Erste Ergebnisse vom CMS-Experiment überraschen Fachwelt

22. September 2010, 17:30
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    Der Detektor des CMS-Experiments am CERN.

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    Beispiel einer Proton-Proton-Kollision im CMS-Detektor bei 7 TeV Energie, in der mehr als 100 geladene Teilchen erzeugt wurden.

Large-Hadron-Collider-Experiment mit österreichischer Beteiligung liefert aufsehenerregende Daten

Genf - 16 Jahre lang hat man am Compact Muon Solenoid (CMS) gebaut, einem hochhausgroßen Detektor des Large Hadron Collider (LHC) am Cern in Genf. Nun wurden die ersten Resultate des riesigen Instruments, an dessen Konstruktion auch österreichische Forscher maßgeblich beteiligt waren, publiziert. Und diese Resultate lieferten eine ordentliche Überraschung.

In ihrer gestrigen Publikation berichtet die CMS-Kollaboration nämlich über Anzeichen eines bislang nahezu unbekannten Phänomens in Proton-Proton-Kollisionen. Bei Kollisionen mit den jetzt erreichbaren höchsten Energien und bei Ereignissen mit "hoher Multiplizität", in denen hundert oder mehr elektrisch geladene Teilchen gleichzeitig produziert werden, wurden Verknüpfungen zwischen gewissen Teilchenbahnen gefunden, wie sie bei Protonen-Kollisionen noch nie gesehen wurden.

Guido Tonelli, der Sprecher des CMS-Experimentes erklärte in einem speziell einberufenen Seminar den Kollegen im CERN und den weltweit per Videokonferenz zugeschalteten Physikern: "Wir haben zwar aktiv nach einem solchen Phänomen gesucht, aber sein Auftreten bei Proton-Proton-Kollisionen kam dennoch unerwartet und ist deshalb äußerst interessant. Mehr Daten werden den Ursprung dieses Effekts ergründen lassen. Diese Beobachtung stellt die Stärke und die Vielseitigkeit des CMS-Detektors unter Beweis, ebenso wie die Qualität der Physiker, die ihn verwenden. Wir befinden uns jetzt auf dem Weg, Schritt für Schritt das neue Territorium zu erforschen, das LHC eröffnet hat."

Christian Fabjan, Direktor des Instituts für Hochenergiephysik der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW), umreißt den speziellen österreichischen Beitrag zur aktuellen Entdeckung: "Der Silizium-Spurdetektor von CMS und die Auswahlelektronik, welche für die Selektion der Ereignisse verantwortlich ist, sind wesentliche Komponenten für diese Messung. Das Institut für Hochenergiephysik hat entscheidend zur Entwicklung und dem Bau dieser Systeme und der Analyse der Daten beigetragen."

Die am CMS-Experiment unerwartet gefundenen Strukturen erinnern an solche, die am amerikanischen Schwerionenbeschleuniger RHIC (Relativistic Heavy Ion Collider) beobachtet wurden. Gerade wegen der Unterschiede zu den entsprechenden Ergebnissen bei Protonen-Kollisionen wurden diese als charakteristisch für die dort mögliche Produktion von Quark-Gluon-Plasma, einer neuartigen extrem heißen und dichten Materieform, interpretiert.

Weltweites Interesse

Die neuen Ergebnisse stoßen daher auf weltweites Interesse von theoretischen Kern- und Teilchenphysikern und sind auch von unmittelbarer Bedeutung für die Forschungsaktivitäten der Gruppe um Anton Rebhan, Institut für Theoretische Physik der Technischen Universität Wien, die sich mit der Theorie des Quark-Gluon-Plasmas beschäftigt.

Rebhan schätzt die neuen Daten von CMS als sehr bedeutsam und vielversprechend ein: "Derartige Muster in den Teilchenverteilungen wurden vorher nur in hochenergetischen Schwerionenkollisionen gesehen, bei denen Quark-Gluon-Plasma produziert wurde." Solche Kollisionen, allerdings bei viel höheren Energien als bisher machbar, sind am Ende dieses Jahres auch am LHC geplant.

Hypothetischer Vorläufer des Quark-Gluon-Plasmas

"Eine mögliche Erklärung dieses Phänomens ist, dass diese Strukturen einen Zustand noch vor der Erzeugung des Quark-Gluon-Plasma widerspiegeln", meint der TU Wien-Physiker. Ein zu solchen Strukturen passender hypothetischer Vorläufer des Quark-Gluon-Plasmas wird in der theoretischen Physik tatsächlich seit einiger Zeit diskutiert und manchmal als "Glasma" bezeichnet, aber niemand kam auf die Idee, dass es in Protonenkollisionen auf diese Weise beobachtbar werden könnte.

"Die hohen Energien und Teilchendichten des LHC machen es offenbar möglich, einen relativ direkten Blick auf diesen komplexen und faszinierenden Materiezustand zu werfen, der praktisch rein aus stark wechselwirkenden Gluonen besteht", vermutet Rebhan. (red)

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Posting 1 bis 25 von 172
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raff1
04
23.9.2010, 17:23
Wahnsinn,

Die Entwickler der Windows-Bildschirmschoner wussten es schon vor Jahren.

randolf
01
23.9.2010, 15:58
Ja ja

Ok, kann mir irgendwer die Sensation die sich hinter der Euphorie der Physiker verbirgt erklären? Der Journalist konnte es nicht, der hat das was ihm irgendwer aufgesagt hat, so wieder niedergeschrieben...

P.S. Einen Artikel zu verfassen, den nur ein ganz eingeschrängter Teil der Menschheit überhaupt verstehen kann, macht selbst in einer Fachzeitschrift nur begrenzt Sinn...

herr cooles
08
23.9.2010, 18:35
also...

grundsätzlich wurde diese Korrelation (die alle so erregt) schon einmal am RHIC (Beschleuniger in USA) beobachtet. Diese Beobachtungen werden als gutes Indiz für die Existenz eines neuen, bisher nur von der Theorie vorhergesagten, Materiezustandes (Quark Gluon Plasma) angesehen. Diese Form der Materie ist quasi eine Flüssigkeit aus Gluonen (die sonst die Protonen und Neutronen im Atomkern zusammen halten)
Da die beobachtete Korrelation zwischen den Teilchen noch kein Beweis für die Existenz von Quark Gluon Plasma ist will auch niemand offiziell von einer Entdeckung sprechen... daher der schwammig formulierte Artikel.

Plinius
133
23.9.2010, 15:35
bisher konnte noch niemand...

...darlegen woran denn nun "geforscht" wird. Die Behauptung dass es wichtig wäre, nun ja...

Irgendwie kommt mir das so vor als wenn es Kaffeesudlesen wäre, oder noch schlimmer als ob sich, wie vor Jahrhunderten, Doktoren als Vögel verkleiden um der Pest zu entgehn, aber den langen Stock, hier eben der Teilchenbeschleuniger, den habe sie schon...

Mstr.'.Ito.'.
00
27.9.2010, 20:37

Natürlich kann keiner genau sagen, woran am CERN geforscht wird. Schließlich geht es offiziell um eine neue Physik, die nötig ist, um einige Probleme der aktuell widersprüchlichen physikalischen Weltbilder zu lösen.
Wüssten wir bereits woran sie forschen, wäre damit ergo das gesamte Experiment sinnlos.

Onkel Tom´s Hütte
00
27.9.2010, 08:02
Selber googeln....

...anstatt zu herumzumosern wär eine echte Alternative. Was spricht dagegen? Ach ja: nix!

Abgesehen davon gibts sehr viel an Öffentlichkeitsarbeit vom LHC - inkl. Fernsehbeiträge. Aber wenn man gewohnt ist, sich passiv hinzusetzen und berieseln zu lassen, kriegt man natürlich nix davon mit. Ein klitzekleinbisschen Eigeninitiative darf man von einem "Interessierten" schon erwarten.

*wonders*

Plinius
31
27.9.2010, 12:47
die wirklich wichtige Frage gilt es dennoch zu klären,...

...denn macht es wirklich Sinn kleinste Teilchen aufeinanderzuschießen und aus der Teilchenwolke (also dem Schrott) darauf zu schließen, woraus die Welt besteht. Irgendwie kommt es mir so vor als ob man versuchen würde, ich versuch es mit einem bildhaften Vergleich, ob man also veersuchen würde zwei Kokosnüsse aufeinanderzuschie0en und aus dem fein verteilten Trümmern Rückschlüsse darauf zu gewinnen wie denn nun die Struktur aussah die diese Teilchen produzierte. Oder als ob zwei PKW mit hoher Geschwindigkeit frontal aufeinanderprallen und aus dem Trümmerhaufen versucht wo die Fabrik stand wo die Schrottteile produziert wurden...

Onkel Tom´s Hütte
00
27.9.2010, 14:58
"macht es wirklich Sinn kleinste Teilchen aufeinanderzuschießen "

Ja, macht es. Und zwar deswegen, weil man dadurch herausfinden kann, aus was diese Teilchen bestehen, bzw. wie die einzelnen Bausteine miteinander zusammenhängen. Es gibt ein sehr gutes Standardmodell der Teilchenphysik, das gewisse Vorhersagen über die Baisteine und deren Zusammenhänge macht. Das lässt sich dadurch überprüfen.

yomellamo
015
24.9.2010, 09:30

darf ich in namen aller hochenergiephysiker um verzeihung bitten, dass alle Vortraege ueber das Thema in oeffentlichen Raeumen zb auf universitaeten usw. stattfinden und bisher keine Delegation fuer einen Privatvortrag zu ihnen nach Hause gekommen ist.

Plinius
33
24.9.2010, 17:03
reden sie nicht flapsig herum,...

...es hätte ja ausgereicht in einer populärwissenschaftlichen Sendung im TV einiges davon dem interessierten Publikum vorzustellen!

Cayenne69
03
27.9.2010, 12:57

Solche Sendungen bringen aber keine Einschaltquoten, desshalb kümmern sich solche Sendungen auch lieber um den größten Döner der Welt...

anonym4
00
7.11.2010, 22:43

solche sendungen könnten im rahmen des bildsauftrag vom öffentlich rechtlichen wahrgenohmen werden.

aber lieber chili als atome..

Tobo
02
27.9.2010, 12:44

Diese Sendungen sind leider mit wichtigeren Themen beschäftigt, wie zum Beispiel: "Wie macht man das größte Schnitzel Deutschlands?".

Plinius
01
27.9.2010, 12:50
Populärwissenschaft,...

...auf niedrigstem Niveau eben. Aber leider stimmt ihre Beobachtung!

yomellamo
07
24.9.2010, 17:34

ich moechte im namen der hochenergiephysiker um verzeihung bieten, dass die entsprechenden populaerwissenschaftlichen sendungen im TV nicht aufgenommen und ihnen per DVD nach Hause geschickt wurden.

gaux0815
05
24.9.2010, 01:24

Legen sie sich einen anderen Nick zu.

So ignorant war Plinius (egal welcher) sicher nicht.

Plinius
01
24.9.2010, 17:05
weder ignorant, noch...

...desinteressiert, aber schon jemand der ein wenig Durchblick gewinnen möchte. Ihr posting hat dazu nichts beigetragen.

Plinius
00
24.9.2010, 22:21
Jetzt Danke!

war hilfreich.

Wirtschaftshierbleiber
03
24.9.2010, 00:40

Vielleicht werden durch diese Forschung die 70 Zoll Fernseher beim Mediamarkt billiger.

rapidfans.at
03
23.9.2010, 22:24
im übrigen war die 'vogelverkleidung'

im mittelalter tatsächlich wichtig für die ärzte. der schutzanzug erinnterte wegen des langen schnabels an einen vogel. dieser schnabel diente dazu, den mund des arztes vor den tröpfchen (spucke) der infizierten zu schützen. dieser aufzug sollte nicht den patienten heilen, sondern den arzt schützen.

Plinius
10
23.9.2010, 22:30
nur genützt...

hat diese Verkleidung wenig. Die "Doktoren" benützten das Kostüm aber deshalb, weil Vögel nie an der Pest erkrankten. Deshalb meinten sie der Azfzug würde auch ihnen helfen...

au contraire
02
24.9.2010, 12:19

Vielleicht auch ein Fall von "form follows function"?

Die werden schon g'wusst haben, dass sie ebsser auf Abstand bleiben sollten und sich halt überlegt haben, wie man einen "Abstandshalter" am besten und unauffälligsten in ein Kostüm integrieren kann. Dazu noch ein bisserl Aberglaube und fertig ist der Arbeitsanzug im Vogel-Look.

Luk91
02
23.9.2010, 18:16
Wenn man weiß wo nach man sucht hat sich die Suche ja schon erübrigt.

Die grösten Entdeckungen in der Geschichte sind fast immer durch Zufall entstanden. Was man in CERN alles entdecken wird ist unklar. Und selbst wenn man nicht das findet was man erwartet ist es trotzdem klug es zu versuchen.

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