"Wie schmal hier die Bürgersteige sind!"

Lukas Kapeller, 23. September 2010, 10:44
  • Artikelbild
    foto: grüne/spielauer

    "Baut doch den Obi auf den Hofer oben drauf", spricht sich Gretner für kompakteres Bauen aus.

  • Artikelbild
    foto: grüne/spielauer

    Fachmann Seiß: "99 Prozent der Gemeinderäte können Flächenwidmungspläne nicht einmal lesen."

  • Artikelbild
    foto: grüne/spielauer

    Moderatorin Sigrid Pilz: "Stadtplanung ist die in Beton gegossene Philosophie einer Stadt."

  • Artikelbild
    foto: grüne/spielauer

    Einigkeit auf dem Podium: Die Wiener Bürger sollen mehr Einblick in die Bauvorhaben bekommen. Insofern habe Stadtplanung viel mit der demokratischen Kultur einer Stadt zu tun.

Grüne Planungssprecherin Gretner will in Wien "kompakt bauen", eine "demokratischere" Stadtplanung und eine Leerstandsabgabe

Wien - "Stadtplanung ist die in Stein oder Beton gegossene Philosophie einer Stadt", eröffnete Grünen-Gemeinderätin Sigrid Pilz. Als Moderatorin sprang sie für die Wiener Obfrau Maria Vassilakou ein, die einen anderen Wahlkampftermin hatte. Thema des Abends im Museumsquartier: Stadtplanung. Und natürlich: Was kommt, wenn Grün kommt? Pilz: "Damit Sie die Grünen nicht im Sack kaufen."

Die Stadt Wien müsse "kompakt sein", sagte die grüne Planungssprecherin Sabine Gretner, "das meinen wir mit dem Stopp der Zersiedelung." Und: "Bei einer grünen Stadträtin würde es sicher keine neuen Kleingartensiedlungen auf der grünen Wiese geben." Gretner hat eine Reihe von Vorstellungen, wie man den SPÖ-geprägten Status Quo verbessern könnte. Ein paar ihrer Ideen diskutierte sie Mittwochabend unter der Moderation von Pilz mit dem Raumplaner Reinhard Seiß.

Dachflächen bleiben derzeit oft ungenutzt

Ein zentraler Punkt: kompaktes, effizientes Bauen. Wenn sie etwa sehe, wie ein Supermarkt neben einem Bauhaus errichtet werde und für beide je ein Parkplatz, denke sie sich über die SPÖ-dominierte Bauverwaltung: "Baut doch den Obi auf den Hofer oben drauf, aber geht nicht so mit der Stadtfläche um!"

In diesem Sinne spricht sich Gretner auch für eine bessere Nutzung von Dachflächen aus. Die könnte man zum einen begrünen, zum anderen mit Photovoltaik-Anlagen bespielen und so 30.000 Haushalte mit Energie versorgen. Oder die Balkone: Auch dank der Grünen sei es gelungen, dass seit der Neuverhandlung der Bauordnung "diese Idiotie beseitigt ist, dass straßenseitige Balkone verboten sind". Allerdings sind sie auch heute nur dann erlaubt, wenn Vorgärten darunter sind - was Gretner nach wie vor gerne ändern würde.

Flächenwidmungspläne in 3D

Abseits solcher konkret sichtbaren Versäumnisse der Wiener Stadtplanung plädiert Gretner dafür, Bauvorhaben transparenter und demokratischer zu machen. Eine 3D-Darstellung der Flächenwidmungspläne würde dem Durchschnittsbürger helfen, sich selbst in die Planung einzubringen.

"Das leuchtet, glaube ich, den meisten hier ein", fand Raumplaner Seiß fast nur Lob für Gretners Vorschläge. Denn: "99 Prozent der Abgeordneten im Gemeinderat können einen Flächenwidmungsplan nicht lesen, über den sie dann aber abstimmen."

Bürgersteige: Nur wenig Platz für den Bürger

Auch Seiß, Autor des Buchs "Wer baut Wien?", attestiert der Wiener Verwaltung Demokratiedefizite beim Planen und Bauen. Wie mit Freiräumen - in der Stadt sind das in erster Linie Gehsteige - umgegangen wird, sei auch "ein Indikator für die demokratische Gesinnung", sagt Seiß. "Die Wertschätzung einer Stadt für die Bürger spiegelt sich in den Bürgersteigen wider." Und im Vergleich zu anderen Weltstädten sei beklagenswert, "wie schmal die Gehsteige hier sind".

Gretner wies auch auf horrende Finanzsummen hin, welche die Stadt Wien bei Umwidmungen an Private "verschenkt". Wie bereits im derStandard.at-Interview zitierte sie das Beispiel München: Dort gebe es Verträge, die Grundstücksbesitzer im Falle einer Gewinn bringenden Umwidmung dazu zwingen, nur ein Drittel dieses Gewinns einzustreichen und zwei Drittel an die öffentliche Hand abzugeben. Konkretes Beispiel: Am Monte Laa wurden Flächen zu Baugründen umgewidmet - und waren damit über Nacht ein Vielfaches wert.

Gretner fordert "Planwertabgabe"

"Die Umwidmung schenkt einem Privaten etwas, die Stadt trägt aber die Kosten", kritisiert Gretner, die sich im Gespräch mit derStandard.at nicht auf eine Größenordnung festlegen will. "Zwischen einem Drittel und zwei Drittel könnte der Eigentümer von seinem Gewinn abtreten, damit könnten Schulen, Straßen und Kindergärten gebaut werden."

Raumplaner Seiß sieht auch "ein demokratiepolitisches Problem darin, wenn einer 100 Meter höher bauen darf als ein anderer". In den USA müssten Bauherren sogenannte "Air Rights" von den Anrainern ringsum kaufen, wenn sie höher bauen wollen. Viele amerikanische Großstädte seien hier sozialer und demokratischer als das sozialdemokratische Wien.

Hauseigentümer in die Pflicht nehmen

Auch die Wieder-Einführung der sogenannten "Leerstandsabgabe" kann sich Gretner vorstellen. Diese bedeutet, dass Hauseigentümer im Erdgeschoss einen Mieter finden müssen, sonst drohen Strafen. So soll verhindert werden, dass Geschäftslokale leer stehen, vielmehr würde man zur Vermietung anregen.

Die Leerstandsabgabe könnte aber selbst im Falle einer rot-grünen Stadtregierung Wunschdenken bleiben. Als Gretner den Vorschlag einbrachte, habe SPÖ-Bürgermeister Michael Häupl sie eine Marxistin geheißen. (Lukas Kapeller, derStandard.at, 23.9.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 276
1 2 3 4 5 6 7
Elisabeth68
11
20.11.2010, 09:11
Achtung gefährlich

Diese Vorschläge ruinieren den Mittelstand und können nur von Leuten kommen, die auf Friedenszins und ohne Kinder leben!
Wer kann sich den theoretischen Wertzuwachs leisten wenn sein Kleingarten in ganzjährig Wohnen umgewidmet wird? Wetten die Bauträger und Immohai sind da ausgenommen! Das Bevölkerungswachstum auf 2 Mio Einwohner treibt Wien in den Ruin! Da es zu wenige Wohnungen gibt, werden die Preise explodieren. Wir werden verarmen! Die SPÖ und die Grünen als Büttel der Immobilienwirtschaft!

Reinhardt Pivarnik
00
4.10.2010, 03:44

Eine 3D-Darstellung der Flächenwidmungspläne würde dem Durchschnittsbürger

dem/der Durchschnittsbürger/in

Scherz beiseite endlich mal wer der arbeitet
anstatt so zu tun als ob.

baumfreund
00
3.10.2010, 21:50
seiß statt schicker

wäre schon einen versuch wert!

Lionel Hampton
00
3.10.2010, 08:14
Bürger/in sein bedeutet, sich in die eigenen Angelegenheiten einzumischen

Initiative für die Straßenbahn in Wien, u.a. für die 13er Straßenbahn. Unterstützen Sie online!
www.buergerstadtwien.at

Briefmarkenkleber
33
29.9.2010, 22:17
Auf Dächern!

Jetzt ist der gordische Knoten gelöst: Auf Dächern kann man Gras pflanzen und Votovoltaik-Anlagen aufpflanzen. Das hat die Stadt aber schon seit Faymann konsequent gemacht. Wiird laufend ausgebaut, vor allem auf öffentlichen Gebäuden. Klar kann man Panele auch aus Übersee einfliegen lassen und quer durch Europa fahren um die Kapazität noch mehr zu erhöhen - aber den Öko-Fußabdruck will mann dann auch nicht sehen.
Diese Grünen...
Schade, einfach unwählbar.

The Dude
00
30.9.2010, 10:08

Gratuliere, konsequent am Artikel vorbeigemüllt.

Dragshi
11
29.9.2010, 15:12

Die Grünen reden auch nur damit sie ned untergehn.
"Schmale gehsteige"....da greifts da aufs Hirn

kiwi k.
00
1.12.2010, 22:12

Muss heiß sein dort, gö?

Kleiner Tipp für Sie für den Selbstversuch: Einmal mit einem Kinderwagen die Koppstraße vom Gürtel stadtauswärts - und dann erzähln's mal wie weit sie gekommen sind.

aiuto
10
29.9.2010, 12:30
EIGENARTIG,

denn in Graz befasst sich die Lisa Rücker damit, Gehsteige auf Kosten von Radwegen zurückzubauen.
Eine totale Schnapsidee !
Als was für eine Linie haben die Grünen jetzt eigentlich?

daemeth
01
1.10.2010, 15:42

das verkehrskonzept ändern und das radfahren auf der straße sicherer machen...dann können die grünen ruhig verbreiterte gehwege statt den radwegen haben...

Zwerg515
30
29.9.2010, 07:30
Typisch grün und weltfremd

Wenn in Wien der Gehsteig so schmal ist, wundert mich, warum der Fußgängerbereich am Piccadilly Circus nur halb so schmal ist, wie auf der Mariahilferstraße. Ich kann mich aber trotzdem erinnern, daß irgendso ein unabhängiger grüner Stadtphantast trotzdem vor ein paar Jahren meinte, sie wären zu schmal.

Lionel Hampton
00
28.9.2010, 19:29
Bürgerinitiative 'Pro Straßenbahn'

www.buergerstadtwien.at

Wigl Wogl
02
27.9.2010, 12:58
...ich biete eine wohnung in 1090, servitengasse 4...

mit 108m2 und balkon - zu den von den grünen geforderten 7,- euro mietzins pro m2 und monat an - wer ist interessiert ? ach ja was ich vergessen habe, da hat ein opa drin gewohnt die letzten 60 jahre und der mieter müsste die wohnung halt so um die 70.000,- euros renovieren

Briefmarkenkleber
00
1.10.2010, 11:08

Kaufe die Bude für 125.000.- Noch Fragen?

Chocoholic
00
28.9.2010, 12:24
Sie wissen aber eh, daß die 7 Euro für Altbauwohnung nicht erlaubt sind.

Wenn es A Kategorie ist (also nix mit vom Mieter herrichten), dann dürfen Sie maximal 4,60 verlangen. Und wenn es Substandard sind, dann ohnehin irgendwas mit 2 Euro maximal.

The Dude
00
30.9.2010, 10:10

Der Kategoriemietzins wurde vor ca. 20 Jahren abgeschafft.

Chocoholic
00
30.9.2010, 10:31
Nein. Die Kategoriemiete lebt. Sorry, Dude.

The Dude
00
30.9.2010, 10:48

OK, nominell nicht abgeschafft aber bis zur Sinnlosigkeit aufgeweicht. Neunter Bezirk, Servitengasse? Na mal schauen, was können wir denn da für Aufschläge verlangen? Verkehrsgünstig, Grünlage, Ruhelage, gute Nahversorgung etc. etc., von 7 Euro/qm ist dann schnell keine Rede mehr.

Chocoholic
00
3.10.2010, 13:12
Wie hoch sinds denn die aufschläge? 2%,3%

abschlag für Straßenseitig, 25% für befristet, was aber eh mindestens 3jahre sein muß...

kurtmurrt
00
27.9.2010, 21:54
die hausherrn tun mir leid..

.. da haben sie besitz und müssen sich rund um die uhr damit beschäftigen, diesen zu verteidigen.
wohnen darf nicht ware sein!

echtzeit2
00
27.9.2010, 14:55
... und wohin sind die Mieterträge der letzten 60 Jahre hinverschwunden ...

Chocoholic
00
28.9.2010, 12:25
die 1 Euro pro m2?

Wigl Wogl
00
27.9.2010, 20:31
...damit habe ich mir eine ferienwohnung in mallorca und eine in kitzbühel gekauft....

Louis De Funes
19
26.9.2010, 17:18
Bürgersteige?

In Wien gibt es einen Gehsteig, auch als Trottoir bekannt, aber keine Bürgersteige.

Eva Ulrich
05
28.9.2010, 06:53

Mich wunderts, dass es keine BürgerInnensteige sind.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 276
1 2 3 4 5 6 7

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.