Tirol-Milch-Übernahme

Milchehe vor Vollzug

21. September 2010, 14:11
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    foto: reuters

    Gemeinsame Sache machen ist auch bei der Milchverarbeitung angesagt.

Nach dem Jawort der Eigen­tümer zur Übernahme durch Berglandmilch müssen noch die Muttergenossenschaften zustimmen

Innsbruck - Wenn die oberösterreichische Berglandmilch als derzeit größte Molkerei Österreichs die - nach Umsatz- viertgrößte, die Tirol Milch, übernimmt, wird sie ihre Vormachtstellung am heimischen Milchmarkt weiter ausbauen. Oberösterreicher und Tiroler werden nach der "Fusion" insgesamt rund 16.000 Lieferanten auf sich vereinen und den Abstand auf die derzeit auf Platz zwei befindliche NÖM AG vergrößern. Wie viele Arbeitsplätze dem Zusammenschluss zum Opfer fallen werden, war vorerst unklar.

Die Berglandmilch verarbeitete im Vorjahr 906 Mio. Kilo Milch von 11.875 Lieferanten und verzeichnete einen Umsatz von 604 Mio. Euro. Der Umsatz der Tirol Milch betrug 2009 136,2 Mio. Euro. Von rund 4.000 Bauern wurden in etwa 217 Mio. Kilo Milch angeliefert. Die Nummer zwei der österreichischen Milchwirtschaft ist mit einem Umsatz von 345 Mio. Euro (2009) die NÖM AG, gefolgt von der Gmundner Milch (165 Mio. Euro).

Einbringung auf Schiene

Montagabend hatten die Eigentümervertreter die Einbringung in die Berglandmilch auf Schiene gebracht: 108 (die 88,26 Prozent der Eigentümer vertraten, Anm.) der 139 anwesenden Delegierten stimmten bei 28 Gegenstimmen und drei Stimmenthaltungen für die Übernahme. Die Zustimmung von 88,26 Prozent sei ein "Vertrauensbeweis", betonte Berglandmilch-Chef Josef Braunshofer am Dienstag vor Journalisten in Innsbruck. Für eine erfolgreiche Milch-Ehe fehlt jetzt noch die Zustimmung aller acht Muttergenossenschaften der Oberösterreicher und der Segen der Kartellbehörde.

Braunshofer kündigte an, den Mitarbeiterstand im Produktionsbereich erhöhen zu wollen, zugleich werde aber Personal unter anderem in der Verwaltung eingespart werden. Der 35 Mio. Euro Schuldenstand der Tirol Milch, den die Berglandmilch übernehmen werde, sei nur "eine Seite der Medaille". "Auf der anderen Seite gibt es Synergien, die wir in Zukunft heben können", argumentierte Braunshofer. Für das Werk in Lienz könne er zwar keine Garantie, aber zumindest eine "Absichtserklärung" abgeben.

Kritik von der Opposition

Heftige Kritik äußerten Tiroler Oppositionsparteien: Für den Chef der größten Oppositionspartei im Tiroler Landtag, Bürgerforumschef Fritz Dinkhauser, ist "der Ausverkauf der Tirol Milch" ein "Eingeständnis jahrelanger Misswirtschaft unter ÖVP-Bauernbund-Obmann Steixner". Er äußerte die Befürchtung, dass es keine langfristige Absicherung für die Tiroler Milchbauern gebe. Die Entscheidung für eine Fusion sei laut Tiroler Grünen ein "Armutszeugnis für die Politik der ÖVP". Langfristig sei die Fusion mit der Berglandmilch ein Fehler und ein Nachteil für die kleinstrukturierte Tiroler Landwirtschaft. Klubobmann, LAbg. Georg Willi rief "enttäuschte Bauern" dazu auf, eine eigene Schiene aufzubauen. FPÖ-Chef, LAbg. Gerald Hauser forderte Garantien: "Es muss vereinbart werden, dass der Standort Lienz erhalten bleibt und dass eine Kooperation mit Südtirol und anderen Partnern möglich ist", argumentierte Hauser.

Für Dienstagnachmittag stand ein Treffen zwischen Braunshofer, Tirol Milch-Obmann Lindner und Vertretern des Betriebsrats auf dem Programm. Dabei wolle man die gegenseitigen Positionen ausloten. Gewerkschaftsvertreter äußerten im Vorfeld Befürchtungen, wonach Jobs in der Verwaltung, der Lohnverrechnung, Buchhaltung und der Milchgeldabteilung sowie die Belegschaft im Werk in Lienz von Stellenabbau betroffen sein könnten. (APA)

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