"Man wird sich an uns gewöhnen"

Sigi Lützow
21. September 2010, 17:47
  • Marcel Schreter hat das Spielgerät beim 3:0 in Wien gegen die Austria fest im Blick.
    foto: apa

    Marcel Schreter hat das Spielgerät beim 3:0 in Wien gegen die Austria fest im Blick.

Aufsteiger und Leader Innsbruck verblüfft die Bundesliga und mit ihm verblüfft Marcel Schreter als Torschütze vom Dienst

Standard: Können Sie sich an Ihr Debüt in Österreichs höchster Spielklasse erinnern?

Schreter: Ja, das war im Sommer 2004 nach unserem ersten Aufstieg mit Wacker. Wir haben in der dritten Runde 0:0 in Salzburg gespielt, noch gegen die alte Austria. Ich wurde in der zweiten Hälfte eingewechselt.

Standard: Damals hatte Wacker nach sechs Spielen neun Punkte, die Saison wurde mit 44 Zählern anständig an sechster Stelle abgeschlossen. Aktuell ist Wacker nach sechs Spielen bei einer Partie weniger als die meisten Konkurrenten mit 16 Punkten ungeschlagener Tabellenführer. Denkt man da schon über mehr nach als über einen sicheren Mittelfeldplatz am Ende?

Schreter: Es ist schon so, dass unser Saisonstart mit fünf Siegen und einem Unentschieden die Perspektiven etwas verschoben hat. Wir haben gesehen, dass wir niemanden zu fürchten brauchen, ja jeden schlagen können. Das sieht nicht nach Abstiegskampf aus, eher nach Mittelfeld, aber sicher nicht nach viel mehr. Wir müssen da realistisch bleiben. Man wird sich an uns gewöhnen.

Standard: Inwiefern?

Schreter: Die Gegner sind gewarnt, es wird jetzt automatisch anders gegen uns gespielt werden. Die Leute erwarten durch unseren Lauf mit jedem Spiel mehr, aber wir fahren jetzt zum Beispiel nicht zum Spiel nach Kapfenberg in der Gewissheit, dort zu gewinnen. Keiner soll glauben, dass das alles von selbst geht. Kapfenberg ist ja außerdem eine Mannschaft wir wir, eine kämpferische Truppe.

Standard: Wie groß ist im Endeffekt der Sprung von der zweiten in die erste Bundesliga?

Schreter: In der ersten Liga wird taktischer gespielt. Und es geht vielleicht auch alles ein bisschen schneller. Aber der Sprung war jetzt für mich persönlich nicht sehr groß. Einerseits weil ich schon in der ersten Liga gespielt habe, andererseits aber auch, weil sich die zweite Liga sehr gut entwickelt hat. Da wird auf einem Niveau gespielt, das auch im Vergleich zur ersten Liga beachtlich ist.

Standard: Wacker hat Rapid 4:0, die Austria 3:0 geschlagen und gegen Sturm remisiert. Von den Spitzenteams ist bisher nur Salzburg ausgekommen, das Westderby beim Meister wurde verschoben. Warum diese Erfolge gerade gegen die besten Mannschaften?

Schreter: Mit Rapid hat der Lauf begonnen. Sicher war das ein Schlüsselerlebnis, das Selbstvertrauen ist von Spiel zu Spiel gewachsen. Aber unser Vorteil ist, dass wir als Mannschaft im Wesentlichen jetzt zwei Jahre zusammen sind. Andere Teams haben vielleicht mehr neue Spieler zu integrieren und tun sich schwer damit. Da dauert es eben länger, bis es läuft. Bei uns haben sich alle Spieler, die neu dazugekommen sind, gleich sehr gut zurechtgefunden. Es wurde für jede Position einer geholt, die Ersatzbank ist stark und ganz wichtig für uns.

Standard: Eine Konstante ist der Trainer, Walter Kogler, der seit Sommer 2008 beim Verein ist. Was zeichnet ihn aus?

Schreter: Er redet nicht groß herum, ist ruhig und geht sehr individuell mit den Spielern um. Ich habe bei Wacker Innsbruck ja schon viele Trainer gehabt, angefangen bei Michael Streiter, der auch sehr okay war. Aber eben auch Leute wie Lars Söndergaard, an den ich eigentlich gar nicht mehr zurückdenken will. Kogler hat wie Streiter an die 500 Bundesligaspiele absolviert. Beide waren Nationalteamspieler. Solche Leute haben viel gesehen, haben einem daher auch etwas sagen. Denen hört man auch zu.

Standard: Sie selbst führen vor dieser Runde mit fünf Toren gemeinsam mit dem Austrianer Roland Linz und Ihrem Exteamkollegen Hannes Aigner die Schützenliste an. Wie viele Tore werden es dann erst nach 36 Runden sein?

Schreter: Wenn ich jetzt nur mehr wenige Tore schieße, und wir punkten regelmäßig, bin ich auch zufrieden. Zweistellig möchte ich in jedem Fall werden in dieser Saison. Wichtiger ist aber, dass wir noch so lange wie möglich auf der Euphoriewelle surfen können.

Standard: Sie haben zwar in Ihrem ersten Pflichtspiel für Wacker, 2002 im Cup gegen den FC Lustenau, ein Tor geschossen, waren aber lange nicht ein ausgesprochener Torjäger. Was hat sich verändert?

Schreter: Ich habe mich verändert, ich bin konstanter geworden, auch weil man Vertrauen in mich setzt. An der Einstellung hat es nie gefehlt, es war ja immer mein Traum, Profifußballer zu sein.

Standard: Einer, der gut genug für die Nationalmannschaft ist?

Schreter: Das wäre schön, das will ich unbedingt. Mein Ziel ist der Adler auf der Brust. Für das Länderspiel gegen die Schweiz war ich schon auf der Abrufliste. Das hat mich schon überrascht, schließlich waren da erst drei Runden in der neuen Saison gespielt. Ein Ansporn mehr.

Standard: Inwieweit ist das Geld da ein Ansporn? Wacker ist ja nicht gerade auf Rosen gebettet.

Schreter: Wenn es so weitergeht bei uns, dann wird es vielleicht auch einmal ein bisschen mehr geben. Ich will unseren Erfolg genießen, weil ich weiß, wie schnell es wieder bergab gehen kann.

Standard: Das Innsbrucker Publikum ist traditionell leicht entflammbar, im Falle des Misserfolges aber auch leicht beleidigt. Kann man sich damit trösten, dass, wie Roland Kirchler einmal gesagt hat, ja nur die Besten ausgepfiffen werden?

Schreter: Der Zuspruch ist sehr erfolgsabhängig, aber die Leute von der Nordtribüne sind immer da. Ich bin vergangene Saison kurz vor dem Aufstieg auch ausgepfiffen worden. Wir haben das dann ausgeredet. (DER STANDARD PRINTAUSGABE 22.9. 2010)

Zur Person:
Marcel Schreter (28) aus Innsbruck begann seine Karriere beim SV Telfs. Danach kickte der offensive Mittelfeldspieler in Wattens, dann beim Fusionsklub Wacker Tirol. Seit Juli 2003 bei Wacker Innsbruck.

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Die Innsbrucker beeindrucken mich wirklich sehr. Ich war mir vor der Saison ziemlich sicher, dass sie nicht um den Abstieg spielen werden, aber so gut hätt ich sie auch nicht erwartet. Vor allem Spieler, wie Schreter, Koch oder Perstaller, die ausgenommen Schreter kaum Erfahrung haben, beeindrucken mich.

Aha, ehemaliger Nationalspieler muß man schon sein,

damit einem Schreter & Co. zuhören. Da bin ich ja froh, daß sich ein Mourinho nicht um den Job beworben hat, denn dem würde beim Wacker ja gar niemand lauschen. Wenger wohl auch nicht.
Das Innsbrucker Publikum hat übrigens auch viel gesehen, sehr, sehr viel, und es hat sehr viel mitgemacht, sehr, sehr viel, schon als die heutigen Überflieger noch in die Windeln gekackt haben.
Was das Innsbrucker Publikum leider sehr selten gesehen und erlebt hat, war der stete bedingungslose Einsatz. Das Prädikat Wacker muß man sich an jeden Spieltag neu verdienen, und zwar mit Kampf bis zum Umfallen. DAS verlange ich von jedem Sportler, egal ob überbezahlter Fußballer oder Hobbyfederballer. Rumsteher kann ich auch an der Bushaltestelle gratis sehen!

sag nocheinmal was über die
tiroler bist sicher wiener!wacker
ole!

Gibt es eigentlich eine Intelligenzdeckelung im Zusammenhang mit dem Erwerb eines "3Handy"? In Anbetracht des wiederholten und sehr konstanten Unsinns der "via 3Handy" hier auftauchenden Verbalflatulenzen deutet Vieles darauf hin.

die tatsache, dass ein unverdienter und mittelmäßiger aufsteiger die bundesliga aufmischt, sagt ja wohl alles über das niveau im österreichischen fußball aus. ebenfalls ein schandfleck sind die oftmals gewaltbereiten fans der tiroler, aber das ist ja kein wunder, sind doch 90% der zuschauer am tivoli evolutionsverlierer und mindeslohnbezieher.

Objektivität vs. Subjektivität

ad Schandfleck: den will ich mir verbieten! Unsere Spiele sind gut besucht - also eine Bereicherung für die Liga!
ad Fans: ... schön, dass die Rapid- und Austria-Fans & Ultras sooo gesittet sind. Die sind ja dafür berühmt, dass fair und einsichtig sind. pfff
ad Aufstieg: Bist du Gott, der darüber entscheidet, wer wann wo und warum hin- und hersteigen darf?

"mindeslohnbezieher"?

"Minderbemitteltenposting"!

@Casablanca : Bist auf Entzug ...???

90% der Zuschauer so bösartig abzuqualifizieren kann nur aus dem Hirn eines Ahnungslosen entspringen !
Roll Dich in eine Decke ein und machs Licht aus !

So ein Troll der señor Casablancas - so viel Hass und Neid zusammen - armer Troll!
Ich mochte sie schon immer die Innsbrucker Fans mit ihren Che Guevara Fahnen. Da ist kein braunes Neonazipack darunter. Das sage ich als Salzburger. ich vergönn Euch den Höhenflug Tiroler, macht weiter so.

Die Che-Fahnen sind schon seit Jahren (leider ;-))Geschichte... man ist "unpolitischer" geworden.

Das braune Gesocks versucht es immer wieder in der Kurve, hat aber bislang keine Chance. Und das ist gut so.

es war so großartig wie wir den unnötigsten aller ünnötigen vereine - altach - fertig gemacht haben. wie eine fliege.... genial.

Ein "unnötig" von einem Wackerianer...

will nur diesen clown ein bisschen verenddarmen.

aber von altach halte ich in der tat wenig.

I have a dream!

Ich träume davon, daß Herr Casablancas, Herr Lucien und Herr Jerry Cantrell (also eh nur eine Person) eine eigene Fußball Sendung bei Servus TV haben und sie im Sommer 2011 die Gründe für den Meistertitel des FC Wacker Innsbruck "analysieren" zu versuchen. Wäre Satire pur und würde auch bei Rapid oder RedBull recht gut funktionieren.

Casablanca,

bleiben´s doch bei Ihren Altachern, die sich gegen - wie Sie schreiben - "mittelmäßigen" Innsbrucker gottseidank nicht duchgesetzt haben. Und Ihre alte Leier von den (gähn...) "gewaltbereiten" Innsbrucker Fans nützt sich langsam ab. Ihr Frust muss sehr tief sein....

und ihr posting sagt sehr viel über ihr eigenes niveau aus...

haha, made my day... :)

Der Frust ist groß, oder?

Was ist, dass für ein dummes Posting?

Erklären Sie mal warum Innsbruck kein verdienter Aufsteiger ist? Die Mannschaft hat es aus eigener Kraft, ohne irgendwelche Schützenhilfe geschafft!
Zum Thema gewaltbereite Fans, da sind die Wiener Fans, viel gewaltbereiter als die Tiroler. Mindestlohnbezieher? Woher wollen Sie das wissen? Haben Sie dazu irgendwelche Statistiken, bzw. empirische Untersuchungen?

don´t feed the troll.

der ist wacker feind, hielt letztes jahr abwechselnd zu den unnötigsten vereinen in ö , admira und (unnötigst) altach. je nachdem wer wacker näher kam.

"auf Abruf"

großartig! Neue Teamspieler braucht das Land - DiCO sollte noch ein paar neue in den Kader holen, mit den aktuellen geht's einfach nicht...

\ironie off

Hut ab vor Wacker Innsbruck

Wer hätte das von Wacker Innsbruck gedacht? Tolle Leistung bisher. Mal sehen wie es weiter geht.

naja..

..meister werden sie ziemlich sicher nicht. irgendwann kommt der einbruch, denn innsbruck ist nicht so gut, wie's derzeit in der tabelle wirkt - und ich fürchte, die klatsche wird dann massiv werden.
trotzdem: absteigen wird man eher nicht, also ist das erste saisonziel schon erreicht. außerdem ist die leistung von innsbruck bisher wirklich top, auf dauer wird sie aber, wie schon erwähnt, wahrscheinlich nicht aufrechtzuerhalten sein.
es gilt also, am schluss einen möglichst guten tabellenplatz zu erkämpfen, ein jahresabschluss als 4. oder 5. wäre schon toll.
bravo wacker!

Und wieder darf einmal darf das Land, bzw. der einfache Steuerzahler für die Schulden des Vereins aufkommen:

http://tiny.cc/588s8

Jaja

es ist ja alles so einfach in der TT. Ich kann den Blödsinn nimmer hören ;)

Was der Artikel verschweigt ist z.B., dass der FC Wacker die höchsten Infrastrukturkosten aller Fussballvereine in Österreich hat, dazu noch null Mitspracherechte beim Abschluss der Cateringverträge (3000€ brutto Gewinn bei ausverkauften Haus - ein Wahnsinn) oder der Vermarktung des Stadions.

Die Subventionen von denen da die Rede ist, dient in erster Linie dazu die Gelder, die an die öffentliche Hand zurückfließen, zu subventionieren. Aber es ist ja nicht so leicht durchzublicken bei all den vielen "geheimen" Knebelverträgen.

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