Zahnersatz

Prothese oder Implantat?

Regina Philipp, 28. September 2010, 13:57
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    foto:apa/frank leonhardt

    Die künstlichen Zahnwurzeln aus Titan oder Zirkonoxid werden fest im Kieferknochen verwurzelt.

Zahnimplantate sind in vielen Fällen von Zahnverlust heute die erste Wahl - Als Dauerlösung ist die Mitarbeit der Patienten gefragt

Auch eine Variante: In der Generation unserer Großmütter wurden Zähne noch reihenweise gerissen. Ob gesund oder krank spielte dabei wenig Rolle. Eine herausnehmbare Totalprothese schien damals ein probater Ersatz für die eigenen Beisserchen. Der Gedanke dahinter: Betroffene könnten sich hinkünftig jegliche Zahnprobleme ersparen. Mitnichten, denn ein zahnloses Kiefer tendiert zu schrumpfen, was das Tragen einer Vollprothese langfristig erheblich erschwert. 

„Heute agiert man wesentlich zurückhaltender, die Zahnextraktion ist immer die letzte Option", erzählt Josef Piribauer, ärztlicher Leiter der Dentalklinik Margareten in Wien und ergänzt, dass das Produzieren vollkommen zahnloser Münder in der Vergangenheit vornehmlich das Werk von Dentisten war. Eine Berufsgruppe, die auch heute noch oft synonym mit der Bezeichnung Zahnarzt verwendet wird, in Österreich jedoch schon seit 1975 nicht mehr existiert. Das Können der Dentisten bewegte sich vornehmlich im Bereich der Zahntechnik, zahnmedizinisch ausgebildet waren sie nicht.

Fortschritt der Zahnmedizin

Zum Teil ist dieses rigorose Vorgehen in der Vergangenheit aber nachvollziehbar, denn die Voraussetzungen für den Erhalt der eigenen Zähne damals, sind mit heute nicht mehr vergleichbar. Moderne diagnostische Maßnahmen helfen Zahn- und Kiefererkrankungen früher zu erkennen und die Möglichkeiten in krankhafte Prozesse einzugreifen sind um vieles besser geworden. Diverse Füllungsmaterialien, Inlays und Kronen bieten sich nunmehr als zahnerhaltende Maßnahmen an. Die Zahnprävention ist zum fixen Bestandteil der Zahnmedizin geworden. Ein funktionstüchtiges und ästhetisches Gebiss ist in den westlichen Industrienationen ein gesellschaftliches Muss. 

Vermeidbar ist Zahnverlust allerdings auch heute nicht immer. Traumatische Ereignisse, entzündliche Prozesse oder Karies zeigen sich nach wie vor für zahlreiche Zahnlücken verantwortlich. Das Zahnimplantat beim kariesfreien Gebiss ist in der Einzelzahnversorgung für Piribauer heute die erste Wahl. „Auch als Halte-Fixierelement für Prothesen, Brücken oder Einzelzahnkronen ist der Vorteil unumstritten", weiß der Experte. Das Implantat steht dabei dem eigenen Zahn funktionell und ästhetisch um fast nichts mehr nach. Die künstlichen Zahnwurzeln aus Titan oder Zirkonoxid sind fest im Kieferknochen verwurzelt. Kauverlust und Probleme bei Sprach- und Lautbildung sind kein großes Thema mehr.

Die billige Lösung

Eine rasante Entwicklung und dennoch ist die konventionelle Zahnprothese nicht obsolet. Zum einen, weil für viele Menschen der mobile Zahnersatz der einzig leistbare ist, zum anderen ist die Prothese auch als Zwischenlösung nach dem Verlust von Zähnen eine sinnvolle Alternative. „Vor Implantationen ist meist ein Knochenaufbau erforderlich. Hier braucht man die Total- bzw. Teilprothese um den Patienten auch zwischenzeitlich Kaufunktion und Ästhetik zu geben", so Piribauer.

Ist die Compliance schlecht, ist die Zahnprothese immer die alleinige Option. „Zahnimplantate brauchen eine Wartung", betont der Wiener Zahnmediziner. Damit die High-Tech-Produkte auch langfristig halten was sie versprechen, bedarf es nicht weniger Pflege und Sorgfalt als es die eigenen Zähne erfordern. Konsequente Mundhygiene und regelmäßige Begutachtung durch den Zahnarzt sind deshalb zwingend. Ansonsten ist der Patient vor einer Periimplantitis (entzündlicher Prozess um das Implantat, Anm.Red.) und dem frühzeitigen Verlust der teuren Implantate nicht gefeit.

Mitarbeit ist jedoch auch bei den herausnehmbaren Dritten gefragt. Viele Patienten kämpfen mit Druckstellen und schlecht sitzenden Prothesen. Nachbearbeitungen und Anpassungen sind häufig erforderlich.

Rauchen erhöht das Verlustrisiko

Die Vorteile des fixen Zahnersatzes als Dauerlösung liegen also auf der Hand. Im Unterkiefer ganz besonders, denn hier bietet sich der Totalprothese im Vergleich zum Oberkiefer eine relativ kleine Auflagefläche. Saug- und Haftkraft sind reduziert - ein Problem, das sich in aller Regel auch mit einer Haftcreme nicht befriedigend lösen lässt. 

Die Implantologie, ein Teilgebiet der Zahlheilkunde mit unbegrenzten Möglichkeiten? Nahezu. In Amerika wird mancherorts Rauchern der künstliche Zahnersatz generell verweigert. Piribauer agiert hier weniger kategorisch, bestätigt aber, dass das Verlustrisiko der Implantate unter Rauchern höher ist.

„Bestimmte Medikamente, wie die Einnahme von Bisphosphonaten sind eine relative Kontraindikation für die Implantation", weiß der Zahnexperte. Die Einheilung der Implantate wird durch diese Osteoporosepräparate verzögert, das Risiko eine Kieferknochennekrose zu entwickeln ist deutlich erhöht.

Doch nicht nur Bisphosphonate sind problematisch, auch Knochenerkrankungen und Wundheilungsstörungen können zum Verlust von Implantaten führen. Eine ausführliche Anamnese ist daher neben der Sanierung und professionellen Reinigung des Gebisses die Voraussetzung, um optimale Bedingungen für das zukünftige Implantat zu schaffen. (derStandard.at, 28.09.2010)

Kommentar posten
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Wolfgang Biebel
 
00
30.9.2010, 11:21
Ich habe...

...seit 8 Jahren oben eine Voll-, unten eine Teilprothese, von einem Super-Zahntechniker gemacht (direkt, nicht über einen Zahnarzt), passt perfekt, wackelt kein bisschen. Ich esse alles, Nüsse, Äpfel, Karotten,...
Und ich bin total glücklich: es ist doch logisch, dass man alle Infektionsgefahren, die man mit den natürlichen Zähnen hat, mit Implantaten auch hat: die Haut im Mundraum hat Löcher, wo Bakterien eindringen können. Meine Haut im Mund hat keine Löcher, alles super, nie im Leben würde ich ein Implantat vorziehen, selbst, wenn man mir noch was zahlen würde dafür!

Dr Don Tango
01
5.10.2010, 13:42

kommt die prothese beim schlafen in ein glasl aufs nachtkastl wie bei meiner uroma?

permanent marker
00
30.9.2010, 09:13

Frage:
Macht es einen Unterschied, bei welcher Krankenkasse ich bin? Oder zahlt da keine irgendwas? BVA auch nicht?

piroschka d.
00
30.9.2010, 11:37

manche zahlen einen teil des implantates, mit prothesen kenn ich mich net aus. muss man halt mal den KV vom zahnarzt hinschicken und anfragen.

Nimain Volbaad
01
29.9.2010, 15:52
Himmel!

Das Photo, ist das ein Filmstill aus 'Hostel 3'?

Angelika70
05
29.9.2010, 11:15

Ich frage mich, wie man sich solche Implantate leisten kann? Die Preise liegen jenseits der 1000.-!

Aeox
10
1.10.2010, 15:30
hehe

1000 euro für ein ordentliches implantat geht sich nicht aus.
ich habe 4 implantate (bin durchschnittsverdiener)

vielleicht können manche leute nicht mit geld umgehen?

kor-del
14
29.9.2010, 14:14
Dank Dr. Piribauer

und seiner Dentalklinik Margareten wurden an die WGKK recht ambitionierte und nicht nachvollziehbare Behandlungen weiterverrechnet.

In meinem Fall etliche "Stomatitsbehandlungen" und "Entfernen von überschüssigen Zahnfleischwucherungen", etc...

Das ist mitunter der Grund warum für andere Leistungen einfach kein Geld bei den Soziversträger mehr da ist.

Auch wenn es polemisch klingt und mit Sicherheit polarisiert, aber ich kenne KEINEN Zahnarzt der am Hungertuch nagt.

Stahl_____666
01
29.9.2010, 14:02
.

Naja - ohne Knochenaufbau und Rechnung bist Du mit 1000 dabei - man kann sich das übrigens auch über Kredit finanzieren, so wie ein Auto, neue Fenster oder eine Urlaubsreise.

Wichtig ist, sich an einen Arzt zu wenden, der solche Eingriffe regelmässig macht. Wenn Dein Zahnarzt sagt, er braucht für ein Implantat eine Stunde, dann vergiss es.

RS69
 
00
30.9.2010, 15:39

Klar - man kann Alles schnell und billig haben.

Ich hab lieber einen Zahnarzt, der sich Zeit nimmt.
Und lieber ein oder zwei Termine mehr macht, wenn's nötig ist - dauert dann eben 1-2 Monate länger, bis Alles fertig ist. Die Zeit ist gut investiert.

Aber jeder setzt sebst seine Prioritäten, und entscheidet, ob möglichst schnell und billig seine Hauptprioritäten sind, und was er sich Wert ist.

piroschka d.
00
30.9.2010, 11:42

eine implantats-op dauert nunmal an die 45 minuten. oder länger. auch wenn zahnärzte das oft machen. waren sie in einer der implantats fleischerei-fabriken wo die geschossen werden??

ich habe mit beidem erfahrung (eigene - op, und von bekannten die sich das haben "schiessen" lassen) und kann nur sagen - die implantate die sie in 10 minuten "geschossen" bekommen bleiben ihnen nicht sehr lange, verursachen aber beim "rauswachsen" auch noch unglaubliche schmerzen. aber ja, da ist man auch mit 1000 euro schon dabei.

Stahl_____666
00
30.9.2010, 14:26
.

Na 45 Min. mit Spritze ist eh ok. Der Eingriff selber ist ja nichts aufregendes - Knochen freilegen, Loch bohren, ggf. Knochenmasse reinpopeln, Träger reinschrauben und vernähen.

naihoit
00
29.9.2010, 13:17
Jenseits der 1000,- ?? Weit darüber,

aber für einen VW Golf bekommen Sie einen kompletten (Ober- od. Unter-) Kiefer und ein Fahrrad.

Kontrahent1
10
29.9.2010, 13:10
Es gibt Zahnversicherungen

und mir war ein anständiges Gebiß immer wichtiger als z.B. ein teures Auto oder TV-Gerät.

Mark Syl
011
29.9.2010, 11:06
hm

der artikel führt am wichtigsten vorbei: der leistbarkeit. viele politische geschichten werden so überbewertet. eine der wichtigsten themen sind die zahnarztkosten. ich könnte mir kronen nicht leisten. das schreckgespenst geht mit. einmal ist es dann soweit und man ist verarmt für 1-2 jahre, wenn man das geld überhaupt vorher irgendwie zusammenkratzen kann. ndie paar glücklichen, die sich das leisten können, brauchen mir hier nicht antworten. die meisten können es sich nicht leisten. diese 2-klassengesellschaft ist furchtbar, gerade, wo es um ein so markantes zeichen geht wie schöne zähne. dass die leute in ein nachbarland fahren: kann niemals das politische ziel sein. weshalb überhaupt so teuer? warum zahlt krankenkassa nicht?

sixela
00
30.9.2010, 13:06

Es gibt noch eine Möglichkeit. Die Zahnarztzusatzversicherungen bei privaten Krankenkassen wie der Uniqa. Ja, das kostet monatlich auch ein wenig, aber es zahlt sich 100% aus, wenn man oft zum Zahnarzt muss und teure Behandlungen hat.

Ist jedenfalls besser als jammern. die staatliche Krankenkasse wird auch in 50 Jahren fast niz daz zahlen, weil sie es sich eben nicht leisten kann.

ein Pixel kommt selten allein
02
30.9.2010, 19:20

Die Frage ist nur, ob gerade die, die es brauchen (v.a. die, die schlechte Zähne haben, für die sie oft gar nichts können), überhaupt von den Versicherungen genommen werden.

permanent marker
00
30.9.2010, 09:10

Ich warte schon ein paar Jahre mit dem Implantat und hoffe, dass ich es mir einmal leisten werde können. Aber je länger man wartet, desto mehr schwindet der Kieferknochen (wie oben beschrieben). Gottseidank ist die Lücke beim Sprechen nicht sichtbar.

Meine Eltern haben sich übrigens in Ungarn ein paar Zähne einbauen lassen und sind zufrieden. Aber ich würde mich das nicht trauen.

Fritz Meyer
07
29.9.2010, 10:58
An den Lücken erkennt man die Armut.

Schon eine Schande, wenn der Zahnersatz nicht mehr zur Grundversorgung einer Industrienation gehört.

Und die Preise für bessere Lösungen wären auch erheblich niedriger, wenn das in der breiten Masse durchgeführt werden würde.

Aber so bleibt's "exklusiv" und Luxus.

Krebspatienten für Krebspatienten
111
28.9.2010, 23:45
Krebs (Prävention oder Nachsorge): Raus mit den Implantaten!

DAS stammt nicht von mir, sondern von 90 % aller Ganzheitsmediziner!

Was meinst du dazu?

zb
02
30.9.2010, 07:35
Was der Bauer nicht kennt...

In der Frühzeit der beginnenden Mobilität wurde vor Fortbewegung in Zügen mit mehr als 30 km/h gewarnt, weil man seiner Seele davonführe!
Waren wahrscheinlich auch Ganzheitsmediziner.

marty fink
00
29.9.2010, 14:09
Frage:

1. Welche Ganzheitsmediziner?
-Bitte keine Alternativscharlatane nennen.
2. Welche Studien gibt's dazu?

Danke!

Totaler Durchblicksstrudel
011
29.9.2010, 10:36

Penisverlängerung (Verbreiterung oder Verlängerung): Heilt den Mann!

DAS stammt nicht von mir, sondern von 90 % aller Spammediziner!

Was meinst du jetzt dazu?

permanent marker
00
30.9.2010, 09:11

selten so ein lustiges Posting gelesen!

Hurrrrzn!
13
28.9.2010, 23:13
ein zahnloses Kiefer?

DER Kiefer!!!!

Nicht einmal der Baum ist weiblich.

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