Uneinigkeit im Rückgabebeirat

  • Eine Ausfuhr wäre untersagt worden: Egon Schieles "Mutter mit zwei Kindern III".
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    Eine Ausfuhr wäre untersagt worden: Egon Schieles "Mutter mit zwei Kindern III".

Der Fall Jenny Steiner: Entscheidung wieder vertagt

Wien - Der Kunstrückgabebeirat unter dem Vorsitz von Clemens Jabloner konnte sich auch in seiner Sitzung am Mittwoch nicht zu einer Empfehlung bezüglich des Gemäldes Mutter mit zwei Kindern III von Egon Schiele aus der Sammlung Jenny Steiner entschließen.

Im Oktober 2000 wurde, wie berichtet, die Rückgabe nicht empfohlen, da die Österreichische Galerie das Gemälde 1951 von Jenny Steiner bzw. von deren Tochter Anna Weinberg kaufte. Zudem war kein Ausfuhrverfahren nachzuweisen. Aufgrund der Novelle des Rückgabegesetzes 2009 beschäftigte sich der Beirat erneut mit dem komplexen Fall. Zu einer Entscheidung kam er aber bisher nicht. Am Mittwoch wurde lediglich beschlossen, einen "Gesamtbericht mit allen Daten, Fakten und Argumenten für und gegen eine Rückgabe" bis zur Sitzung am 8. Oktober zusammenzustellen.

Die Idee des Beirats, die Kulturministerin selbst möge auf Basis des Berichts eine Entscheidung fällen (sie ist laut Gesetz zur Restitution ermächtigt) oder das weitere Procedere bestimmen, wurde von Claudia Schmied sogleich abgelehnt: Sie erwartet, wie sie in einer Presseaussendung mitteilte, "ab dem 8. Oktober die Empfehlung des Beirats auf Grundlage des Kunstrückgabegesetzes".

Am Mittwoch revidierte der Beirat seine Entscheidung bezüglich Jakob Alts Die Cholerakapelle bei Baden (1832): Er sprach sich nun doch für eine Rückgabe an die Erben nach Ludwig Neurath aus. Es konnte der Nachweis erbracht werden, dass es sich bei diesem Werk, das sich in der Österreichischen Galerie befindet, um jenes Ölgemälde aus dem Eigentum Neuraths handelt. Zurückzugeben sind zudem zwei Silberleuchter aus dem MAK an die Erben nach Isak Wunderlich, der diese zwangsweise an das Dorotheum abgeliefert hatte. (trenk/ DER STANDARD, Printausgabe, 23.9.2010)

 

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2 Postings
"eine ausfuhr wäre untersagt worden"

wie weit ist eine-ev-ausfuhruntersagung mit der frage einer restitution verbunden. Die aussuhruntersagung galt doch generell für kunstgegenstände von "nationalem interesse" und entsprach damligem recht. Aus ägypten z.B dürfen derzeit auch keine antiken kunstgüter, zuindest offiziell, ausgeführt werden, genauso wie in vielen anderen ländern. Weshalb sollte das nun ein argument in zusammenhang mit restitution von enteignetem/arisiertem vermögen sein?

Dem stimme ich zu!

Nimmt man in diesem Fall ein eventuelles, "drohendes" Ausfuhrverbot als Basis für die Entscheidung, hat das jedenfalls weitreichende Konsequenzen für die Zukunft. Dann wäre jegliches Ausfuhrverbot ein Grund für Restitution bzw. das Rückgängigmachen eines Kaufs. Gerechtigkeit hat für alle zu gelten! Ein tatsächliches Ausfuhrverbot bringt den Verkäufern wohl in vielen Fällen einen deutlichen finanziellen Verlust.

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