Belgrader Polizei reichte 45 Strafanzeigen gegen Djindjic-Mörder ein

29. April 2003, 14:53
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Mehrheitlich gegen Mafia-Mitglieder - Auch Seselj und zwei Mitarbeiter Kostunicas betroffen

Belgrad - Die Belgrader Polizei hat Dienstag, Strafanzeigen gegen die Mörder von Regierungschef Zoran Djindjic eingereicht. Der serbische Innenminister Dusan Mihajlovic teilte bei einer Pressekonferenz in Belgrad mit, dass Strafanzeigen gegen 45 Personen erstattet wurden, mehrheitlich gegen Angehörige der Mafia-Gruppe aus dem Belgrader Vorort Zemun, aber auch gegen den Chef der Ultranationalisten Vojislav Seselj und zwei Mitarbeiter des ehemaligen jugoslawischen Präsidenten Vojislav Kostunica, denen "Terrorismus bzw. Vereinigung zwecks feindlicher Aktivität" vorgeworfen wird.

Unter den Festgenommenen auch mutmaßlicher Djindjic-Mörder

Unter den 45 Personen befinden sich auch der Mörder von Djindjic, der ehemalige Vize-Kommandanten der Spezialpolizeieinheit "Rote Barette", Zvezdan Jovanovic "Zveki", etliche Angehörigen der Zemun-Mafia sowie der Anführer der Mafia-Gruppe aus dem Belgrader Vorort Surcin, Ljubisa Buha. Der kontroverse Geschäftsmann Buha galt bisher als wichtigster geschützter Zeuge im anstehenden Prozess gegen die Zemun-Mafia.

Neben Seselj wurden auch der Ex-Chef des Militärnachrichtendienstes, Aca Tomic, und der frühere Berater von Kostunica, Rade Bulatovic, angezeigt. Weiteres wurde gegen zwei Anwälte der Zemun-Mafia sowie den Chefredakteur der inzwischen verbotenen Zeitschrift "Identitet", Gradisa Katic, Strafanzeige erhoben. "Identitet" soll im Besitz der Zemun-Mafia sein.

Laut Mihajlovic waren weitere Attentate geplant

Wie Mihajlovic weiters erklärte, hätten die Anführer der Zemun-Mafia, Dusan Spasojevic und Mile Lukovic, die Ende März bei einer Auseinandersetzung mit der Polizei erschossen wurden, auch Mordanschläge auf den Außenminister Serbien-Montenegros Goran Svilanovic, den serbischen Vizeministerpräsidenten Cedomir Jovanovic sowie den Leiter des Pressedienstes der serbischen Regierung Vladimir Popovic geplant.

Die Zemun-Mafia sei von Seselj zu den Attentaten angespornt worden, sagte der Innenminister. Seselj, ein Freund von Spasojevic, hatte sich Ende Februar dem UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag gestellt, wo er sich wegen Kriegsverbrechen in Kroatien, Bosnien und der Vojvodina verantworten muss. Die engsten Mitarbeiter von Kostunica, Tomic und Bulatovic, hätten nach Angaben von Mihajlovic der Zemun-Mafia versichert, dass sich das Militär nach den geplanten Mordangriffen nicht in die Ermittlungen der Polizei einschalten würde.(APA)

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