Strache vermittelt Jugendlichen das Gefühl, sie ernst zu nehmen - Das müssen sich die anderen von ihm abschauen
Je jünger die Wahlkämpfer, desto drastischer ihre Versuche, ein bisschen Aufmerksamkeit zu bekommen. Die Junge VP setzt auf die Werber-Weisheit "Sex sells" und schickt "Geilomobile" und "Geilmacher" durch die Stadt; SP-Jugendwahlkämpfer Peko Baxant vergleicht den Wien-Wahltag gar mit der Schlacht von Stalingrad: "Entweder schlagen wir die Nazis zurück, oder sie überrollen uns."
Dabei sind die Jungen gar nicht so politikverdrossen, dass man sie mit Kampfrhetorik und nackten Tatsachen anlocken müsste. Sie sind Politiker-verdrossen - weil sie hohe Ansprüche haben: Politiker sollen aus Sicht der Jugend etwas bewegen, authentisch und ehrlich sein, doch das gelingt diesen nur allzu selten. Dazu kommt, dass den jungen Leuten das Rüstzeug fehlt, um politische Vorgänge und Medienberichte zu verstehen, weil die politische Bildung in den Schulen unterentwickelt ist.
Einzig die Freiheitlichen scheinen alles richtig zu machen, die Hälfte der Befragten in einer aktuellen Jugendstudie wertet sie als jüngste Partei. Das sollte vor allem den berufsjugendlichen Grünen zu denken geben, die in diesem Ranking nur auf 15 Prozent kommen. Auch wenn Inhalte und Stil von FP-Chef Heinz-Christian Strache bestimmt nicht vorbildlich sind: Er vermittelt Jugendlichen das Gefühl, sie ernst zu nehmen. Zumindest das müssen sich die anderen von ihm abschauen, wenn sie die jungen Wähler nicht dem blauen Populisten überlassen wollen.
(Andrea Heigl, DER STANDARD, Printausgabe, 22.9.2010)