Pharmakonzern plant neues Investitionsprojekt in Österreich

29. April 2003, 17:32
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Boehringer Ingelheim Austria will Krebsforschung weiter ausbauen und ab 2004 ein millionenschweres Forschungsprojekt in Wien umsetzen

Wien - Boehringer Ingelheim will seinem Forschungsstandort für Onkologie in Wien künftig noch mehr Gewicht geben. Wie STANDARD-Recherchen ergeben, soll ab dem nächsten Jahr ein neues Investitionsprojekt im Bereich biologischer Forschung in Wien konkretisiert werden. Der Investitionsumfang soll über 20 Millionen Euro betragen.

Auf Anfrage bestätigt die Pressesprecherin von Boehring Ingelheim Austria, Elisabeth Tomaschko, dass es sich bei dem - eigentlich noch bedeckt gehaltenen - Projekt "um erste Überlegungen handelt, die aber noch nicht im Detail mit dem Konzern-Headquarter abgestimmt seien".

Zugpferd Biotech

Realisiert die Konzerntochter des - am Umsatz gemessenen größten deutschen Pharmakonzerns - ihr Projekt wie geplant, würde damit die Investitionsoffensive im Bereich der Krebsforschung in Österreich fortsetzten. Erst Mitte März dieses Jahres wurde nämlich die biopharmazeutische Produktionskapazität am Wiener Standort Meidling durch einen Aufwand in Höhe von 60 Millionen Euro verdoppelt, wodurch 200 neue, hochwertige Arbeitsplätze geschaffen werden. Nach Brancheneinschätzung wird die gesamte Biotech-Sparte durch ihre hohe Dynamik heuer ein Zugpferd bei den Investitionen der chemischen Industrie sein.

Optimismus

Die Branche konnte sich jedenfalls schon 2002 mit knapp 730 Mio. Euro als Invest-Spitzenreiter profilieren und stellte damit 15 Prozent aller Industrieinvestitionen in Österreich. Entsprechend optimistisch zeigt sich der Chemie-Fachverband für heuer, wo man mit einem Produktionswachstum von durchschnittlich fünf Prozent rechnet. Der Pharmabereich sticht dabei mit einem prognostizierten Plus von 15 Prozent besonders positiv hervor. Zulegen konnten die Chemiebetriebe im Vorjahr auch bei der Exportquote. Mit 70 Prozent wurde ein Plus von 9,1 erwirtschaftet, wobei die Ausfuhrsteigerungen in die USA besonders auf die dortige Nachfrage nach Spezialmedikamenten zurückzuführen ist.

Bürokratischer Aufwand

Die Prognosen für 2003 werden freilich auch von schlechten Wirtschaftsdaten, steigenden Rohstoffpreisen und den Überlegungen der EU für eine vereinheitlichte Chemikalienpolitik getragen. Diese würde derzeit noch "auf einen hohen finanziellen und bürokratischen Aufwand hinauslaufen", heißt es. Während die EU-Pläne frühestens 2005 schlagend werden könnten, wettert Reinhard Ivo, Vorstandsdirektor der Treibacher Industrie AG, über die aktuelle Novelle des Altlastensanierungsgesetzes. Allein in seinem Unternehmen, so Ivo, schlage die neue Müllverbrennungsabgabe samt Verteuerungen bei der betriebseigenen Deponie mit 190.000 € pro Jahr zu Buche. (Monika Bachhofer, DER STANDARD, Printausgabe 30.4.2003)

  • Boehringer Ingelheim Austria, die Tochter des deutschen Pharmariesen, investiert in Wien.
    foto: boehringer-ingelheim

    Boehringer Ingelheim Austria, die Tochter des deutschen Pharmariesen, investiert in Wien.

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