TU Graz

Nur sechs Studenten wollten Feedback für Studieneignung

23. September 2010 11:34

Ein Motivationsschreiben war Voraussetzung - Von 300 StudienanfängerInnen gaben nur sechs ein Schreiben ab

Persönliche Beratung wollte die Technische Universität Graz als Serviceleistung für angehende Studenten anbieten. Für das Studium Architektur konnten sich Interessenten dieser Tage von Lehrenden unverbindlich ein Feedback über ihre Studieneignung holen - nach Vorlage eines zuvor verfassten Motivationsschreibens. Das Interesse daran war gering: Ganze sechs Maturanten haben diese Chance genützt. Jährlich beginnen rund 300 Personen ein Architekturstudium in Graz.

"Wir wollen die Interessenten zu einer eingehenden Auseinandersetzung mit ihrem künftigen Studium animieren", erklärt Hans Gangoly, Studiendekan für Architektur der TU Graz. Daher hat die TU Graz ein Pilot-Projekt zur Entscheidungshilfe für Architekturinteressierte ins Leben gerufen: Noch vor der Inskription sollten angehende Studierende schriftlich ihre Motive und Erwartungen bezüglich Studienwahl reflektieren. Im Anschluss konnten sie sich Rückmeldungen und Empfehlungen von Vertretern der Fakultät holen.

"Eindruck, dass Leute gar nicht wissen wollen, was auf sie zukommt"

"Mit diesem Angebot sind wir auf extrem geringes Interesse gestoßen", resümiert Gangoly. Der Grazer Architekt führt das nicht auf nachlassendes Interesse an der Studienrichtung zurück: "Wir haben jetzt schon 200 Voranmeldungen". Jährlich zähle man an die 300 Neuanfänger, was die TU sowohl vor finanzielle als auch personelle Herausforderungen stellt. "Bei mir verstärkt sich der Eindruck, dass viele Interessenten gar nicht wissen wollen, was auf sie zukommt. Es ist ganz schön schwierig, die Leute zu erreichen", reflektiert Gangoly.

Der Studiendekan räumt aber auch Fehler vonseiten der Organisation ein: "Günstiger wäre es sicherlich, das Service Ende des Sommersemesters und nicht erst im Herbst anzubieten". Ob das Projekt fortgeführt oder vielleicht auch noch auf andere Fachbereiche ausgedehnt wird, soll in den kommenden Wochen diskutiert werden.

Das Wintersemester startet an der TU offiziell am 1. Oktober. Die Zulassung läuft noch bis 29. Oktober, die Nachfrist endet am 30. November.(APA)

Kommentar posten
20 Postings
chaim54
21.10.2010 00:59
ita est

leider den artikel erst heute gesehen. er bestärkt mich nur in der meinung, dass 2 von 3 leuten, die wir an den unis auszubilden versuchen, lieber was anderes machen sollten, in ihrem interesse.

RS69
21.10.2010 03:03

SIE versuchen persönlich, Leute an der Uni auszubilden?

chaim54
21.10.2010 09:28

ja, seit jahren, und neben viel freude ist da auch die erkenntnis gereift, dass wir nicht nur viel ressourcen vergeuden, in dem wir halbe analphabethen an die uni lassen, sondern vor allem diese jungen leute unglücklich machen. schauen sie sich doch einmal die zahlen der abbrecherInnen an. das ist unverantwortlich. und das schlimmste: nicht jeder abbrecher ist dümmer als viele absolventInnen.

RS69
21.10.2010 14:37

Ich weiss ja nicht, in welchen Fächern Sie unterrichten.

Ich unterrichte auch (technischer Bereich) - und habe kein Problem, die Leute dort abzuholen, wo sie stehen.

Die Abbrecher scheitern meist am bürokratischen System und am Desinteresse der Vortragenden. Abbrecher sind nicht zwangsläufig dümmer, miest ist es eine Sache der Prioritätensetzung bzw davon, dass keiner da ist, der über einzelne Hürden hilft.

triebstrü
 
24.09.2010 09:39
"Bei mir verstärkt sich der Eindruck, dass viele Interessenten gar nicht wissen wollen, was auf sie zukommt..."

Und das ist auch gut so.

"Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben."
Rainer Maria Rilke

Das schlimmste, was man einem jungen Menschen antun kann, ist ihm diesen Zauber zu rauben.

mitch2
24.09.2010 11:03

ist das nicht von h.hesse?

triebstrü
 
24.09.2010 11:23
Ist von Hesse

habe mich vertan.

metalwoman
23.09.2010 15:04

In einem Motivationsschreiben versucht man ja, sich möglichst interessiert zu geben und positive Formulierungen zu verwenden, um einen guten Eindruck beim Empfänger zu machen.
Wer will schon ein Feedback auf einen Lügenaufsatz? Ein persönliches Gespräch anzubieten, wäre hilfreicher.

sokra
23.09.2010 20:05

Zumindest zwingt einem das Motivationsschreiben zum Nachdenken;
Wenn sich die angehenden Studenten als gut geeignet darstellen wollen, müssen sie sich vorher intensiv mit dem Studium auseinandersetzen um zu wissen, was man von ihnen hören will.

Wenn der Bewerber dann merkt, dass sein ganzes Motivationsschreiben eine einzige Lüge ist, gibt ihm dies vielleicht noch rechtzeitig zu denken.

Eine Kreatur
24.09.2010 11:22
soso ..

und da es egal ist, ob jetzt ein motivationsschreiben geschrieben wird oder nicht, ersparen sich die meisten die arbeit ..

was soll daran "seltsam" oder "enttäuschend" sein?

vielleicht leben manche noch mit falschen vorstellungen, würden diese aber im laufe der zeit aufgeben - das "feedback" würde sie vielleicht aber dazu bringen, das ganze gleich aufzugeben, gar nicht erst anzufangen oder sich wirklich damit auseinanderzusetzen ..

RS69
24.09.2010 17:49

Feedback nach diesem Ansatz bewirkt möglicher weise, dass die Studenten den Respekt vor den Feedbackgebern verlieren, sich denken "So wird man, wenn man das studiert? Da mach ich lieber was Anderes".

RS69
23.09.2010 21:49

Was unterscheidet die angehenden Studenten mit tollem Mitivationsschreiben von jenen mit Grottenschlechtem?

Die Ersteren haben jemanden, der weiss worum's geht, und der Ihnen beim verfassen hilft. Genauso bei Bewerbern für Jobs.

Ich unterrichte selbst nebenbei - auf die Idee, dass Studenten, die

Welcher Idiot glaubt, aufgrund EINES Schreibens und eines kurzen Gesprächs beurteilen zu können, ob jemand - den er nicht kennt - geeignet ist, eine Ausbildungsrichtung einzuschlagen.

Das ist einfach nur überheblich, fachlich unfundiert und disqualifizierend.

Eher ein Zeichen, dass die angehenden Studenten nicht so dumm sind - wenn sie das ignorieren.

sokra
24.09.2010 09:22

Geh bitte, es geht ja dabei nicht um ein Aufnahmeverfahren sondern einfach um eine zusätzliche Möglichkeit für ein Feedback. Es ist doch völlig egal wie "gut" dieses Schreiben objektiv gesehen ist.

Wenn Studenten mit einer enorm naiven Einstellung an das Studium herangeht (was oft vorkommt) kann man das sehr wohl aus einem ehrlichen Schreiben erkennen und ihn rechtzeitig auf die Realität hinweisen.

Und wenn ein Student meint da betrügen zu müssen - mein Gott dann soll er doch! Im günstigsten Fall wird er sich seiner Lügen bewusst und denkt darüber nach. Ansonsten auch egal - sein Problem.

RS69
24.09.2010 17:38

Es geht weniger um die Qualität des Schreibens.

Es geht um die fehldende Qualifizierung der Vortragenden für die Aufgabe, und um das - um es höflich zu formulieren - unprofessionelle und nive Konzept.

Und: Offensichtlich waren genau 6 Studenten an derart unqualifiziertem Feedback interessiert.

Eine Kreatur
24.09.2010 11:25
"rechtzeitig auf die realität hinweisen"

und das studium ausreden?

als ob sie schon perfekt und allwissend geboren worden wären .. sie ignorieren völlig, das menschen lernfähig sind und auch ansichten ändern können ..

möchte nicht wissen, wieviele brilliante köpfe es in wissenschaft, wirtschaft und kunst NICHT gegeben hätte, wenn sie schon zu beginn ihrer ausbildung gewusst hätten, wie ihre zukünftige alltagsarbeit ausgesehen hätte ..

jack johnson
 
24.09.2010 09:04

Jene die es geschrieben, zeigen a priori einen Ansatz von Engagement + Interesse für das Studium, das sie gewählt.
Weiters impliziert es, das diese handvoll Leute, zuerst nachdenken und dann handeln.

Dass Sie Ignoranz unter Studenten applaudieren ist erschreckend..

RS69
24.09.2010 17:35

Perfekt - dann können die Vortragenden Motivation und Eignung der Eltern / Onkels / Tanten/ ... bewerten.

Ein Motivsationsschreiben ist ein Dokument, in das man Dinge hineinschreibt, um ein ziel zu erreihen - keine relevante Selbstaussage.

Und die Hautsache: Warum sollte ein technischer Vortragender in irgendeiner Weise befähigt sein, die Eignung von Studienanf#ngern zu beurteilen?

Allein die Tatsache, dass das auf Basis eines Bewerbungsschreibens und eines Gesprächs passieren soll, disqualifiziert jene, die sich dafür hergeben.

Klar, dass es hier im Forum viele gibt, die nicht in der LAge sind, zwischen professionellen und lachhaften Konzepten zu unterscheiden.

LakaidM
23.09.2010 18:13

Nur zur Info:

Es gab auf der TU Graz in den letzten 4 Wochen täglich von 9-12 persönliche Maturantenberatung für alle Studienrichtungen.

Stoppt den ZENSURWAHN der Politiker - JETZT
23.09.2010 15:59
genau so sinnlos...

dient alles nur zur abschreckung

hans hansson
23.09.2010 13:17
widmen wir dem rauschen einen artikel!

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.