.2010, 18:44

Ich ginge noch weiter: wer vor einer Wahl oder Abstimmung nicht beweisen kann, verstanden zu haben, worum es geht, soll auch nicht wählen dürfen.

Freibier für freie Bierger
02
24.9.2010, 21:09
war das jetzt ein totalangriff auf die parlamentsabgeordneten?

Fraho
02
24.9.2010, 19:39
da wäre natürlich zu bedenken, dass

...die meisten unserer "Volksvertreter" von den Abstimmungen im Nationalrat ausgeschlossen würden.
Die wenigsten wissen worüber sie abstimmen was die Partei vorgelegt hat.

Harald Ecke
 
00
24.9.2010, 19:00
aber

prinzipiell gute idee, weil dann nur mehr die 10% guten übrig blieben

Harald Ecke
 
00
24.9.2010, 18:58
wer bleibt denn dann hierzulande noch über??

wenn ich mir die zwei mäderln in der u-bahn mit dem strache-flyer ins gedächtnis rufe...

wirdeinlichtleinseinamendedestunnels
00
24.9.2010, 18:34
Wie leicht bei uns in Ö.

doch eine faschistoide, menschenverachtende neigung hervorgerufen werden kann...

Und aus der geschichte lernen, kann hoffentlich weiterhelfen.

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Posting 1 bis 25 von 1681

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