Junge finden Blau cool, wählen aber Rot

Wiener Jungwähler: SPÖ liegt klar vorne, Grüne auf Platz Zwei - Strache-FPÖ schneidet bei Schülern und Studenten schlecht ab

Die Parteien haben eigene Jugendkampagnen, um die Jungwähler anzusprechen. Mit Raps, Comics oder Clubbings versuchen sie zu überzeugen. Das Institut für Jugendkulturforschung hat im Vorfeld der Wiener Gemeinderatswahlen die Erstwähler nach ihren Parteipräferenzen und ihrer Wahlentscheidung befragt. Per Online-Umfrage wurden zwischen 1. August und 5. September 321 Jugendliche im Alter zwischen 16 und 19 Jahren um Antworten gebeten.

Die Studie liefert nicht unerwartete Ergebnisse. Vor allem eines wird klar: die FPÖ ist die Jugendpartei. Fast 50 Prozent aller Jungwähler finden, dass die Freiheitlichen das Image am ehesten verkörpern. "Der Mythos lebt, die FPÖ hat einen Jugendappeal", erklärt Bernhard Heinzlmaier vom Institut für Jugendkulturforschung. Die SPÖ halten 26 Prozent für eine Partei, die bei Jugendlichen zieht. Die Grünen kommen auf einen Wert von 15 Prozent, die ÖVP auf 6 Prozent.

Für Heinzlmaier liegt das Jugend-Image der FPÖ am Spitzenkandidaten Heinz-Christian Strache und dessen Umfeld, das sich locker und jugendlich gibt. Die FPÖ sei eine unpolitische Partei, die aber authentisch ist. Gleichzeitig sei sie aber in einem bestimmten Milieu gefangen und es sei schwer für die Partei, über ihr Stammwählerpublikum hinaus zu kommen. "Das wird der Partei auch zum Verhängnis", so Heinzlmaier.

SPÖ und Grüne vor FPÖ

Bei der tatsächlichen Wahlentscheidung liegen die SPÖ und die Grünen deshalb auch vor der FPÖ. Der SPÖ wollen 35,8 Prozent ihre Stimme geben, den Grünen 19,8 Prozent. Auf Platz drei kommt die FPÖ mit 12,8 Prozent. Die ÖVP wollen 11,9 Prozent wählen, die KPÖ 1,3 Prozent. 17,5 Prozent der Jugendlichen wollen sich noch nicht äußern bzw. halten ihre Wahlentscheidung geheim. Heinzlmaier merkt an: "Die FPÖ-Wähler halten sich natürlich zurück." Er will nicht ausschließen, dass das tatsächliche Wahlergebnis der FPÖ über dem genannten Wert liegt. "Viele ihrer Wähler stehen nicht zu FPÖ, weil es ihnen peinlich ist", so Heinzlmaier.

Bei genauerer Betrachtung der Daten machen sich Milieu-Unterschiede bemerkbar. So wollen die bildungsferneren Schichten, also die Lehrlinge und Berufsschüler, ihre Stimmen in erster Linie der SPÖ und der FPÖ geben. Die Grünen haben in diesem Bereich so gut wie keine Chancen. Gleichzeitig schneidet die FPÖ bei den Schülern und Studenten verhältnismäßig schlecht ab. Heinzlmaier erklärt die unterschiedlichen Präferenzen der Lehrlinge auf der einen Seite und der Schüler auf der anderen Seite mit ihrem unterschiedlichen Interesse an Politik. Bei Lehrlingen etwa würden in erster Linie Ergebnisse zählen. Sie interessieren sich nur dann für Politik, wenn sie sich eingeschränkt fühlen. Schüler seien auch am allgemeinen Diskurs orientiert.

Häupl und Strache am bekanntesten

Hohe Bekanntheitswerte genießen unter den Wiener Jugendlichen nur zwei Politiker: Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) und sein Herausforderer Strache. Beide sind über 90 Prozent der Jugendlichen ein Begriff. Deutlich abgeschlagen die weiblichen Spitzenkandidatinnen von ÖVP und Grünen. Christine Marek kommt immerhin noch auf 68 Prozent Bekanntheitsgrad, Maria Vassilakou nur auf 32 Prozent. Heinzlmaier findet das dafür, dass Vassilakou seit Jahren an der Spitze der Grünen steht "erschreckend".

Für einen geeigneten Bürgermeisterkandidaten halten die Jungwähler am ehesten Häupl (50 Prozent). Strache hingegen sehen nur rund 12 Prozent als geeignet in dieser Rolle an. Heinzlmaier: "Auch die Jugendlichen wollen keine Experimente, sondern ziehen einen 'gestandenen' Bürgermeister vor."

Migration, Arbeitsmarkt und Bildung

Themen, die bei den Jugendlichen von Interesse sind, sind in erster Linie Migration, Arbeitsmarktpolitik und Bildung. Migration wird nicht nur von der negativen Seite als Thema angesprochen, sondern vielen ist es auch ein Anliegen, dass das Zusammenleben funktuioniert, so Heinzlmaier.

Entschieden, dass sie bei der Wahl am 10. Oktober teilnehmen werden, haben schon zwei Drittel der Wiener Jugendlichen. Ein Drittel weiß es noch nicht bzw. wird nicht zu Wahl gehen. Die Teilnahmebereitschaft ist in den bildungsnahen Schichten höher als in den bildungsfernen: Mehr als 70 Prozent der Schüler und Studenten wollen zur Wahl gehen. Bei den Lehrlingen und Berufsschülern sind es nur rund 58 Prozent. Mädchen zeigen ein größeres Interesse, sich an der Wahl zu beteiligen als junge Männer.

Wen die Jugendlichen wählen werden, wissen vor allem schon die Lehrlinge genau. 79,4 Prozent sind sich in ihrer Entscheidung schon sicher.

2005: SPÖ Nummer eins bei Jungwählern

Auch bei der Wien-Wahl 2005 durften die Jugendlichen schon im Alter von 16 Jahren an der Wahl teilnehmen. Das Institut SORA veröffentlichte damals eine Nachwahlanalyse über das Verhalten der 16- bis 18-Jährigen. 700 wahlberechtigte Jugendliche wurden befragt. Das Ergebnis war ähnlich wie jenes der eben dargestellten Studie und es zeigte sich, dass die Jugendlichen in höherem Ausmaß SPÖ und Grüne wählten als die Gesamtbevölkerung. Fast drei Viertel (72 Prozent) aller Jugendlichen wählten eine der beiden Parteien.

Die SPÖ war mit 46 Prozent bei den 16- bis 18-Jährigen eindeutig die stärkste Partei. Beim Wiener Gesamtergebnis kamen sie auf 49 Prozent. Die Grünen bekamen bei den Jugendlichen ein Viertel (26 Prozent) aller Stimmen und schnitten deutlich besser ab als bei der restlichen Wiener Wahlbevölkerung (Gesamt 15 Prozent). ÖVP und FPÖ lagen mit 16 und 11 Prozent hinter dem Ergebnis der Gesamtbevölkerung zurück.

Lehrlinge wählten anders als Schüler

Starke Unterschiede gab es 2005 auch schon beim Wahlverhalten zwischen Schülern und Lehrlingen. 57 Prozent aller Lehrlinge und Berufsschüler gaben ihre Stimme der SPÖ. Die Grünen schnitten bei den AHS-Schülern am besten ab. Die FPÖ kam bei der Gruppe der Lehrlinge auf 22 Prozent der Stimmen. Beim Wiener Gesamtergebnis kamen sie auf 15 Prozent.

60 Prozent der Erstwähler sind 2005 zur Wahl gegangen. Der häufigste Grund, warum die Jungwähler von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht haben, war laut Befragungen die Integrationspolitik. (Rosa Winkler-Hermaden, derStandard.at, 22.9.2010)

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