380 Euro im Monat

Unmoralische Verträge bei deutschen Konzernen

21. September 2010, 13:25

380 Euro im Monat für einen Vollzeitjob - für Mitarbeiter von Partner deutscher Lebensmittelkonzerne keine Ausnahme

Mainz - Die Lebensmittelkonzerne Rewe, Netto und Edeka haben nach Informationen der ARD-Sendung "Report Mainz" mit einem Personaldienstleister zusammengearbeitet, der Lohndumping betreibt. Wie das Fernsehmagazin in einer Vorabmeldung am Montagabend berichtete, haben oder hatten die Unternehmen für ihre Logistikzentren Werkverträge mit der Firma "headway logistic" aus Bayern, die den Lagerarbeitern fast ausschließlich Akkordlohn zahlt. Ein Mitarbeiter der betroffenen Firma gab demnach an, er habe in einem Monat trotz Vollzeitarbeit nur knapp 380 Euro verdient.

Unter Berufung auf mehrere vorliegende Arbeitsverträge berichtete "Report Mainz", dass sich der Verdienst der Angestellten nach der Zahl der bewegten Verpackungseinheiten richtet, die in den Lagern für den Transport in die einzelnen Supermärkte zusammengestellt werden. Dafür gebe es lediglich geringe Cent-Beträge. Neben dem Akkordlohn werde zwar noch eine Anwesenheitsprämie von 75 Cent pro Stunde gezahlt. Diese entfalle bei einem Tag Krankheit jedoch für den gesamten Monat.

Sklavenverhältnisse

Auf Anfrage von "Report Mainz" bestätigten Netto und Rewe (in Österreich mit Billa, Merkur, Penny, Adeg und Bipa vertreten), Verträge mit der Firma abgeschlossen zu haben. Die Firma Edeka nannte die Firma nicht ausdrücklich; "Report Mainz" lag jedoch eine E-Mail des Betriebsleiters am Edeka-Logistikstandort im sächsischen Hof vor, welche die Zusammenarbeit bestätigt.

Die Lebensmittelunternehmen teilten mit, sie ließen sich von Fremdfirmen zusichern, dass die in ihren Logistikzentren tätigen Arbeiter tariforientiert beziehungsweise branchenüblich bezahlt würden. Bei Netto müssen externe Dienstleister dem Bericht zufolge eine entsprechende Verpflichtungserklärung unterschreiben.

Die stellvertretende Ver.di-Bundesvorsitzende Margret Mönig-Raane sprach von "Sklavenverhältnissen" und forderte Rewe, Netto und Edeka auf, die Zusammenarbeit mit dem Personaldienstleister zu beenden. Nach Prüfung der Arbeitsverträge sagte sie der ARD: "Das ist ja wirklich als hätte man einen Strick um den Hals und kämpft permanent darum, dass man überhaupt noch Luft bekommt. Ich finde so etwas unmoralisch."

Österreich ist anders

In Österreich wird diese Praxis laut Unternehmensangaben nicht geübt: "Wir können das für die REWE International AG in Österreich definitiv ausschließen, da wir mit keinem Personaldienstleister zusammen arbeiten", heißt es auf Anfrage von derStandard.at. (APA/red)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 56
1 2
maxbz
02
21.9.2010, 22:12
"werde zwar noch eine Anwesenheitsprämie von 75 Cent pro Stunde gezahlt. Diese entfalle bei einem Tag Krankheit jedoch für den gesamten Monat"

Unfassbar!
Die Personaldienstleister dienen offenbar nur dazu, Mitarbeiter zu sklavenähnlichen Bedingungen zu halten und sich trotzdem die Hände rein zu waschen.

GWS
 
01
21.9.2010, 20:27

Man sollte die verantwortlichen Manager enteignen und 2 Jahre lang gemeinnützige Arbeit für € 380,- pro Monat verrichten lassen.

iohui
00
22.9.2010, 02:17

und die, die menschen zwingen solche sklavenarbeiterjobs anzunehmen, gleich dazu.

super web checker
00
21.9.2010, 19:31
"Die Gewerkschaften fordern von den Konzernen..."

Das ist ja wiklich lachhaft. Eine glatte Bankrotterkläring der Gewerkschaft. Die müssen sich in DE ja ganz schön über den Tisch ziehen lassen haben, wenn solche Praktiken rechtlich zulässig sind. Wieiviel nichtstuende Betriebsräte und pragmatisierte Gewerkschaftsfunktionäre waren denn nötig, um diese Rechtslage zu verhandeln?

Michael B
06
21.9.2010, 20:03
In Deutschland gibt es keine "Einheitsgewerkschaft" wie bei uns,

sondern es gibt verschiedene Gewerkschaften, die sich teilweise nicht um Mitglieder konkurrenzieren, sondern um Zuwendungen der Arbeitgeber.
Ganz allgemein ist die seit 20-30 Jahren "moderne" Entsolidarisierung "Was brauchen wir eine Gewerkschaft, es kann sich ja jeder selber alles ausverhandeln" der Grund für solche Verhältnisse.
Nur das "statische Beharrungsvermögen" der österreichischen Gesellschaftszustände hat uns vor solchen Verhältnissen bewahrt.

watzlilaus "walmoerder" wondratschek
 
163
21.9.2010, 19:10
Denkt denn niemand an die Kinder?

An die Kinder der Konsumenten naemlich. Diese profitieren von den angefuehrten Praktiken: Erst darurch werden naemlich die Billigpreise der grossen Handelsketten moeglich.

Wer zwingt eigentlich die Arbeitnehmer, dieser Firmen dort zu arbeiten - und sich nicht anderswo einen besseren Job zu suchen. Wenn sie keinen finden ist dies eben ihr Marktwert.

Warum daher der Schrei nach Staatseingriff?

Ein Vorschlag an alle Gutmeschen: Grendet doch eine Firma, die solche ArbeiterInnen einstellt und ihnen mehr zahlt - dann ist allen geholfen.

Michail Bakunin
00
21.9.2010, 22:03

Die genannten Praktiken ermöglichen nicht Billigpreise, sondern höhere Gewinnspannen.

"Discounter verteuern viele Waren

Von wegen Preiskrieg und Rabattschlacht - Deutschlands Lebensmittel-Discounter fahren zweigleisig: Sie senken die Preise mit viel Tamtam und stillschweigend folgen die Preiserhöhungen. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie."

Was würden Sie denn für das überflüssige Humankapital vorschlagen? Daschießn? Schließlich liegen diese bösen, bösen Tachenierer sonst mit Hartz IV und ihrem Luxusleben auf den Taschen der braven Leistungsträger...

Giovanni Ruiz Castro PIMPINELLA - das Tier
00
22.9.2010, 20:16
Interessant

Heißt das, die Preise sind immer gleich, egal wie viel die Leute verdienen?

aha , hier ist mein senf :
01
21.9.2010, 21:25

entweder das ist ernst gemeint, dann sollte ihnen die nächsten 5 jather nicht mehr als 400 euro pro monat überwiesen werden, oder es ist als ein sehr unlustiger scherz gemeint.

watzlilaus "walmoerder" wondratschek
 
00
21.9.2010, 23:26
Angebot angenommen

Sie duerfen mir jedes Monat 400 Euro ueberweisen. Gerne angenommen. Nur: Darf ich mir auch meinen eigenen Job auf dem Markt aussuchen, oder stellen Sie sich vor dass ich auf 5 Jahre an Sie gebundne bin - wie ein Sklave?

Wenn die betreffenden Arbeitnehmer unzufrieden sind - wer hindert sie, sich auf dem Markt etwas Besseres zu suchen? Das ist eben das Positive an der Freiheit der Marktwirtschaft!

Minister der Ökomonie
00
22.9.2010, 00:59
Denken Sie...

...daß die Leute die solche Jobs annehmen, besonders viel Wahl haben? Kennen sie die Situation am Arbeitsmarkt und die Demütigende "Mehrheitsmeinung" über Arbeitslose? Lieber Hungerlohn als Sozialschmarotzer. Werfen sie jemandem, der diese Arbeit verweigert dann vor, in der sozialen Hängematte zu liegen? Ihnen könnte das jederzeit auch passieren! Sicher ist heute kein Job mehr.

Die Freiheit der Marktwirtschaft ist eine Illusion. Es wird an allen Ecken und Enden eingegriffen. Denken Sie, es ist im Sinne der freien Marktwirtschaft 1-Euro Jobber einzustellen? Oder Aufstockungszahlungen vom Staat? Firmen die Arbeitnehmer nicht bezahlen, nehmen ihren eigenen Kunden die Kaufkraft weg. Sie sollten an ihrem eigenen Geiz ersticken.

RS69
 
00
21.9.2010, 23:38

Warum dann überhaupt Arbeitnehmerschutz. Das gilt dann doch noch viel mehr für Leute, die Mehr als 380 verdienen - die können ja noch viel besser auf sich schauen.

Gefällt Ihnen das Argument auch noch, wenn's um die Abschafung jeglichen Schutzes und jeglicher Einschränkung in der Vertragsgestaltung mit Ihnen geht?

Para Dox
00
21.9.2010, 20:10

Spi*ner!

Michael B
00
21.9.2010, 20:05
"Wenn sie keinen finden" -

dann werden sie sich ihr Geld vielleicht einmal bei Ihnen holen. Oder Ihren Gesinnungsgenossen.

Minister der Ökomonie
07
21.9.2010, 16:32
Dass das unmoralisch ist...

... dafür brauche ich keine Gewerkschaft oder Arbeiterkammer.

Daher finde ich auch, dass nicht die Arbeiter kämpfen sollen (die letzten in der Kette - und die Abhängigsten - wer so einen Job um das Geld macht, der hat bittere Not und keinen Kopf für Gerichts- und Anwaltsfetzereien) sonder dass hier eindeutig die Staatsanwaltschaft eingreifen müsste.

Solche Löhne zu zahlen muss ebenso kriminell werden, wie Löhne im sechsstelligen Bereich. Noch dazu, wenn das in derselben Firma/Produktkette möglich ist. Wer mit solchen Firmen zusammenarbeitet, profitiert davon und macht sich Mitschuldig. Ein Staat der den Restbetrag aufstockt, macht sich Mitschuldig. Denn was ist das mehr als die Konsequenz der Politik der letzen Jahre?

frune
03
21.9.2010, 15:32
Billa

sagt der Hausverstand (die deprimierende Melodie dazu mag sich jeder selber dazuleiern).

Schön, dass man mir beigebracht hat zu lesen. Seitdem brauche ich den Hausverstand nur noch, wenn ich am Klo sitze.

Para Dox
12
21.9.2010, 20:08

Spar ist sowieso besser als Billa/Merkur. V.a. sind die Bio-Eigenprodukte meiner subjektiven Meinung nach deutlich besser. Für mich der Grund beim näher gelegenen Merkur nicht einzukaufen.

Giovanni Ruiz Castro PIMPINELLA - das Tier
11
21.9.2010, 20:25
Giovanni findet es ziemlich langweilig, dass zu jedem beliebigen Bericht über den Lebensmitteleinzelhandel,

der sich hier (z.B. über die Suchfunktion oder die Leiste rechts) finden lässt, mindestens 20 Spar-Kampfposts abgelassen werden.

Jedenfalls bei mir erhöht das die Sympathie für den Spar-Konzern nicht - bei den 2 Konkurrenten spielt man wenigstens mit offenen Karten.

Lorf
 
00
21.9.2010, 14:39

Wieso arbeitet jemand zu der Entlohnung? Da ist doch jegliche Sozialhilfe höher.

Michael ....
03
21.9.2010, 16:17

Hartz IV

starship
 
07
21.9.2010, 13:18
klarer fall von "leistungsorientierter" erwerbsarbeit...

5.390 € jahresgehalt für einen vollzeitjob.

wahrscheinlich mit der verpflichtenden zusatzauflage ausschließlich bei REWE einzukaufen.

auch nett: die rewe-manager bekommen sicher eine ganz fette prämie, weil die effizienz im personalwesen so verbessert wurde.

und am schönsten ist: sklaverei kann man prachtvoll "outsourcen".

frune
00
21.9.2010, 15:36
Wozu?

Der "Lohn" wird einfach als Guthaben aus der "Billa Vorteilscard" aufgebucht. Hat doch früher auch genial funktioniert.

Ohne diese gemeinnützigen Konzerne wäre das Leben halb so schön

Giovanni Ruiz Castro PIMPINELLA - das Tier
10
21.9.2010, 17:24
Giovanni fragt sich,

ob Sie den Artikel denn gelesen haben?

linker Schlechtmensch
20
21.9.2010, 15:01
Da

verdien ich im Monat mehr und sitz dabei bequem.

Wurzelloser Kosmopolit
03
21.9.2010, 13:13
Report Mainz oder München, wieder einmal.

Wenn Gewerkschaften wie ver.di sich noch um ihre eigentlichen Aufgaben kümmern würden, anstatt um Politik und Gesellschaftsveränderung, dann käme es gar nicht zu solchen Ausbeutereien.
Aber anscheinend setzen sich inzwischen schon unionsnahe Fernsehmagazine mehr für die Interessen der Arbeitnehmer ein .

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