Sechs-Punkte-Plan soll Lungenkrankheit stoppen

29. April 2003, 14:35
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Markt und Versammlungsverbot, Versiegelung von Wohnungen und Autos, Straßensperren sollen Alttag werden

Peking/Bangkok - Mit einem Sechs-Punkte-Plan soll die lebensgefährliche Krankheit SARS bekämpft werden. Internationale Reisende sollen bei Abflug und Ankunft einer Gesundheitskontrolle unterzogen werden.

Einreisekontrollen

"Sie würden daran arbeiten, "strenge Maßnahmen bei der Einreise und der Zollkontrolle zu erlassen, um einer Ausweitung von SARS vorzubeugen", hieß es in der Erklärung von China, Hongkong und zehn südostasiatischen Staaten, die am Dienstag zum Abschluss eines Gipfeltreffens im thailändischen Bangkok verabschiedet werden sollte.

Informationsaustausch

Außer den Gesundheitskontrollen für Reisende kündigten die Staaten an, ihre Informationen zur Krankheit auszutauschen und in Forschung und Ausbildung von Personal zusammenarbeiten zu wollen. Bei zukünftigen Treffen sollen weitere Maßnahmen beschlossen werden.

Unabhängig von dem Sechs-Punkte-Plan wollen die zehn Mitglieder der Vereinigung südostasiatischer Staaten (ASEAN) zu Offenheit und Transparenz im Umgang mit der Krankheit aufrufen. Das Schwere Akute Atemwegssyndrom (SARS) sei für die Region und die Welt eine ernsthafte Gefahr.

Proteste

Drastische Maßnahmen gegen die Lungenkrankheit SARS haben in China zum ersten Mal zu schweren Ausschreitungen geführt. Aus Protest gegen die geplante Einrichtung einer Quarantäne-Station hätten etwa 2.000 Einwohner von Chagugang am Sonntagabend eine Schule un d Verwaltungsgebäude verwüstet und das in Brand gesteckt, sagte ein Kommunalbeamter.

Straßensperren

Zahlreiche Dörfer im Umkreis Pekings errichteten Straßensperren. Auf Schildern wird vor dem Einschleppen des Virus gewarnt. Die Hauptstadt ist in Festlandchina am stärksten von der Seuche betroffen. Nach Reisewarnungen aus Japan und Südkorea verließen tausende ausländische Studenten Peking. Viele der Hochschulen hätten bereits ihre Kurse eingestellt, sagte ein südkoreanischer Diplomat. Insgesamt sind rund 16.000 Studenten aus beiden Ländern in Peking eingeschrieben. Die Zahl der offiziell gemeldeten SARS-Fälle in China stieg auf 3.303. 148 Menschen erlagen bereits der atypischen Lungenentzündung.

Versiegelung von Wohnungen und Autos

Im Kampf gegen SARS griff China zu noch weiter reichenden Maßnahmen. Wohnungen können im Verdachtsfall künftig versiegelt und Privatautos beschlagnahmt werden, wie die Staatspresse berichtete.

Öffentliche Märkte und Versammlungen können verboten werden

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums können Provinzen und Kommunen öffentliche Märkte schließen und Versammlungen verbieten. Auch die Schließung von Fabriken und Geschäften kann angeordnet werden. Geldscheine werden nach ihrer Einnahme durch Banken erst desinfiziert und 24 Stunden später wieder in Umlauf gebracht.

Neue Helden

Die südchinesische Provinz Guangdong ernannte zwei an SARS verstorbene Mediziner zu "Revolutionsmärtyrern". Mit der Auszeichnung, die eigentlich Kämpfern der Kommunistischen Partei vorbehalten ist, solle die Bevölkerung für die "Schlacht gegen SARS und den Sieg gegen die Krankheit" motiviert werden, sagte Vizegouverneur Li Ronggen. Auch Hongkong ernannte einen verstorbenen Krankenpfleger zum nationalen "Helden". In der einstigen britischen Kronkolonie trat laut einem Pressebericht der erste SARS-Fall in der Niederlassung einer deutschen Firma auf. Die Zahl der Toten in der Wirtschaftsmetropole stieg auf 150. Südkorea und Neuseeland meldeten ihre ersten wahrscheinlichen SARS-Fälle. (APA)

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