Nokia will mit Android nichts zu tun haben

Vanjoki: Auf Android zu setzen sei wie "in die Hosen zu pinkeln", um es im Winter warm zu haben

Während Handy-Hersteller wie HTC, Samsung, Motorola und Sony Ericsson mittlerweile massiv auf Googles offenes Betriebssystem Android setzen, hält Nokia weiterhin an Symbian fest. Auf der Nokia World präsentierte das Unternehmen vergangene Woche neue Smartphones, die sich der wachsenden Zahl der Androiden entgegenstellen sollen. Allen voran hofft Nokia mit dem Flaggschiff N8 einen starken Mitbewerber gegen Android und iPhone ins Rennen zu schicken. Tester und Beobachter sind jedoch skeptisch. Immer öfter ist in der Branche zu vernehmen, dass Nokia mit einem Wechsel zu Android besser beraten wäre. Doch dieser Vorschlag stößt den Finnen mehr als sauer auf.

"Wie in die Hose zu machen"

Handy-Hersteller, die Android verwenden, seien wie finnische Burschen, "die in ihre Hosen pinkeln", um sich im kalten Winter warm zu halten, zitiert die Financial Times (FT) Anssi Vanjoki, Nokias Chef der Smartphone-Abteilung. Schon bei früheren Gelegenheiten wehrte sich Nokia vehement dagegen auch nur in Erwägung zu ziehen, Android statt Symbian zu verwenden. In einem früheren Gespräch mit dem WebStandard weigerte sich Alexander Oswald, Marketing Manager Nokia Alps South East Europe, zu dem Thema überhaupt einen Kommentar abzugeben.

Keine Abgrenzung zur Konkurrenz

Vanjoki ist der Meinung, dass der Einsatz von Android den Herstellern nur eine kurze Entlastung bringe. Auf längere Zeit gesehen würden die Unternehmen erneut mit sinkenden Einnahmen zu kämpfen haben, da sich ihre Produkte zu wenig von der Konkurrenz abheben würden. Das versuchen die Hersteller mit eigenen User Interfaces und Services zu verhindern. Gleichzeitig zur Nokia World präsentierte etwa HTC zusammen mit seinen neuen Smartphone Desire HD und Desire Z neue Services, die Apples MobileMe Konkurrenz machen sollen.

N8: Schwächen bei der Usability

Nokias Probleme werden von Testern und Beobachtern allerdings ebenfalls bei der Software verortet. So sticht das neue N8 zwar mit einer 12-Megapixel-Kamera mit Carl Zeiss-Linse und Multimedia-Funktionen hervor, doch Symbian 3 kann nicht überzeugen. Laut FT-Testerin Mary Watkins ist Symbian 3 komplizierter und weit weniger intuitiv zu bedienen als etwa iPhone und viele Android-Rivalen. Das N8 soll im Oktober auf den Markt kommen.

Manager gegangen

Im Weihnachtsgeschäft wird sich zeigen, ob Nokia mit dem N8 und den anderen Symbian-Smartphones E7, C6 und C7 die Android-Konkurrenz - vor allem in der mittlere Preisklasse - austechen kann. Anssi Vanjoki wird sich für einen weiteren Flop allerdings nicht mehr rechtfertigen müssen, denn er wird das Unternehmen innerhalb des nächsten sechs Monate verlassen. Konzernchef Olli-Pekka Kallasvuo wurde bereits durch Stephen Elop abgelöst. (br/derStandard.at, 22. September 2010)

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