Die braucht der Fidler zwischen den Medientagen und der ORF-Programmpräsentation - Abhilfe kommt aus Texas
Fleisch! Ahaa! sollte dieser Eintrag ins Fresstagebuch ursprünglich heißen. Aber hätten Sie da Flash Gordon von Queen im Ohr gehabt? Ich war skeptisch. Zudem: "Saviour of the Universe"? Ganz im Gegenteil: Fleischkonsum bringt uns ja noch alle um. Entnehme ich nicht nur "Tiere essen" von Herrn Foer, von dem ich noch immer nur Seite 66 gelesen habe.
Fidler will Blut sehen
Das liegt vor allem daran, dass dieser September zum Brechen, um nicht zu sagen: Erbrechen, voll war mit Terminen, wie schon lange kein September mehr, gefühlt jedenfalls. Man kommt vor lauter Medien kaum noch zu den Mahlzeiten. Besser so, sagt nun die Vegetarierfraktion wohl zu Recht - oder eben genau nicht. Denn: Nach gefühlten 13 Stunden Medien-Tagen (nein, das beliebte STANDARD-Wortspiel zum Thema verwende ich hier ganz bewusst nicht!) und in bedingt freudiger Erwartung einer ORF-Programmpräsentation - da brauch' ich was Handfestes.
Ich könnte natürlich auch schreiben: Da brauche ich frisches Fleisch. Oder: Da muss ich Blut sehen. Aber was sollen Sie von mir denken? Wiewohl beides nicht falsch wäre (wobei mir schon klar ist, dass blutige Steaks nicht wirklich blutig sind).
Dass ich Fleisch und Blut gebraucht habe, realisiere ich erst, als ich in der Wiener Stadthalle (wo die Medien vorige Woche ihre Tage hatten) Herrn "Fleisch ist mein Gemüse" Bruckenberger nach gefühlten 14 Stunden voller gut getrockneter Graham-Schinkenweckerl und tagender Medien um Hilfe angefleht hatte: Wo kann man sich hier in der Stadthallengegend für kommende Aufgaben stärken?
Solidarität mit Rauchern
Bruckenberger weiß auf alles eine Antwort. Hier murmelt er etwas, das wie Arzberger, Hütteldorfer rauf, Toni Fritsch, weißt eh, Österreicher im Super-Bowl-Team, klang. Hätte ich nicht Steaks herausgehört (keine Überraschung bei dem Herrn) und schon sehr super, ich hätte gezweifelt, ob ich das Texas Steak House von Ludwig Berger wirklich betreten soll. Dabei ist allein die fensterlose Raucher-Bar im Keller, direkt hinter den Klos, sehenswert. Da fängt man aus purer Solidarität wieder zu pofeln an.
Wo wir schon auf den Abwegen vom Guten, Wahren und Schönen sind: Viel wesentlicher ist natürlich, man wirft an dieser Stelle alle Bekehrungsüberlegungen zum Vegetariertum und zur ökologischen Nahversorgung über Bord und dazu vielleicht vorübergehend auch das Grünbuch von Herrn Foer, aber das halt so, dass man's nachher wieder findet auf der Hütteldorfer Straße. Eh wenig Gefahr, dass das Grünbuch hier geklaut wird, scheint mir, aber das ist wohl wieder so ein alles andere als korrektes Vorurteil.
Sportler-Steak - aber ohne Zentrifuge
Immerhin, a propos Grün: Ich wähle das "Sportler Steak". Das wusste ich allerdings erst, als ich ein Filetsteak* geordert hatte, aber bitte ohne Ofenkartoffel, weil Ofenkartoffel kann ich gar nicht haben, und dann noch etwas von Salat gemurmelt. Sportler Steak (ich würde da ja einen Bindestrich setzen, aber ich spreche weder Texanisch noch Hütteldorferisch) heißt, in Abwandlung zu Herrn Bruckenberger: Fleisch freut mein Gemüse.
Also: 230 Gramm Filetsteak aus Übersee (soviel zur ökologischen Nahversorgung) plus englisches (im übertragenen Sinne) Gemüse, also gedämpfte Stimmung, wenig Würze, aber hier geht's ja ohnehin nur um ein bisschen Deko zum Bruckenberger-Credo.
Und endlich fühle ich mich verstanden. Ich ordere die unterste Stufe in der Verwertungskette - also das Fleisch bitte möglichst roh, aber warm (und meine natürlich ofen- und nicht kuhkörperwarm, gell, so mag ich nur die Milch). Genau so kommts, und genau so schmeckt's. Kein Firlefanz (bis auf die Butter, aber bitte). Roh, warm, rot. Wie man's halt braucht. Nicht nur, aber jedenfalls auch zwischen Medientagen und ORF-Präsentation.
Das grüne Buch find ich schon wieder. Versprochen.
* PS: 500 g T-Bone hätten mich nach gefühlten 15 Stunden tagender Medien überfordert. Aber ausgeruht sind die noch eine echte Option. Nach dieser erfreulichen Aufwärmrunde.
PPS: Bei Artner in 1040 wird auch ordentlich Fleisch gegrillt, berichten mir meine Gastroscouts. Allerdings zweifeln sie ernsthaft an der Harmonie von Grammaturen in der Karte und auf dem Teller, wobei sie die Fleischqualität schon sehr, sehr okay fanden. Vielleicht vergleichen wir einmal.
Schmeck's ist keine professionelle Lokalkritik. Harald
Fidler und Freunde schildern hier ihre Erlebnisse beim Essen und Trinken. Als
Dilettanten im Wortsinn: Laien, Amateure, Nichtfachleute, die eine Sache um
ihrer selbst willen ausüben - also zum reinen Vergnügen. Was nicht immer
gelingt.