Zu Fuß ins Gemüse

Jasmin Al-Kattib, 21. September 2010, 16:25
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    foto: nadja madlener

    Im Nachbarschaftsgarten Heigerlein im 16. Wiener Bezirk wird seit 2008 gemeinsam gegärtnert.

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    Nadja Madlener: "Menschen brauchen Grün in der Großstadt. Auch Grün, das sie selbst gestalten."

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    Ein zuvor anonymer urbaner Raum wird durch die Gartennutzung zur Schnittstelle von Nachbarschaftskontakten.

Urbane Gemeinschaftsgärten entschärfen die Anonymität der Großstadt und verwirklichen den Traum von selbst angebauten Pflanzen

Gemüse aus dem eigenen Garten – davon träumen viele und vor allem für Stadtbewohner bleibt dieser Wunsch meist unerfüllt. Nicht jedoch für solche, die bereits ein Beet in einem Gemeinschaftsgarten haben. Im Nachbarschaftsgarten Heigerlein im 16. Wiener Gemeindebezirk zum Beispiel sprießen seit April 2008 neben großen Sonnenblumen unter anderem knackige Radieschen, Spinat, Zucchini, Tomaten und verschiedenste Salate.

Gemeinschaftsgärten vernetzen

"Ich bin eine Verfechterin des 'fußläufigen Grüns' – wir sollten nicht an den Stadtrand fahren müssen, um im Grünen zu sein, sondern zu Fuß Grünes erreichen können", findet Nadja Madlener vom Netzwerk Gartenpolylog. Sie selbst ist mit dem Thema Gemeinschaftsgärten vor einigen Jahren in Berlin in Kontakt gekommen. Zurück in Wien gründete sie 2007 mit Ursula Taborsky und anderen Interessierten den Verein Gartenpolylog "mit dem Ziel, einerseits die Idee des Community Gardenings zu verbreiten und dann in Folge Projekte zu vernetzen, andererseits auch um selbst Projekte zu initiieren."

Erster Wiener Nachbarschaftsgarten

Bereits im selben Jahr setzte der Verein im Rahmen des Kunst- und Kulturfestivals SOHO in Ottakring im Huberpark den "Yppengarten" als erstes Gartenprojekt im öffentlichen Raum um, wo eine Saison lang fleißig und erfolgreich gegärtnert wurde. Im Anschluss bildete der Gartenpolylog mit den Wiener Stadtgärten eine Pilotgruppe, um gemeinsam einen ersten Wiener Nachbarschaftsgarten einzurichten.

Der so entstandene Heigerleingarten befindet sich in der Heigerleinstraße nördlich der Seeböckgasse inmitten eines Wohngebiets. Die GärtnerInnen sind meist Familien mit Kindern, aber auch allein stehende Personen. "Wir wollen mit dem Nachbarschaftsgarten in Ottakring die hiesige Bevölkerungsstruktur widerspiegeln," so Nadja Madlener. "Bei uns machen Familien aus der Türkei, Polen, Afghanistan, China, dem Iran, Vietnam, Serbien und natürlich aus Österreich mit."

Außerdem gibt es soziale Institutionen, die ein Beet mit ihren KlientInnen betreuen, auch Kinder des benachbarten Kindergartens betätigen sich als GärtnerInnen. "Ganz wichtig ist auch das Nachbarschaftszentrum 16 am Stöberplatz, das ebenfalls ein Beet betreut und Kräuter für seine Lebensmittelverteilung anbaut," ergänzt Madlener, die selbst eine kleine Fläche im Heigerleingarten pflegt. Mittlerweile wurde der Garten von den Initiatoren vollständig in die Hände der GärtnerInnen übergeben, die im vergangenen Winter einen eigenen Verein gründeten.

Revitalisierung von ungenutzten Flächen

Die Idee der Gemeinschaftsgärten geht auf die seit den siebziger Jahren in New York entstandenen "Community Gardens" zurück, die auf brachliegenden Flächen inmitten urbanen Umfelds entstanden und zu einer Revitalisierung und Aktivierung des Stadtteils führten. In Deutschland begannen Mitte der neunziger Jahre Frauen aus Bosnien, die aufgrund des Krieges ihre Heimat verlassen mussten, gemeinsam Gärten zu pflegen. In Österreich entwickelten sich ähnliche Projekte erst in den letzten Jahren und die Nachfrage wird seitdem stetig größer.

Biodiversität und Demokratie

Neben der kulturellen Diversität spielt auch die biologische Vielfalt im Gemeinschaftsgarten eine bedeutende Rolle. Durch die unterschiedliche Herkunft der GärtnerInnen entsteht auf kleinem Raum eine beachtliche Biodiversität. Außerdem sind Gemeinschaftsgärten politische und soziale Handlungsräume im Kleinformat. Auf offen-demokratische Weise wird verhandelt, wer für welche Belange zuständig ist. "Die Gemeinschaftsflächen werden mit einem Arbeitsplan organisiert," erklärt Madlener das Vorgehen im Heigerleingarten. "Es gibt auch Laubrechendienste und einmal pro Monat ein Gartentreffen, wo alle Gartenbelange besprochen und entschieden werden."

Warteliste für Beete

Im Heigerleingarten sind derzeit alle Beete vergeben. Bereits zu Beginn des Nachbarschaftsgartens gab es viel mehr Interessierte als Plätze und die Beete mussten ausgelost werden. Es gibt aber eine Warteliste: Während des Winters springen ab und zu GärtnerInnen ab und die frei gewordenen Beete werden neu ausgelost. Alle jene, die sich bereits auf einer Warteliste für einen Gartenplatz befinden, ermutigt Nadja Madlener: "Es wird neue Gärten in Wien geben!" (Jasmin Al-Kattib, derStandard.at)

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22 Postings
Gerhard Müller
00
Ich finde es schön

dass allein stehende gemeinsam mit alleinstehenden Leuten hier etwas unternehmen.

Erstere können Zweiteren ja beim Stehen helfen.

Andre Kreutmayer
00
Also, diese Umschreibung für einen Ratscher

muss man erst mal richtig verinnerlichen...
........Ein zuvor anonymer urbaner Raum wird durch die Gartennutzung zur Schnittstelle von Nachbarschaftskontakten..............

postingohnenamen
00
9.11.2010, 10:14

einig war man sich nur nicht, ob nun indica oder sativa im großen stil angebaut werden sollte. daher übrigens auch das motto der bewegung: joint the community!

Mirstetta Toni
01
6.10.2010, 11:15

ob da noch genüg grün für die kinder zum spielen bleibt?

Spitz auf Augartenspitz!
21
22.9.2010, 14:31
Gemeinschaftsgarten Augartenspitz planiert

Die Topinambur waren schon schön hoch, die Paradeiser, Radieschen, etwas Salat... Nicht zu reden vom Holler... Und dann? http://wp.me/Pf0KX-LO Ein Trauerspiel!
Pomböser Empörungsmarsch am Freitag: http://wp.me/pf0KX-P6

O NOES!
13
23.9.2010, 09:50

Putzig. Geht's wieder ein bissl demonstrieren bevor es kalt wird?

Spitz auf Augartenspitz!
01
23.9.2010, 10:11
Ach wissen Sie,

die letzten Winter gab's eigentlich auch immer wieder Kundgebungen, Besetzungen, Mahnwachen. Das mit den "Schönwetterdemonstranten" müssen's sich für wen anders aufheben.
Abgesehen davon, dass uns das Wetter immer wieder hold war bei unseren Kundgebungen :-)

O NOES!
21
22.9.2010, 14:16

Sollen im Waldviertel eine Kolchose aufmachen. Aber da ist der Naschmarkt so weit weg ...

florian holzer2
01
28.9.2010, 12:54

hallo, herr hausmeister! alles okay da bei ihnen am fensterbankerl?

Spitz auf Augartenspitz!
10
23.9.2010, 10:13
Neid, Missgunst,...

Suchen Sie sich doch auch eine schöne Aufgabe oder ein erfüllendes Hobby!

ente,ente,ente,ente,ente,ente,ente,...
11
22.9.2010, 16:13

ersticken sie an ihrem pestizid-sklavenarbeit-wasserverschwendungs-gemüse aus spanien...

Beiddenker
00
13.10.2010, 08:03
Nur als Hinweis: Man kann auch österr. Gemüse in Wien ...

... beziehen, ohne gleich einen eigenen Kleingarten anzulegen.

DagmarRehak
 
01
22.9.2010, 13:22
Dachgärten wären aber auch leiwand.

Ich weiß, das ist schwer möglich, weil die, die die Häuser planen und bauen, andere sind als die, die dann drin wohnen müssen. Aber nett wäre es schon, wenn über den Dächern Wiens alles grün wäre. Da könnte man auch im Winter alles ziehen, und im Sommer wäre es schön kühl unterm Dach.

DagmarRehak
 
00
22.9.2010, 16:32

Und die Ziegen könnten von Dach zu Dach hoppeln...
*träum*

Eigeier
11
22.9.2010, 10:33
Bodenqualität

Hat jemand eine Bodenanalyse gemacht, bevor im 16. Gemüse angebaut wurde ?
Im Windschatten der Müllverbrennungsanlage Flötzersteig wurden doch einmal relevante Dioxinwerte festgestellt....

doko
00
21.1.2011, 07:05
dioxin wurde nach deutschland entsorgt

bitte keine huehner und kein schweinesfleisch von dort importieren

juhu juhu1
00
22.9.2010, 13:56

mh, im WINDSCHATTEN der MÜLLVERBRENNUNG????

Die Reste werden ja wohl schon irgendwo deponiert...und klar gelangen Schadstoffe in die Luft und dadurch auch in den Boden! Aber mh, geschätzte Luftlinie zw. Müllverbrennung und Garten beträgt....sagen wir....800 Meter...

Meine Güte, wenn man einfach nur postet um zu posten sollte man sich lustigere sachen überlegen!

politisch verfolgt
85
21.9.2010, 18:25

"Außerdem sind Gemeinschaftsgärten politische und soziale Handlungsräume im Kleinformat. Auf offen-demokratische Weise wird verhandelt, wer für welche Belange zuständig ist. "Die Gemeinschaftsflächen werden mit einem Arbeitsplan organisiert," erklärt Madlener das Vorgehen im Heigerleingarten. "Es gibt auch Laubrechendienste und einmal pro Monat ein Gartentreffen, wo alle Gartenbelange besprochen und entschieden werden."

klingt bahnbrechend epochal. früher nannte man sowas schrebergartenverein.

Suzie Wahn
11
22.9.2010, 11:12

der schrebergarten ist ein abgeschlossener bereich, jeder hat ein stück land für sich selbst. in der heigerleinstraße gibt's ein stück land für alle, die ein beet ergattern konnten.
was ist eigentlich mit dem bereich bis zum spielplatz? wird der noch für beete zur verfügung gestellt oder bleibt der weiterhin die große leere?

Club-der-dichten-Toten
19
21.9.2010, 19:40
früher nannte man sowas schrebergartenverein.

Na, ja. Beim Schrebergartenverein hat jeder seinen eigenen Garten und regt sich über den Nachbarn auf, weil der seine Wiese nicht regelmäßig mäht und dann das Unkraut auf seine perfekt gepflegten Beete gelangt...

ente,ente,ente,ente,ente,ente,ente,...
12
22.9.2010, 16:15

stimmt. schrebergärtenmentalität eben...

Stahlkind
01
17.1.2011, 12:23

warum sie dafür rot bekommen...auch wurscht, von mir gibt´s grün!

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